Test: PPG Infinite, iOS-APP & Desktop-Plug-in

16. Mai 2018

Wavetable war gestern, Sinus-Ressourcen sind heute!

PPG Infinite, AudioUnit, Audiobus 2, Desktop: VST/AudioUnit
von Wolfgang Palm
21,99 Euro, iOS-App-Store
149,- Euro, Mac/Win  Wolfgang Palm Store

Ende der 70er Jahre entwickelte Wolfgang Palm die Wavetable-Synthese. Diese wurde in den 80ern und 90ern ein großer Erfolg und wurde in vielen anderen Synthesizern verwendet.
Aber die Technologie hatte ihre Grenzen. Hauptsächlich dem Umstand geschuldet, dass die verwendeten Sounds nur harmonische Anteile hatten, die hingegen in der Natur jedoch nicht sehr oft anzutreffen sind. Viele [mechanisch] erzeugte Klänge, wie etwa Klavierseiten, haben kleine Abweichungen in den harmonischen Frequenzen ihrer Teiltöne. Diese Abweichung ist bei Klängen von Glocken oder perkussiven Sounds noch größer.

Infinite überwindet die Beschränkungen.

So liest sich im Wesentlichen der Anfang des PPG Infinite Handbuchs. Das Programm selbst liegt als iOS-App als  AudioUnit-Plug-in wie auch für Windows und MacOS als VST2 und AudioUnit vor. Dieser Test bezieht sich auf die iOS-Version.

Diese Limitierungen überwindet PPG Infinite nun, indem es eine völlige Freiheit darin bietet, wie die Frequenzen der Teiltöne beschaffen sein sollen und das beinhaltet die unabhängige Modulation der Obertöne auch während des Notenverlaufs.
Auch ein wichtiger Teil dieser „Überwindung‟ ist das Rauschen, wie es Bestandteil von vielen mechanischen Sounds, wie Blasinstrumente oder Percussions ist. Wobei auch das Rauschen benutzt werden kann, um den tonalen Anteil eines Klanges zu modulieren.
Dabei benutzt Infinite keine Wavetables mehr, darauf wurde ich von Herrn Palm explizit hingewiesen, sondern Sinus- und Rausch-Ressourcen.
Ressourcen haben im Gegensatz zu Wavetable zusätzliche unharmonische Frequenzanteile und Phasenverläufe.

Nur Sinus und Rauschen hört sich jetzt vielleicht auf dem Papier selbst unter Zuhilfenahme eines 24 dB Tiefpassfilters, zweier VCAs, zehn Hüllkurven, vier LFOs und einer Modulationsmatrix nicht so spannend oder zumindest nur für die Klangspezialisten. Aber das täuscht.

Die Klangerzeugung findet auf den zwei Seiten „Morphing‟ und „Parameter‟ statt. Die Morphing-Seite setzt sich aus dem tonalen Sinusschwingungsformgenerator „Morpher‟, dem zeitlich variablen Filter „Molder‟ und dem atonalen Rauschgenerator „Noiser‟ zusammen.

Zunächst fallen am PPG Infinite die zwei X/Y-Pads auf. Wird der Edit-Taster betätigt, lassen sich an jeder Seite und der Mitte des X/Y-Pads verschiedene Sinus-Ressourcen laden, zwischen denen dann umgeblendet werden kann. Die Auswahl geschieht über das aufklappbare „Spectrum‟-Menü. Ebenso können über das „Time Control‟-Menü für jede der fünf Sinus-Ressourcen eine der zehn Hüllkurven ausgewählt werden. Die Frequenz wird dann in vertikaler Richtung verändert und die Lautstärke der Teiltöne auf horizontaler Linie.
Eine sehr gefällige Bedieneigenschaft sind die Pfeilspitzen in den Ecken des X/Y-Pads. Mit einer Bewegung, die von ihnen weggeht, bewegt sich auch der Koordinatenschnittpunkt absolut dazu. Das hat z.B. den Vorteil, dass der „Cursor“ nicht vom Finger verdeckt wird. Durch ein Doppeltippen auf die Pfeilspitzen wird der Morph-Punkt auf die Mitte zurückgesetzt.

Der Rauschgenerator „Noiser‟ arbeitet im übrigen auf die gleiche Weise, außer dass er sich aus drei Noise-Ressourcen zusammensetzt. Auf der X-Achse wird die Modulationstiefe auf die Sinuskomponenten bestimmt, wobei ganz links zusätzliches reines weißes Rauschen zu finden ist. Auf der Y-Achse wird zwischen den Noise-Ressourcen umgeblendet.

Export von Phomen

In den PPG Infinite lassen sich auch Wavetables importieren. Dazu wird entweder Wavemapper oder Wavegenerator benötigt. Mit diesen Apps kann man im übrigen auch eigene Wavetables erstellen. Die importierten Wavetables werden in Sinus-Ressourcen umgewandelt. Für spektrale Modifikationen des Filters können die Daten aus Phonem in das zeitabhängige „Molder‟-Filter geladen werden. Infinite ist damit sozusagen die Summe aus dem bisherigen Schaffen von Wolfgang Palm.

Import in Infinite

Forum
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    Coin  AHU

    Für mich uninteressant, weil man 1. keine eigenene Samples in die OSC´s laden kann
    und 2. wegen der X/Y Felder.
    Wie soll man die mit einem einfachen Midi-Keyboard kontrollieren, das kein X/Y-Feld hat ?

    Xfer Serum ist immer noch ungeschlagen.

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          gaffer  AHU

          OK, das ist ein Argument. Ich habe so ein kleines MasterKey von KORG, K25, das hat einen Mini Joystick, der z.B. müsste ein XY nachbilden können

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      Cornel Hecht  

      Einfach den Figer auf die X/Y Felder legen reicht schon.
      Der Minimoog ist für mich auch unbrauchbar, weil ich keine Samples in die Oszillatoren laden kann ;-)

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        Coin  AHU

        Hallo Cornel, kleiner Einwand: Ist der Minimoog ein Wavetable Synth ?
        Bei einem Wavetable-Synth erwarte ich, dass man eigene Wavetables benutzen kann.
        Wie es gehen kann zeigt Xfer Serum ;)
        Da mache ich Drag & Drop.
        Der Umweg über Wavemapper ist mir bekannt, aber was soll das ?

        Und wo soll ich meinen Finger drauf legen ?
        (hab nur ein Notebook ohne Touch)

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            Coin  AHU

            Entschuldigung Cornell, da im Artikel ungefähr 10 mal von Wavetables die Rede
            ist und gesagt wird, es können eigene Wavetables (über Wavemapper) importiert
            werden, ging ich davon aus dass der Infinite ein Wavetable Synth ist.
            Also ist es kein Wavetable Synth, ok Danke.

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      Markus Schroeder  RED

      Es lassen sich eigene Wavetables laden, dazu wird allerdings, wie im Text beschreiben, Wavemapper oder Wavegenerator benötigt. Das ist auf Mac/Win definitv eine heftigere Ausgabe als auf dem iPad, aber die Möglichkeit besteht.

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      Markus Schroeder  RED

      Wenn Du einen Midi-Kontroller mir der Fadern hast, was jetzt nicht so selten ist, dann legst Du X und Y auf zwei, so hab ich das immer gemacht. Um sich daran zu gewöhnen braucht es 10min maximal. Mit Potis ist es aber auch mir zu abstrakt. :)

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    Cornel Hecht  

    Um Missverständnissen vorzubeugen: der Infinite ist kein Wavetable-Synthesizer sondern basiert auf der Sinus-Synthese, eine Form der Resynthese. Infinite ist die IOS Variante für das iPad.
    Die AU/VST Version nennt sich Infinite Pro und kann u.a. eigene Samples resynthestisieren.
    Näheres dazu auf Wolfgang Palms Website:
    http://wol.....tepro.html

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      Markus Schroeder  RED

      Von direktem Sample-Imoprt steht jetzt aber nichts auf der Homepage, nur wie bei der iPad-Version der Import von Import WTS and TCS und WaveGenerator and WaveMapper, sowie Phonem Filtermodelle.
      Darüber hatte ich es nämlich mit Wolfgang Palm ausführlich, dass ich direkten Sample-Import auch vermisse, aber er meinte Import aus WG und WM wäre ausreichend.
      Es sei denn er hat den Import ind die Desktop-Version inzwischen hinzugefügt.

      Oder hab ich Dich falsch verstanden?

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    paulilein  

    Also bei einigen Kommentaren hier bekommt man den Eindruck als hätten sich bei manchen diverse Hirnfunktionen schon vor längerer Zeit verabschiedet.

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    gaffer  AHU

    Ist zwar etwas off topic, aber ich würde schon gerne wissen, wie das mit der Preisgestaltung so weitergeht. Jeder App Programmier hat inzwischen begriffen, dass spätestens bei 30€ eine Grenze erreicht ist. Das gleiche Programm für den Rechner 6x teurer…. das halten die nicht allzu lange durch. Spätestens wenn der einzelne Musiker begreift, dass ein über Lightning Kabel angeschlossenes iOS Device das gleiche macht wie das PlugIn im Rechner dürfte da die Luft raus sein. Ich bin da noch nicht ganz durch, zugegeben, aber wenn ich nur mein iPad Pro und das SE gleichzeitig anschliesse, erweitere ich die Möglichkeiten meines Systems drastisch. Und ich schone die Ressourcen des Rechners, auf dem die DAW läuft (und meinen Geldbeutel). Reicht das nicht, kaufe ich halt noch zwei drei SEs oder iPads dazu. Die kosten inzwischen weniger als zwei DAW PlugIns. Das wird noch spannend

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      Hectorpascal  

      Als iPad Nutzer muss ich festellen wie viel Geld schon in den AppStore geflossen ist von dem ich null nutze. Das iPad bleibt deswegen nur noch aus. Wer möchte schon 3 iPads booten und vorbereiten bevor die erste App nutzbar ist. Auch das speichern von Presets über iTunes, na ja. Die schöne tolle IOS Welt kann mMn noch nicht ausgerufen werden. In App Purchases können übrigens aus günstigen Apps schnell Groschengräber machen. Nicht so toll.

  5. Profilbild
    gaffer  AHU

    Ja Hector, nicht alles optimal, aber nicht wiirklich problematisch. Presetverwaltung geht übrigens deutlich besser, als bei den Originalen damals. Und Booten….. ich starte 10 davon, während mein Rechner hochfährt. Mit SSD. Sorry, ändertmeine Meinung nicht.

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