Test: Pioneer DJS-1000, Sampler / Sequencer

Der Pioneer DJS-1000 in der Praxis

Ab auf den Tisch mit dem Gerät, Kabel ran und anwerfen. Wie zu erwarten gibt es ein wenig Licht am Anfang, aber zu beschreiben ist fast so unspannend wie Unpacking-Videos auf YouTube. Wer jetzt sagt: „aber der Lieferumfang?“, ok. Kabel (Strom und Cinch, Lan und USB), Beiheft, Gerät. Zufrieden? Super, 10 Minuten YouTube-Video gespart und weiter im Text.

Zunächst einmal nutze ich das Gerät einfach einmal als Sampler. So, als wäre es ein Toraiz SP-16. Heißt zunächst auch, dass man das Gerät mit Samples befüllen kann. Das ist anders gehandhabt als beim Toraiz SP-16, dessen interner Speicher Platz für Samples bietet. Zwar besitzt der DJS-1000 einen internen Speicher und es befinden sich hier auch Samples (Loopmasters Sample Pack und Loopmasters 2017), allerdings können hier keine weiteren und eigenen Samples gespeichert werden. Eigene Samples können nur und immer nur über die USB-Schnittstelle per USB-Speichermedium auf das Gerät geladen werden. Entweder manuell in jeden Slot /Track oder aber als ganzes Projekt. So ein Projekt kann natürlich am Gerät selbst zusammengebastelt und gespeichert werden, es gibt aber auch eine Möglichkeit, dies am Laptop zu tun. Bisher nur für OS X erhältlich ist die Software DJS-TSP Project Creator in der Version 1.0.0 aktuell. Die freie Software ist sehr einfach aufgebaut und bietet die Möglichkeit, die 16 Pads = Tracks mit Samples zu befüllen und alles als Projekt zu speichern. Dieses Projekt kann später dann auch jedem DJS-1000 geöffnet und genutzt wie auch bearbeitet werden. Das Programm ist optisch keine Schönheit und lebt eher von der Funktion. Samples werden einfach per Drag’n’Drop in die Tracks geladen, der Rest erklärt sich aufgrund von wenigen Funktionen von selbst.

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DJS-TSP Project Creator – praktisch aber grafisch knapp über GTA 1 Niveau

Da es jedoch deutlich einfacher und schneller ist, Samples direkt am Rechner vorzuhören und gezielt zu laden und zu positionieren als am DJS-1000 selbst, würde ich es nutzen. Ein großes Manko am Toraiz SP-16 hat man beim DJS-1000 derweil gelöst. Samples in Tracks lassen sich in einen anderen Track verschieben, tauschen oder wie Pioneer es nennt „swappen“. Die Auswahl läuft über Track Setting und einen Druck in den jeweiligen Track auf dem Touch-Display. Danke. Bitte im nächsten Update für den Toraiz SP-16 auch.

Weiterhin kann übrigens über den Scene Manager auch in verschiedenen Szenen und Tracks navigiert werden, ganze Szenen oder nur Tracks aus Szenen können kopiert und an anderer Stelle eingefügt werden.

Jetzt bin ich schon ein wenig weit, deswegen noch einmal ein kleiner Sprung zurück. Samples können also von außen auf den Sampler geladen werden, nicht aber im internen Speicher gespeichert werden. Für den persönlichen Gebrauch finde ich das natürlich total unsinnig, auch wenn ein Grund dies ein wenig relativiert. Der Sampler soll quasi ein „öffentliches“ Gerät im Club sein und damit ist es natürlich klar, dass man hier Sticks einsteckt und Projekte lädt, nicht aber schon Projekte auf dem Speicher hat. Auf der anderen Seite stelle ich mir zwei Fragen.
Wieviele Clubs werden sich einen DJS-1000 hinstellen? Da ist die Antwort wohl: sehr wenige. Die zweite Frage wäre, wieviele DJs sich einen DJS-1000 ins Studio oder ins eigene Setup stellen, um damit zu spielen. Weniger, aber sicher mehr als Clubs. In meinen Augen also ist die Sperrung des internen Speichers damit sinnlos.

Da es nicht anders geht, laden wir die Samples vom USB-Stick. Vorbereitet in der Software kann man so das Projekt schnell öffnen. Befüllt können 16 Tracks mit je einem Sample pro Szene. Es gibt 16 Szenen mit je 16 Pattern, also können gleichzeitig insgesamt 256 Samples geladen werden. Gesamtlänge der Samples: 32 Sekunden.

Ein Pattern kann dabei wohlgemerkt eine Länge von einem Step bis hin zu 64 Steps haben. Die blauen Tasten unten rechts erlauben das Verlängern des Pattern schrittweise um je 16 Steps, per Shift- und Pattern-Taste kann die jeweilige Länge schrittweise verändert werden.

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4x 16 Pattern können auf Wunsch durchlaufen

Für die Samples gibt es grundlegend ein paar Einstellungen. Natürlich die Lautstärke des Samples, die identisch ist mit der Lautstärke im Mixer. In diesem befinden sich nebeneinander alle Tracks, so dass hier alle Lautstärken eingestellt werden können. Dazu kommt der Pitch-Wert, Velocity für das Pad, Time Stretch (Off, Resample oder Master Tempo), Loop und der Trigger Mode.

Samples können nun natürlich entweder dauerhaft über die Pads gespielt oder aber im Step-Sequencer platziert werden. Dies kann entweder durch das manuelle Programmieren der Steps geschehen oder aber durch das schnelle einprogrammieren on the fly durch Recording des auf per Pads Gespielten. Welcher Weg genutzt wurde, lässt sich dabei an den Tasten der einzelnen Steps erkennen. Gespielte Samples werden durch Blinken der jeweiligen Taste angezeigt. Wurden die Samples manuell einprogrammiert, also durch Tasten- und nicht durch Pad-Drücken, so leuchtet die jeweilige Taste am Step-Sequencer durchgehend.

Wichtigstes Bedienelement: Die farbigen Pads

Einen guten Überblick über sein ganzes Werk kann man im Unterpunkt SEQ. finden, direkt anwählbar im Display (zur Ansicht) oder mit dem Umweg über den Punkt Scene/Pattern im Display dann auch mit der Möglichkeit zur Bearbeitung. Hier gibt es eine Übersicht über die einzelnen Szenen wie auch Pattern, aber auch über die gesamte Sequenz. Szenen und Pattern können hier kopiert werden, Tracks aus verschiedenen Szenen auch in andere Szenen, aber auch ganzen Pattern in weitere Pattern – dies im Unterpunkt Sequenz. Per Copy & Paste kann hier der Inhalt eines Tracks in einem Pattern in die vier weiteren Pattern der Szene kopiert werden, gleichzeitig gibt es hier eine Übersicht über alle Samples – aufgebaut und grafisch dargestellt wie eine Piano Roll.

Eine Übersicht über alle Samples gibt es im Bereich Sequencer. Hier kann auch kopiert werden!

Natürlich können die Samples dabei nicht nur klassisch, sondern auch im Scale Modus chromatisch gespielt werden. Der Scale Mode erlaubt das Spielen von Samples über eine Range von 16 Halbtonschritten über die Pads.
Dabei können diese nicht nur gespielt, sondern auch manuell gesetzt werden. Einfach die Taste des jeweiligen Steps gedrückt halten und das Pad mit der gewünschten Tonhöhe im Scale Modus drücken und schon in das Sample in der gewünschten Tonhöhe auf den gewählten Schritt gesetzt.

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Scale im Display. Die Pads werden übrigens ebenfalls, naja, sagen wir mal, rosa

Im gleichen Zuge können auch die Parameter Volume und Pitch direkt für jedes Sample in jedem Track und jedem Step verändert werden. Wenn man die jeweilige Taste am Step-Sequencer ein wenig länger gedrückt hält, werden im Display die Parameter Volume und Pitch rot umrahmt und man kann diese per Poti passend für jeden Step separat verändern.

Wie auch beim Toraiz SP-16 kann das jeweilige Sample natürlich direkt bearbeitet werden. Dazu gibt es das Track Menü mit der Möglichkeit des Eingriffes auf das Sample selbst mit Pitch, Start- und Endpunkten, manuell oder via Grid Snap, Reverb, Loop oder nicht und One Shot Play oder als Gate.

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Im Track Menü kann das Sample bearbeitet werden

Selbstverständlich kann auch wieder die Hüllkurve über Velocity, Attack, Hold und Release bearbeitet werden und pro Track kann auch ein Effekt insertiert werden. Ein LFO wie beim Toraiz SP-16 gibt es ebenfalls und sowohl Hüllkürve als auch LFO, auch der Effekt kann wahlweise gebypasst werden. Per Sequencer können gesetzte oder aufgenommene Samples getriggert oder mit einem Offset versehen werden, Trigger-Speed wählbar von 1/64 zu 1/4.

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Die Wellenform des Samples

Der Touch Strip wird schnell abgearbeitet. Kleiner als beim Toraiz SP-16 bietet er eine Range von 1/1 bis zu 1/8, Pitch, Repeat oder zwei User Slots für die manuelle Zuweisung von Parametern, ebenso eine Hold Funktion. Eine ausführliche Anleitung zum zuweisen von Parametern.

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Kurze Sache: Der Touch Strip für Pitch, Repeat oder zwei frei wählbarer Parameter

Step-Sequencer – zwei statt einer Reihe

Die Anordnung der 16 Steps auf dem Step-Sequencer finde ich zugegeben gar nicht so verkehrt. Im ersten Moment schien es ungewöhnlich, jetzt bei der Nutzung muss ich sagen, finde ich es sogar besser als eine lange Reihe. Sind wir ehrlich, Techno (und dafür wird der DJS-1000 wohl primär genutzt werden) ist stumpf. 4/4-Takt und Synchronität. Zwei Reihen mit je acht Steps ist da einfach übersichtlich und auch schneller zu Bespielen. Zwei Kicks oder Snares können übereinander mit einer Hand gleichzeitig gesetzt werden. Beim Toraiz SP-16 würde man hier zwei Hände oder zwei „Arbeitsschritte“ benötigen.
Dazu kommt noch ein großer Punkt. Wer auf meinen Toraiz schaut, wird dort kleine Tape-Streifen sehen.

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Pioneer Toraiz SP-16 vs. Pioneer DJS-1000

Warum? Weil man bei 16 Steps im Dunklen (und ja, im Club ist es meist dunkel) nicht genau sieht, wo die Viertel-Takte beginnen, wo die 3-und sitzt oder oder oder. Leuchtet ja nichts darüber. Wäre aber vielleicht gar nicht so verkehrt. Stärkere LEDs auf der 1, 2, 3 und 4 und schwächere auf den jeweiligen Und-Zählzeiten?
Nun, was beim SP-16 der Tape-Streifen retten muss, ist beim DJS-100 einfach übersichtlicher, da man hier nur acht Schritte hat und darin lässt es sich deutlich leichter navigieren.

Zwei Reihen statt einer. Zunächst gewöhnungsbedürftig, später klar als angenehmer empfunden.

Live-Sampling statt Sample-Arbeit

Live samplen – was der SP-16 schon konnte, hat der DJS-1000 noch einmal auf ein höheres Niveau gebracht. Vor allem in der Einfachheit des Workflows hat man hier noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Sampling selbst lässt sich per Knopfdruck auf die Taste neben dem Display als „Funktion“ öffnen und man sieht sofort die Pads rot aufblinken. Um die Tracks im Display liegt nun ein roter Rahmen und per Druck in einen der Tracks öffnet sich das Live Sampling Fenster.

Roter Rahmen – das Samplen kann beginnen!

Hier kann die Länge des Samples vorab eingestellt werden, manuell bis 16 Beats, ebenso ob es einen Input Monitor geben soll oder nicht. Das Aufnehmen selbst geschieht dann einfach durch Drücken des Pads – entweder manuell über die Länge der gewünschten Aufnahme oder bei voreingestellter Länge einmalig. Passt das gewünscht Sample, kann es direkt gespeichert werden. Passst es nicht, kann man es aus dem Slot werfen (unload) und eine neue Aufnahme starten. Ist man der Sache sicher, kann man per „Loop after Rec“ das Sample direkt nach der Aufnahme im Loop abspielen lassen. Im Regelfall über den Pro DJ Link erhaltendes Tempo und Timing sowie voreingestellte Loop-Längen der Aufnahme machen die tighte Aufnahme eigentlich für alle mit einer linken und einer rechten Hand zu einer todsicheren Angelegenheit.

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Das aufgenommene Sample kann direkt nach der Aufnahme im Loop gespielt werden

Natürlich können alle aufgenommen Samples nach Verlassen des Sampling Modus wie alle anderen Samples auch bearbeitet werden, Hüllkurve, Effekte, Timing etc.

Insert-Effekte des DJS-1000

Wie der Toraiz SP-16 besitzt auch der DJS-1000 eine Reihe an Insert-Effekten, die in jedem Track eingefügt werden können. Dazu gehören in diesem Fall Chorus, Flanger, 2-Band EQ, Filter, Delay, Reverb, Lo-Fi, Kompressor, Distortion, Phaser und Ducker. Für mich persönlich am wichtigsten dabei Kompressor, Delay und Filter.

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Insert-Effekte für jedes Sample

Ein wenig Spielkram ist Lo-Fi, wobei man damit gute Ergebnisse erzielen kann, wenn man ein wenig mit der Reduktion und der Bit-Tiefe arbeitet. Cutoff-Frequenz und Resonanz erlauben dazu eine weitere Soundveränderung, die gerade im Hintergrund auf einzelnen Samples den kleinen Effekt erzeugen kann, der es ausmacht. Das Filter kann dabei übrigens gewählt werden als LPF, HPF oder BPF, pre oder post der Resonanz.

Zu jedem Effekt gibt es also verschiedene Parameter und einen Dry/Wet-Regler, die allesamt über die Potis unter dem Display geregelt werden können. Dazu kommen natürlich verschiedene Parameter, die über das Touch-Display ausgewählt werden können, zum Beispiel die Flankensteilheit des Filters wie auch die Art des Filters oder des EQs. Chorus, Delay oder auch Phaser können synchron laufen (wenn gewünscht). So kann dann zum Beispiel beim Delay gewählt werden in Zeit-Schritten entsprechend des Beat-Timing von 16/1 bis hin zu 1/16 Schritten. Die Alternative ohne automatische Synchronisation wäre entsprechend von 0,1 bis hin zum Wert 10. Einzelschritte auch in diesem Fall können per Shift-Taste eingestellt werden, ansonsten bedeutet ein Raster-Schritt am Poti eine Wertänderung von 0,5 Schritten.

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Beispielhaft ein Effekt im Display. Die Potis unterhalb des Displays dienen den Parametern.

Kleines Manko wie auch schon am SP-16: Pro Track ist nur ein Effekt-Slot. Heißt, man kann leider kein Filter setzen und eine Kompression durchführen, obwohl das oftmals notwendig wäre. Hier beim DJS-1000 definitiv deutlicher zu verschmerzen als bei der Produktionsmaschine, dem Toraiz SP-16, der das eigentlich können müsste.

FX = DJM-Effekte on top?

Neben den Effekten in jedem Track bietet der DJS-1000 eine eigenständige Effekt-Sektio. Diese ist definitiv nicht auf den dauerhaften Effekt-Einsatz ausgerichtet ist, sondern auf die Nutzung von Effekten wie an einem DJ-Mixer. So ist auch die Bedienung ausgerichtet. Links vom Display eine Taste für FX, dazu ein großer On/Off-Schalter in Blau und ein Level-Regler. Effekte wie beim DJM? Ja, ein wenig. Es gibt ein Highpass-Filter wie auch Lowpass-Filter, ein Dub-Echo, Pitch-Echo, Pitch, Lo-Fi, Reverb und Plate Reverb. Bevor ich hier viel schreibe, gibt es ein paar Soundbeispiele.

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Effekte im Stil eines DJM-Mixer auf dem Master, aber …

Die beiden Filter sind gut, das Dub-Echo tut ebenso gut seinen Dienst. Der Pitch ist irgendwie nicht so befriedigend, während auch hier der Lo-Fi Effekt Spaß bringen kann, ebenso das Reverb. Zu jedem Effekt gibt es zwei bis drei weitere Parameter über Level/Depth aka Dry/Wet hinaus.
Zu den Filtern gibt es zum Beispiel die Einstellung der Flankensteilheit (12 oder 24 dB / Oktave) wie auch die Resonanz. Beim Reverb gibt es Room Size und Damping, beim Echo natürlich Time und Feedback, aber auch die Frequenz, in der das Echo seinen Mittelpunkt haben soll. Die Einstellungen lassen nicht nur wichtige Einstellung für den Klang zu, primär zum Beispiel die Resonanz bei den Filtern, sondern lässt auch während des Effekts klangliche Veränderungen zu. Da zu gehört beispielsweise  Room Size und Damping bei einem Reverb. Alles zu hören in den Soundbeispielen.

Mit dem Punkt „Select Track“ ist ein wenig unscheinbar ein starkes Tool mit in die Effekt-Sektion integriert. Per „Select Track“ können bestimmte Tracks von der Effektierung ausgeschlossen werden. Weiß umrandet sind alle Tracks, auf die der Effekt wirkt. Einfach einen Track drücken und der Rahmen verschwindet, ebenso wie die Zuweisung zum Effekt. So kann der Effekt nur auf einzelne Tracks wirken, nicht beeinflussend zum Beispiel die Kick-Spuren bei einem Echo. Auch das ist in den Soundbeispielen zu hören. Starkes Tool in jedem Fall, welches der Performance gut tut. Schön auch, dass die Auswahl sich so leicht durchführen lässt und man hier nicht per Encoder navigieren und per Tastendruck wählen muss.

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Effekte nur auf bestimmte Track. Stark.

Qualität und Haptik

Wer kennt die aktuellen Pioneer DJ CDJ- und XDJ-Modelle? Gut. Der DJS-1000 ist von der Qualität und Haptik genauso.
Wie zu erwarten liefert Pioneer DJ auch hier die bekannte Qualität. Massives Kunststoffgehäuse, Kunststofftasten, teils gummierte Potis auf Kunststoffstiften und gummierte Pads. Zu den Pads gibt es dasselbe zu sagen wie auch zu denen des Toraiz SP-16: Es klappt nicht immer. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es am falschen Druckpunkt liegt, an zu wenig Kraft oder an der Software. Tatsache ist, im laufenden Betrieb reagiert der DJS-1000 nicht immer perfekt und nimmt nicht immer jeden Pad-Anschlag auch auf. Genau das macht der SP-16 auch. Ist die Maschine nicht am Arbeiten sondern im Stop-Zustand, reagieren die Pads schon auf recht mittelschweren Druck und spielen das Sample ab. Ein Unterschied zu der Beobachtung. Heißt im Klartext: Man muss beim Spielen das Pad in einem solchen Fall recht genau von oben treffen und darf gern kraftvoll spielen. Die Ausfälle selbst kenne ich wie gesagt vom SP-16 und es betrifft nur sehr seltene Fälle. Dieses Auftreten ist übrigens unabhängig von der eingestellten Quantisierung und auch unabhängig von der Einstellung der Velocity (On oder Off).

Ansonsten funktioniert der DJS-1000 im Test einwandfrei. Die übereinander liegenden Tasten des Step-Sequencers sehe ich derweil sogar als Vorteil im Handling, da es einfach, gerade im dunklen, übersichtlicher ist. Dass die Play/Pause- und die Stop/Gate-Tasten größer sind als der Record Button, dient natürlich dem Design, angelehnt an die Media-Player, hätte ich mir allerdings genau anders herum gewünscht. Meiner Erfahrung nach mit dem Toraiz SP-16 läuft dieser teilweise komplette Sets ohne Stops durch, es wird aber regelmäßig von der Recording-Funktion Gebrauch gemacht. Die Prioritäten sind also genau anders herum.

Einen klaren Vorteil des DJS-1000 gegenüber einem Toraiz SP-16 findet man natürlich im Format, auch aber in den Anschlüssen. Der SP-16 benötigt ein eigenes Netzteil, ist breit aber nicht tief. Der DJS-1000 kann an die gleichen Kabel angeschlossen werden wie ein XDJ- oder CDJ der neueren Baureihe (also alle, die ein Kaltgerätekabel haben). Das Gerät benötigt dann eventuell nur noch zusätzlich ein Input-Kabel vom Mixer als Insert.
Klarer Vorteil des SP-16 allerdings: Er passt deutlich einfacher in eine Tasche, da er schlanker und flacher ist als der DJS-1000. Dieser hat nun einmal die Maße und das Gewicht eines CDJ-2000NXS2 und wird dabei fast immer eine extra Tasche benötigen. Der Fall, dass der DJS-1000 bald in jedem Club zu finden ist, den sehe ich nämlich in der Tat ehrlich gesagt nicht. Das wird für den einzelnen Artist und Besitzer eines DJS-1000 Wunschdenken bleiben, am Ende aber wird man tragen müssen, wenn man den DJS-1000 nutzen möchte.

Dagegen hilft auch nicht, dass Projekte vom Toraiz SP-16 mit dem DJS-1000 kompatibel sind und SP-16 Projekte auch auf dem DJS-1000 geladen werden können.

Fazit

Mit dem Pioneer DJS-1000 ist es ohne Frage gelungen, die Idee hinter dem Toraiz SP-16 in einen Sampler zu transportieren, der DJ-tauglicher ist. Eigentlich bezieht sich das primär auf das Gehäuse und Design, denn viele der Funktionen gleichen sich natürlich. Der DJS-1000 ist dabei aber eher ein wenig auf die Live-Performance ausgelegt, bietet zum jetzigen Zeitpunkt eine schnellere Möglichkeit des Samplings von einkommenden Signalen, zum Beispiel vom Mixer oder einzelnen Playern, dazu auch noch eine schnellere Vervielfältigung über zum Beispiel Swappen oder kompletten Kopierens von Sequenzen.

Nicht alle Funktionen konnten nun im Test ausführlich beschrieben und genannt werden, dazu ist der Pioneer DJS-1000 einfach zu umfangreich, auch in den kleinen Einstellungen zu Samples oder Funktionen. Ich kann daher nur jedem raten, der ehrliches Interesse daran hat, sein DJ-Setup um einen Sampler zu erweitern, dieses Gerät einmal zu testen, idealerweise nicht nur für ein paar Minuten, sondern ein wenig umfangreicher. Die Möglichkeiten sind jetzt bereits viel vielfältig, man hat hier offenbar vom Toraiz SP-16 viel gelernt und viel, was dem Toraiz noch fehlt, im DJS-1000 bereits integriert.

Mein persönliches Fazit: Der DJS-1000 bringt den Workflow auf eine neue, einfachere Ebene, ist zugleich aber tiefergehend in den Möglichkeiten. Er ist mehr auf Live-Performance ausgelegt als der Toraiz SP-16 und hat einige Funktionen, die ich mir dringend für den SP-16 wünschen würde. Selbst wenn der SP-16 diese irgendwann hat, wird der DJS-1000 wohl weiterhin mehr Live-orientiert sein, Sampling z.B. wird wohl weiterhin mit dem DJS-1000 leichter und schneller von Statten gehen. Ich denke da wird Pioneer bewusst Grenzen behalten. Ins Setup integriert sich der DJS-1000 schnell und arbeitet hier fleißig und zuverlässig.

Die Software zum Erstellen von Projekten am Rechner ist grafisch noch eine Katastrophe, erfüllt aber sehr rudimentär seinen Zweck. Warum jedoch der interne Speicher des DJS-1000 komplett geblockt ist gegenüber Speichern von Samples und Projekten ist mir unklar, bzw. ich finde es nachteilig. Natürlich bleibt der Punkt, dass der DJS-1000 ein Sampler im Club sein soll, den jeder selbst befüllen soll, aber wie schon im Test genannt glaube ich nicht, dass sich viele Clubs den DJS-1000 hinstellen werden. Die meisten Geräte werden bei DJs privat landen und daher ist der geblockte Zugriff auf den internen Speicher leider kein schlauer Schachzug.

Positiv sind in jedem Fall die internen Effekte und die Möglichkeit diesen nur auf bestimmte Tracks wirken zu lassen. Das Sampling geht schnell von der Hand, Recording von eingespielten Samples ebenso.

Für einen Preis von 1299,- Euro bekommt man nun quasi den Toraiz SP-16 aufgebohrt auf mehr Performance im Player-Design zu einem geringeren Preis. Hätte ich damals schon die Wahl gehabt, ich hätte mir vielleicht doch den DJS-1000 gekauft und keinen Toraiz SP-16. Aber Achtung: Den SP-16 bekomme ich samt Kopfhörern, Klamotten, Kabeln, weiterem externen Effekt-Gerät, noch mehr Kabeln und anderem Stuff in einen großen Rucksack – wohl verpackt in einzelnen Fächern wohlgemerkt. Das dürfte mit dem DJS-1000 schwieriger werden und dann sind wir wieder bei der Frage, welche Clubs den wohl stehen haben werden.

 

Plus

  • kompaktes, bekanntes Format des Geräts
  • interne Effekte, zuweisbar auf einzelne Tracks
  • Effekte für den Master-Out, einzelne Tracks zuweisbar / nicht zuweisbar
  • Live-Sampling im Handumdrehen
  • synchron dank Einbindung ins Setup per Pro DJ Link
  • MIDI Out per MIDI oder USB
  • gute Übersicht + Transfer-, Tausch-, Kopiermöglichkeit von Samples und Pattern

Minus

  • Pads reagieren teils nicht sofort / nicht regelmäßig (bereits bekannt vom Pioneer Toraiz SP-16)
  • Ausgabe nur über einen Master-Out, nicht über mehrere Kanäle möglich
  • speichern von Projekten und Samples auf dem internen Speicher nicht möglich

Preis

  • Ladenpreis: 1299,- Euro
Klangbeispiele
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    miro momo

    Pioneer verfolgt eben konsequent die Pro – Schiene….und der der Pro (ich bin keiner) der schleppt heutzutage fast keine Geräte mehr mit sonder schreibt sie auf seinen Rider.
    Bringt mir als HobbyDJ jetzt nicht viel, ist aber nachvollziehbar.

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      Bolle  RED

      Stimmt schon. Die Idee ist geil, das Gerät wird sich aber in keinem Club finden wie auch ein Model1 nicht. Deswegen meine Intention zum SP-16. Kommt nicht an die aktuellen Funktionen vom DJS-1000 ran, ist aber transportabler. Da muss ich selbst aber auch nochmal das Update machen, denke, da sind auch einige Funktionen dazu gekommen beim SP-16.

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    AMAZONA Archiv

    Toller Test und interessantes Gerät! „Hat ein Gerät ein wenig Studio-Look und mehr als zwei Ausgänge, die es zu bespielen gibt, ist ein Großteil der DJs direkt komplett überfordert.“ Als ich das las musste ich tierisch lachen, denn es ist so wahr :D Auch der Seitenhieb auf die unpacking Videos hat mir gefallen. Aber habe ich das richtig verstanden, dass der DJS-1000 wirklich nur 32 Sekunden Samplezeit insgesamt hat? Falls ja, frage ich mich ob RAM plötzlich wieder extrem teuer geworden ist. Schade! Ein Mash-up oder kleine Live-Megamixe mit Schnipsel aus 16 Tracks die man über die Pads abfeuert ist dann beispielsweise ein Ding der Unmöglichkeit.

    PS ist ein lustiger Zufall dass ich schon den ganzen Tag 80er Jahre Megamixe höre, wo eben auch sehr kreativ viele Samples mit eingeflochten wurden.

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      Bolle  RED

      Hey, vielen Dank!! :)
      Ja leider sind 32 Sekunden Sample-Zeit angesetzt. Ich hab mal 64 Sekunden gelesen, konnte das aber nicht verifizieren. Leider tatsächlich ein wenig knapp bemessen, habe ich bereits ein paar Mal feststellen müssen. Verstehe auch nicht, was die Begrenzung soll. Da würde ich mir schon so 60 Sekunden oder so wünschen. So muss man halt stückeln – was ja per se geht, aber nervig ist und Platz kostet – nicht Speicherplatz, sondern Spuren-Platz quasi.

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          AMAZONA Archiv

          Also 16 * 32 Sekunden? Das würde mir völlig ausreichen und mehr Sinn machen als 32 geteilt durch 16 Pads :) Vielleicht schau ich mir das Teil mal im nächsten Jahr genauer an. Danke für die Rückmeldung @glain und @bolle :)

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            Bolle  RED

            raff ich jetzt nicht. Wie 16`*32 Sekunden?
            16 Pads = Tracks á jeweils 32 Sekunden.

            Bleibt also bei Alten: Pro Track = Pad = Sample max. 32 Sekunden.

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              glain  

              Ich habe es so verstanden, dass Marius, davon ausgegangen , dass das ganze Gerät nur 32 Sek hat.

              Hier wird es mal, für die sp-16 erklärt, wobei seit 1.4, 64 sek möglich sind.

              Die sp-16 hat 256 MBit RAM und 8 gab Flash Rom. Wobei es unterschiedliche Meinungen gibt.

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                AMAZONA Archiv

                Ganz genau! Deshalb hab ich je gefragt ob das Gerät wirklich nur 32 Sekunden Samplezeit insgesamt hat. Also wirklich komplett, alles, alle pads / tracks / whatever – Denn das erschien mir doch zu wenig. Bei 32 Sekunden pro Track / Pad / Blubb sieht das ganze schon wieder anders aus, denn damit könnte man schon klar kommen.

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                  Bolle  RED

                  Ja nein ja. Also ja. Nein. Verdammt.
                  Also..egal, so wie du schreibst ist richtig :) 32 pro. Was kann das alles kompliziert sein.

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                    AMAZONA Archiv

                    :D :D und jetzt stell Dir vor, jemand der sich absolut gar nicht mit dieser Technik auskennt, würde die Kommentare lesen :D :D

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                      Bolle  RED

                      Scheisse. Wie lustig ist die Vorstellunge denn. Ich entschuldige mich dafür, dass kann ja echt keiner mehr verstehen.
                      Und jetzt versteht sowieso keiner mehr was zwischen 8 Bit, 32 und 64 Sekunden und was das mit 33 1/3 und 45 zu tun hat, wenn alles auf 44,1 läuft.

  3. Profilbild
    glain  

    Select Track hatte ich im pioneer Forum als Group Mode mir für die sp-16 gewünscht. Wäre mir lieber als der umständliche send.

    Es ist sehr Schade, dass die Geräte nicht die selben Features haben. Der DJS kann auch Mutes speichern.

    Dafür hast die sp-16 jetzt 64 sek samplezeit, wer es braucht.

    Ich hoffe pioneer passt dies noch an, plus einige zusätzliche Dinge, weil beides sehr interessante Geräte sind.

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Ja der Send beim SP-16 ist auch noch so eine Sache…also, eigentlich keine. Mal sehen, was da noch so kommt..

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