Test: Physis Piano H1, Physical Modeling Stagepiano

22. September 2013

Stagepiano Feinkost aus Italien

Ein neues Stagepiano mit einer Soundengine auf Physical Modeling Basis erregt automatisch meine Aufmerksamkeit, denn die Konkurrenz war im Hardwarebereich mit dem Roland V-Piano/V-Piano Grand und im Softwarebereich mit dem Modartt Pianoteq bisher mehr als übersichtlich.

Bildschirmfoto 2013-09-16 um 15.21.04

Obwohl in letzter Zeit bei vielen Digitalpianos die Physical Modeling Technik Einzug gehalten hat, beschränkten sich die Hersteller auf Hybridlösungen: Klangquellen aus Samples und Simulation des Resonanzbodens mittels Physical Modeling. Das kommt nicht von ungefähr: Physical Modeling Pianos zu kreieren ist nicht einfach. Roland hat für das V-Piano ganze 10 Jahre gebraucht.

Und nun kommt ein unbekannter Hersteller wie Phönix aus der Asche und präsentiert das Physis Piano? Nein, unbekannt ist der Hersteller nicht, auch wenn er sich nicht durch Namensgebung zu erkennen gibt. Die für seine digitalen Kirchenorgeln sehr bekannte italienische Firma Viscount hat das Physis Piano Realität werden lassen, erdacht und entwickelt von drei universitären Forschungslaboren.

Oberflächliches

Das Physis Piano sieht sehr gut und elegant aus, was hauptsächlich die schwarz-silberne Oberfläche, die mich in positiver Weise an ein barockes Cembalo erinnert, hervorruft. Beim ersten Anschalten des Gerätes leuchten die Sensortasten und Sensorregler des Bedienfelds aus schwarzem Glas auf. Beeindruckend! Die Einstellungen werden also nicht wie üblich über normale Bedienelemente realisiert, sondern mittels der leuchtenden Sensoren. Tippe ich auf „Reverb“, wird der Effekt zu- oder abgeschaltet, scrolle ich auf dem Sensor rechts neben dem Display, kann ich Werte verstellen. Vorteil: Bedienelemente, die nicht gebraucht werden, können einfach von der Oberfläche „eliminiert“ und eigene Farbvarianten der Sensoren können erstellt werden. So ist es möglich, verschiedene Oberflächenkonfigurationen für Bühne oder Studio zu erstellen und gegebenenfalls zu speichern. Nachteil: Die Parameter lassen sich durch die Sensorregler teilweise (z.B. beim Volume-Sensor) zu ungenau bedienen.

Klangbeispiele
Forum
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    ukm  

    Der Bericht erinnert mich ein wenig an den GEM Promega 3 (vor ca.10 Jahren). Auch bei dem fand ich einige der physikalischen Modelle damals schon recht beeindruckend, die samplebasierten „Zugaben“ allerdings weniger. Vielleicht sind ja einige der Entwickler mit beteiligt.
    Wenn sich jetzt diesbezüglich eine Weiterentwicklung abzeichnet, wäre das erstmal sehr zu begrüßen. Dass Sensorregler teilweise ungenau zu bedienen sind, kann ich mir gut vorstellen. Da fehlt es genau wie bei dem ganzen „touch screen“-Wahn auch einfach an der taktilen Rückmeldung. Das wäre für mich ebenso wie samplebasierte Hammond-Sounds ein Ausschlusskriterium.

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    Saxifraga  

    Ich habe meinen Kronos 73 gegen ein H1 im März 2013 getauscht, da die Versprechungen von Korg nicht eingelöst wurden. Korgs Kronos Piano sample ist zwar super, konnte aber von der RH3 Tastatur nicht richtig zur Geltung gebracht werden. Der Velocity Bereich war zu klein (30..110), so daß man immer die Kurve zw. 4,5 und 9 wechseln mußte. Nie konnte ich den Dynamikumfang ausnutzen.
    Ganz anders das H1! Es spielt sich traumhaft, eben wie ein echtes Piano. Und da die Tastatur recht leichtgängig ist, kommt es mir sehr entgegen. Und der Klang und die EInstellungsmöglichkeiten sind auch Spitze. Nur einen Modulations und Pitchbend Controler vermisse ich, aber dafür kommt das K4+5 irgendwann heraus. Volle Empfehlung von mir!

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    Saxifraga  

    „Um einzelne Parameter zu erreichen, muss ich zu oft auf unterschiedliche Sensortasten drücken, um die entsprechende Menüseite zu erreichen. Da gibt es einfach intuitivere Bedienungskonzepte auf dem Markt, mit dem ich von Anfang an besser zurecht komme.“ Das stimmt schon, aber das Bedienkonzept des Kronos war noch viel schlechter. Es wird Zeit das alle Hersteller hier zu Apple aufholen.

  4. Profilbild
    Saxifraga  

    „Die gewöhnungsbedürftige Tastatur und die nicht ausgereifte Dynamikumsetzung des Klavierklanges lassen mich zweifeln, ob ich für das Physis Piano H1 4.000 Euro ausgeben möchte.“

    Man kann die Dynamkkurve des H1 selber festlegen und sogar zeichnen!
    Ein Feature das ich beim Kronos und anderen Keyboards schmerzlich vermisst habe. Die Tastatur ist leichtgäng aber läst sich sehr exakt spielen. Aber bei Tastaturen scheinen die Geschmäcker wirklich sehr unterschiedlich zu sein.

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    t.bechholds  AHU

    Ja die Viscountteile hatten mich auf der Messe auch neugierig gemacht. Ich bin allerdings etwas von der „Men in Black Präsentation“ vor ort eingeschüchtert worden . Überhaupt finde ich eher das Design fragwürdig, als denn „chic“. Erinnert doch etwas an „Start Trek Hohner D6“ Future Keyboard. Der klang hingegen geht wirklich in Ordung.

    • Profilbild
      Saxifraga  

      Zumindest ist es so designt das es was aushält. Wenn ich meinen Kronos fallen gelassen hätte wäre die Tastatur und Seitenteile hin gewesen.
      Beim Physis habe ich eher Angst um mein Parket.
      Und ich finde es schöner als all ediese Plastik oder Retro-Designs.

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    bytechop  

    Jedem der ein gutes TSagepiano sucht kann ich nur das Korg SV-1 empfehlem. Superteil! Und der Preis ist Spitze.

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