Test: Pioneer Interface 2, Interface + DJ-Software

31. August 2017

Digitales-Vinyl-Komplett-Paket für Rekordbox

„Logisch“ und „konsequent“ waren in einigen vergangenen Artikeln meine Lieblingswörter. Nicht vorhanden in den News zu dem neuen Pioneer Rekordbox Interface 2, obwohl beide Begriffe gepasst hätten.

Rekordbox hat sich nach dem Start als Musik-Management-Software für Pioneer CDJ-/XDJ-Nutzer ziemlich schnell weiterentwickelt zu einer vollständigen DJ-Software mit dem Performance-Modus. Gestartet wurde dies verständlicherweise mit den hauseigenen Controllern, die bis dato primär auf Serato DJ ausgelegt waren. So wurde aus einem DDJ-SB ein DDJ-RB oder aus einem DDJ-SR ein DDJ-RR. Serato wurde quasi durch Rekordbox als Software ersetzt und die Controller ohne oder mit minimalen Veränderungen auf die hauseigene DJ-Software umgemodelt. Wo wir gerade beim Thema waren: ogisch und konsequent.

Derweil bietet Rekordbox aber auch ein digitales Vinyl-System für alle die DJs an, die gern noch mit Plattenspielern und Platten spielen und damit ihre Software steuern möchten. Grundsätzlich ist Rekordbx als Management-Software kostenlos, als DJ-Software allerdings kostet sie entweder 139,- Euro oder im monatlichen Abo 10,90 Euo. Das DVS Plus Pack schlägt noch einmal mit 109,- Euo zu Buche, zuzüglich rund 16,- Euro für zwei Control-Vinyl. Macht summa summarum 264,- Euro für das komplette Paket.

Interface 2 samt Lieferumfang

Nun gibt es aber ein großes Aber. Das ganze System funktionierte nur mit bestimmten DJ-Mixern von Pioneer samt integriertem Interface, zum Beispiel einem DJM-900NXS2, DJM-850, DJM-Tour1, DJM-450, DJM-250MKII, dem neuen DJM-750MKII oder den Pioneer DJ-Controllern.

Wer bereits Plattenspieler und Mischpult zu Hause stehen hat, war bis dato von dem System ausgeschlossen. Das ändert sich nun mit dem neuen Pioneer Interface 2. Dies ist, wie der Name schon sagt, ein Interface, viel mehr aber, denn es ist das Komplettpaket, das für ein DVS-System notwendig ist.

Ein erster Blick

Ein ziemlich großes Paket für ein kleines Interface wurde da zum Testen geliefert. Schaut man aber rein, wird klar warum: Die Vinyl-Scheiben werden mitgeliefert – das hatte ich ehrlich gesagt gar nicht auf dem Zettel.

Ansonsten findet man das Interface, eine kleine Karte mit Registrierungs-Codes sowie die notwendige Kabellage. Diese beinhaltet das Netzteil, vier Cinch-Kabel sowie ein USB-Anschlusskabel.

Damit wäre der Lieferumgang beschrieben, raus mit dem Interface. Ein kleines Stück größer als erwartet ist dieses, vor allem deutlich massiver als gedacht. 14 x 12 cm, dafür nur 3 cm hoch ist die massive Metallbox, die gut ein halbes Kilo wiegt. Das Interface ist schwarz und besteht aus leicht gebürstetem Aluminium, die Blenden an der Vorder- und Rückseite sind aus Kunststoff und sind im Gehäuse verschraubt.

An beiden Seiten befinden sich Anschlüsse, vorderseitig die Outputs in Cinch-Form der beiden Decks sowie der USB-Anschluss mit kleiner Kabelklemme.

An der Front befinden sich die Ausgänge …

Positiv fällt mir hier direkt auf, dass die Cinch-Buchsen nicht nur auf der Platine verlötet, sondern zudem in der Blende verschraubt sind. Häufiges Einstecken und Abziehen schadet ohne Frage immer den Lötstellen der Buchsen auf der Platine und führt zu Schäden – dagegen ist das Interface 2 gewappnet.

An der Rückseite findet man wie zu erwarten die Inputs, Cinch-Form für die beiden Decks, die bedient werden können. Weiterhin eine Erdungsschraube für die Erdungen der Plattenspieler, sowie einen kleinen Wahlschalter – Phono oder Line. Dazu gleich mehr.
Auch der Anschluss des bereits erwähnten Netzteils befindet sich hier in Form einer kleinen Buchse.

.. wogegen sich an der Rückseite die Inputs befinden

Kleiner Pluspunkt: Eine kleine Öffnung für ein Kensignton-Lock o. ä. ist hier vorhanden.

Das Pioneer Interface 2 in der Praxis

Bevor man starten kann, muss man natürlich sowohl Rekordbox als DJ-Software installieren, ebenso das DVS Plus Pack freigeschaltet haben. Wie genannt gibt es Rekordbox in der Grundversion kostenlos zum Download auf der Seite von Rekordbox (Hier), aktuelle Version 4.5.0.. Die Plus Packs müssen dann nicht mehr heruntergeladen werden, es bedarf nur noch einer Freischaltung per Code in der Software. Einmal installiert und gestartet kann in der Software unter Einstellungen und dem Punkt „Lizenz“ alles freigeschaltet werden, die Codes für DJ-Software wie auch DVS Plus Pack liegen ja bei.

Hat man das erledigt, wird das Interface verkabelt. Strom, USB und Erdungen, meine beiden Plattenspieler landen an den Inputs, auf richtigen Anschluss achten. Ebenso kurz schauen, was der Wahlschalter für den Eingang am Interface sagt: Line oder Phono. Bei mir steht der Schalter natürlich auf Phono. Sollte man einen Plattenspieler anschließen, der ein internen Preamp besitzt, kann man diesen natürlich nutzen und den Eingang am Interface auf Line-Pegel umstellen.
Raus geht es mit zwei Cinch-Kabeln aus dem Interface in meinen Mixer.

Interessant: Schließt man das Interface an seinen Rechner an und startet Rekordbox, wird man aufgefordert, einen Treiber für das Interface zu installieren. Dies kostet 2,5 MB und nur circa eine Minute Zeit. Erledigt, angeschlossen und die notwendigen Einstellungen in Rekordbox erledigt. Dazu gehört z. B., die DVS-Funktion zu aktivieren (sollte automatisch geschehen) und einmal zu kalibrieren. Ebenso sollten die Eingangs- wie Ausgangskanäle automatisch eingestellt sein, das Interface wird ja automatisch erkannt und ausgewählt. Das einzige, was man als Nutzer selbst noch entscheiden muss, ist das Layout, bei mir ganz klar 2-Decks horizontal und der Modus, in dem man spielen möchte, Absolute oder Relative.

Kurz erklärt: Absolute-Mode nutzt Tempo- wie auch Positionsinformation der Platte. Somit kann man die Nadel an den Anfang der Platte setzen und die Software wird von hier spielen. Setzt man die Nadel weiter in die Mitte, wird auch der Track ab der passenden Position gespielt. Wie bei einer echten Platte. Vorteil: Man kann jederzeit an den Anfang zurückspringen wie auch im Track suchen, rein durch die Bewegung der Nadel. Nachteil: Springt die Nadel, springt auch der Track. Verspringt die Nadel deutlich, befindet man sich möglicherweise an einer ganz anderen Stelle im Track. DJ-Pult im Club, das nicht fest verbaut ist: Hier wäre es eine Katastrophe.
Der Relative-Mode hingegen nutzt nur die Tempo-Information. Vorteil: Springt die Nadel, läuft der Track nach erneutem Aufsetzen der Nadel unbeeindruckt ab der letzten Position weiter. Klar, man hört den Sekundenbruchteil des Aussetzen als Stille. Nachteil ist, man kann sich nicht mehr per Nadelposition auf der Platte im Track bewegen. Das bedeutet auch: Möchte man den Track von vorn starten (wie man es normalerweise tut, nachdem man lange genug Tempo angepasst hat), hilft nicht alleine das Setzen der Nadel an den Anfang der Platte. Jeder wie er mag, ich spiele im Absolute-Modus wie bei einer echten Platte. Das allerdings nimmt einem die Möglichkeit, Loops und Hot Cues zu nutzen.

Eigentlich ist damit auch schon alles erledigt. Einstellungen sind getätigt, Interface angeschlossen, Treiber installiert. Dauer für alles nur wenige Minuten und es kann losgehen. Der Test nun wie zu erwarten eher unspektakulär, da ja saubere Vorarbeit geleistet wurde.

Probleme tauchen nicht auf, sollten auch nicht, wenn die Plattenspieler und Tonabnehmer in Ordnung sind. Sollte hier etwas nicht stimmen, wird es in den Control Signal Settings zu sehen sein.

Klassische Probleme: Eine Seite fehlt, im den Signal-Setting der Anzeige wird nur ein Strich zu sehen sein. Der Track läuft rückwärts? Nun, die Anzeige wird gut aussehen, doch sollte man die Kabel am Interface-Input einmal umdrehen.

Links: Sauberes Eingangssignal. Rechts: Fehlerhaftes Eingangssignal

Obwohl Rekordbox als DJ-Software, erst recht mit einem digitalen Vinyl-System, noch recht frisch auf dem Markt ist, läuft hier alles einwandfrei. Das Interface zeigt per blauer LED eine Verbindung zum Rechner an, LEDs an den Eingängen wie auch Ausgängen des Interfaces zeigen ebenso an, ob hier Signale ankommen oder gesendet werden. Gerade bei Timecode-Vinyl immer sehr wichtig zu sehen, ob vom Plattenspieler überhaupt ein Signal kommt. Ich erinnere mich daran von früher, als Traktor Scratch mein eigenes Setup war und man immer fleißig gegen Plattenspieler im Club kämpfen musste.

So sieht es aus, wenn zumindest Kanal 1 mit einem Signal versorgt wird

Fazit

Mit dem Interface 2 bietet Pioneer DJ ein Komplettpaket an: Interface, vollständige Software wie auch notwendige Kabel und Vinyl-Scheiben. Das Interface ist rein materiell sehr solide, in der Praxis funktionell und offenbar zuverlässig, so zumindest im Test. Die Ausstattung ist natürlich eher dem Nutzen nachrangig und nicht groß erwähnenswert.

Die Konkurrenz? In diesem Fall Traktor Scratch mit dem Audio A6 Set, das ebenso Software wie Interface und Timecode-Vinyls in einem Set beinhaltet. Preislich gleichauf bietet das Audio A6 Interface noch einen weiteren Ausgang und Eingang, praktisch zum Aufnehmen des Sets in der Traktor Software. Vorteil der Rekordbox-Variante: Playlisten oder die Library, die aus der Software auf einen USB-Stick exportiert als Backup oder als Alternative an jedem im Club stehenden CDJ genutzt werden kann.

Ähnlich der Konkurrenz bietet sich hier ein Einstieg in ein digitales Vinyl-System in einem Paket, dank des Interfaces nun unabhängig von bisher lizensierten Pioneer DJ-Mixern.

Solide, funktionell und – den Punkt gewinnt Pioneer DJ – zukunftsträchtig als DJ-Software des aktuellen Marktführers im Bereich DJ-Equipment.

Plus

  • Komplett-Paket aus Interface, Software und Accessoires
  • massives Gehäuse, solide verarbeitet

Preis

  • Ladenpreis: 299,- Euro
Forum
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    Bloom  

    Ich finde es immer wieder lustig zu Lesen wie sich Leute einschränken lassen und für zusätzliche Features Geld ausgeben. Mit VirtualD Pro habe ich alles für einen Preis und kann alle Mixer, Controller Timecode und Video nutzen. Rekordbox finde ich etwas umständlich in der Handhabung noch dazu. Das RB mit den letzten Versionen aufgeholt hat, unbestritten. Aber da fehlen noch einige Jahre um an die beiden anderen heranzukommen!

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      Bolle  RED

      Sind denn DJM-250, DJM-450, Xone:23C,DJM-900, Rane MP2015, Rane MP2014 etw. hinsichtlich des internen Interfaces für die Software lizensiert? Kann man von CDJ / XDJ im HID-Mode spielen? Die Player dabei als Interface nutzen?
      Und gibt es für die gängigen Controller von Pioneer oder Denon MC oder MCX verlässlich und gut Mappings?
      Ich frage für einen Freund :) Nein, ich frage tatsächlich, weil ich in der Virtual DJ Geschichte nicht so drin bin. Traktor gespielt viele Jahre, Rekordbox einfach derweil, weil es so problemlos funktioniert mit Sticks…

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        Bloom  

        Anbei eine Liste von den unterstützten Controllern und Mixern – http://www.....llers.html
        Verlässlich in Bezug auf ein Mapping verstehe ich nicht ganz, sorry. Aber diese Controller und Mixer sind ordentlich gemappt so man eigentlich sofort zurecht kommt. Logischerweise gibt es immer mal ein paar Software spezifische maginale Unterschiede, aber wenn man offen da ran geht und nicht zu sehr den einen oder anderen Fan Boy raushängen lässt, klappt es echt gut. Der große Vorteil von RB ist aber in der Tat das Stick Thema, wobei ich das für mich eher als Backup wäre. Ich lege nur mit Musikvideos auf und da ist es mit Sticks etwas schwierig. Bis jetzt :-)

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              Bolle  RED

              Interessant, interessant. Etwas, womit ich mich als Club-Spieler natürlich noch nie beschäftigt habe :)

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                Bloom  

                Soll ja auch Clubs geben wo Screens, TFTs und Co verbaut sind. ;-) Ist aber leider bei uns wohl eher noch etwas unüblich, leider. Bzw. schwer reinzukommen, aber das ist ja wieder ein anderes Thema.

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