Kleiner Amp, große Sounds!
Der Peavey Joshua Homme Decade Too bringt die herrlich kaputten Sounds der 90er zurück. Die Frage ist jetzt: Soll man wirklich Geld ausgeben, um einen kaputten Sound zu bekommen? Spoiler: Ja!
- Signature-Sound: Der Amp liefert überzeugend den charakteristischen Sound von Josh Homme und Queens of the Stone Age.
- Kompakte Bauweise: Trotz Mini-Format überzeugt der Decade Too mit überraschend viel Druck und Klangvielfalt.
- Starke Features: Saturation-Switch, Speaker-Simulation und EQ-Schalter machen den Amp extrem flexibel.
- Kleine Schwächen: Der an Post Gain gekoppelte DI-Out erschwert leises Recording, ein Entkoppeln wäre wünschenswert.
Inhaltsverzeichnis
Peavey Jushua Homme – die ersten 5 Minuten
Seit ich die Band Queens of the Stone Age als Support der Foo Fighters gehört habe, bin ich hin und weg von diesem Sound! Josh Homme, der Frontmann von QOTSA, schafft es wie kein Zweiter, mit seiner Band quasi kaputt klingende E-Gitarren-Sounds mit einer Energie und Schönheit zu produzieren, dass man eigentlich gar nicht anders kann, als das einfach nur geil zu finden.
Umso gespannter war ich, als ich erfahren habe, dass es den Sound von Josh Homme jetzt in einem aktuellen Amp für deutlich unter 500 Scheine zu kaufen gibt. Wahnsinn! In Anbetracht der massiven Sounds, die man von ihm gewohnt ist, wundert man sich sehr, wie klein der Karton ist, in dem der Peavey Josh Homme Decade Too geliefert wird. Kann aus so einer Mini-Kiste so viel Sound herauskommen? Wir werden es herausfinden.
Lieferumfang & erster Eindruck
Öffnet man den Karton, wird es einem noch einmal mehr bewusst: Der Peavey Joshua Homme ist wirklich winzig klein. Kein Wunder, denn er ist ja dem originalen Peavey Decade aus dem Jahr 1980 nachempfunden. Was damals einfach nur ein günstiger Probenamp war, sollte durch Josh Homme zur berüchtigten Stoner-Rock-Wunderwaffe werden. Das Gewicht passt zur Größe und somit braucht man nicht mehr als zwei Finger, um den Gitarrenverstärker anzuheben. Der kleine Brüllwürfel macht alles in allem einen soliden Eindruck. Die Verarbeitung wirkt gut, stylish ist das Ding irgendwie auch. Zum Lieferumfang gibt es nicht wirklich viel zu sagen. Zwei Stromkabel liegen bei (eins für die EU und eins für die USA, nehme ich an) – das war’s.
Line Check
Alles klar, werfen wir das Ding doch mal an … wow, ganz schön laut! Der Amp mag zwar klein sein, aber er zeigt direkt, dass er bereit ist, ordentlich Krawall zu machen. Hervorragend. Die Linie ist klar: Was hier rauskommt, klingt immer etwas speziell – meistens so, als wäre der Amp kurz vor dem Explodieren. Aber egal, wo man die Regler auch hindreht, das macht in erster Linie alles Spaß und klingt sehr inspirierend und eigen. Super, dann wollen wir doch mal etwas genauer hinschauen.
Eine Sache fällt mir beim Testobjekt allerdings auf: Bei eingestecktem Netzstecker ploppt der Amp auch im ausgeschalteten Zustand ca. alle zehn Sekunden. Wie wenn er sich für einen ganz kurzen Moment selbst einschalten würde. Komisches Verhalten, das natürlich erst mal nur für unser Testexemplar spricht. Abhilfe schafft hier, das Kabel einfach auszustecken – dann ist Ruhe.
(Anm. der Red.: Der Fehler ist nur beim Testgerät aufgetreten, eine Nachfrage beim Vertrieb bestätigt das. Somit fließt dieses Verhalten nicht ins Testurteil ein.)
Peavey Joshua Homme Decade Too – Facts & Features
Wie schon erwähnt, ist der Peavey Josh Homme Decade Too die Reinkarnation des Peavey-Decade-Amps aus den 80er-Jahren. Dieser kleine Übungs-Amp wurde von Josh Homme, dem Kopf hinter Bands wie Queens of the Stone Age oder Eagles of Death Metal als das Tool entdeckt, das ihm den Sound liefern sollte, den er suchte. Nachdem der originale Decade schon längst von der Bildfläche verschwunden war, hat sich Peavey nun mit Josh Homme zusammengetan – gemeinsam wurde der Decade Too entwickelt.
Prinzipiell ist der Decade Too noch immer ein Übungs-Amp und dementsprechend simpel ist auch sein Aufbau. Der 10 Watt starke Transistor-Amp sitzt in einem Mini-Gehäuse und verfügt über einen 8″-Speaker. Das Frontpanel bietet sechs Regler, diee eine Pre- und Post-Gain-Sektion sowie eine 3-Band-Klangregelung umfassen. Pre Gain regelt die Vorstufe, wobei Post Gain wie ein Mastervolume-Regler fungiert.
Ein Saturation-Switch liefert neben mehr Gain zusätzlichen Sustain und röhrenähnliche Obertöne. Die Klangregelung bietet neben Low, Mid und High auch noch zwei Schalter, die noch tiefer in das Frequenzspektrum eingreifen lassen. Bass hebt die tiefen Frequenzen in den Vordergrund und verschiebt das Mittenspektrum etwas nach oben. Top hingegen liefert einen Höhen-Boost, der dem Amp deutlich mehr Präsenz verleiht.
Auf der Rückseite des Peavey Joshua Homme befinden sich neben zwei Speaker-Anschlüssen mit eigenem Phasen-Schalter (was mit dem dazugehörigen Erweiterungs-Cabinet interessant werden könnte) ein Preamp-Out für externe Endstufen sowie ein symmetrischer XLR-Ausgang mit Speaker-Simulation, designiertem Lautstärkeregler und Ground-Lift-Schalter. Außerdem besitzt der Peavey Josh Homme Decade Too einen gebufferten Effekt-Loop sowie einen Klinkenanschluss für einen optionalen Fußschalter, mit dem sowohl der FX-Loop als auch der Saturation-Schalter gesteuert werden können.
Auf einen Blick:
- basierend auf dem Peavey-Decade-Amp der frühen 1980er-Jahre
- das „geheime“ Klangwerkzeug von Josh Homme (Queens of the Stone Age)
- liefert die Signature-Sounds von Queens of the Stone Age und Eagles of Death Metal
- Leistung: 10 W
- Bestückung: 8″-Celestion-Lautsprecher
- abgestimmt auf den Klang der „Rola“-Speaker (1980–1983)
- Pre-Gain- und Post-Gain-Regler
- „Saturation“-Schalter für röhrenähnliches Sustain und satte Sounds
- 3-Band-EQ mit „Top-“ und „Bass-Enhancement“-Schaltern
- Bass-Enhancement verstärkt den Tiefbass und verschiebt die Mittenfrequenz nach oben
- Top-Enhancement verändert den Höhencharakter, ähnlich wie bei einem alten Mittelwellenradio
- gebufferter Effekt-Loop
- Saturation und FX Send/Return Loop per Fußschalter aktivierbar
- Regler: Pre-Gain, Post-Gain, High, Mid, Low, DI-Level
- Schalter: Saturation, Bass, Top, Power On/Off, Phase (Speaker), GND Lift
- 6,3-mm-Lautsprecherausgänge für den internen Lautsprecher und optionale Erweiterungs-Cabinets
- transformatorsymmetrischer XLR-Ausgang mit Speaker-Simulation, „DI-Level“-Regler und Ground-Lift-Schalter
- Preamp-Klinkenausgang für den Anschluss an eine externe Endstufe
- Lautsprecher-Phasenschalter für Feedback-Inversionseffekte
- ideale Lösung für Studio, Proberaum und Zuhause
- universeller Stromanschluss für weltweite Nutzung
- Gewicht: 5 kg
- Abmessungen (B × T × H): 318 × 178 × 343 mm
Der Sound des Peavey Joshua Homme Decade Too
Schauen wir uns jetzt an, wie der Peavey Joshua Homme denn nun klingt. Für den Test wird der Decade Too zunächst mit einem Shure SM57 abgenommen. Ich platziere das Mikrofon mittig zwischen Kalotte und Speaker-Rand. Zum Einsatz kommt meine Tokai Love Rock aus den 80er-Jahren. Aufgenommen wird alles über ein RME Fireface 802 und Ableton Live 12.
Clean Check
Auch wenn der Peavey Joshua Homme sicher nicht für cleane Sounds konzipiert wurde, schauen wir uns zuerst an, welche Qualitäten er in diesem Bereich zu bieten hat. Also: Pre erst mal auf 2, Post auf 3 (da macht die kleine Kiste schon gut Lärm!), der EQ wird mittig auf 5 eingestellt. Alle Switches bleiben deaktiviert. Und siehe da – der Amp liefert einen zwar sehr basslastigen, aber dennoch gut klingenden Clean-Sound. Wunderbar! Dreht man den Pre-Regler auf 5, nimmt dafür aber die Mitten und Höhen komplett raus, ergibt sich ein sehr interessanter, muffliger Ton. Insgesamt liefert der Amp eine wirklich große Bandbreite an Clean-Sounds.
Gain-Check
Beim Gain-Check drehen wir den EQ in allen drei Bändern wieder zurück in die Mitte auf Stufe 5. Dann starten wir mit dem Pre-Gain auf Stufe 2 und arbeiten uns über 4, 6, 8 bis zur Maximalstellung 10 durch. Das Ganze machen wir einmal ohne und einmal mit gedrücktem Saturation-Switch. Von leicht angezerrt bis zu singendem Fuzz ist hier alles dabei – und es klingt alles gut! Nie zu wenig und nie zu viel.
Dreht man den Pre-Gain-Regler ohne aktivierten Saturation-Switch auf etwa dreiviertel auf und betätigt in der EQ-Sektion den Bass-Switch, bewegt man sich direkt in Queens-of-the-Stone-Age-Gefilde. Das klingt so gut, dass man eigentlich gar nicht mehr aufhören möchte. Aktiviert man zusätzlich noch die Saturation, ist man endgültig im Lead-Fuzz-Himmel angekommen. Sehr schön!
Zum Schluss checken wir noch, wie sich der Peavey Joshua Homme Decade mit der eingebauten Speaker-Simulation anhört. Und ich muss sagen: Normalerweise ist das gerade bei günstigeren Amps keine Disziplin, in der geglänzt wird. Hier jedoch gefallen mir die DI-Sounds ausgesprochen gut. Klar – etwas steriler und leicht spitz im Vergleich zur Mikrofonabnahme, aber auch damit lässt sich hervorragend aufnehmen!
Nur schade, dass die Lautstärke des DI-Outputs an den Post-Gain-Regler gekoppelt ist, was leises Recording erschwert. Den Speaker zu entkoppeln, habe ich mich nicht getraut, auch wenn der Decade Too ein Transistor-Amp ist. Sollte das jedoch problemlos möglich sein, lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!





































Ich kenne J. Homme und ’seinen‘ Sound nicht, frage mich aber, was der Phasen-Schalter am Lautsprecher-Ausgang macht. Mit beiden Ausgangsbuchsen auf eine andere Phase geschaltet macht’s ja nun keinen Sinn – also wird wohl nur EINE der beiden Buchsen auf die (zur anderen gesehen) entgegengesetzte Phase geschaltet.
Das Ergebnis sind dann etwa Kammfilter-ähnliche Auslöschungen zwischen den beiden Lautsprechern, welche aber extrem (!) abhängig von der Aufstellung der beiden Lautsprecher zueinander sind: im Extremfall “gegeneinander gerichtete Lautsprecher“ sind massive Verluste der tiefen Tonanteile das Resultat, weil (einfach beschrieben) beim gleichen Ton sich die EINE Membran nach VORNE bewegt – die ANDERE aber nach HINTEN. Somit ’schluckt‘ quasi die eine Membran den Ton, die der andere erzeugt – also die Luft, die die Membranen durch ihre Auslenkung ‚zu einem Ton machen‘.
Nur wenn beide Lautsprecher identisch sind (gibt’s ne passive Box mit demselben Chassis?) und stets in der gleichen Position zueinander stehen (z.B. übereinander) lässt sich das Resultat kalkulieren – der Raumeinfluss ist eher vernachlässigbar.
Das spezielle akustische Resultat muss man aber sehr mögen !
Was aber ganz und gar nicht geht ist dieser sich im Test beschriebene ‚Einschaltversuch‘-Fehler des Gerätes ! Ein Fehlverhalten des Schaltnetzteils des Amps – sei’s ein Konstruktionsfehler oder ein Defekt dieses Exemplars.
Das ist schlechte Qualitätskontrolle, Peavey !!!
@Nvelope wird im testbericht kurz erwähnt:
„Lautsprecher-Phasenschalter für Feedback-Inversionseffekte“
bin mir nicht 100%ig sicher, ich glaube aber, irgendwie wird da das feedback invertiert (phasengedreht) beigemischt, um irgendwas an den signal anteilen zu steuern…oder so🙄
als musikliebhaber sollte man queens of the stoneage zumindestens mal gehört haben, da die musik durchaus einen gewissen anspruch befriedigt….
@dilux Danke, das hatte ich schon gelesen, aber verstehen im Sinne von ‚hören‘ (!) könnte ich sowas natürlich erst dann, wenn der Autor dieses Tests eine solche Zusatzbox mitbenutzt und dann (zumindest in einem Audio-Strip) diesen sicher beeindruckenden Gitarreneffekt aufgenommen und der Leserschaft zur Verfügung gestellt hätte. Wenn doch genau dieser Effekt einen vielleicht nicht unerheblichen Teil des hier favorisierten ‚Joshua-Homme-Effekts‘ ausmacht, wäre eine zumindest akustische Demonstration sehr wichtig und für Interessenten vielleicht wegweisend gewesen.
Nun – da beide Boxen ja sehr wahrscheinlich übereinander stehen, macht es dann auch die Annäherung der Gitarre AN den Stack und das Bewegen der Gitarre VOR dem Stack aus, einen akustischen Effekt (Feedback) auszulösen und dieses aufrecht zu erhalten – idealerweise durch Bewegung der Gitarre zu verändern.
Das alles müsste idealerweise in einem Videoclip demonstriert werden – und ich werde nun ganz sicher (rein aus Interesse) nach einer solchen Demonstration dieses Effektes suchen.
Ich frage mich dann aber immer noch, wie ein solches Arrangement zweier (idealerweise identischer) Lautsprecher-Böxchen OHNE Feedback klingt, wenn diese Phasenverkehrung EINER der beiden Lautsprecher aktiviert ist – viele Versuche innerhalb meiner 50 Jahre Electronic- & Lautsprecher-Erfahrung lassen es mir als nicht unbedingt sinnvoll erscheinen.
Nur für diese Feedback-Kreation müsste dann der Schalter aktiviert werden, hmmm…
@Nvelope Meine Vermutung: Wenn ich den eingebauten Speaker angeschlossen lasse und eine externe Box zusätzlich einstöpsel (oder zwei Boxen statt dem eingebauten), dann kann ich mit dem Phasen-Schalter dafür sorgen, dass die Lautsprecher gleichphasig und nicht gegenphasig arbeiten. Je nach Verkabelung und Magnetpolung könnte das nötig sein, oder gibt es da einen klaren Standard?
@chardt Moin – ja, der weltweite Standard ist: bei einem positiven Signal geht die Membran nach außen/vorne … und bei einem negativen Signal nach innen/hinten.
Zum Testen v.a. bei Woofern und (mit etwas Vorsicht) bei Mitteltönern nutzt man eine Batterie, die man sehr kurzzeitig an die Lautsprecherkabel hält und die resultierende Membranbewegung mit der Hand erfühlt oder beobachtet.
Geht die Membran nach VORNE, dann entspricht die Batteriepolung der Lautsprecheranschluss-Polung.
Du bringst nun einen wichtigen Punkt auf: geht dieser Schalter (Phasenverpolung) auf BEIDE Lautsprecherbuchsen – also den eingebauten Speaker UND den extern angeschlossenen Speaker?
Bislang dachte ich, dass der nur auf den externen Ausgang wirkt – aber ich weiß es nun nicht mehr.
Fraglich ist für mich (nun), ob der Feedback-Effekt dadurch intensiviert werden kann, wenn man die Gitarre von einem phasenrichtig angeschlossenen zu einem phasenvertauscht angeschlossenen Speaker bewegt, ggf. ‚hin und her‘-bewegt …
Sowas hatte ich – also mit Gitarre und Feedback provozierend – nie ausprobiert. Vielleicht weiß hier jemand aus der (eher Gitarrero-)Community Bescheid?
Wenn man zwei Lautsprecher mit dem gleichen elektrischen Signal füttert – EINER davon aber phasenverkehrt angeschlossen ist, dann entsteht ein auf die Ohren ‚drückender‘ Sound, der unangenehm ist und wo der Schall scheinbar diffus aus dem Raum kommt. Grund sind Auslöschungen von Frequenzen – Kammfiltereffekt,
Unangenehm!
@Nvelope Ich versuche mal, die Bedienungsanleitung des kleinen Amps zu erforschen, ob dort etwas zur Phasenverpolung des/der angeschlossenen Lautsprecher aussagt … das interessiert mich nun brennend.
Vielleicht weiß auch der Autor des Tests, Matze, etwas hierüber – oder den ja als nahezu einzigartig beschriebenen ‚J-Homme‘-Feedback-Sound und dessen Kreation über diesen Amp (ggf. nur mit einer Zusatzbox ?) …
🤩