Wie gut funktioniert die Effekteinheit als App?
Pioneer DJ RMX-1000 App – mit dieser Anwendung gibt es die beliebte Effekteinheit für DJs als iPad App. Sämtliche Funktionen der Hardware-Variante sollen dabei zur Verfügung stehen. So sind Isolate FX, Scene FX und auch der Sample Player digital vertreten. Auch wenn die App etwas älter ist, wollen wir uns ansehen, was sie kann, wie die Handhabung gedacht ist und für wen sie sich eignet.
- Funktionsumfang: Vollständige Abbildung der RMX-1000 mit Isolate FX, Scene FX, Sample Player und umfangreichen Customize-Optionen.
- Kompatibilität: Funktioniert ausschließlich mit ausgewählten Pioneer-DJ- und AlphaTheta-Mixern per USB-Verbindung.
- Bedienung: Klanglich solide, aber durch kleine Bedienelemente und Touchscreen-Steuerung im Club zu unpräzise.
- Einsatzgebiet: Eher für zu Hause, zum Experimentieren und Kennenlernen der RMX-1000-Effekte geeignet.
- Preis-Leistung: Sehr günstig im Vergleich zur Hardware, aber klarer Kompromiss bei Haptik und Live-Tauglichkeit.
Inhaltsverzeichnis
Zugegeben, dieser Test hat einen gewissen Retro-Tech-Charakter: Die App bildet die Pioneer DJ RMX-1000 aus dem Jahr 2012 ab und ist selbst bereits seit einigen Jahren erhältlich.
Wie kommen wir also drauf, jetzt einen Artikel über das Programm zu schreiben? Zum einen haben wir nachgeschaut und tatsächlich gab es bei uns noch keinen Testbericht zu dieser App und zum anderen, und dadurch sind wir erst auf die Pioneer DJ RMX-1000 App aufmerksam geworden, wird die RMX-1000 App im Rahmen des neu vorgestellten DJM-V5 auf der Produktseite mitbeworben. Das fanden wir dann doch recht spannend und dachten, dass wir die App testen.
Die Pioneer DJ RMX-1000 App im Überblick
Als direkter Disclaimer sei gesagt, dass es die App lediglich für das iPad gibt und keine Version für Android zur Verfügung steht.
Gegenüber dem Original gibt es was den Funktionsumfang angeht keinerlei Abstriche, das finden wir schon mal gut. Sämtliche Effekte und Funktionen stehen auf Anhieb zur Verfügung und zudem lassen sich einige Funktionen über Customize-Menüs je nach persönlichen Bedürfnissen oder Vorlieben anpassen.
Egal, ob Isolate FX über die drei großen Potis oder die Scene FX mit Unterteilung in Rise Up und Break Down Effekten für Spannungsbögen, alles steht in der App zur Verfügung. Auch der Sample-Player, mit dem wir die Auswahl zwischen Kick, Snare, Clap und HiHat und drei weiteren Bänken mit je vier Sounds bekommen. Hierbei wird jedoch leider die Möglichkeit verschenkt, dass man eigene Samples in den Player laden kann. Gerade durch den Zugriff auf andere Dateien aus der App heraus, hätte sich dies definitiv angeboten.
Der Anschluss mit dem passenden DJ-Mixer erfolgt über ein einfaches USB-C-Kabel, das das Tablet gleichzeitig zumindest etwas mit Strom versorgt. Der Port am DJM-V5 hat nur 15 Watt.
Steuert man in der App den Button „Customize“ an, öffnet sich am unteren Rand des Tablets ein Fenster, bei dem sämtliche Anpassungsmöglichkeiten angezeigt werden. Ganz rechts haben wir bei den Reitern ein Zahnrad-Symbol, worunter wir noch weitere Einstellungsmöglichkeiten vermutet hätten. Jedoch gibt es hier detaillierte Erklärungen für jeden Bereich und sogar jedes einzelne Bedienelement der Effekteinheit. Das ist wirklich toll umgesetzt, da die Oberfläche mit den verschiedenen Effektarten und Sektionen auch etwas überfordernd wirken kann, wenn man noch keine Erfahrungen mit der Effekteinheit hat.
Abseits vom AlphaTheta DJM-V5 unterstützen aktuell folgende Mixer die App: DJM-V10, DJM-A9, DJM-900 NXS2, DJM-750 MK2 und DJM-450. Mit dem DJM-450 und dem DJM-750 MK2 gibt es zumindest zwei Modelle, die preislich noch nicht über alle Grenzen schlagen.
Die iPad-App in der Praxis
USB-C-Kabel an den Multi I/O-Port des AlphaTheta DJM-V5 angeschlossen, auf USB gestellt, App gestartet und schon kann es losgehen. Zum DJ-Mixer selbst haben wir bereits unseren Testbericht veröffentlicht, den ihr hier verlinkt findet.
Für eine Handhabung, bei der wir in der Praxis nicht den Überblick verlieren, haben wir am DJ-Mixer eingestellt, dass die App das Master-Signal abgreifen soll. Hierzu möchten wir noch anführen, dass das Signal nach dem Durchlaufen der App vor dem Filter des Master-Channels eingespeist wird. Wer also möchte, kann auch nach der gesamten Effektkette der App das Signal filtern.
Beim Bedienen der App stört uns direkt ein Punkt: Zwar ist es sinnvoll, dass die App das Abbild des Hardware-Original widerspiegelt, jedoch wird hier extrem viel Platz auf dem Bildschirm verschenkt. Stattdessen hätte man Bedienelemente größer gestalten können, was wiederum zu einer besseren Handhabung beigetragen hätte. Ein schneller Wechsel zwischen beispielsweise den Isolate-FX-Arten kann so auch mehrere Anläufe brauchen, was in der üblichen Hektik der DJ-Booth ungewünscht ist.
Generell ist es aber eine tolle Lösung, zusätzlich einen Isolator oder die weiteren Effekte einfach bedienen zu können. Auch die Scene-FX kann man gut in den Mix integrieren, wobei man dies natürlich nicht übertreiben sollte.
Klanglich hören sich die Effekte allesamt recht digital an, auch der Isolator ist recht neutral und nicht so warmfärbend, wie man es von verschiedenen anderen DJ-Mixer-Modellen kennt. Klangbeispiele für die Scene-FX haben wir euch hier aufgenommen:
Mit dem Sample-Player lassen sich die einzelnen Samples triggern und über das X-Pad auch in bestimmten Intervallen abspielen. Schade dabei ist, dass wir abseits des Pitchs keine weiteren Anpassungsmöglichkeiten haben. Beispielsweise wäre es toll, wenn wir hier die Länge eines Samples mit einem eigenen Poti steuern könnten, jedoch würde dies erst sinnvoll sein, wenn wir eigene Samples in die Pioneer DJ RMX-1000 App laden könnten. Das ist aber, wie bereits gesagt, leider nicht möglich.
Bei den Isolate-FX und den dazugehörigen großen Potis für die Bänder Low, Mid und Hi gibt es zwar die gängige Lösung, dass mit einem doppelten Antippen der Parameter wieder in seine Ausgangsstellung springt, jedoch registriert die App anschdeinend nicht immer die Eingabe. Hier dennoch Klangbeispiele der Isolate-FX:
Gerade wenn man Übergänge vorbereitet und passend zum Drop des Songs das Signal wieder im Original wiedergeben möchte, ist aber genau so etwas natürlich wichtig. So bleibt uns nur entweder das penible Arbeiten an einem Touchscreen in der DJ-Booth oder die Betätigung des Release-FX.
Dieser ist in der Handhabung genau wie beim Original, nur lässt sich die Funktion nicht so gut auf den Touchscreen übertragen. Denn je nach Stellung des digitalen Kippschalters gibt es je nach Effektauswahl mehrere Zeitinkremente, in denen die Effektkette zum Stoppen gebracht wird. Als Trick dafür können wir euch Folgendes empfehlen. Im Customize-Menü könnt ihr die Release-FX ansteuern und die Zeitinkremente auch alle auf den gleichen Wert setzen. So garantiert ihr zumindest das gewünschte Timing. Hier Klangbeispiele zu den Release-FX:
Dennoch ist das Auflösen der Effektkette über den Kippschalter eine gute Idee, da gerade in Kombination mit Sample-Player, Isolate und Scene-FX schnell eine mehrgliedrige Effektkette zusammenkommen kann und man so pünktlich zum gewünschten Zeitpunkt wieder alles zurücksetzen kann.
Was uns besonders gut gefällt, sind die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten, die wir über den Customize-Button erreich können. Verschiedene Patterns beim Trans/Roll, Isolate-FX, Filter-Typ bei den Scene-FX oder eben das Timing bei den Release-FX sind direkt zugänglich. Je nach Effekt lassen sich in der Pioneer DJ RMX-1000 App tiefgreifende Anpassungen durchführen, mit denen man seinen eigenen Sound formen kann.
Abseits der Verwendung mit einem DJ-Mixer lässt die App auch sämtliche Musik auf dem Tablet mit der Effekteinheit bearbeiten. Diese muss sich jedoch innerhalb der Musik-App befinden. Ein Zugriff auf weitere Orte wie Cloud-Anbieter gibt es nicht. Wer sich einfach nur mit den verschiedenen Möglichkeiten des Gerätes vertraut machen möchte, kann sich dabei natürlich abseits des DJ-Setups austoben. Das hat natürlich nur sekundär mit dem Thema Auflegen zu tun, kann aber dennoch Spaß machen.
Wer sich eventuell fragt, ob man die Pioneer DJ RMX-1000 App nicht auch im Studio einsetzen kann, dem können wir nach etwas Herumprobieren noch Folgendes auf den Weg mitgeben. In unserem Fall hat das verwendete iPad lediglich einen USB-C-Port und keinen Klinkenausgang. Über die USB-C-Verbindung können wir das iPad jedoch als Eingangsgerät in Ableton auswählen und dann Audio aus der App aufnehmen. Audio in die App zu speisen ging jedoch nicht. Sollte man jedoch gewisse Spuren oder einen Song mit den Effekten der Pioneer DJ RMX-1000 App versehen wollen, müsste man diese vorher einmal exportieren und aufs iPad laden. Nicht praktisch, aber eben auch nicht unmöglich.
Die Zielgruppe der iPad-Anwendung
Die Zielgruppe für die App beschränkt sich auf all diejenigen, die bereits einen passenden DJ-Mixer und ein iPad besitzen. Wer beides sein Eigen nennt und immer mal über den Pioneer DJ RMX-1000 nachgedacht hat, kann sich hier ein gutes Bild vom Originalgerät machen. Spaß macht es uns, aber wir würden es nicht im Club benutzen, denn dafür ist uns die Handhabung zu unpräzise.
Der Preis der Effekte-App
Preislich liegt die Pioneer DJ RMX-1000 App bei 23,- Euro. Das ist natürlich um Welten günstiger als das Hardware-Original, das ursprünglich bei 699,- Euro lag und in den letzten Jahren auch oft erst für um die 1.000,- Euro zu erwerben war. Für diejenigen, die sich noch etwas der Nostalgie hingeben und den vollen Funktionsumfang des Gerätes kennenlernen wollen, haben wir hier den Testbericht zum Hardware-Gerät selbst verlinkt.


































