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Test: Patching Panda BD-Z, HATZ V2, Eurorack Drummodule

Drummodule mit vielseitigen Möglichkeiten

8. Juli 2022
patching panda hatz bd z test

Patching Panda BD-Z, HATZ V2, Eurorack Drummodule

Auf dem Seziertisch liegen heute zwei komplett analoge Eurorack Drummodule von Patching Panda aus Spanien: Zum einen das Kick-Drum Modul BD-Z, das eine viel größere Bandbreite an Klängen ermöglichen soll als nur profane Bassdrums, und das HATZ V2 Modul, das auch weitaus mehr als eine offene und geschlossene HiHat in Kombination bieten soll. Die beiden Module sind nicht mehr ganz brandaktuell, aber aufgrund des einfachen und wohlmöglich flexiblen Konzepts auf jeden Fall wert, sich mit ihnen richtig zu befassen. Kürzlich hatten wir im Test das Decay/VCA Modul „Punch“ desselben Herstellers und dieses konnte voll und ganz überzeugen. Den Artikel findet man hier.

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Übersicht des BD-Z

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Fangen wir mit dem Patching Panda BD-Z an. Das 10 HP breite Modul kommt im schicken Industriestandard daher. Mit insgesamt drei Platinen-Ebenen ragt es in das Rack mit einer Tiefe von 41 mm hinein. Aber warum nur? Die kleinste Platine beherbergt den Thru Zero FM VCO, den man einfach noch oben draufgepackt hat. Auf der zweiten Platine kann man diesen durch einen Jumper von FM auf PM umschalten. Zwei blaue Mini-Potentiometer erlauben es, die exponentielle Kurve fein zu justieren oder den Bias zu verändern. Das sei aber nur geübten Anwendern zu empfehlen. Alle anderen lassen es so wie es eingestellt ist, ok? Nett ist auch die Wüstenlandschaft mit Kakteen auf der Rückseite. Die anscheinend vorgelieferten SMD-Platinen werden sichtbar in Handarbeit bestückt und alles THRU-HOLE-mäßige dann auch bei Patching Panda zusammengebaut und verlötet. Ich finde das megasympathisch.

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Die acht schwarzen Potiknöpfe scheinen aus Alu zu sein, dem ist aber nicht so. Geschickt getarntes Plastik, unheimlich glossy, fühlen sich aber an wie Alu. Geriffelt sind sie auch noch. Präzises, sehr angenehmes Bedienen ist dadurch möglich. Die Beschriftung ist superstraight und gut lesbar. Der manuelle schwarze Trigger-Knopf hat einen Druckpunkt und arbeitet zuverlässig. Beim Triggern der internen Schaltkreise leuchten dann auch zwei LEDs, die durch das kleine Gitter auf der Frontplatte dezent Auskunft geben, was das Modul so macht. Mit 84 mA bei +12 V und 64 mA bei -12 V ist der Verbrauch moderat.

Bedienelemente und Anschlüsse BD-Z

Der vorhandene Platz ist optimal genutzt: oben die Anschlüsse und unten die Regler. Ich persönlich finde so eine Aufteilung immer besser anstatt Anschlüsse direkt und wild zwischen den Bedienelementen. Gehen wir mal schnell durch! Ein Trigger- und eine Audioausgangsbuchse müssen wohl sein. Dann sehe ich einen V/Oct Eingang, eine Thru-Zero-FM- und eine AM-Buchse. Das sieht doch schon mal vielversprechend aus. Weitere CV Eingangsbuchsen sind ACC (Accent), Shape (VCO Schwingungsform), A DECAY (Amplituden Decay) und P DECAY (Pitch Decay). Die intern erzeugte Hüllkurve kann mit den beiden Ausgängen A ENV+ und A ENV- abgegriffen und woanders verwendet werden. Dann wollen wir mal ans Werk gehen und schauen, was das Modul nun soundtechnisch offeriert. Ich würde vorschlagen, ihr schaut euch zuerst die ersten zehn Minuten des Videos an. Danach könnt ihr das Gehörte besser einordnen.

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Wie klingt das Eurorack Drummodul BD-Z?

Bei einem Kickdrum-Modul gibt es folgerichtig ordentlich was in die Magengegend. Hier enttäuscht das BD-Z in keiner Weise. Kick-Drums à la TR 909 sind schnell gezimmert: Grundstimmung eingestellt, P-DECAY hoch und mit AMOUNT die Intensität geregelt. Aber welches Modul kann das heutzutage nicht? Schöne, lang ausklingende, runde Kickdrums sind auch drin. Aber es muss nicht immer rund sein, denn es gibt ja einen Waveform-Regler. Auf Rechteck gestellt, sind auch aggressivere, kantige Kicks möglich, ein fließender Übergang ebenfalls. Der Audioausgang liefert ein präzises, gut ortbares und definiertes knackiges Signal ohne störende Nebengeräusche: Kein Rauschen, kein Brizzlen, einfach nichts. Ich persönlich finde das unheimlich wichtig im Zusammenhang von einem Rack.

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Ein perfektes Gespann mit DNIPRO Dot und den Panda Modulen

Wer das Patching Panda BD-Z nur permanent als Kick-Drum-Modul verwendet, also einmal einstellt und das war es dann, der verschwendet unheimlich viel Potential, das einem der Entwickler an die Hand gibt. Wie schon oben angemerkt, ist das Modul auch durch den V/OCT-Eingang tonal spielbar. Wir verlassen somit jetzt den schnöden Untenrum-Bereich und betreten die Perkussion- und Synthesizer-Welt, die mit diesem Modul möglich ist.

Buchla Bongos, Videospiel Bleeps, Toms und andere Klack-Bumm-Geräusche sind möglich. Dabei reicht die Tonhöhe doch recht weit nach oben und auch die entsprechenden Frequenzbereiche werden zur Verfügung gestellt. Es klingt also nicht dumpf, bloß weil es als Bass-Drum-Modul im Regal steht. Durch die Verwendung der ThruZero-FM/PM- und Amplitudenmodulationseingänge (AM) erweitert sich der Anwendungsbereich nochmal enorm. Metallische Klänge sind dann ebenso möglich und das Bass-Drum-Modul fischt dann in HiHat-Gewässern. Der eine oder andere Synth- oder Basssound ist natürlich auch drin, aber viele Einstellmöglichkeiten sind in diesem Fall nicht gegeben, was ja einfach nur logisch ist. Trotzdem bekommt man synthetischen Klang derweilen hin. Alles in allem ist das doch eine erfreuliche Ausbeute, die man mit einem „Kickdrum“-Modul geliefert bekommt.

Zwischenfazit BD-Z

So ziemlich alles macht Patching Panda mit diesem Modul richtig: Eine gute Bandbreite der Sounds und eine einfache Handhabung. Hier wurde viel Sinnvolles unter einen Hut gebracht, was man so gar nicht erwartet. Speziell zum Kick-Drum-Sound hätte ich jedoch eine kleine subjektive, ja negative Anmerkung. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass ein Ticken mehr Attack machbar gewesen wäre. Das ist natürlich schwer zu beschreiben und absolut im esoterischen Bereich anzusiedeln. Ich bin einfach zu verwöhnt und habe schon zu viele Kick-Drums in meinem Leben gehört. Daher möchte ich euch bitten, euch selbst ein Urteil zu bilden. Dieses „Flöhe-Husten-Hören“ fließt nicht in die Bewertung mit ein.
Wer aber gerne doch etwas mehr Attack oder vielleicht sogar eine etwas smoothere Ansprache haben möchte, der kann sich mit der Firma in Verbindung setzen und eine Anleitung dafür erhalten, wie er durch den Austausch von ein bis zwei Komponenten seinen Wunsch-Attack hinbekommt. Natürlich nur für DIY-willige Eurorack-Bastler.

Bedienelemente und Anschlüsse HATZ V2

Die äußere Ausführung und die Haptik sind beim HATZ identisch. Die Modultiefe beträgt inklusive Stromkabel diesmal nur 25 mm. Sogar die 8 Potis sind exakt am gleichen Platz wie beim BD-Z. Das Modul ist zweikanalig und voll analog aufgebaut. Der linke Kanal ist die geschlossene HiHat und der rechte Kanal liefert die Open-HiHat, gekennzeichnet durch eine kleine Grafik oben rechts und links.

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Die geschlossene HiHat-Abteilung links hat ein Poti für die lineare oder exponentielle Fallkurve des Klanges und ein 2-Pole-Filter-Poti mit der Bezeichnung FREQ. Der rechte Kanal ist identisch, beherbergt allerdings noch ein zusätzliches DECAY-Poti, um die offene HiHat entweder zu einem kurzen Klick oder zu einem langem Zisch zu verwandeln. An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass beide Kanäle „miteinander verbunden“ sind. Die Open-HiHat klingt nur solange, bis durch ein Trigger die Closed-HiHat anspricht und dann diese Vorrang hat. Oder ist es umgekehrt? Ihr wisst, was ich meine. Der Klang beider Sounds wird durch den TEXTURE- und den METALS-Regler eingestellt. Als klassischen Accent-Attenuator gibt es noch dieses Poti neben separatem Eingang, um den „Vintage Drum Accent Style“ nachzubilden.

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Jeder Sound hat seinen eigenen Trigger-Eingang und eigenen Audioausgang in Form von 3,5 mm Miniklinken. Die Frequenzpotis, der TEXTUR-Regler, das ACCENT und das DECAY lassen sich durch CV-Eingänge beeinflussen. Warum der METALS-Regler keinen eigenen Eingang bekam, kann ich mir nur durch Platzmangel erklären. Stattdessen wurde ein HOLD-Eingang eingebaut, der manuell die Hüllkurve mit Gate oder CV auslöst. Das HATZ V2 wirkt trotz vieler Eingänge recht aufgeräumt, man findet sich gleich zurecht. Eine optische Kontrolle gibt es bei jedem Kanal durch blaue LEDs, die die Hüllkurve darstellen.

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Wie klingt das Eurorack Drummodul HATZ?

Ich zähle mal auf, was dieses Modul NICHT zu leisten vermag. Wer Rides, Claps, Rims, Shaker oder Glockiges sucht, wird hier nicht fündig. Es ist eben ein HiHat-Modul. Also alles, was nur im entferntesten mit einer HiHat, einem Zisch oder Klick zu tun hat, kann man hier in kurzer und längerer Version einstellen. Durch sich gegenseitig beeinflussende Parameter wie FREQ, TEXTURE und METALS sind sehr viele Geschmacksrichtungen möglich, die auch schon mal in eine tonartige Richtung tendieren. In eine bestimmte Musikrichtung oder Vintage-Clone-Gattung lässt sich HATZ nicht hineindrücken. Dabei kann das Modul nicht nur unheimlich spitz klingen, sondern auch sanft eingestellt werden. Ganz kurze Clicks ’n Cuts sind ebenso möglich. Der TEXTURE-Regler vermag auch eine Form der „Bitreduzierung“ zu ermöglichen, wobei das bei einem analogen Modul gar nicht machbar sein sollte. Vielleicht kann man es mit „kantig“ besser beschreiben.
Im obigen Video gehe ich speziell auf das HATZ ab Minute 11 ein.

Zwischenfazit HATZ

Das Patching Panda HATZ ist eine erfrischende Variante einer HiHat-Kombination als kompaktes Eurorack-Modul. Ein sehr einfaches Konzept mit wenigen Reglern bringt doch neuen Schwung in die Perkussionsecke im Rack. Ob klassische HiHats oder andersartige Soundkonzepte, beides wird schwungvoll und in wenigen Augenblicken erstellt.

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Fazit

Die Patching Panda Module BD-Z und HATZ V2 sind Arbeitspferde, die schon gezäumt und gesattelt sind, sprich einfach in der Handhabung und maximal in der Ausbeute. Der Fokus liegt ganz klar nicht in der langen Soundfindung, sondern beim simplen Spielen, weil beide rein praktisch orientiert sind. Das BD-Z überragt das HATZ-Modul durch sein breites Soundspektrum jenseits von Kick- oder Bass-Drum. Das HATZ weiß wiederum durch seine präzisen und vielseitigen HiHats zu überzeugen. Sehr straighte und anwenderfreundliche Module, die in Handarbeit gefertigt aus Spanien kommen.

Plus

  • klanglich flexibel
  • Soundqualität
  • Hardwarequalität
  • einfach in der Handhabung

Preis

  • BD-Z Modul: 268,- Euro
  • HATZ V2 Modul: 238,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda AHU

    Ich weiß genau, was du mit dem fehlendem Attack meinst und ich empfinde das genauso (gemäß des Videos), da fehlt gewissermaßen der „Impact“. Für den Preis noch Umbaumaßnahmen einzugehen, fände ich nicht adäquat. Das hätte seitens des Herstellers besser gelöst werden müssen, da es sich durchzieht durch alle Einstellungen.

    Das HiHat-Modul hat mir besser gefallen, aber ob das jetzt gegen Hexinverter oder Erica bestehen kann, könnte nur der direkte Vergleich auflösen. Klanglich fand ich das hier einigermaßen flexibel, manchmal zu spitz-metallisch, aber das kann ja auch gewollt so sein.

    Danke für die Testung. Wie immer war es unterhaltsam und logisch durchdacht.

  2. Profilbild
    Garfield Modular AHU

    Hallo [P]-Head,

    Herzlichen Dank für dein interessanten Artikel! Patching Panda ist eine Marke die mich schon fast immer interessiert hat und dein Artikel hilft sich zu überlegen ob der BD-Z und/oder Hatz sich lohnt.

    Vielen Dank und viele Grüße, Garfield.

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