Vintage Feel mit modernen Attributen
Manche Dinge ändern sich nie. Ein Combo-Amp im Tweed-Look, mit einem 12″-Speaker bestückt, röhrenbetrieben, zweikanalig. Noch was? Ach ja … Verdammt guter Sound! Der Peavey Classic 20 weiß, wie man Gitarristen glücklich macht.
- Vielseitige Kanäle: Clean- und Zerrkanal nutzen gemeinsame Klangregler – kräftiger Cleansound und reichlich Gain.
- Leistungsreduktion: 20 W, 5 W oder 1 W – ideal für Lautstärkeanpassung zu Hause oder im Studio.
- Recording & Practice: XLR/USB‑Ausgang mit MSDI‑Cab‑Sim und Kopfhörer‑Silent‑Rehearsal.
- Effektintegration: Serieller FX‑Loop für Pedalboards und Vierkabel‑Methode.
Inhaltsverzeichnis
Peavey Classic 20 112 – Facts & Features
Beim Auspacken des Peavey Classic 20 erscheint mir ein äußerst schmackhafter Leckerbissen im Tweed-Gewand. Ein spiegelndes Panel und Chickenheads lassen die Vorfreude steigen. Zwei Kanäle bietet der Peavey Classic 20, seinen Sound erzeugt er mittels drei 12AX7 und zwei EL84. Was soll da schiefgehen?
Ein Reverb ist an Bord, die beiden Kanäle sind per mitgeliefertem Fußschalter wählbar und ein Boost ist auch im Spiel. Dieser kann ebenfalls per Fußschalter aktiviert werden. Aber Moment, der Fußschalter kann noch mehr. Bei Bedarf kann er in einen zweiten Eingang gesteckt werden, dann kontrolliert er entweder den Reverb oder den FX-Loop. Wer mit einem externen Switcher arbeitet, kann also insgesamt fünf unterschiedliche Funktionen abrufen: Channel 1, Channel 2, Boost, Reverb und den FX-Loop.
Zusätzlich bietet der Peavey Classic 20 eine Leistungsreduzierung von 20 Watt auf 5 Watt und 1 Watt. Der eingebaute 12″-Speaker kann mit 8 oder 16 Ohm betrieben werden, der Schalter neben dem Speaker-Out schaltet zwischen den beiden Impedanzen hin und her. Wer also ein 16-Ohm-Cabinet anschließen möchte, darf das gerne tun.
Ein XLR- und ein Kopfhörerausgang ermöglichen mit Hilfe des „Speaker Defeat“-Schalters das Silent Recording und das lautlose Üben per Kopfhörer. Der Recording Out verfügt über das patentierte MSDI. Das steht für Microphone Simulated Direct Interface und ermöglicht die Weiterleitung des Signals an eine DAW oder ein FOH, ohne ein Mikrofon benutzen zu müssen. Dieser Ausgang ist auch als USB-Buchse vorhanden, damit der Peavey Classic 20 direkt als Audioeingabegerät genutzt werden kann.
Ein Effektweg ist ebenfalls vorhanden. Dieser bietet sich an, wenn zeitbasierte Effekte wie Chorus, Delay oder Reverb zum Einsatz kommen sollen. Auch die 4-Kabel-Methode kann hier zum Einsatz gebracht werden, wenn etwa Multieffekte wie das Boss GT-1000 zum Einsatz kommen sollen. Damit werden dann die Vorschalteffekte wie Compressor oder Distortion vor den Amp geschaltet, während nachgeschaltete Effekte wie Reverb und Delay hinter der Vorstufe platziert werden.
Netterweise verfügt der Peavey Classic 20 über eine Statusanzeige für die Röhren. Das ist besonders praktisch, wenn man mal irgendwelche Aussetzer oder Wiedergabeartefakte hat. Dann zeigen die LEDs an der Frontplatte an, ob mit den Röhren alles okay ist.
Der erste Eindruck
Nachdem sich der kleine Röhrenwürfel warmgemacht hat, lasse ich meine Gitarre (eine Ibanez AZ226 mit Seymour Duncan HSS-Bestückung) mal in den cleanen Kanal sprechen. Was mich abholt, ist ein warmer, satter Cleansound, der Bedarf auch überaus bissig sein kann. Keine Frage, das ist Klangkultur vom Feinsten. Schauen wir mal, was der Zerrkanal so bietet.
Grundsätzlich teilen sich beide Kanäle die Klangregelung, was ja immer etwas kompromissbehaftet ist. also stelle ich erstmal alle Regler in Mittelstellung. Bei offenem Attenuator, also 20 Watt Ausgangsleistung, ist der cleane Kanal bis zur Schmerzgrenze klar, offen und schreit danach, mit Pedalen bespaßt zu werden.
Der zweite Kanal verfügt über einen Pre- und einen Post-Regler, was nichts anderes ist als Gain und Volume des verzerrten Kanals. Beim ersten Check zeigt sich, dass dieser Amp über satte Gain-Reserven verfügt. Hier kann auch der Hobbymetaller glücklich werden, auch wenn das nicht das Metier des Peavey Classic 20 ist.
Die Sounds
Um den Sound des Peavey Classic 20 zu demonstrieren, habe ich den Amp per MXL DC-2 Dual Capsule Mikrofon abgenommen. Das Signal wird ohne Umwege direkt in mein UA Volt 476 Audiointerface gespeist. Die Aufnahme erfolgt in UA LUNA, einer kostenlosen DAW, die der Kollege Jörg Hoffmann hier für euch getestet hat.
Je nach verwendeter Gitarre weiß der cleane Kanal des Peavey Classic 20 mit warmen, röhrigen Sounds zu gefallen, kann aber auch wunderbar spitz und funky klingen. In der Folge hört ihr den cleanen Kanal in unterschiedlichen Einstellungen, wieder mit der Ibanez AZ226. Die Details findet ihr in den Namen der Audiofiles. Im 1-Watt-Modus bei voll aufgerissenem Volume beginnt der Amp angenehm zu zerren. Im 5-Watt-Modus ist das schon lautstärkemäßig nicht mehr zu ertragen. Der Reverb klingt in allen Ausprägungen wundervoll musikalisch und ist selbst in Maximalstellung absolut zu gebrauchen.
Zeit für den zweiten Kanal des Peavey Classic 20. Hier kommen auch wieder die AZ226 zum Einsatz, die Files sind entsprechend benannt. Reverb kommt immer aus dem Amp, weitere Effekte wurden bei der Aufnahme nicht verwendet. Selbst bei höchster Gain-Einstellung klingt der Amp sagenhaft offen und neigt zu keiner Zeit zum Matschen.
Zum Schluss noch ein paar kurze Files, die den MSDI-Out demonstrieren. Ich habe leider versäumt, diesen Ausgang parallel mit aufzuzeichnen. Merke: Wer zu blöd ist, läuft immer zweimal …




































