Test: Pioneer HDJ-S7

10. Mai 2018

Ein kräftiger Satz auf die Ohren!

Die Bandbreite wird größer. Dort, wo genau diese eigentlich schon recht breit ist, stupst Pioneer DJ mit dem Pioneer HDJ-S7 noch ein Stück nach links und rechts, um Platz zu schaffen für ein weiteres Modell. Der HDJ-S7 wird ein neuer DJ-Kopfhörer neben den bereits am Markt verfügbaren HDJ-Modellen, jedoch mit einem Unterschied. Ein Unterschied zum HDJ-2000MKII oder einem HDJ-1500 oder aber den aktuellen HDJ-X-Modellen wie dem HDJ-X5, HDJ-X7 oder HDJ-X10. Vielleicht gleichzeitig auch ein Nachfolger zum HDJ-C70?

Klar wird auf jeden Fall sofort, dass Pioneer neben den oben genannten (außer dem HDJ-X70) Modellen mal wieder einen DJ-Kopfhörer für „auf die Ohren“ statt „um die Ohren“ auf den Markt bringt – fast schon eine Seltenheit in der breiten HDJ-Serie. Vielleicht kann man auch deswegen sagen, dass der HDJ-S7 der Nachfolger zum HDJ-C70 ist, denn er liegt mit 199,- Euro in exakt dem Preisbereich und auch die technischen Daten sprechen für sehr viel Ähnlichkeit.

Pioneer HDJ-S7 – ein erster Blick

Nun, der erste Blick wurde ja schon getan und wie schon genannt, handelt es sich um einen On-Ear DJ-Kopfhörer. Geliefert wird dieser im klassischen Pappkarton. Eingebettet hier findet sich das mitgelieferte Soft-Case mit Reißverschluss für den Kopfhörer. Dieses bietet nicht nur Platz für den Kopfhörer, sondern auch für ein gerolltes Spiralkabel (1,2 m lang, ausgezogen 3 m). Das zweite Kabel liegt anbei, ein gerades Kabel mit 1,6 m Länge. Das verrät schon ein Detail des Kopfhörers: Das Kabel ist nicht fest verbunden. Gut, derweil hat man das schon erwartet – aber bevor Fragen kommen, schnell die Info gegeben.

Kleines Feature noch in dem solide wirkenden Case: Innen befindet sich eine flache Mesh-Tasche für USB-Sticks, den 6,3 mm auf 3,5 mm Adapter oder SD-Karten.

Zurück zum Wichtigen, zum Kopfhörer. Dieser ist in Weiß und Schwarz erhältlich, unverkennbar haben wir zum Testen den Schwarzen bekommen.
Anders als die HDJ-X Modelle ist der HDJ-S7 ein wenig schlanker gestaltet. Grund dafür sind natürlich die kleineren Kapseln für die Treiber. Unauffällig in Schwarz gehalten sind Bügel wie die Ohrmuscheln, ein kleiner silberner Ring ist das neue Erkennungsmerkmal der Pioneer Kopfhörer, den auch dieses Modell trägt.

Der Bügel besitzt das, was man heute als Silk-Touch-Oberfläche bezeichnet, das heißt nicht weich, aber auch nicht hart – eher gummiert. Das ist der Bügel auch von der Unterseite und sorgt damit für guten Halt, ist aber nicht wirklich gepolstert.

Zur Größenverstellung des Kopfhörers kann der Bügel verlängert werden – quasi ausgefahren. An beiden Seiten gibt es hier so, gerastert die Möglichkeit, den Kopfhörer um 3,5 cm zu vergrößern. Ich selbst behaupte ja immer, ich hätte einen Durchschnittskopf, zumindest passt mir eine mittlere Hut-/Mützen-Größe und auch hier auf etwa 60 % beidseitig aus. Es ist also Luft nach oben, wie auch nach unten. Luft ist nicht nur aufgrund der Größenverstellung nach oben, sondern auch aufgrund der Flexibilität. Ich habe mich nicht getraut, den Kopfhörerbügel bis zum Maximum, also Bruch oder flach zu biegen, aber auch jenseits der normalen Kopfgröße und Biegung des Bügels, welche er im harten DJ-Alltag ertragen muss, hatte ich an keiner Stelle das Gefühl, dass ein Bruch bevorsteht. Vermutlich also kann man ihn sogar bis „flach“ biegen – probiert das aber gern mit eurem eigenen Gerät aus. Ich denke, der Bügel wird halten und Pioneer DJ selbst verspricht ja auch nicht wenig. Wie schon einige Modelle vorher soll auch der Pioneer HDJ-S7 unter härtesten Bedingungen halten. Beweis dafür, der erfolgreich absolvierte Test des amerikanischen Militärs, MIL-STD-810G, ein Standardtest für Materialstabilität.

Pioneer HDJ-S7

Größe? Variabel!

Am Ende des oberen Bügelteils befinden sich die Gelenke. Diese fallen ein wenig sparsamer aus als bei der HDJ-X-Serie und genau anders als der HDJ-C70. Während dieser ermöglichte, die Muscheln nach hinten zu klappen, nicht aber zu drehen, ermöglicht der Pioneer HDJ-S7 nun, diese Ohrmuscheln zu drehen, nicht aber zu kippen. Beide Muscheln lassen sich zu circa 45 Grad nach vorne drehen, was wiederum ermöglicht, den Kopfhörer einseitig auf den Hinterkopf zu schieben, während sich die Muschel hier dreht und perfekt auf dem Kopf liegt. Ob klappen oder drehen, bei beiden Modellen geht die eine Muschel gut nach hinten, beziehungsweise sogar beide. Dafür sorgt versteckt das Gelenk.

Ein weiteres Gelenk befindet sich am Übergang des Bügels zur Muschel. Diese kann hier um 180 Grad gekippt bis hin zu gedreht werden, so dass sie sich je nach Größe des Kopfes perfekt auf die Ohren legt.

Pioneer HDJ-S7

Gut verschraubt statt nur gesteckt

Die Muschel selbst ist, da es sich um einen On-Ear Kopfhörer handelt, ein wenig kleiner als bei den großen HDJ-Modellen, in der Gesamtheit jedoch gut 4 cm tief. Zum einen liegt das an dem verbauten Treiber und der Bassreflexkammer, zum anderen am Polster, welches gut 1 cm in der Tiefe sitzt. Die Polster bestehen aus Kunstleder, weich und sitzen angenehm auf den Ohren. Ähnlich wie bei einem Sennheiser HD 25 sind diese wechselbar mit ein wenig Geduld und Zeit zum Fummeln.

Pioneer HDJ-S7

Die Polster sorgen für einen bequemen Sitz

Wechselbar sind, wie schon erwähnt, auch die Kabel. Zwei Stück werden mitgeliefert und können and der linken Kapsel eingesteckt werden. Damit diese nicht aus Versehen herausrutschen, sorgt ein Bajonett-Verschluss im Inneren für Halt. Damit man die Kabel wiederum gut fest und lose drehen kann, ist am Kabelende, dort wo Zugentlastung und Knickschutz sitzen, der Stecker mit einer rauen Fläche versehen. Kleinigkeit, aber für den schwitzigen Finger sicherlich von Vorteil. Es ist nämlich so, dass ich empfehlen könnte, das Kabel beim Transport im Case abzuziehen. Zwar ist es auch möglich, das Kabel am Stecker immer zu knicken und das Kabel einzurollen und so zu transportieren, da es aber ein extra Fach im Case gibt und das Knicken eines Kabels am Stecker generell nie eine gute Idee ist, würde ich es einfach abziehen, rollen, verstauen.

Thema Kabel. Diese gibt es in zwei Längen, eines gerade, das andere als Spiralkabel. Beide verfügen über einen Gummimantel, sind sehr flexibel und nicht gerade formstabil. Klingt negativ, ist aber positiv. Kabel, die gerollt werden (gut) und danach wie eine aufgezogene Spirale nach unten fallen sind nervig (schlecht). Also, formstabil ist bei Kabeln, die flexibel und beweglich sein sollen, hinterm DJ-Pult eher schwierig.

Pioneer HDJ-S7

Dicke Kapseln mit Bassreflexkammer & Buchse für die Kabel

Der Pioneer HDJ-S7 sitzt recht komfortabel. Die Polster an den Muscheln federn ein wenig den Druck vom Bügel ab, der dennoch nicht zu wenig wird. Der Kopfhörer sitzt fest auf den Ohren.

Einzig das Fehlen einer wirklichen Polsterung am Bügel spürt man auf dem Kopf durch einen leichten Druck an der Spitze. Nicht störend, aber wahrnehmbar im Vergleich zu anderen gepolsterten Modellen.

Sound des Pioneer HDJ-S7

Bevor hier ein paar Eindrücke vom Klang kommen, erst einmal ein paar technische Daten. Für den „hochauflösenden Klang“ sorgt im HDJ-S7 ein dynamischer 40 mm Kalotten-Treiber. Für die hohe Auflösung sorgt dieser mit der Darstellung eines Frequenzbereichs von 5 Hz bis 40 kHz. Die Impedanz des Modells beträgt 48 Ohm, der maximale Schalldruckpegel 107 dB.

Klanglich macht sich die hohe Auflösung im Bereich der hohen Frequenzen bemerkbar. Trotz hohem Pegel beginnen diese nicht zu verzerren, klingen nach wie vor dynamisch, präzise und nicht gequält. Auch bei hohem Pegel tut hier nichts in den Ohren weh. Die letzten für mich hörbaren Töne lagen jenseits der 16 kHz.
Die Mitten werden warm dargestellt, kein Mittenloch, wie man es das ein oder andere Mal erlebt. Klare Stärke des Modells also im Bereich der mittleren und hohen Frequenzen.

Im Bereich der tiefen Frequenzen punktet der Pioneer HDJ-S7 für mich besonders durch die präzise Wiedergabe der Kick mit sauberer Trennung vom Bass. Dieser arbeitet im Hintergrund, hörbar aber nicht Kick-verdeckend. Hörbar ist der tiefe Frequenzbereich aber auch in der Kraft reglementiert, Modelle mit 50 mm Treibern sorgen hier für deutlich mehr Druck im Bassbereich. Achtung also, wer auch im Club über den Kopfhörer die saubere Bass-Line hören möchte, dem könnte hier etwas fehlen. Heißt im Klartext: hörbar ja, aber auch bei hohem Pegel nicht „wegdrückend“. Gegen ein kräftiges Monitoring wird sich der HDJ-S7 im Bereich unter 50 Hz nicht durchsetzen können. Dafür kann der HDJ-S7 seine Stärke im Bereich 60 bi 300 Hz ausspielen und liefert damit eine solide Kick plus Obertöne.

Über den gesamten Frequenzbereich wirkt der HDJ-S7 sehr ausgewogen, fast schon unaufgeregt. Für einen Monitoring-Kopfhörer in jedem Fall ein Kompliment, mehr noch, dass sich dies nicht ändert, wenn man mit den Pegel variiert.

Qualität und Haptik

Nicht nur der für (vielleicht nicht nur) uns Europäer eher schwierig nachzuvollziehende Materialtest des US-Militärs kann die Qualität des Pioneer HDJ-S7 bestätigen, auch der erste Eindruck ist sehr gut.

Die Verarbeitung ist gut, Bügel und Scharniere sind sorgsam verschraubt, im Bügel befindet sich ein Metallbügel, der für Flexibilität aber auch Stabilität sorgt.

Die Ohrpolster sind wechselbar, auch wenn das ein wenig fummelig sein wird. Ähnlich einem Sennheiser HD 25 – oder das Wechseln eines Mantels beim Fahrrad. Geht alles, macht aber nicht immer Spaß.

Auch haptisch kann der HDJ-S7 überzeugen. Die Oberfläche ist griffig, gerade am Bügel. Wackeln und klappern tut hier am Kopfhörer wirklich gar nichts, die Kapseln sitzen fest, ebenso das Kabel im Bajonett-Verschluss.

Fazit

Ein solides Modell, der Pioneer HDJ-S7. Umgeben von vielen Over-Ear Kopfhörern in der HDJ-Range ist der HDJ-S7 einer der wenigen On-Ear DJ-Kopfhörer aus dem Hause Pioneer DJ, geschlossen, dynamisch und mit guter Qualität. Dies bezieht sich sowohl auf die Verarbeitung und Materialwahl als auch auf die Klangqualität.

Der Lieferumfang ist überdurchschnittlich, Transport-Case und zwei unterschiedliche Kabel. Alles in allem ein sehr gutes Ergebnis mit wenig zu beanstanden. Einzig die geringe Polsterung am Bügel könnte den ein oder anderen stören, wobei dies auch nur ein sehr kleiner Faktor ist. Unangenehm drücken tut hier nichts.

Mit einem Preis von 199,- Euro mag der HDJ-S7 den Pioneer HDJ-C70 ein wenig ablösen und spielt in der Range von Sennheiser HD 25 oder AIAIAI TMA-2. Alle drei Kopfhörer bieten ihre Vorteile, der HD 25 hat ohne Frage den Ruf des Unzerstörbaren, was definitiv für Kabel und Kontakt an den Ohrmuscheln gilt, der TMA-2 punktet mit Modularität und minimalem Design und wie auch der HDJ-S7 mit leicht wechselbaren Kabeln.

Plus

  • solide Verarbeitung
  • klanglich ausgewogen, klar in Mitten und Höhen
  • zwei Kabel + Transport-Case im Lieferumfang
  • faires Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • keine wirkliche Polsterung an der Bügelinnenseite

Preis

  • Ladenpreis: 199,- Euro
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