Wie viel wiegt ein Ton?
Playtronica Scales ist ein experimenteller MIDI-Controller, basierend auf einer Waage, die Gewichtsdaten in diskrete MIDI-Notenwerte übersetzt. Durch fünf verschiedene Modi kann Scales somit Noten für Melodien, Arpeggios oder auch Drones erzeugen. Dabei wird der kreative Prozess bewusst physisch gedacht. Statt Tasten oder Regler formen alltägliche Gegenstände durch ihr Gewicht das musikalische Ergebnis.
Was ist es? Playtronica Scales ist ein experimenteller MIDI-Controller in Form einer Waage, der Gewichtsdaten in MIDI-Noten und Steuerdaten umwandelt.
- Konzept: Gewichte und Alltagsgegenstände erzeugen durch ihr Gewicht Melodien, Arpeggios, Drones und Modulationen.
- Spielmodi: Hold-, Arpeggio- und Pitch-Modus ermöglichen unterschiedliche musikalische Ansätze und spontane Klangexperimente.
- Anbindung: USB-C, TRS-MIDI und die Möglichkeit, mehrere Geräte per Magnetverbindung zu koppeln.
- Kreativität: Spielerischer, haptischer Zugang zur Musikproduktion mit überraschenden Ergebnissen abseits klassischer MIDI-Controller.
- Fazit: Originelles und gelungenes Konzept mit hohem Spaßfaktor, lediglich die Anschlüsse hinterlassen keinen besonders langlebigen Eindruck.
Inhaltsverzeichnis
Playtronica hat sich durch kleine musikalische Gadgets in DIY-Optik einen Namen gemacht. Ihre Instrumente setzen oft auf unkonventionelle Eingabemethoden und laden dazu ein, Klang spielerisch zu entdecken. Auch Scales reiht sich in diese Philosophie ein und überträgt ein alltägliches Prinzip in ein musikalisches Werkzeug.
Der erste Blick auf den Playtronica Scales
Die Gesamtfläche des Playtronica Scales beträgt 13 × 13 cm, die Ablagefläche der Waage selbst ist rund und etwas kleiner. Getreu dem DIY-Ansatz von Playtronica liegt die Platine offen. An den vier Eckpunkten sorgen kleine Gummifüße für einen festen Stand.
Die Waage selbst fühlt sich sehr robust an und macht den Anschein, dass sie mehr Gewicht verträgt, als die Größe zunächst vermuten lässt. Sie wird von LEDs beleuchtet und ist in vier verschiedenen Farben erhältlich: Weiß, Rot, Blau und Orange.
Zum Lieferumfang gehört ein USB-C-Kabel und ein Faltblatt, das als Quick Start Guide dient. Eine detaillierte Bedienungsanleitung lässt sich über die Website des Herstellers herunterladen.
Zusätzlich werden noch Gewichte, die sich auch optisch schöner einfügen als gewöhnliche Alltagsgegenstände, angeboten. Zum Zeitpunkt des Tests waren diese allerdings noch nicht erhältlich.
Anschlüsse des Playtronica Scales
Scales lässt sich über einen USB-C-Ausgang mit Smartphones, Tablets und Laptops verbinden. Über einen TRS-MIDI-Ausgang lassen sich auch Hardware-Synthesizer ansteuern. Hierfür wird ein TRS-MIDI-Stecker Typ A benötigt.
Zusätzlich gibt es noch einen sogenannten QWIIC-Anschluss, der jedoch vom Hersteller nicht näher dokumentiert ist und vermutlich für Erweiterungen gedacht ist.
Seitlich befinden sich jeweils zwei Magnetstecker, um mehrere Scales-Controller miteinander zu verbinden. In diesem Fall reicht es aus, nur einen davon mit Strom zu versorgen. Für meinen Test standen mir zwei Geräte zur Verfügung, die ich wechselnd über Laptop oder ein Netzteil problemlos mit Strom versorgen konnte. MIDI wird somit auch von einem zum anderen Gerät übertragen.
Bedienelemente des Controllers
Die Bedienung hat man sich schnell eingeprägt und erfolgt über lediglich drei Bedienfelder. Das Feld mit dem Pausen-Symbol startet und stoppt die Wiedergabe und über das Feld mit dem Plus-Symbol können, je nach Modus, Noten hinzugefügt sowie zwischen den Modi gewechselt werden. Die fünf LEDs zeigen den jeweiligen Modus an. Im vierten Modus, der zur Empfindlichkeitseinstellung dient, zeigen die LEDs die fünf verfügbaren Sensitivitätsstufen des Playtronica Scales an.
Das Feld mit dem Kreis-Symbol dient zur Kalibrierung oder zum Zurücksetzen der Sequenz.
Playtronica Scales: Spielmodi
Die fünf Modi des Playtronica Scales unterscheiden sich funktionell und lassen sich in Spielmodi und Einstellungen unterteilen:
Die drei Spielmodi:
- 1 Hold: Noten werden nach und nach generiert und über die Plus-Taste hinzugefügt
- 2 Arpeggio: kreiert eine Sequenz aus verschiedenen Noten
- 3 Pitch: fügt den Noten einen Pitchbend-Effekt hinzu
Hold eignet sich u. a für Akkorde oder kurze melodische Phrasen, während Arpeggio sich eher für rhythmische Sequenzen nutzen lässt, die auf Gewicht und Platzierung der Objekte reagieren. Pitch macht kleine Variationen möglich und wirkt etwas lebendiger.
Zur Einstellung des Controllers gibt es die Modi 4 und 5:
- 4 Sensitivity: Einstellung zur Sensitivität der Waage
- 5 BPM: Abspielgeschwindigkeit des Arpeggiators im Verhältnis zum Gewicht auf der Waage
Befindet man sich in den Modi 4 oder 5, so ist die Sequenz gestoppt und es werden keine MIDI-Daten gesendet.
Apropos MIDI-Daten: Der Playtronica Scales sendet immer einen frei nutzbaren MIDI-CC-Befehl (CC90), der sich zur Steuerung externer Parameter nutzen lässt. Im BPM-Modus blinken die LEDs entsprechend der Geschwindigkeit und dienen zur Orientierung, um die passende Geschwindigkeit zu finden.
Vor allem bei etwas leichteren Gewichten ist es wichtig, diese auf die Waage abzustimmen. Die erwähnten Gewichte von Playtronica haben verschiedene Größen und Formen und sehen vor allem auch schick aus, wenn die Beleuchtung durchschimmert und reflektiert. Die kleinsten und leichtesten Gewichte entsprechen dabei exakt einem Halbton.
Online-Settings
Auf der Playtronica-Website findet man eine separate Seite für Einstellungen zu allen erhältlichen Geräten. Hier lässt sich auch die Firmware aktualisieren. Für Scales gibt es verschiedene Einstellungsoptionen und ein nettes kleines Gimmick.
Das Wichtigste sind zunächst mal die Skalierungseinstellungen, wozu BPM, Sensibilität und verschiedene Skalen gehören. Der BPM-Bereich reicht von 1 bis zu 1.000 bpm, womit auch Drone-Sounds ein Kinderspiel für den Playtronica Scales sind. Die Sensibilität lässt sich auf 250 g, 500 g, 1.000 g, 1.500 g und 2.000 g einstellen. Diese beiden Einstellungen lassen sich auch problemlos am Gerät selbst definieren, wobei die Einstellung der BPM über die Online-Settings schon deutlich schneller und genauer funktioniert.
Als Skalen stellen folgende zur Verfügung: Dur, Moll, chromatisch, Dorian, Mixolydisch, Lydisch, Ganzton, Moll Blues, Dur Blues, Moll Pentatonik, Dur Pentatonik und Vermindert.
Die Beleuchtung lässt sich zwischen Weiß, Rot, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Dunkelblau und Lila wechseln und in der Helligkeit anpassen. Das wirkt, je nach Farbe der Waage, optisch nochmals deutlich anders und ruft immer wieder einen neuen Look hervor. Eine blaue Waage leuchtet mit orangefarbenem Untergrund beispielsweise eher grünlich.
Zuletzt sei noch der Performance-Modus erwähnt, der lediglich eine Art Lock-Funktion für die Kalibrierung darstellt. Alle Einstellungen können über die Website auch gespeichert und wieder aufgerufen werden.
Der Playtronica Scales in der Praxis
Zu Beginn empfand ich den Playtronica Scales ehrlich gesagt als weniger inspirierend. Nach kurzer Einarbeitungszeit kam aber dann das Verständnis für den Controller und somit auch der Spaß. Der Ansatz funktioniert und man nimmt das Gerät als Spielwiese wahr, mit der sich einfach kommunizieren lässt.
Der Hold-Modus ist prädestiniert für Drone-Sounds und über den gesendeten MIDI-CC-Befehl lässt sich die für Drones nötige Modulation perfekt einbinden. Doch wie im Videobeispiel zu sehen und hören ist, lässt er sich auch für Synthesizer-Patches mit Portamento sehr gut verwenden. Hierfür hatte ich ein etwas schwereres Gewicht ausgewählt und manuell per Hand zusätzlich beschwert. Wird nur eine Note gehalten, so sind die Tonhöhensprünge eindeutig zu hören. Fügt man über die Plus-Taste eine weitere Note hinzu, hört man den Portamento-Effekt und Instrumente wie ein Theremin oder verschiedene Arten von Streichinstrumenten lassen sich gut nachahmen.
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Über den Arp-Modus kann man neben Arpeggios auch kleine Sequenzen, die weniger an einen Arpeggiator erinnern, erstellen. Für die Beispiele habe ich einen glockenartigen Synthesizer-Sound und ein Drumkit ausgesucht. Interessante Ergebnisse entstehen quasi immer im laufenden Betrieb, indem man Pausen hinzufügt und Gewichte abnimmt oder wieder hinzufügt.
Der Pitch-Mode ist laut Hersteller noch nicht ganz ausgereift, sorgt aktuell nur für ein Detuning und ist in der Praxis dementsprechend noch nicht so spannend.
Wenn man die Waage per Hand beschwert, fühlt es sich nicht so an, als ob man gleich etwas kaputtmachen würde, ganz im Gegenteil. Bei den Anschlüssen sieht es leider etwas anders aus. Hier war ich immer vorsichtig und habe die Buchsen immer zusätzlich mit einem Finger fixiert.












































76€? Ich hätte tatsächlich mit mehr gerechnet! Interessant wäre, ob es in der Manual ein max. Gewicht gibt. Bei allem was durch Gewicht belastet werden kann (Stühle, Wage etc.) gibt es in der Regel eine Maximalangabe. Ein spannender, innovativer Klangansatz und dazu noch bezahlbar. Auch für Eltern in Bezug ihrer Kids könnte ich mir das sehr spannend vorstellen. Meins ist es nicht, schmälert aber keinesfalls die Begeisterung zu dem Produkt. Wenn es in 10 Jahren den Geist aufgibt, ist der Schaden auch nicht allzu groß (bezüglich Buchsen). Coole Sache!
Also so wie ich das verstehe ist das ein Stepsequencer/Arpeggiator, bei dem man immer einzelne Noten hinzufügen kann, die durch ein Gewicht definiert werden. Statt dessen hätte man anstatt der Waage auch einfach ein Poti nehmen können – dann würde man sich das zusätzliche Gedöns auf dem Tisch sparen. Eine Spielerei für Youtube-Videos….
Gibt immer mehr so Experimental-Schnackes.
Ich frage mich, ob sich das tatsächlich kostendeckend (oder gar mit Gewinn 😅) verkaufen lässt. Und wenn sich sowas gut oder zumindest ausreichend gut verkauft, was sagt das dann über die Szene der elektronischen Musik aus? Gibt es einfach immer mehr Leute, die nicht Keyboard spielen können (oder es lernen wollen) und nun mit solchen „alternativen Controllern“ einsteigen? Oder ist das vielmehr ein langsamer Abschied vom Keyboard als Standard-Controller, der eine neue Ära der Controller-Diversity einläutet? 🤔
Naja, was mich betrifft: Ich hab Tasten gern und sehne mich auch nach nichts anderem. Besonders gegenüber Waagen habe ich sowieso ein zwiespältiges Verhältnis. 🫣😆
@UAP Guter Ansatz, aber dieses „mehr“ an Schnick-Schnack fällt natürlich insbesondere auf, wenn man aktiv in Amazona ist. Alle anderen Menschen bekommen davon nichts mit. Es gibt ja auch im Gegenzug wieder jede Menge analoge Synthklassiker. Aktuell sogar 3 Modelle des Minimoog frisch zum Kauf (Geddy Lee, Bob’s Special Edition und Mahagoniwood). Ich denke die (günstige) Digitaltechnik machen solche experimentellen Geräte möglich. Siehe Firmen wie Soma oder Teenage-Engineering. Ich bleibe allerdings auch lieber bei den Tasten. Liegt allein schon daran um zu wissen welche Töne man benutzt. Für Songs unumgänglich. Trotz alldem feiere ist solche Geräte durchaus.
@UAP stimmt… denke ich mir auch. 😉
aber immer nur ladderfilter sind auch fad. 🤣
schade dass tatsuya Takahashi statt genialen Synths jetzt elektronische kalimbas designed..
@Numitron Kalimbas Made äh designed in Berlin Germany😎
@UAP Die Produktion kostet keine 10 Euro, samt Verpackung.
@UAP „Gibt es einfach immer mehr Leute, die nicht Keyboard spielen können“
Das entspricht meiner Beobachtung. Schau doch mal auf Sequencer.de, wie viele Synthgeeks von sich sagen, nicht spielen zu können. Ich finde das bedenklich. Andererseits gibt es keinen Zwang, Synthesizer immer mit einer Klaviatur zu spielen, dennoch kann man das Spielen mit Klaviatur als ungeschriebenes Gesetz betrachten, da Synths diese aus praktischen Gründen fast von Anfang an hatten. Auch kenne ich keinen anderen Controller, mit dem man einen Synth vollumfänglich so flüssig und mehrstimmig spielen kann wie mit einer Klaviatur.
@Mac Abre Vielleicht ist aber genau das der Grund, dass es kaum mehr wirkliche neue Musik gibt (was das denn immer auch ist oder sein soll). Gefangen in einem System das schon so lange genutzt wird, kann auch immer nur ähnliches ermöglichen.
Vermutlich liegt dies aber doch weniger an den Instrumenten, als an den Hörgewohnheiten. Sobald etwas zu „anders“ wird, klingt es für die meisten eben auch falsch. Edgar Froese soll ja mal gesagt haben, dass es keine falschen Töne gäbe, nur falsche Erwartungen. Aber leider hat gerade er Tangerine Dream in eine extrem „erwartbare Band“ umfunktioniert.
Ich finde solche Möglichkeiten erfrischend und hoffe, das jemand damit was cooles machen kann.
@liquid orange Da generative Musik meist aus Loops zusammengestückelt wird, kann ich das Keyboard dafür nicht verantwortlich machen. Es scheint mir eher der Mangel an Virtuosität, Musikwissen im Allgemeinen und Harmonielehre im Speziellen zu sein. Es wird einfach genommen, was da ist und mehr oder weniger planlos aneinandergereiht. Die daraus resultierenden Hörgewohnheiten sind unbedingt der Grund dafür, dass man mit sowas Erfolg hat und noch weniger Innovative Musik das Licht der Welt erblickt.
Es wäre auf jeden Fall wünschenswert, wenn es etwas wirklich neues gäbe, bei dem man seit langem wieder hört, dass sich dabei jemand etwas gedacht hat. Wenn solche Geräte dazu beitragen können ist das schön. Ich bezweifele aber noch, dass sich die Anwendergruppe stark außerhalb des Ambient bewegt.
Bei mir sind momentan 5 verschiedene Eingabegeräte aktiv. Eine 88er gewichtete Tastatur (PC-88), ein 5 Oktaven Synth (SY-77), der fast nur als Tastatur zum Einsatz kommt, ein Behringer Swing direkt am Rechner, ein Seaboard Block, und ein Lightpad Block.
Beim Einspielen bringen alle unterschiedliche Ergebnisse. Das Ansprechverhalten ist anders, dadurch auch die Ergebnisse. Vor allem das Lightpad hat einen ganz anderen Zugang zur Noteneingabe. Ich möchte die Diversität diesbezüglich nicht mehr missen. Das hier fixt mich nicht direkt an. Ein anderer Zugang muss für mich auch einen Mehrwert bringen. Den sehe ich hier nicht so.
Eine Küchenwaage für Töne. Ich habe einen ganz ähnlichen Controller, der aber zum Gewicht auch die Position Erkennt. So macht es erst richtig Spaß.