Test: Physis Piano H1, Physical Modeling Stagepiano

Die drei E-Piano-Modelle besitzen typische Klangkomponenten des jeweiligen Modells. Beim Rhodes einfach mal die Größe oder die Beschaffenheit der Tone Bars bzw. beim Clavinet die Position der Pickups zu verändern, ist kein Problem. Ergänzend besitzen die E-Piano-Modelle einen „gemodelten“ Verstärker und spezifische Effekte. Durch die leichtgängige Tastatur (ja hier ist sie von Vorteil) und die großartige Dynamik der Physical Modeling Engine  lassen sich gerade die E-Pianos hervorragend spielen.

Darüber hinaus besitzt das Gerät eine Soundengine auf Samplebasis, die das Instrument um FM-Pianos, Hammond-Sounds, Kirchenorgeln, Streicher, Bässe und Gitarren ergänzt. Die Sample-Sounds betrachte ich persönlich als Gimmick gegenüber den anderen Soundengines. Klanglich sind die Sounds nicht auf der Höhe der Zeit, da ist mein verwöhntes Gehör von der Konkurrenz einfach Besseres gewohnt. Absolut top und praxistauglich sind die Kirchenorgeln, aber die zwei Kunden, die sich möglicherweise dafür interessieren, muss Viscount erst einmal finden. Der Sinn der Sample-basierten Soundengine eröffnet sich im sogenannten Memory-Modus des Physis Pianos. Hier können zwei Sounds gelayert und gesplittet zu Gehör gebracht werden.

Die Sensortasten und -slider lassen sich in Farbe und Verfügbarkeit konfigurieren - ein wirklich sinnvolles Feature.

Die Sensortasten und -slider lassen sich in Farbe und Verfügbarkeit konfigurieren – ein wirklich sinnvolles Feature.

Klang

Ich kenne sowohl das Roland V-Piano als auch das Modartt Pianoteq. Klanglich gesehen würde ich das Physis Piano zwischen beiden Konkurrenzprodukten einordnen – jedes Instrument hat seine Schwächen und Stärken. Im Pianissimo sind die größten Stärken des Viscount Produktes. Da klingt es sehr lieblich und besitzt einen schönen sowie runden Klangcharakter. Im Bassbereich ist es für meinen Geschmack etwas zu schwammig und erreicht nicht die hervorragende Klarheit des Pianoteq Plug-ins. Sobald es in den Fortissimo-Bereich kommt, schwächelt es gegenüber der Konkurrenz. Pianoteq und V-Piano bäumen sich hier einfach besser auf und der Klang erstrahlt in einem hervorragenden Höreindruck. Gegenüber dem vier Jahre alten V-Piano ist das Physis Piano aber etwas näher am realistischen Klavierklang dran. Beim Pianoteq (Softwareprodukt) wurden über die vielen Jahre der Klangeindruck immer wieder verbessert und beide Produkte – Pianoteq und Physis Piano – liegen hierbei gleichauf, auch wenn die Dynamik beim Pianoteq wesentlich besser umgesetzt ist.

Das Rhodes-Modell hat es mir dann aber wirklich angetan. Gerade die für Klavierspiel schwierige Tastatur vermittelt einen Eindruck, an einem gut abgestimmten Mark II zu sitzen. Vielleicht hätte Viscount bei der Namensgebung lieber noch ein „E“ eingefügt. Naja, vielleicht überlegen sie sich das noch einmal.

Fazit

Das Physis Piano H1 lässt mich zwiegespalten zurück. Der Klang, das ansehnliche Design, die flexiblen Möglichkeiten als Piano und E-Piano – das alles bringt mich ins Schwärmen. Die gewöhnungsbedürftige Tastatur und die nicht ausgereifte Dynamikumsetzung des Klavierklanges lassen mich zweifeln, ob ich für das Physis Piano H1 4.000 Euro ausgeben möchte. Im Laufe meines Testes hat der Hersteller mit einigen Updates das Gerät verbessert und wird es hoffentlich in Zukunft weiterhin so handhaben. Leider kann eine Tastatur nicht so einfach „upgedatet“ werden.

Plus

  • tolles Design
  • realistischer Flügelklang
  • E-Pianos auf Physical Modeling Basis mit hervorragendem Klang
  • Konfigurierbarkeit der Bedienoberfläche
  • sinnvolles Zubehörsortiment

Minus

  • leichtgängige Tastatur mit zu kurzen Tastenanschlag
  • ungenau Bedienung durch Sensorslider
  • unausgereifte Dynamikumsetzung des Klavierklanges
  • Parameterveränderung nicht pro Taste

Preis

  • Physis Piano H1: 3.998,- Euro (Straßenpreis)
  • Physis Piano H2: 3.333,- Euro (Straßenpreis)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ukm  

    Der Bericht erinnert mich ein wenig an den GEM Promega 3 (vor ca.10 Jahren). Auch bei dem fand ich einige der physikalischen Modelle damals schon recht beeindruckend, die samplebasierten „Zugaben“ allerdings weniger. Vielleicht sind ja einige der Entwickler mit beteiligt.
    Wenn sich jetzt diesbezüglich eine Weiterentwicklung abzeichnet, wäre das erstmal sehr zu begrüßen. Dass Sensorregler teilweise ungenau zu bedienen sind, kann ich mir gut vorstellen. Da fehlt es genau wie bei dem ganzen „touch screen“-Wahn auch einfach an der taktilen Rückmeldung. Das wäre für mich ebenso wie samplebasierte Hammond-Sounds ein Ausschlusskriterium.

  2. Profilbild
    Saxifraga  

    Ich habe meinen Kronos 73 gegen ein H1 im März 2013 getauscht, da die Versprechungen von Korg nicht eingelöst wurden. Korgs Kronos Piano sample ist zwar super, konnte aber von der RH3 Tastatur nicht richtig zur Geltung gebracht werden. Der Velocity Bereich war zu klein (30..110), so daß man immer die Kurve zw. 4,5 und 9 wechseln mußte. Nie konnte ich den Dynamikumfang ausnutzen.
    Ganz anders das H1! Es spielt sich traumhaft, eben wie ein echtes Piano. Und da die Tastatur recht leichtgängig ist, kommt es mir sehr entgegen. Und der Klang und die EInstellungsmöglichkeiten sind auch Spitze. Nur einen Modulations und Pitchbend Controler vermisse ich, aber dafür kommt das K4+5 irgendwann heraus. Volle Empfehlung von mir!

  3. Profilbild
    Saxifraga  

    „Um einzelne Parameter zu erreichen, muss ich zu oft auf unterschiedliche Sensortasten drücken, um die entsprechende Menüseite zu erreichen. Da gibt es einfach intuitivere Bedienungskonzepte auf dem Markt, mit dem ich von Anfang an besser zurecht komme.“ Das stimmt schon, aber das Bedienkonzept des Kronos war noch viel schlechter. Es wird Zeit das alle Hersteller hier zu Apple aufholen.

  4. Profilbild
    Saxifraga  

    „Die gewöhnungsbedürftige Tastatur und die nicht ausgereifte Dynamikumsetzung des Klavierklanges lassen mich zweifeln, ob ich für das Physis Piano H1 4.000 Euro ausgeben möchte.“

    Man kann die Dynamkkurve des H1 selber festlegen und sogar zeichnen!
    Ein Feature das ich beim Kronos und anderen Keyboards schmerzlich vermisst habe. Die Tastatur ist leichtgäng aber läst sich sehr exakt spielen. Aber bei Tastaturen scheinen die Geschmäcker wirklich sehr unterschiedlich zu sein.

  5. Profilbild
    t.bechholds  AHU

    Ja die Viscountteile hatten mich auf der Messe auch neugierig gemacht. Ich bin allerdings etwas von der „Men in Black Präsentation“ vor ort eingeschüchtert worden . Überhaupt finde ich eher das Design fragwürdig, als denn „chic“. Erinnert doch etwas an „Start Trek Hohner D6“ Future Keyboard. Der klang hingegen geht wirklich in Ordung.

    • Profilbild
      Saxifraga  

      Zumindest ist es so designt das es was aushält. Wenn ich meinen Kronos fallen gelassen hätte wäre die Tastatur und Seitenteile hin gewesen.
      Beim Physis habe ich eher Angst um mein Parket.
      Und ich finde es schöner als all ediese Plastik oder Retro-Designs.

  6. Profilbild
    bytechop  

    Jedem der ein gutes TSagepiano sucht kann ich nur das Korg SV-1 empfehlem. Superteil! Und der Preis ist Spitze.

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