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Test: Polyend Synth, polyphoner Multi-Engine-Synthesizer

Zwischen Groovebox, Synth und Klanglabor

22. Mai 2026
polyend synth test

Test: Polyend Synth, polyphoner Multi-Engine-Synthesizer

Der Polyend Synth ist der erste Synthesizer im Line-up der polnischen Kreativschmiede, die sich mit Geräten wie dem Tracker oder Play einen Namen gemacht hat. Auch mit diesem Instrument geht Polyend wieder bewusst neue Wege und setzt auf ein intuitives und performance-orientiertes Konzept. Seine Besonderheiten sind das Smart Grid und die zehn verschiedenen Synth-Engines, von denen drei gleichzeitig gespielt und sequenziert werden können. Wer gerne mit Sequenzen, Arpeggios und repetitiven Klangstrukturen arbeiten, dürfte der frischen und eigenständigen Ansatz des Polyend Synth bestimmt mögen. Kann der Polyend Synth auf ganzer Linie überzeugen? Lest selbst.

Kurz & knapp

Was ist es? Polyend Synth ist ein dreifach multitimbraler Multi-Engine-Synthesizer mit Smart-Grid-Konzept und zehn unterschiedlichen Synth-Engines.

  • Smart Grid: Drei Synth-Engines lassen sich gleichzeitig performativ spielen, sequenzieren und harmonisch miteinander verknüpfen.
  • Klangvielfalt: Von virtuell-analog über FM und Wavetable bis hin zu granularen und experimentellen Sounds bietet der Synth eine große Bandbreite.
  • Workflow: Der alternative Grid-Ansatz fördert schnelle musikalische Ideen, Arpeggios, Pattern und spontane Jam-Performances.
  • Schwächen: Die auf acht Stimmen begrenzte Polyphonie sowie gelegentliche CPU-Limits schränken komplexe Setups etwas ein.
  • Fazit: Eigenständiger, inspirierender Performance-Synthesizer mit starkem Charakter, kreativem Konzept und überraschend großem Klangumfang.
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Polyend Synth

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Einen Test mit einem Polyend-Gerät habe ich am Anfang ja fast gescheut – nicht etwa, weil ich die Instrumente nicht mag, sondern weil sie doch so vielschichtig, komplex und vollgepackt mit Features sind. Aber im Laufe des Kennenlernens hat sich schnell herausgestellt, dass der Polyend Synth zwar all das oben Beschriebene erfüllt, dabei aber dennoch relativ schnell zu lernen und geradlinig zu bedienen ist.

Was ist der Polyend Synth?

Der Polyend Synth ist kein gewöhnlicher Desktop-Synthesizer. Im Mittelpunkt steht Polyend-typisch nicht eine Klaviatur, selbst ein Play/Start-Button fehlt. Das große 5×12-Pad-Grid ist Mittelpunkt des Geschehens, hier lassen sich sämtliche musikalischen Funktionen steuern und spielen. Dies kennt man in der Form auch schon vom Polyend Play+, auch wenn dort die Grid-Auflösung nochmal deutlich kleiner ist. Manch einer würde sagen, zu klein.

Im Kern handelt es sich beim Synth um einen dreifach multitimbralen Multi-Engine-Synthesizer. Bis zu drei der zehn verschiedenen Synth-Engines können gleichzeitig verwendet werden und unabhängig voneinander eigene Sounds, Sequenzen, Arpeggios und Modulationen erzeugen. Trotzdem bleiben alle drei Bereiche harmonisch miteinander verbunden und orientieren sich an derselben musikalischen Grundlage. Genau dieses Zusammenspiel bildet das Herzstück des Konzepts.

Klanglich bietet der Polyend Synth eine schöne Bandbreite. Je nach Engine reichen die Sounds von virtuell-analogen Klängen über digitale FM- und Wavetable-Synthese bis hin zu granularen und experimentellen Texturen. Einige Engines erinnern an klassische Synthesizer, während andere deutlich moderner und eigenständiger klingen.

Polyend Synth

Besonders interessant ist der Smart Grid-Ansatz. Der Polyend Synth verteilt drei Engines direkt auf unterschiedliche Bereiche der Pad-Matrix. Dadurch entsteht ein sehr performativer und unmittelbarer Zugang zum Instrument. Basslines, Flächen, Arpeggios oder Leads können gleichzeitig gespielt und miteinander kombiniert werden, ohne dass man zwischen verschiedenen Modi oder Menüs wechseln muss.

Die weiteren performance-orientierten Funktionen wie polyphoner Aftertouch, skalierte Tonleitern, Chord-Modi, Follow-Modi zwischen den Engines sowie frei belegbare Macros sorgen für zusätzliche Tiefe und Variation. Ein spannendes Konzept also. Aber auch der Klang muss natürlich mithalten können.

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Hardware und Verarbeitung

Bereits beim Auspacken hinterlässt der Polyend Synth einen ausgesprochen positiven ersten Eindruck. Die Verpackung und das Zubehör fällt sichtbar hochwertig aus. Das Netzteil ist sauber verarbeitet, es liegt ein dickes stoffummanteltes USB-Kabel mit Metallsteckern bei. Polyend legt viel Wert auf Details.

Dieser Eindruck setzt sich auch fort, wenn man den Synth schließlich in die Hand nimmt. Das Gerät besitzt ein angenehm solides Gewicht und wirkt stabil, wenn auch nur die Oberplatte aus Metall, der Rest aus Kunststoff besteht. Besonders positiv fiel mir auf, dass beim Anheben oder leichtem Druck des Gehäuses keinerlei Knarzen, Verwinden oder Spiel wahrnehmbar ist. Alles sitzt fest und sauber verarbeitet, wodurch der Polyend Synth ein Gefühl von Wertigkeit vermittelt.

Polyend Synth 04

Der gut auflösende LCD-Screen sorgt für gute Navigation.

Sehr gelungen finde ich außerdem die kapazitiven Touch-Encoder. Optisch verfolgen sie einen angenehm minimalistischen Ansatz, wirken dabei aber keineswegs billig oder zu glatt. Glücklicherweise hat Polyend die Encoder mit einer hochwertigen Gummioberfläche versehen, wodurch man jederzeit optimalen Grip behält. Besonders positiv empfinde ich außerdem, dass es sich nicht um eine empfindliche Soft-Touch-Beschichtung handelt, die nach einigen Jahren klebrig werden oder sich ablösen könnte, sondern eben um echtes Gummi. Das hinterlässt einen erfreulich langlebigen Eindruck.

Auch die übrigen Bedienelemente überzeugen qualitativ. Die Taster besitzen einen präzisen, definierten Druckpunkt und haben einen schönen Klick. Gerade bei einem Instrument, das stark auf direkte Performance und schnelles Arbeiten ausgelegt ist, ist ein solches haptisches Feedback natürlich wichtig. Die Pads wiederum sind sauber verarbeitet, angenehm spielbar und bieten einen ausgewogenen Druckpunkt, wodurch sich Sequenzen und rhythmische Eingaben direkt umsetzen lassen.

Anschlussseitig ist der Polyend Synth wiederum eher sparsam ausgeführt. MIDI In und MIDI Out sind beim Polyend Synth jeweils als 3,5-mm-TRS-MIDI-Anschluss ausgeführt. Polyend legt allerdings lediglich einen einzelnen TRS-auf-5-Pol-MIDI-Adapter bei, sodass man für die gleichzeitige Nutzung von MIDI In und Out einen zweiten Adapter benötigt.

Der Audio-Output ist als Stereo-Miniklinke ausgeführt; auch hier liegt wieder ein Adapter bei für 2 x Mono-Out 6,3-mm-Klinke.

Minimalistische Konnektivität: die rückseitigen Anschlüsse des Polyend Synth

Minimalistische Konnektivität: Rückseitige Anschlüsse des Polyend Synth

Neue Engine: Firmware 2.0-Update

Wichtig beim Polyend Synth: das Update auf die neueste Firmware 2.0.1. Denn mit Firmware 2.0 wurde die neue Engine DIRT eingeführt. Das Update selbst erfolgt einfach über die microSD-Karte. Die Firmware-Datei wird in den „Firmware“-Ordner der SD-Karte kopiert und anschließend direkt im Systemmenü des Synth installiert.

Features des Polyend Synth

Der Polyend Synth hat synthese- und performance-technisch einiges unter der Haube, hier kommt eine kompakte Auflistung der wichtigsten Features.

  • Dreifach multitimbraler Multi-Engine-Synthesizer
  • Neun unterschiedliche Synth-Engines
  • Acht frei verteilbare Stimmen
  • Virtuell-analoge, FM-, Wavetable- und granulare Synthese
  • 5×12 Pad-Grid mit Velocity und polyphonem Aftertouch
  • Smart-Grid-System mit harmonischer Verknüpfung der Engines
  • Chord-, Scale- und Follower-Modi
  • Sequencer und Arpeggiator pro Engine
  • Eigene Filter-, ADSR- und LFO-Sektionen pro Synth
  • Drei frei belegbare Macro-Regler
  • 3 Effekte pro Synth: Delay, Modulation und Reverb
  • Szenen-basierter Workflow mit microSD-Speicherung
  • MIDI In/Out, USB-C und MIDI-Clock-Sync

Das Display ist zentral für die Soundengine-Einstellungen

Die Synth-Engines des Polyend Synth

Der Polyend Synth bietet aktuell insgesamt zehn unterschiedliche Synth-Engines, von klassisch analog bis experimentell und digital.

  1. ACD: Acid- und Roland-inspirierte Synth-Sounds für Basslines und Leads
  2. FAT: Breite, warme virtuell-analoge Pads und Leads
  3. WAVS: Wavetable-Synthese mit bewegtem Charakter
  4. VAP: Direkte virtuell-analoge Sounds für Sequenzen und Arpeggios
  5. WTFM: FM-Synthese für metallische und digitale Sounds
  6. PMD: klassische Physical Modeling Synthese, mit Mallet und Air Flow Parameter
  7. PHZ: Experimentellere Phasen- und Modulationssynthese
  8. GRAIN: Granular-Synthese für Atmosphären und Sounddesign
  9. DWA: für hybride, digitale und sampleartige Klänge
  10. DIRT: aggressive, stark modulierbare Distortion Engine mit mischbaren Wellenformen und 13 Waveshaper-Algos

Wir haben also eine gute Mischung aus klassischen Synthesizer-Sounds, moderner digitaler Klangerzeugung und experimentelleren, brachialeren Engines.

An einem Synth will man schrauben, das ist klar. Ein Blick auf die Oberfläche zeigt uns das Feld von 3×3 Drehreglern und diese stehen eben für die anwählbaren, wechselnden Parameter bereit. Rechts sind vier anwählbare Ebenen zur Synth-Klangeinstellung: Engine, Filter, ADSR und LFO.

Die einzelnen Synth-Engines des Polyend Synth bieten auf jeder der vier Ebenen jeweils eine übersichtliche Anzahl sinnvoll gewählter Parameter zur Klangveränderung. Man kann nicht megatief einsteigen in die Synthese, aber bleibt auch nicht nur an der Oberfläche. Alles bleibt direkt und im Flow, was durchaus positiv ist.

Aus dem Handbuch: Diagramm der DIRT-Engine

Grundsätzlich besitzen alle Engines eine gemeinsame Basisstruktur. Dazu gehören jeweils Oszillator-Parameter der jeweiligen Engine, ein Filter, ADSR-Hüllkurven, LFOs, Modulationsmöglichkeiten sowie Effekt- und Macro-Zuweisungen. Die konkreten Parameter verändern sich abhängig von der jeweiligen Synth-Engine: Während man bei den virtuell-analogen Engines beispielsweise typische Einstellungen wie Waveform-Mix, Glide, Pulsbreite oder Suboszillatoren bearbeitet, stehen bei den digitalen Engines eher FM, Wavetable-Positionen, Grain-Parameter oder Phasenmodulationen im Mittelpunkt.

Positiv hervorzuheben ist übrigens auch das 140-seitige Handbuch (auf englisch), dort werden u. a. auch alle Synthesizer-Engines detailliert und mit allen Parametern sowie Blockdiagramm beschrieben – sehr schön!

Dateiorganisation des Polyend Synth

Der Polyend Synth selbst besitzt keinen fest verbauten internen Speicher, sondern arbeitet vollständig über eine microSD-Karte. Ab Werk liegt dem Gerät eine 16 GB microSD-Karte bei. Der gesamte Workflow des Geräts basiert auf dieser Karte. Dort werden gespeichert: Scenes, Presets/Patches, Samples, Firmware, Sequenzen.

Größere microSD-Karten können verwendet werden, wenn man sie korrekt formatiert hat, als FAT32/MBR. Im Polyend-Forum Nutzer berichten von funktionierenden Karten mit 128 GB, 512 GB und teilweise sogar 1 TB.

Das Konzept des Polyend Synth

Der zweite interessanteste Aspekt des Polyend Synth neben der vielseitigen Klangerzeugung ist das musikalische Konzept hinter dem dreigeteilten Grid-System, das die drei Engines harmonisch eng miteinander verbunden bearbeiten und spielen lässt. Änderungen an Tonart oder Scale wirken sich auf das gesamte System aus, sodass alle drei Bereiche auf derselben tonalen Grundlage basieren. Die Scenes bilden beim Polyend Synth dabei die zentrale Organisations- und Performance-Struktur. In ihnen werden alle Zustände des Geräts inklusive Synth-Engines, Sequenzen, Effekte, Makros und Grid-Einstellungen gespeichert und können dadurch sofort wieder aufgerufen oder live gewechselt werden.

polyend synth

Durch das Grid ensteht ein Workflow, der sich klar von klassischen Keyboard-Synthesizern unterscheidet. Statt frei chromatisch über eine Tastatur zu spielen – was dankenswerterweise auch beim Synth möglich ist – bewegt man sich innerhalb definierter musikalischer Strukturen. Das sorgt dafür, dass auch spontane Patterns, Sequenzen oder Arpeggios meist unmittelbar musikalisch funktionieren und man eben die drei Engines simultan über das Grid spielen kann.

Technisch arbeitet Polyend dabei nicht nur mit festen MIDI-Noten, sondern auch mit relativen Positionen innerhalb einer Skala. Pads repräsentieren also eher Funktionen innerhalb der Tonleiter als absolut festgelegte Notenwerte. Wird die Root-Note oder die verwendete Scale verändert, transponiert das System die musikalischen Beziehungen entsprechend mit. Dadurch bleiben Sequenzen und Patterns auch nach Tonartwechseln harmonisch konsistent.

Umgesetzt wird dieses Konzept durch die verschiedenen wählbaren Grid-Modi. Einzelne Engines können beispielsweise klassische Noten spielen, während andere automatisch Akkorde erzeugen oder als „Follower“ auf harmonische Veränderungen reagieren.

Ein spannender Ansatz, der den Polyend Synth von vielen klassischen Groove-Boxen oder Desktop-Synthesizern abhebt und ihn mehr zum spontanen Kompositions- und Performance-Werkzeug mit einem deutlicheren Zufalls-Jam-Aspekt macht. Der Fokus liegt klar auf schnellem Arbeiten mit Sequenzen, Wiederholungen, harmonischen Verschiebungen und rhythmischen Strukturen.

Für meine eigene Arbeitsweise fand ich das interessant, weil ich gerne mit repetitiver elektronischer Musik arbeite, die stark auf Arpeggios, Sequenzen und sich überlagernden Patterns basiert. Durch die drei miteinander verbundenen Grids entstehen schnell rhythmische und harmonische Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Engines. Künstler wie Rival Consoles oder Max Cooper verfolgen häufig ähnliche Ansätze, bei denen kleine melodische Figuren gegeneinander verschoben werden und daraus komplexe harmonische Strukturen entstehen. In dieser Art von Musik fühlt sich der Polyend Synth wohl.

Sampling mit dem Polyend Play

Mit der nachträglich implementierten DWA-Engine erweiterte Polyend den Synth um eine sehr spannende Sampling- und Klangmanipulations-Engine. Natürlich handelt es sich weniger um einen klassischen Sampler mit Multisample-Funktionalität, als vielmehr um experimentelles Sounddesign mit Samples.

polyend synth

Die DWA-Engine arbeitet mit zwei unabhängigen Sample-Layern, die gleichzeitig abgespielt, geloopt, gepitcht und moduliert werden können. Interessant wird das durch sehr kleine Loop-Bereiche und permanente Modulationen, wodurch schön lebendige, granulare und rhythmisch pulsierende Klangstrukturen entstehen. Teilweise erinnert das klanglich eher an moderne Granularsynthese oder modulare Experimente als an klassisches Sampling.

Der Sample-Engine zugute kommt das wirklich gute, fein auflösende Display des Polyend in Verbindung mit den ausreichend zur Verfügung stehenden Drehreglern, wodurch man sehr gezielt und genau die Start- und Endpunkte der Sample- und Loop-B ereiche setzen kann. Das macht schon Spaß.

In Verbindung mit den internen Effekten sowie den LFOs und Envelopes entstehen dann schnell bewegte Ambient-Flächen, glitchige Texturen oder vielschichtige digitale Sequenzen. Die DWA-Engine passt damit gut zum generellen Konzept des Polyend Synth.

Der Mixer im Polyend Synth

Der Polyend Synth in der Praxis

Im Praxistest empfand ich den Polyend Synth als gleichermaßen faszinierendes und eigenwilliges Instrument. Die Grundidee, drei unabhängige Synth-Engines in einem kompakten Desktop-Gerät zu vereinen und gleichzeitig spielbar zu machen, ist modern und kreativ gedacht. Tatsächlich entstehen beim Spielen schnell spannende Layer, ungewöhnliche Klangkombinationen und ein spezieller performativer Ansatz, der in dieser Form nicht bei klassischen Synthesizern zu finden ist. Gerade das flexible Grid-Konzept mit unterschiedlichen Layouts und Akkordmodi erweist sich als wirklich clever gelöst.

Mehr Spezialist als Allrounder

Gleichzeitig wird natürlich relativ schnell deutlich, dass der Polyend Synth weniger ein klassischer Allround-Synth ist, sondern eher ein spezialisiertes Kreativwerkzeug mit ganz eigener Philosophie. Der Sequencer wirkt im Workflow manchmal etwas abstrahiert und weniger direkt, als es die große Pad-Matrix zunächst vermuten lässt. Der Polyend Synth kommt hinsichtlich der generellen Sequencer-Funktionalität nicht an die anderen Polyend Geräte wie dem Play oder Tracker heran. Gerade angesichts des großzügigen 5×12-Grid-Layouts könnte man sich hier einen noch tiefer integrierten und klassischer aufgebauten Sequencer wünschen. Es ist mehr ein SH-101-Style Sequencer: aufnehmen und abspielen.

Der Arpeggiator wiederum gefällt mir richtig gut, denn er hat ausreichend viele Muster und darüber hinaus Parameter wie Pad Playback, Groove, Swing, Humanizer, Rate und Gate-Länge.

Die HOLD-Funktion nutzt man auf dem großen Grid in der Praxis gerne häufig – umso besser, dass sie mit einer einfachen Shift-Pad-Kombination leicht aktiviert und per Doppelklick wieder deaktiviert ist.

Die Architektur hingegen ist etwas limitiert, denn der Synth arbeitet zwar mit drei Engines gleichzeitig, bleibt letztlich aber auf diese drei Synth-Spuren beschränkt. Hinzu kommt die insgesamt auf acht Stimmen begrenzte Polyphonie, die je nach Verteilung auf die drei Engines an ihre Grenzen geraten kann. Wenn komplexere Akkorde, Layer oder längere Release-Zeiten ins Spiel kommen, kann es schon mal eng werden.

Eng wurde manchmal auch die CPU-Leistung, was dann mit einer Warnung „CPU High“ auf dem Display angezeigt wird. Tatsächlich ist im Test auch zwei Mal das Gerät eingefroren, so dass nur ein Neustart half. Möglicherweise schaffen zukünftige Firmware-Updates weitere Abhilfe.

Vielschichtig, aber geradlinig

Die Bedienung wiederum empfand ich als geradlinig mit einer relativ flachen Lernkurve. Die insgesamt 10 Drucktaster sind ein direkter Weg zu allen relevanten Ebenen, die man jeweils im Moment benötigt. In der jeweiligen Ebene gibt es dann nochmal 2-3 Seiten, die man einfach durchschalten kann. Die Bedienung ist aufgrund der Steuerung über den Universal-Hauptencoder sowie die 3×3 Encoder natürlich ziemlich Display-lastig, aber man gewöhnt sich schnell dran.

Jedem, der gerne klassische Synthesizer spielt, eine direktere Bedienung der Klangparameter und des Sequenzers mag, dürfte der Polyend Play insbesondere zu Beginn etwas zu indirekt, fummelig oder nicht ausreichend zielgerichtet sein. Das Gerät richtet sich weniger an Musiker, die einen klar definierten Standard-Synthesizer suchen, sondern vielmehr an jene, die bewusst einen etwas anderen Workflow zu schätzen wissen.

Die kapazitiven Encoder sind dank guter Gummierung schön griffig

Der Klang des Polyend Synth

10 verschiedene Engines, verschiedenste Filter … das klingt sehr wandlungsfähig. Im Test habe ich den Klang der verschiedenen Engines insgesamt als relativ einheitlich empfunden, auch wenn jede Engine natürlich unterschiedlichste klangliche Ergebnisse zutage fördern kann. Klanglich erinnert mich das Timbre und die generelle Atmosphäre des Polyend Synth oftmals an die 90er-Jahre mit dem speziellen gläsernen Charakter. Das liegt mitunter sicher auch daran, dass bei den meisten Presets nicht mit den Effekten gegeizt wurde, insbesondere mit dem Reverb. A propos: Die Effekte klingen wirklich sehr gut und schaffen ein schöne Atmosphäre, die sich auch gut mit den Klängen verbindet.

Wenn man möchte, kann man mit dem Polyend Synth bestimmt Musik jeglicher Genres machen. Lässt man den Synth aber einfach sein Ding machen, so bewegt sich der Sound natürlicherweise stets in moderne, futuristische und ambient-artige Gefilde. Hier spielt seine alternative Architektur sicher ihre Stärken aus und fördert leichter Ergebnisse zutage, die auf konventionelle Herangehensweise etwa in der DAW weitaus mehr Aufwand erfordern würden.

Positiv ist auch der Filterklang, der eine schöne Resonanz hat und selbst mit den Acid-Klängen einigermaßen gut funktioniert. Zur Verfügung stehen: 4 x Tiefpass, 4 x Hochpass, 4 x  Bandpass und 2 xNotch.

Zusammengefasst in der Klang des Polyend Synth echt schön und die Soundengines klingen detailliert und hochauflösend. Klanglich fand ich besonders die Engines WAVS, DIRT und GRAIN spannend, weil sie den eigenständigen Charakter des Polyend Synth am deutlichsten zeigen.

WAVS liefert moderne, breite und schön vielschichtige digitale Flächen mit Bewegung und Tiefe, die super für atmosphärische elektronische Musik funktionien, während die DIRT-Engine den rohen, distorted-aggressive Klang ins Spiel springt, die dem Synth an manchen Stellen noch gefehlt hat. Die verschiedenen Waveshaper und digitalen Verzerrungen erzeugen wirklich charaktervolle Texturen irgendwo zwischen LoFi, Industrial und experimenteller Elektronik. Und eben die GRAIN-Engine, weil sie diese organischen, permanent lebendig wirkenden granularen Klangwolken erzeugt, die sich ständig subtil verändern und bewegen. Das klingt besonders polyphon mit Akkorden gespielt super.

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Klangbeispiele
Fazit

Der Polyend Synth ist ein kreativer performance-fokussierter Synthesizer, dessen Stärken die harmonisch verbundene Smart Grid-Architektur mit drei eigenständigen Synthesizerstimmen ist. Die verschiedenen Synth-Engines bieten eine überraschend große Bandbreite an Klangcharakteren und ermöglichen deutlich mehr unterschiedliche Sounds, als man in dieser Preisklasse zunächst erwarten würde. Der Synth ist in der Tat eine kompakte „Multi-Synth-Plattform“ mit sehr unterschiedlichen Syntheseansätzen. DassPolyend mit der aktuellen Firmware bereits eine weitere Engine hinzugefügt hat, ist ebenfalls positiv.

Es gibt zwar auch einige Schwächen, wie die auf 8 Stimmen begrenzte Polyphonie oder die mitunter etwas knapp bemessene CPU. Auch können bei extremeren Einstellungen oder bestimmten Engines die Höhen manchmal etwas zu viel oder harsch werden. Das sind aber insgesamt kleinere Kritikpunkte. Viel wichtiger ist, dass der Polyend Synth definitiv viel Spaß macht. Das Gerät motiviert permanent dazu, spielerisch und experimentell Musik zu machen und genau darin liegt seine eigentliche Stärke. Ich kann mir vorstellen, dass das Grid-System nicht jedem gefällt und manch einer doch eine Keyboard-Tastatur oder einen klassischeren Sequencer bevorzugt. Aber es werden eben auch andere Ergebnisse zutage gefördert.

Gerade sich überlagernde Layer aus verschiedenen Arps und Chords, harmonische Patterns und spontane Sequenzen führen schnell zu musikalischen Ideen. Polyend gelingt damit erneut ein ungewöhnliches und musikalisches Instrument mit echtem Eigencharakter. Der Preis ist angesicht der guten Hardware und des klanglichen Umfangs durchaus in Ordnung.

Plus

  • große Anzahl gut klingender Synth-Engines
  • hochwertige Verarbeitung mit angenehmer Haptik
  • kapazitive Encoder
  • gut klingende Effekte
  • innovatives Smart Grid

Minus

  • nur 8-fach polyphon
  • CPU etwas knapp

Preis

  • 789,- Euro
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Über den Autor
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Timm Brockmann RED

Audio-Engineer & Musiker, Studioarbeit mit u.a. The Tiger Lillies, Einstürzende Neubauten, Camera

Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      Timm Brockmann RED

      @Numitron Hallo Numitron,

      Stimmt, der Polyend Synth wurde schon im November 2024 vorgestellt und ist seit Anfang 2025 erhältlich. Da es aber noch keinen Test auf Amazona gab, wurde es mal Zeit.

    • Profilbild
      Markus Galla RED

      @Numitron Ja, das stimmt. Es war aber gar nicht so einfach, ein Testgerät zu bekommen. Manchmal liegt dann so ein Produkt eine Weile in der Warteschleife. Da aktuell viele Superbooth-Neuheiten nicht lieferbar sind und der Polyend Synth jetzt gerade verfügbar war, haben wir „zugeschlagen“. Es wird auch noch einen Workshop zu diesem sehr interessanten Produkt geben inkl. Videos.

      • Profilbild
        Numitron AHU

        @Markus Galla OK. verstehe!
        danke!
        ja, wirkt interessant.
        neue Möglichkeiten für einen synth .👍😎

  1. Profilbild
    gs06

    Was man noch wissen sollte, bevor man ihn bestellt: Das Gerät wurde in der Vergangenheit bereits mehre Male für etwa den halben UVP-Preis bei Thomann angeboten („Spring Sale“). Bei einer solchen Gelegenheit habe ich ein B-Ware-Exemplar für 349,- Euro erstanden und finde ihn für den Preis wirklich gut.

    • Profilbild
      Lumm

      @gs06 Danke. Mir kam der Preis auch etwas komisch vor. Hatte was mit unter 400€ in Erinnerung. Auf jeden fall mal ein etwas anderes Konzept, was mir eigentlich sehr gut gefällt. Es gibt allerdings auch einige ehemalige Polyend-Kunden, die nicht so amused von der Firma sind. Muss ich mal recherchieren.

  2. Profilbild
    Viertelnote AHU

    danke für test!🙂
    polyfonic 8 voices🙁okay das klingt so ich meine wenig
    aber groovebox concept ist hier gut gedacht. und so kann man
    creative bleiben. engines hat man eine gute palette. sofacompatible incl.🙂

  3. Profilbild
    HOLODECK Sven

    Ich besaß dieses Gerät ein Jahr. Mein Resümee ist wesentlich kritischer und ernüchternder.

    Abgesehen von denen durch Updates eingestreuten Zusatzfunktionen, deren schweren Auffindbarkeit und Inkonsistenz zueinander, belasse ich es mal lediglich darauf, dass Dinge wie der Stepp Sequenzer nicht zu Ende gedacht sind, die Livespielbarkeit überhaupt nicht praxistauglich und die Probleme im Sync Polyend typisch bekannt und ungelöst sind.

    Ich besaß nahezu alle Geräte von dieser Firma, und für mich ist die Kiste zu. Gute Ideen und Ansätze sind immer vorhanden, werden aber nicht professionell bis zu Ende gedacht. Und das ganze Bugfest, was man was stets ein hergeht, lässt bei mir ebenfalls keine Partystimmung aufkommen.

  4. Profilbild
    sire67

    789,00€?
    Kein stabiles MidiSync, keine Einzelausgänge,Harmonien nicht über Midi out,
    kein Distortion/Overdrive FX, lahme [overload] CPU, Update 2.01 zerschoss die Speicherkarte
    wg. defekter ZipDatei. Speichern[Umbenennung] umständlich.
    Klang Forschung ist möglich und teilweise inspirierend aber auch limitiert.
    Sequencer hat den Namen nicht verdient!
    Arpeggiator schon besser.
    Effekte Hall, Mod, Delay ok.
    Die 500€ vom Nov. ’24 waren eigentlich auch zu viel, aber jetzt 789€ ist echt ne
    Unverschämtheit.
    In stiller Hoffnung auf kommende Updates;was wohl nicht passiert wird.
    Hear you later, Oscillator.

  5. Profilbild
    MPC-User

    Was ich hier lese klingt ernüchternd.
    Tonverk lässt grüssen.
    Der Bento soll ja auch nicht gut wegkommen bei so einigen.

  6. Profilbild
    SYNcore

    Huch, was ist denn mit dem Preis vom SYNTH passiert? Der hat sich ja fast verdoppelt.

    Wie dem auch sei, ich hab den Aparillo mittlerweile auch schon eine Weile und ja: dass die CPU in die Knie geht, wenn man da Layers mit FX Schichten, ist etwas ärgerlich. Gerade bei Ambient, wo doch Layers wichtig sind. Da hilft es dann, wenn man auf externe Effekte zurückgreift und die internen Effekte ein wenig zurückschraubt, auch, wenn das schon ein bisschen schmerzt.

  7. Profilbild
    ZARC

    Habe das Instrument (für mich ist es eher eigenständiges neuartiges Instrument als nur profaner Synthesizer) gebraucht mit Rechnung erstanden und registriert. Einen Defekt hat mir polyend trotzdem anstandslos und kostenlos repariert inkl. hin und her Versand und auf An- und Rückfragen sehr schnell und patent reagiert.
    Mir gefällt die kreative Idee hinter dem Gerät sehr gut und ich spiele – jamme gerne einfach so am Abend darauf zum Entspannen. Die zahlreichen Sounds und Engine Kombis (Presets) sind zum Teil fantastisch, z.T auch abgedreht aber allesamt laden zum Spielen und Probieren ein.
    Die Synthi Funktion reichen mir zum individuellen gestalten aus und der Workflow ist (bin schon alter Mann) intuitiv begreifbar mit angenehm flacher Lernkurve (aber auch genug Tiefe für Fortgeschrittene)
    Dass zudem ein super freundlicher kulanter Support dabei ist verstärkt das positive Gesamtbild. Sollte mal eine leistungsfähigere (ja, sporadisch bei bestimmten Engine Kombinationen kann es zu ‚High CPU‘ Warnungen und Klicks kommen, aber Mei…) synth + Version rauskommen, werde ich die auch holen. Wirklich ein neuartiges tolles Instrument, das mir einfach Spaß macht, Chapeau! (imho)

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