Test: Pioneer RM-05, Nahfeldmonitor

6. März 2017

Koaxial, kompakt und günstig

Bilde ich mir das alles nur ein oder haben Koaxial-Lautsprechersysteme in der letzten Zeit deutlich an Beliebtheit gewonnen? Die deutlich gestiegene Auswahl an Produkten spricht jedenfalls dafür. Auch der insgesamt geringere Platzbedarf erfreut sich insbesondere bei kleinen Heimstudios großer Beliebtheit. Wenn dann auch noch ein Produktlinien-technisch eher unbeschriebenes Blatt, wirtschaftlich hingegen ein Schwergewicht, wie Pioneer sich dieses Systems annimmt, lässt das die Interesse am Produkt nochmals ansteigen. Jedenfalls hat der japanische Konzern mit der RM Serie gleich mehrere Nahfeldmonitore auf den Markt gebracht, wobei uns der Pioneer RM-05 zum Test vorliegt.

Pioneer RM-05 - Profil

Pioneer RM-05

Konstruktion

Wie nahezu alle aktuellen Nahfeldmonitore ist auch der in China gefertigte Pioneer RM-05 ein aktiver Monitor. Hoch- und Tieftöner werden mir jeweils 50 Watt gespeist, wobei die Übergangsfrequenz bei 1,7 kHz liegt. Zum Einsatz kommen ein 5-Zoll Aramidfaser-Tieftontreiber und ein 1,5-Zoll Aluminium-Hard-Dome-Tweeter, wobei letzterer aus Schutzgründen hinter einem kleinen Gitter sitzt und von einem dezenten Waveguide eingefasst wird.

Bei Aktivierung der Box leuchtet eine kleine weiße LED am Frontgehäuse, welche bei Überlastung in die Farbe Rot wechselt. Apropos Gehäuse: Trotz der vergleichsweise geringen Gehäuseabmessungen von 203 x 281 x 225 mm schlägt das asymmetrische Gehäuse mit einem satten Gewicht von 9,3 Kilogramm zu Buche. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Pioneer RM-05 nicht wie üblich aus MDF, sondern aus Aluminiumdruckguss hergestellt ist. Das Aufschwingen von Resonanzfrequenzen wird dadurch nahezu unmöglich. Zusätzlich hat Pioneer das „AFAST“(„Acoustic Filter Assisted System Tuning“) System verbaut, in dem akustische Kammern im Inneren des Gehäuses platziert wurden, ebenfalls mit dem Ziel der Gehäuseresonanzdämmung. Das asymmetrische Gehäuse besitzt zudem den Vorteil, dass sich im Inneren keine stehenden Wellen aufbauen können und es zu keinen Interferenzen an der Oberfläche des Gehäuses kommt.

Laut Hersteller verfügt der Pioneer RM-05 über einen Frequenzgang von 45 Hz – 50 kHz, was jedoch der typischen Schönrechnung aller Hersteller von kleinen Monitoren entspricht. Erwartungsgemäß geht für einen linearen Betrieb nichts ohne entsprechende Subwoofer, die ab spätestens 60 Hz übernehmen sollten. Als maximaler Schalldruck wird vom Hersteller 104 dB SPL Peak @ 1 m genannt. Das Gehäuse wurde als Bassreflex ausgeführt, wobei die Öffnung sich auf der Vorderseite befindet.

Pioneer RM-05 - Front

Pioneer RM-05 – Front

Rückseite

Dreht man den Monitor, so eröffnen sich insbesondere im Filterbereich umfangreiche Regelmöglichkeiten. Allgemein unüblich hat Pioneer hier drei Filtersektionen verbaut, die neben den Höhen bei 10 kHz (+1 dB, 0 dB, -1 dB, -2 dB) und den Bässen bei 50 Hz (+2 dB, 0 dB, -2 dB, -4 dB) auch die Mitten bei 140 Hz (0 dB, -1 dB, -2 dB, -4 dB) regeln. Ein gewagtes Unterfangen, da gerade die Mitten über den letztendlichen Klang eines Monitors entscheiden. Meines Erachtens erscheint die gewählte Frequenz als zu tief, aber dies soll der Hörtest später zeigen.

Als Anschlüsse wird die professionelle Variante in Form von XLR und die Budget Variante in Form von Cinch abgedeckt, TRS-Stecker sucht man hier vergebens. Daneben finden wir auf dem Panel noch die sinnvolle (und dennoch immer noch von vielen Herstellern ignorierte) Auto Standby Aktivierung, den Level Regler (0db bis -40dB), den On/Off Schalter, und die Kaltgerätebuchse samt Feinsicherung. Leider verfügt der Levelregler über keine Rasterung, d.h. unterhalb von 0 dB bleibt die Nivellierung des Panorama Dreiecks dem subjektiven Gehör überlassen. Der Stromsparmodus greift nach ca. 25 Minuten und reduziert die Leistungsaufnahme auf 0,3 Watt.

Im oberen Teil des Gehäuses wurden Kühlrippen verbaut in denen zwei Gewindebuchsen eingelassen wurden. Offensichtlich dienen diese einer eventuellen Wandmontage, allerdings konnte ich keinerlei Zubehör hierfür ausmachen. Sollte man sich hierfür entscheiden, sollte man jedoch die Ultra-Heavy Variante wählen, ich darf noch mal kurz auf die Hebelwirkung bei knapp 10 Kilogramm und einer Gehäusetiefe von über 20 Zentimeter verweisen.

Pioneer RM-05 - Rückseite

Pioneer RM-05 – Rückseite

Praxis

Halten wir uns noch mal kurz die Vorteile eines Koaxiallautsprechers vor Augen. Durch die gemeinsame akustische Achse kommt es nur zu minimalen Laufzeitenunterschieden, gepaart mit hoher Phasentreue. Dies führt insbesondere zu einer guten, plastischen Abbildung des Klangmaterials. Genau dies kann man auch dem Pioneer RM-05 attestieren. Nachdem ich das Paar auf Stativen platziert habe, alle Filter auf null und die Lautstärke auf Maximum gestellt habe, überzeugt das System durch ein erfrischend präzises Stereodreieck, das für die Gehäusegröße eher unüblich ist. Die Tiefenstaffelung ist sehr gut, gepaart mit einer präzisen Impulswiedergabe. Aufgrund des geringen Gewichtes verschluckt sich der Tieftöner auch nicht bei hohen Lautstärken und verliert auch bei vergleichsweise großem Hub nicht die Orientierung.

Was man dem Lautsprecher jedoch sofort anmerkt, ist sein primäres Einsatzgebiet. Nicht umsonst wird der Pioneer RM-05 von seiner Mutterfirma auf der Firmenwebsite im Segment DJ-Produkte aufgeführt. Als Erstes darf sich der Monitor bei einem Naturdrumset versuchen, welches nur mit 2 Raummikrofonen aufgenommen wurde. Hier kann der Pioneer RM-05 direkt seine Stärken in Form der räumlichen Abbildung ausspielen. Bereits ohne Filteranpassung ist der Klang für einen Monitor dieser Größenordnung ausgewogen, wenngleich eine deutliche Überpräsens der Hochmitten zwischen 4-5 kHz deutlich hervorsticht. Dies ist aber bei einem weich aufgenommenen Drumset durchaus zu verkraften, da sich die soundprägenden Frequenzen zumeist in anderen Regionen über und unterhalb der Hochmitten abspielen.

Als nächstes kommt ein analoger Vintage-Drumloop mit synthetischer Klangerzeugung zum Einsatz, eine Herausforderung für alle Impulsverhalten. Auch hier hält sich der Pioneer RM-05 sehr wacker, wenngleich er im Bassbereich jetzt deutlich an seine Grenzen kommt. Erwartungsgemäß muss hier ein Subwoofer mit ins Klanggeschehen eingreifen, sonst geht der Abhöre die Luft aus. Dennoch kann das System mit einer unerwartet hohen Lautstärke aufwarten, die man dem kleinen Zwerg nicht zutrauen mag. Durch leichtes Absenken der Mitten stellt sich auch eine angenehme Tiefmittenentlastung ein, zudem muss ich die Höhen absenken, da sonst die analoge HiHat doch sehr stark zum Zischen neigt. Auch in diesem Segment eine gute Wertung für den Pioneer RM-05.

Kommen wir nun zur der anderen Seite der Medaille. Komplette Bandaufnahmen einer Gitarren-lastigen Band, noch ungemastert. Jetzt gerät der Monitor in einen Bereich, der ihm weniger liegt, was vor allem an dem starkem Hochmittenanteil liegt. Kommen cleane Pop-Gitarren noch sehr gut in die Puschen, werden beim ersten Overdrive die Schwachstellen des Monitors offengelegt. Je mehr die Gitarren an Verzerrung zulegen, umso kantiger, beißender wird der Sound und gerät immer mehr in den „wird-anstrengend“ Bereich. Auch das Absenken der Höhen bringt leider nicht den gewünschten Effekt, da wir uns jetzt mehr im Segment der Crash Cymbals oder aber den Obertönen des Gesangs befinden, was leider über dem wichtigen Gitarrenbereich liegt. Allerdings kann uns auch der Mittenregler nicht helfen, da er mit einer Centerfrequenz von 140 Hz zwar im E-Bass Bereich zu einer Entschlackung führt, den Gitarrenbereich dieses Mal aber unterschreitet.

Um diesem Grundcharakter noch mal ein paar Stöcke mehr zwischen die Beine zu schmeißen, nehme ich nun einen gemasterteten Endmix mit hohem Anteil an High-Gain Gitarren. Hier ist endgültig Feierabend im Hochmittenbereich. Während Kick und Bass noch sehr prägnant daher kommen, eiert die Snare schon im bedenklich scharfen Bereich. Setzen nun die Gitarren ein, die ihren hochkomprimierten Peak bei 3 – 5 kHz haben, beißt der Dome Tweeter einem dermaßen ins Gehör, dass man geneigt ist, umgehend die Lautstärke zurück zu fahren. Der Sound ist dermaßen scharf, dass eine Bearbeitung einer Metal-Produktion unmöglich ist.

Dies soll jetzt aber nicht als Abwertung gesehen werden, denn das Einsatzgebiet des Pioneer RM-05 war und ist zu keiner Zeit für diesen Bereich konzipiert gewesen. Schon anhand der Filterwahl kann man erkennen, welchen Musikstil der Monitor erreichen möchte und das gelingt ihm sehr gut.

Pioneer RM-05 - im Einsatz

Pioneer RM-05 – im Einsatz

Fazit

Mit dem Pioneer RM-05 setzt das japanische Unternehmen deutlich auf den DJ-Bereich in all seinen Facetten. Der Monitor ist impulstreu, hat eine sehr gute räumliche Auflösung, ist massiv verarbeitet und bietet einen guten Nahfeldmonitor für den Homerecording-Bereich oder aber das Budget-Studio.

Auf der anderen Seite führt die latente Hochmittenlastigkeit zu einer Disqualifizierung im Rock- und Heavy-Sektor, bei dem insbesondere High-Gain Gitarren für einen scharfen und beißenden Sound sorgen. Inwieweit der Monitor den persönlichen Geschmack trifft, muss jeder für sich selbst entscheiden, allerdings sorgt ein Ladenpreis von knapp 500,- Euro pro Box für eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz.

Plus

  • Phasentreue
  • Impulsverhalten
  • räumliche Staffelung
  • Verarbeitung
  • Größe

Minus

  • Hochmittenlastigkeit
  • Gewicht

Preis

  • Ladenpreis pro Stück: 499,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Tyrell  RED 11

    Irgendwie nicht Fisch und nicht Fleisch. „latente Hochmittenlastigkeit“ klingt doch so, als würde man lieber die Finger davon lassen – und so günstig sind nun 1.000 Euro fürs Pärchen auch nciht, oder?

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      in Sachen Klang ist da auf jeden Fall noch Luft nach oben, aber als Quereinsteiger sollte man Pioneer meines Erachtens auch die Zeit geben an seinem Portfolio zu arbeiten. Mal sehen wie der Nachfolger klingen wird …

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