Test: Pioneer DDJ-SZ2, DJ-Controller

19. Januar 2017

The Bigger They Come ...

Kaum zwei Jahre ist es her, da stellte Pioneer mit dem DDJ-SZ seinen bis dato größten Controller/Mixer vor, wir berichteten natürlich (hier). Nun steht der Nachfolger, der Pioneer DDJ-SZ2, in den Regalen und wartet auf neue Kunden. Damals für einen Ladenpreis von 1650,- Euro erhältlich, lässt sich Pioneer die neue Version jetzt mit 2099,- Euro vergüten. Was rechtfertigt also diesen Preissprung? Sind es brandneue Funktionen, wurden völlig neue Features eingebaut?

Pioneer DDJ-SZ2 - der Kreuzer kehrt zurück

Pioneer DDJ-SZ2 – der Kreuzer kehrt zurück

Nun ganz nüchtern betrachtet muss man die Unterschiede zwischen den beiden Geräten schon genau suchen. Genau genommen sind es nämlich nur sechs Buttons auf jeder Seite eines Decks. Deswegen kann ich mir auch eine komplette Abhandlung ersparen. Alles was über die Hardware im o.g. Test berichtet wurde, gilt nach wie vor. Deswegen möchte ich in diesem Test einige andere Facetten beleuchten.

Anschluesse satt - Pioneer DDJ-SZ2 kann an zwei Rechner angeschlossen werden, um DJ-Wechsl zu ermöglichen.

Anschlüsse satt – Pioneer DDJ-SZ2 kann an zwei Rechner angeschlossen werden, um DJ-Wechsel zu ermöglichen

Der Pioneer DDJ-SZ2 ist immer noch ein 4-Kanal Standalone-Mixer/DJ-Controller. Man kann bis zu vier Geräte anschließen, darunter ist auch an zwei Phono-Eingänge gedacht worden. Bei diesem Aufpreis hätte man vielleicht erwarten können, dass Pioneer sich der oft erhobenen Klage nach der Möglichkeit, Audio von USB-Geräten abspielen zu können, angenommen und diese Funktion integriert hat – dem ist nicht so.

Ausgeliefert wird der wuchtige Controller zusammen mit Serato-DJ und die Neuerungen sind eben auch genau auf die „neuen“ Funktionen in Serato-DJ zugeschnitten. Zunächst einmal bekommt man nämlich neben Serato, in dessen Version 1.9.5.1695 der Treiber für den Pioneer DDJ-SZ2 enthalten ist, noch folgende Extension Packs mit auf den Weg: Serato Flip, Serato P‘NT DJ und die FX-Expansion Wolf Pack. Für die erweiterte Pitch-Engine liegt ein Voucher bei, den man einlösen kann und so ca. 27,- Euro spart. Für die Selbstverständlichkeit einer vernünftigen Pitch-/Timestretch-Engine braucht man nun also zumindest keinen Aufpreis zu zahlen. Wer sich näher mit diesem Thema beschäftigen will, dem sei ein Besuch der Serato-Foren empfohlen, wo dieser Umstand mit glühender Leidenschaft diskutiert wird.

Die neuen Buttons sind zur Steuerung der P‘TN DJ- und der Flip-Erweiterung notwendig. Die zusätzlichen Key Up/Down-Taster an der linken Seite der Decks ermöglichen dann ein Einstellen der Abspieltonhöhe unabhängig von der Abspielgeschwindigkeit. Nicht nur das, der gesamte Algorithmus ist ein anderer, weswegen die Musik bei extremeren Pitches nicht so zerbröselt.

die Neuerungen des DDJ-SZ2 im Detail

Die Neuerungen des DDJ-SZ2 im Detail

Die drei Schalter, die sich rechts oberhalb der großen Pads (die im übrigen Aftertouch-fähig sind, wenn man das im Utility-Modus aktiviert) befinden, sind hinzugekommen, um die Flip-Expansion zu steuern, mit der man on-the-fly Remixe eines Songs erstellen kann, sofern man vorher die entsprechenden Cue-Points gesetzt und deren Abfolge live eingespielt hat. Flip ist also nicht direkt für die Live-Performance gedacht, sondern zur Vorbereitung von Remixes. Apropos Performance: In der immerhin deutschsprachigen Anleitung werden die Pads durchgängig als „Auftritt-Pads“ bezeichnet. Auch zeichnet sich die Anleitung durch Stilblüten folgender Art aus, die das Verständnis vielleicht nicht erleichtern, dafür aber das Gemüt erheitern: „Verschiedene Auftritte können erzielt werden, ohne den Rhythmus zu brechen.“ (Handbuch DE S. 23)

hier spielt gerade ein Flip

Hier spielt gerade ein Flip

Der letzte Taster, der seinen Platz links unterhalb der Jog-Wheels gefunden hat, ist mit „Quantize“ beschriftet. Damit aktiviert man die seit Serato 1.6 enthaltene Funktion, um u.a. Cues quantisiert zum ermittelten Tempo zu setzten und abzuspielen.

Beim Test ist mir eine kleine Sache aufgefallen: Ist man in einem Loop und aktiviert den Censor-Modus, der die Passage kurzzeitig rückwärts spielt, so landet man bei gleichzeitig aktivierten Slip-Modus außerhalb des Loops. Durch einen einzelnen Druck auf die Shift-Taste, springt Serato jedoch wieder taktgenau in den Loop zurück.

Obwohl Plattenspieler angeschlossen werden können, ist dies wohl eine Option, die bei Pioneer nicht so im Fokus zu stehen scheint, denn die DVS-Erweiterung (Digital Vinyl System) ist eben nicht im Gesamtpaket enthalten und muss zum Preis von 99,- USD separat erstanden werden – also wieder nichts, was den Aufpreis rechtfertigen würde.

die Positionen der neuen Bedienelemente

Die Positionen der neuen Bedienelemente

Die enge Bindung an Serato-DJ bedeutet übrigens nicht, dass der Pioneer DDJ-SZ2 nicht auch mit anderer DJ-Software zusammenarbeiten würde. Alle Elemente geben auch MIDI-Controller-Daten aus, dies muss aber über den Utilities-Modus erst aktiviert werden. Zur Zeit des Testberichtes konnte ich jedoch noch keine Implementation für Traktor oder VDJ-8 finden. Es handelt sich, zumindest bei VDJ-8, beim Mapping lediglich um Fleißarbeit, deswegen kann ich kein Verständnis dafür aufbringen, dass ein solches von Pioneer nicht bereits ab Werk erstellt worden ist. Da das Gerät nicht USB-Class-Compliant ist, werden die entsprechenden Treiber auch für MacOSX benötigt. Dabei benötigt man mindestens Version 10.9 (Mavericks). Windows-User können ein wenig länger zurückgreifen, da der Treiber ab Windows 7 funktioniert.

Um die vielbeschworene Soundqualität zu untermauern, die in der Tat keinen Grund zur Beanstandung lässt, habe ich mal einen kleinen Testlauf gemacht. Hier die Ergebnisse:

Zusammenfassung

Frequency response (from 40 Hz to 15 kHz), dB
+0.09, -0.33
Good
Noise level, dB (A)
-100.2
Excellent
Dynamic range, dB (A)
100.2
Excellent
THD, %
0.0027
Excellent
THD + Noise, dB (A)
-87.8
Good
IMD + Noise, %
0.0050
Excellent
Stereo crosstalk, dB
-99.6
Excellent
IMD at 10 kHz, %
0.017
Very good
General performance
Very good

Frequency response

Left
Right
From 20 Hz to 20 kHz, dB
-0.61, +0.09
-0.59, +0.10
From 40 Hz to 15 kHz, dB
-0.33, +0.09
-0.31, +0.10

Noise level

Left
Right
RMS power, dB
-98.4
-98.6
RMS power (A-weighted), dB
-100.2
-100.3
Peak level, dB FS
-83.2
-82.6
DC offset, %
-0.0
-0.0

Dynamic range

Left
Right
Dynamic range, dB
+98.4
+98.4
Dynamic range (A-weighted), dB
+100.2
+100.1
DC offset, %
-0.00
-0.00

THD + Noise (at -3 dB FS)

Wie man sieht, ist das ganz ordentlich und entspricht in etwa dem, was man z.B. von einer Focusrite Saffire Pro bekommt.

Fazit

Der Pioneer DDJ-SZ2 ist in seiner zweiten Version immer noch ein absolut bodenständiger (und mächtig großer) Controller, dessen Ausstattung und Features voll überzeugen können. Durch die zusätzlichen Buttons können zudem die nun neuen Funktionen von Serato auch direkt vom Controller aus bedient werden. Da die Erstellung von Flips meiner Meinung nach allerdings eher etwas zum Vorbereiten und nicht für den Auftritt sind, stellt sich schon ein wenig die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Auch fehlt mir der Support für andere DJ-Software, denn Mappings sind kein Hexenwerk, sondern Fleißarbeit, soll doch der User machen? Wer diesen Controller gekauft hat, wird lange Freude damit haben. Besitzern des DDJ-SZ, der übrigens nicht mehr erhältlich ist, kann ich aber einen Umstieg nicht empfehlen. Dazu sind die Neuerungen einfach zu mau. Und sie rechtfertigen meiner Meinung nach auf keinen Fall den um 400,- Euro höheren Verkaufpreis von 2099,- Euro. Deswegen kann ich auch unmöglich ein sehr gutes Gesamtfazit ziehen.

Plus

  • vollausgestatteter DJ-Mixer und Controller in hervorragender Hardware-Qualität
  • sehr gute Audio-Performance
  • inklusive Serato P'TN DJ, Serato Flip und WOLF Pack FX Erweiterungen
  • Pads mit Aftertouch-Funktion
  • Steuerung der Flip-Erweiterung
  • Steuerung der P'TN-DJ-Erweiterung
  • Steuerung der Quantisierungsfunktion

Minus

  • Neuerungen kaum den Aufpreis wert
  • keine Mappings für andere DJ-Software
  • DVS-Erweiterung nicht enthalten

Preis

  • Ladenpreis: 2099,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    xhanibalx  

    Die derzeitige Strategie von Pioneer halte ich für langfristig ziemlich schlecht, mal sehen wie lange die Kunden da mimachen.

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Dem kompakten Gehäuse und den damit einhergehenden Vorteilen (ein Gerät, weniger Kabel, Gewicht) stehen die Probleme bei einer Haverie entgegen. Im Schadensfall ist man das gesamte Gerät los.
    Deshalb bevorzuge ich Einzelgeräte. Schnell im Schadensfall austauschbar und flexibler bei technischen Änderungen und zur Not kann man sich auch ein Gerät leihen.

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