Test: Peavey HP 2, E-Gitarre

30. März 2021

Wolfgang ist zurück!

Test Peavey HP 2 E-Gitarre

Peavey HP 2

Nachdem Eddie van Halen im Jahr 1995 Music Man als Endorser den Rücken kehrte, heuerte die Legende daraufhin bei Peavey an und entwickelte dort die unvergessene Wolfgang Gitarre – benannt nach seinem Sohn, der sich ja mittlerweile zu einem begnadeten Bassisten entwickelt hat. Zu Ehren des Meisters hat der US-Konzern nun die Produktion dieses Instruments unter dem Namen HP 2 wieder aufgenommen und was auf der NAMM 2017 angekündigt wurde, ist tatsächlich Realität geworden, denn die ersten Modelle stehen nun für die Kunden im Handel bereit.

Gefertigt werden die Instrumente der HP 2 Serie allerdings nicht in den USA, wie man zunächst auch aufgrund des relativ hohen Preises vermuten würde. Nein, bei unseren Nachbarn in der Tschechischen Republik läuft die Produktion auf Hochtouren, dazu wurden laut Peavey „die besten Gitarrenbauer Europas“ verpflichtet, um den Geist und den Sound von Eddie van Halen in Holz und Elektronik zu pressen. Wollen wir doch mal schauen, wie gut das gelungen ist und was die Peavey HP 2 sonst noch so drauf hat.

Test Peavey HP 2 E-Gitarre

Peavey HP 2 – Facts & Features

Der charakteristisch und asymmetrisch geformte Korpus der HP 2 besteht aus Linde und besitzt eine Riegelahorndecke, die im Falle unseres Testinstruments mit einem grün-blauen Finish versehen wurde. „Deep Ocean“ nennt der Hersteller diese Farbe, zu bekommen ist das Instrument darüber hinaus noch in drei weiteren Ausführungen, darunter zwei mit ebenfalls einer kräftig geflammten Ahorndecke on top sowie eines in schlichtem Schwarz. Die Fans von Decken im Naturlook wird dieses Design ganz sicher gefallen und ehrlich gesagt, sieht die Gitarre in Natura sogar noch ein Stück besser aus als auf den Produktfotos.

Die von einem cremefarbenen Binding umschlossene Decke wurde mit leichten Konturen versehen, sodass der Unterarm eine bequeme Auflagefläche vorfindet, zudem sorgt ein weit ausgefrästes Cutaway auch beim neuen Modell wieder für eine perfekte Erreichbarkeit der oberen Lagen des Halses und damit für den gewissen Luxus, den man bei einem Instrument dieser Preisklasse einfach erwartet.

Zur Optimierung wurde auch am Hals-Korpus-Übergang auf der Rückseite Hand angelegt, um den Übergang für die Greifhand so geschmeidig wie möglich zu gestalten. Im Gegensatz zur pompös wirkenden Vorderseite mit der zweifarbigen Riegelahorndecke wurde die Rückseite des Korpus jedoch in schlichtem Schwarz lackiert und auf der Abdeckung des Elektronikfachs finden wir doch tatsächlich einen Hinweis darauf, wo die Peavey HP 2 entstand: „Handcrafted in the Czech Republic“ steht dort auf einem Sticker. Dort hinten wirkt alles nicht weniger hochwertig wie auf der Vorderseite, aber die Frage, warum man den Deckel des Vibratofachs nicht wie die übrigen Abdeckungen versenkt eingesetzt hat, bleibt unbeantwortet.

Test Peavey HP 2 E-Gitarre

Von gar nicht weit, da kommt sie her!

Peavey HP 2: Birdseye Maple Neck

Neben der herrlichen Ahorndecke besitzt die HP 2 noch einen weiteren Blickfang – nämlich ihren Hals. Der wurde aus einem kräftig gemaserten Stück Vogelaugenahorn hergestellt und mit einem Griffbrett aus demselben Material verleimt. Was nicht nur optisch als wahre Augenweide erscheint, sondern auch in Perfektion verarbeitet wurde. Die Bundierung mit den 22 Jumbo-Bünden wurde meisterhaft ausgeführt, anders kann man das nicht ausdrücken. Rein gar nichts ist an den Kanten der Bünde zu spüren und auch die Oberflächen der Bunddrähte wurden blitzblank poliert. Zur Stabilität hat Peavey den Hals der HP 2 mit Einlagen aus Grafit verstärkt, geblieben ist der extrem flache Radius des Griffbretts von 15″, was vor allem Spielern von modernen Techniken gut gefallen dürfte.

Das Halsprofil hingegen ist nicht besonders flach ausgefallen und entspricht gefühlt den Profilen, die auch bei Music Man in aller Regel verwendet werden: relativ kräftig gewölbt und trotzdem recht zierlich fällt es aus, was zusammen mit der nur geölten Oberfläche eine hervorragende Bespielbarkeit ermöglicht. Hinzu kommt die ausgezeichnete Saitenlage, mit der unser Testinstrument ausgeliefert wurde – flach und trotzdem frei von jeglichem Schnarren oder Scheppern, so soll es sein!

Die Elektrik: Peavey Humbucker mit Split-Option

Bei der Auswahl der Tonabnehmer verlässt sich Peavey wohl auf keinen der am Markt befindlichen Anbieter und setzt der HP 2 zwei Humbucker im Zebra-Design aus eigener Fertigung in die Decke ein. Ausgewählt werden die beiden Kandidaten über einen Dreiwegeschalter im oberen Cutaway, geregelt in Lautstärke und Ton wird über zwei Potis, die durch ein Anheben die Doppelspuler in den Singlecoil-Modus versetzen. Und obwohl die beiden Regler weich wie Butter auf ihren Achsen laufen, sind die beiden Plastikknöpfe etwas fummelig in ihrer Bedienung, denn sie sind nicht sehr griffig, besonders bei schweißnassen Händen dürfte dies vermutlich zu einem Problem werden. Wer also die Singlecoil-Option oft und ausgiebig nutzen möchte, dem sei zu einem Tausch gegen griffigere Varianten geraten, die es ja zuhauf auf dem Markt gibt und dem Instrument ja auch irgendwie einen individuellen Touch verleihen.

Peavey licensed Floyd Rose Vibrato

Was wäre eine Signature-Gitarre von Eddie van Halen ohne ein Floyd Rose Vibrato? Schon seit Beginn seiner Karriere gehört dieses Werkzeug auf jedes seiner Instrumente und macht von je her ja auch einen Teil seines persönlichen Stils aus. Auf der HP 2 befindet sich kein originales Floyd Rose System, sondern ein von Peavey lizensierter Nachbau, der aber durch eine absolute Stimmstabilität glänzt. Ganz gleich, ob man den Haken nun zart benutzt oder bis zum Erschlaffen der Saiten für Dive-Bombs einsetzt, von Verstimmungen ist absolut nichts zu bemerken.

Apropos Jammerhaken: Der Hebel wird im Gegensatz zu den von Floyd Rose benutzten Hutmuttern mit einem eigenen Gewinde eingeschraubt, was für eine Nutzung ohne jegliches Spiel in der Aufnahme sorgt. Schade nur, dass im Korpus keine Fräsung unter den Vibratoblock gesetzt wurde. Was konkret bedeutet, dass nur Down-Bendings möglich sind. Am anderen Ende der Drähte wurden hinter dem arretierbaren Sattel Mechaniken von Schaller mit Perlmuttknöpfen angebracht.

Peavey HP2 licensed Floyd Rose

Peavey HP2 licensed Floyd Rose

Und so klingt die Peavey HP2 E-Gitarre

Akustischer Grundsound/Handling

Ein Leichtgewicht ist sie nicht gerade, die HP 2. Dank des ergonomisch geformten Korpus schmiegt sich das Instrument aber wunderbar ausgewogen an den Körper des Spielers an. Der akustische Grundsound besitzt ein reichhaltiges Höhenspektrum und enorm viel Brillanz, zudem ist die Tonansprache (Attack) sehr direkt und quicklebendig. Einen guten Eindruck hinterlässt auch das Sustain, Akkorde stehen kräftig im Futter und auch einzeln gepickte Töne, ganz gleich auf welcher Position des Halses, werden mit ordentlich Dampf abgefeuert. Ein besonderes Lob verdient an dieser Stelle noch einmal die Einstellung ab Werk: Ich hatte selten ein Instrument selbst in dieser Preisklasse zum Test da, das mit solch einer famosen Bespielbarkeit direkt aus dem Koffer glänzte!

Elektrischer Sound

Wer braucht schon Pickups von Seymour Duncan, DiMarzio & Co, wenn man welche von Peavey haben kann? Die beiden Humbucker portieren nicht nur den dynamischen und äußerst agilen Grundsound des Instruments an den Amp weiter, sondern ergänzen den Klang um zusätzlichen Biss mit gleichzeitig hoher Transparenz selbst in den höchsten Zerrungen. Zudem besitzen sie einen wunderbar großen und lebendigen Headroom, es klingt niemals gepresst oder gar überkomprimiert. Durch die Singlecoil-Option bietet sich eine enorme Klangvielfalt, auch wenn beim Umschalten durch Anheben der Potis ein deutlicher Verlust in der Lautstärke bemerkbar macht. Ein Phänomen, das man bei vielen splitbaren Humbuckern findet, hier sollte man also den Clean-Channel am angeschlossenen Verstärker etwas mehr Level zuweisen. Dennoch klingen auch die SC-Sounds sehr gut, ich würde sagen, dass es ein splitbarer Humbucker so kaum besser machen könnte.

Peavey HP2 – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Peavey HP 2 zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22* Combo verwendet. Vor dem Verstärker wurde ein AKG C3000 Mikrofon positioniert, ehe das Signal in Logic Audio ohne weitere Effekte aufgezeichnet wurde.

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Fazit

Peavey ist mit der HP 2 ein großer Wurf gelungen, daran bleiben nach dem Test keine Zweifel. Das Instrument ist hochwertig verarbeitet, sieht in seinem Deep Ocean Finish umwerfend gut aus und besitzt dank der Singlecoil-Option der beiden Humbucker eine enorme Klangvielfalt, die sie für ebenso enorm viele Stilistiken einsetzbar macht. Hinzu kommt eine formidable Bespielbarkeit sowie ein absolut zuverlässiges FR-Style-Vibrato, sodass man nur zu einem genauen Antesten raten kann. Allerdings nur dann, wenn der Geldbeutel auch genügend Reserven bietet.

Plus

  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Klang
  • Optik
  • robuster Koffer im Lieferumfang

Minus

  • Lautstärkeverlust bei aktivierter SC-Option

Preis

  • 2.668,- Euro
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