Test: Pearlvibe Guitars Blue Bayou, E-Gitarre

30. Januar 2018

Die blaue Lagune

Pearlvibe Guitars Blue Bayou titel

Es war im Herbst des vergangenen Jahres, als das Stratkopie-Meisterwerk Golden Heart aus der Custom-Gitarrenschmiede Pearlvibe Guitars bei uns eintrudelte und die Gemeinschaft fast ausnahmslos in Verzückung versetzte. Etwas derartig Ausgefallenes und vor allem handwerklich Aufwendiges war zumindest uns bisher nicht bekannt, zumindest nicht bis zur Guitar Summit in Mannheim, bei der ich den Stand von Pearlvibe Guitars und die dort präsentierten Instrumente mit vielen anderen Interessierten zum ersten Mal begutachten und bestaunen konnte. Die Strat hätten wir also, im Sortiment von Pearlvibe Guitars befinden sich aber noch jede Menge anderer Augenweiden, darunter auch eine Tele-Kopie mit dem Namen Pearlvibe Guitars Blue Bayou, die wir uns jetzt mal genauer anschauen werden.

Pearlvibe Guitars Blue Bayou – Facts & Features

Der Korpus

Der Korpus der Blue Bayou wirkt nicht nur auf den ersten Blick kleiner als der des berühmten Vorbilds. Er ist es auch tatsächlich, rund 2 cm kürzer zeigt sich der erneut mit Abalone-Perlmutt überflutete Body, der aus zwei Teilen alter Pinie gefertigt wurde und dessen Ränder in ein Blue-Burst-Finish übergehen. Eine unglaublich zeitintensive und aufwendige Arbeit, die dort auf der Decke investiert wurde und über dessen Ergebnis man wahrlich nur staunen kann. Alles mit den Händen und mit den Augen, da kann man wirklich nur seinen Hut ziehen!

Pearlvibe Guitars Blue Bayou 2

Auf der Rückseite des Korpus geht es zwar nicht ganz so wild zu, einen Blick ist die Blue Bayou aber auch hier mehr als wert. Ein achtschichtiges Airbrush („Good Vibrations“) aus einem türkisblauen Mix von Nitro- und Polyuretan-Lacken sorgt hier für einen 3-D-Effekt. Etwas grob geschnitzt wirkt allerdings die Abdeckplatte für die Elektronik, die zudem nicht versenkt eingesetzt wurde und somit ein gutes Stück hervorragt. Doch über solche Kleinigkeiten kann man mit Frank Hänsel, dem Macher hinter Pearlvibe Guitars, ganz bestimmt reden und sich den Deckel auf Wunsch auch versenken lassen. Ist ja schließlich ein Customshop. Zum Schutz des aufwendigen Finish wurde der Korpus von oben bis unten mit einem Hochglanzlack überzogen, der bis in die kleinste Ritze sauber und gleichmäßig aufgetragen wurde.

Pearlvibe Guitars Blue Bayou back

— Der Rücken der Blue Bayou —

Der Hals der Pearlvibe Guitars Blue Bayou

Ein Stück aus extrem geflammten, kanadischen Riegelahorn wurde für den Hals der Edel-Tele verwendet und in die passende Tasche im Korpus eingeschraubt – ohne dass auch nur eine Briefmarke noch in den Spalt passen würde. Der Radius dieses wirklich außergewöhnlich schönen Halses bzw. seines Griffbretts ist mit 11″ recht flach ausgefallen, was zusammen mit dem ebenfalls recht moderaten C-Profil und einer griffigen Satinlackierung für eine hervorragende Bespielbarkeit sorgt. Getrübt wird das Bild nur durch die Positionierung des Truss Rod (Halseinstellstab), denn Zugang zu diesem erhält man nur, wenn der Hals abgeschraubt wird. Bei aller Liebe zu Leo Fenders Entwicklungen – aber diese hier war eher unnötig. Aber auch das kann von Pearlvibe Guitars auf Kundenwunsch sicher anders gelöst werden, keine Frage.

Wunderschön gezeichnet erscheint die Kopfplatte der Pearlvibe Guitars Blue Bayou. Genau hier an dieser Stelle müssen viele Hersteller von Tele-Kopien höllisch aufpassen, um nicht in den Fokus der Anwälte des Fender Konzerns zu geraten. Damit ist nicht zu spaßen, das Design der Kopfplatte ist nun mal ein unverwechselbares Markenzeichen, das die Hersteller nur zu gut zu schützen wissen. Und ja, die Flammung sieht auch an der Kopfplatte verdammt sexy aus!

Pearlvibe Guitars Blue Bayou Headstock

— Kräftig geflammt – die Kopfplatte der Pearlvibe Guitars Blue Bayou —

Pickups und Hardware der Pearlvibe Guitars Blue Bayou

Bei den Tonabnehmern und der Schaltung zeigt sich die Blue Bayou mit ihrem Singlecoil am Hals und dem Einspuler im „Aschenbecher“ am Steg ganz traditionell. Der Frontpickup stammt aus eigener Fertigung und trägt die Bezeichnung „Old Vintage Tele Pickup“, am Steg begegnet uns hingegen ein bekannter Name, nämlich Joe Barden. Doch nicht nur den hier eingesetzten Alnico 5 Singlecoil steuert der US-Hersteller bei, auch die Bridgeplate samt Saitenreitern stammt aus der Produktion von Joe Barden Engineering. Doch so edel die goldverchromte Brücke auch strahlt – einen Schatten gibt es auch hier leider wieder zu vermelden. Vielleicht ist es ja auch bloß Geschmackssache, aber für mich persönlich sind drei Saitenreiter genau drei zu wenig und kaum genug, um die Oktavreinheit möglichst zügig einzustellen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Pearlvibe Guitars Blue Bayou möglichst lange und möglichst sicher ihre Oktavreinheit beibehält, denn das Einstellen erfordert doch schon eine Menge Erfahrung und hat den einen oder anderen schon zur Weißglut getrieben. Ganz ähnlich, wie es auch beim Justieren des Halswinkels der Fall ist.

Durchgeschaltet wird in drei Positionen mittels eines robusten Schalters aus dem Hause Gibson, der zusammen mit einem Volume– und Tonepoti in die Decke eingelassen wurde. Die zwei Potis bieten einen gesunden Drehwiderstand und sind mit goldverchromten Metallknöpfen bestückt, die ein sicheres und feinfühliges Regeln ermöglichen.

Bleiben nur noch die Mechaniken als letzter Teil der Hardware zu erwähnen. Hier geht man auf Nummer sicher und spendiert der Gitarre einen Satz Klemmmechaniken, selbstverständlich auch mit einer Schicht aus Goldchrom überzogen. Ein Hersteller für die Tuner ist nicht zu erkennen, sie deshalb aber als „No-Name-Tuner“ abzutun, würde der Sache aber bei Weitem nicht gerecht werden. Zum einen, da der Begriff „No-Name-Tuner“ auch immer etwas Minderwertiges an sich hat, zum anderen aber auch deshalb, weil die sechs Stimmer einfach sehr gut funktionieren. Sie halten die Blue Bayou stets in guter Stimmung, und wenn dann mal gedreht werden muss, dann geht das sehr leicht und präzise vonstatten.

Pearlvibe Guitars Blue Bayou wood

Sound & Praxis mit der Pearlvibe Guitars Blue Bayou

Der zierliche, etwas abgespeckte und sehr leichte Pinienkorpus sowie der schlanke und auf seiner Rückseite herrlich griffige Hals bieten die allerbesten Voraussetzungen für eine gute Performance mit der Pearlvibe Guitars Blue Bayou. Die Gitarre ist zudem perfekt ausbalanciert und ruht daher ausgewogen und in keinem Fall kopflastig am Gurt bzw. im Schoß des Spielers. Im Klangverhalten scheint es so, als habe man einer Tele mal so richtig gehörig in den Allerwertesten getreten: bissig, drahtig und wie immer mit einer unschlagbaren Durchsetzungskraft „twängt“ die Blue Bayou munter vor sich hin. Dabei scheut sie auch nicht vor Zerrsounds, bei denen die beiden Singlecoils in puncto Nebengeräusche einen erstaunlich kühlen Kopf bewahren.

Pearlvibe Guitars Blue Bayou body backside

Hören wir rein in die Sounds, die uns die blaugrüne Schönheit bietet. Dazu wurde die Gitarre in meinen Orange Micro Dark eingeklinkt, an dem war eine 1×12″ Box mit Celestion V30 Lautsprecher angeschlossen. Abgenommen wurde mit einem AKG C3000 Mikrofon, ehe das Signal in Logic X aufgezeichnet wurde. Die Klangbeispiele wurden dieses Mal freundlicherweise von meinem netten und kompetenten Kollegen Johannes Krayer eingespielt, da ich wegen einer üblen Verletzung des Zeigefingers der linken Hand diesmal leider pausieren musste …

Beginnen wir in Klangbeispiel 1 mit einem Cleansound, eingespielt von Johannes mit dem Singlecoil am Hals.

Klangbeispiel 2 zeigt den unverzerrten Sound mit beiden Pickups (Dreiwegeschalter in der Mittenposition).

Jetzt wird’s crunchy! In Klangbeispiel 3 hören wir den Stegpickup mit einer Prise Overdrive.

Nun in Klangbeispiel 4 der Singlecoil am Hals mit etwas Zerre.

Dass die Pearlvibe Blue Bayou auch richtig böse kann, hören wir in Klangbeispiel 5, in dem das Gain meines Micro Dark deutlich angehoben wurde.

Pearlvibe Guitars Blue Bayou front

Fazit

Nach der Golden Heart also nun die Pearlvibe Guitars Blue Bayou – und wieder ein nahezu perfekter Volltreffer! Hinsichtlich der verwendeten Komponenten und deren Verarbeitung, der Bespielbarkeit des beeindruckend schönen Ahornhalses und vor allem dem „Turbo-Tele-Sound“ verdient sich dieses Instrument ohne Zweifel Bestnoten und hätte ohne Zögern unseren „Best Buy Award“ verdient. Dass es dazu nicht gekommen ist, liegt einzig und allein an der unglücklichen Positionierung der Halseinstellschraube und daran, dass das dann und wann nötige Einstellen der Oktavreinheit bei einer Brücke mit nur drei Saitenreitern selbst dem Profi keine Freude bereitet.

Ansonsten aber sind wir hier in der Redaktion erneut schwer davon beeindruckt, mit welcher Qualität die Pearlvibe Guitars Blue Bayou selbst dem Original aus dem Customshop die Stirn bieten kann. Bravo!

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Qualität Hardware und Pickups
  • Optik
  • absolutes Unikat

Minus

  • Positionierung Truss Rod
  • Vintage Tele Bridge mit nur drei Saitenreitern

Preis

  • 3300,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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        Wellenstrom  AHU

        Optisch sind beide gleich töfte… aber wegen der Vielseitigkeit im Klang dann eher die Strat. Doch alles erst nach dem neuen Pool und dem Original Van Gogh…vom Resttaschengeld quasi.

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          Stephan Güte  RED

          Na komm … ich finde knapp über 3k für beide echt mehr als fair .. für ne CS-Strat oder Tele mit so ner Optik legste deutlich mehr hin/an … aber klar, Whirlpool geht in jedem Falle vor!

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    Wellenstrom  AHU

    Jo, definitiv…. wirklich klasse Gitarren. Wenn ich die Knete hätte, kämen die auch definitiv in die engere Auswahl. Für das Gebotene sind die wirklich nicht zu teuer. Halt sehr exklusiv. So reicht es aber nur für feuchte Träume davon… leider.

    Ach so, und gute Besserung… wegen der Hand.

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    wolftarkin  

    Also wenn ich mir das Bild von der Rückseite anschaue, ist nicht nur der Deckel nicht versenkt, sondern noch nicht mal die Schraubenköpfe!
    Ernsthaft? Das ist doch Pfusch!?
    Da man auf deren Seite mit Comic Sans begrüßt wird, spar ich mir den Kommentar zum Logo auf der Kopfplatte gleich.
    Man muss ja als guter Handwerker nicht alles können, aber vielleicht jemanden um Hilfe fragen?
    Die seltsame Hardware Zusammenstellung wurde ja im Test angesprochen.

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    Fingertips

    Ich halte mich OBJEKTIV!
    Schriftzug eigener Entwurf angelehnt an Leo´s Vorbild – graphisch hoch interessant. Comic Sans? – ah come on!
    Fender Pickguard rundschrauben so weit wie möglich versenkt.Bitte alle Pixel zählen bevor mann Pfusch vorwirft.
    Wilkinson locking tuners – keine No Name. Kunden finden sie sogar besser und geschmeidiger wie die Schallers.
    Abdeckungsplatte von Hinten – viel schwieriger wie eine Metalplatte von der Vorderseite – ala Fender Customshop.
    Barden Bridgeplate und 3 versetzte Reiter –
    Intonation ziemlich exakt. NUR 3 Reiter „sound sweeter, clearer and more sustain. Vintage tone“ Die dünne Aschenbecherplatte klingt „Twangier“ wie die dicke moderne 6 Reiter Platte.
    Soundtest ?: Immer CLEAN, am besten über ein Vibrolux oder Princeton um WAHREN SUSTAIN und TON zu hören. Wer dann gut CLEAN klingt und nicht „ICE PICKY“ ist im Overdrive natürlich auch sehr gut.
    Wie soll eine Tele wirklich klingen? Do your homework and listen to Vince Gill, Brent Mason,Jerry Donahue,Albert Lee, Arlen Roth or Brad Paisley oder bringt eure besten Teles zu mein Studio und macht ein Vergleichstest.

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    wolftarkin  

    Hallo,
    ich sagte nicht, daß das Logo auf der Kopfplatte in Comic Sans ist, sondern der Begrüßungstext auf eurer (Internet-)Seite.
    Das Logo auf der Kopfplatte ist schon gut, für meinen Geschmack wäre es halb so groß besser. So daß es nur noch die Rundung unter den mittleren beiden Tunern ausfüllt.
    Die Kopfplatte ist ja schon herzeigbar. (<Untertreibung)
    Was die Schrauben auf dem Elektronikfach-Deckel angeht. Schau dir hier auf der zweiten Seite oben das Bild in groß an. Die Schrauben sind nicht versenkt. Ich kann mich ja nur auf das Bild hier beziehen.
    Und das sieht nicht gut aus. Wurde beim Test dran geschraubt? Keine Ahnung.

  5. Profilbild
    OscSync  

    Muss mich leider anschließen: nicht versenkte Abdeckung und Schrauben sind ein absolutes No-Go, das würde ich nicht mal bei einer Gitarre akzeptieren, die nur ein Zehntel kostet. Da wäre m.E. durchaus ein Minus für gerechtfertigt, und mir fällt auch kein Grund ein, der für so eine Ausführung spräche….

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Ich muss dazu sagen, dass die Abdeckplatte versenkte Schrauben hatte, als die Gitarre zum Test bei mir war. Pearlvibe/Frank Haensel hat die Fotos gemacht und uns zur Verfügung gestellt Sonst hätte ich das im Test sicher erwähnt.

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