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Test: PPG W2.2X4 Dual Wavetable Oszillator, Eurorack

PPG Sound fürs Eurorack

8. April 2026
PPG W2.2X4 Eurorack Module Test Aufmacher

Test: PPG W2.2X4 Dual Wavetable Oszillator, Eurorack

Der PPG W2.2X4 verspricht, den Sound des PPG 2.2 ins Eurorack zu bringen. Und das sogar offiziell lizenziert. Wir haben uns das Modul genauer angesehen.

Kurz & knapp

Was ist es? Liquid Sky / PPG W2.2X4, ein Eurorack-Wavetable-Oszillator mit originalen PPG Wave 2.2 Wavetables, VCAs und Waveshaping-Drive.

  • PPG-Sound: Bringt die originalen Wavetables des PPG Wave 2.2 ins Eurorack und reproduziert dessen charakteristische Klangästhetik.
  • Bedienung: Große Bedienelemente und lange Faderwege erlauben schnellen direkten Zugriff auf Wavetables, Tuning und Lautstärken beider Oszillatoren.
  • Klangdesign: Besonders geeignet für Bässe, Drones und bewegte Wavetable-Sweeps mit leichtem Lo-Fi- und Bitcrush-Charakter.
  • Architektur: Zwei Oszillatoren mit eigenen VCAs, Drive-Sektion sowie zusätzlichen Square-Sub-Outs für komplexere Klangstrukturen.
  • Einschränkungen: Monofon ausgelegt, relativ groß im Rack und mit teils etwas sperriger Menüführung.
Bewertung

PPG W2.2X4

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PPG W2.2X4 Dual Wavetable Oszillator

PPG W2.2x4 Full

PG W2.2×4 Vollansicht

Vorgeschichte

Thilo Goldschmitz, Liquid Sky

Wavetable-Oszillatoren fürs Eurorack gibt es immer mehr. Aber ein PPG-Modul auf den Spuren des legendären Wavetable-Urahnen wird immer eine Sonderstellung innehaben. Auf Modulargrid und unter verschiedenen YouTube-Videos ist sinngemäß zu lesen: Die Marke PPG macht ein Comeback dank einer Kollaboration von Cornel Hecht (Hell Modular) und dem Liquid Sky Artistcollective (Liquid Sky D-vices). Der PPG W2.2X4 ist das erste Produkt.

Das Manual schreibt: Designed by Matthias Beese (MMS/Liquid Sky artistcollective). Advanced Design, PCB and Artwork by Thilo Goldschmitz. Original wavetables from PPG Wave 2.2 (1982). Und: PPG® is a trademark of the Native Instruments Group, used under license.

Ganz neutral kann ich hier nicht sein, denn Thilo Goldschmitz ist alter und neuer musikalischer Mitstreiter bei Basswerk Records und langjähriger Amazona-Redakteur. Ich habe ihn dank seiner Amazona-Artikel vor ein paar Jahren im Netz wiedergefunden.

Thilo lebt nun in Portugal und nicht zufällig in der Nähe des ebenfalls dorthin ausgewanderten Ingmar Koch, auch bekannt als Dr. Walker. Er war früher ebenfalls in Köln aktiv. Dort betrieb er das „Liquid Sky“ als Café- und Eventlocation. Unter diesem Namen ist er auch heute noch sehr umtriebig, als Künstler, Labelbetreiber, Geschäftsmann und Baumpflanzer und hat Thilo für verschiedene Aufgaben eingespannt.

Thilo ist in meinen Augen als Musiker und in Bezug auf sein Verständnis von Synthesizern genial und hat dies bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Wir hatten 1997 mit diversen Drum-&-Bass-Releases auf meinem Label Basswerk Erfolg. Dort war er als Solo-Künstler unter dem Namen Basztart aktiv oder in Kooperationen, etwa mit Cheetah und Kingz.

Danach war er jahrelang mit der Jimi Heinrich Band als Jazzmusiker aktiv und ist es bis heute. Letztes Jahr half ich ihm, sein neues Album digital und als Vinyl-on-demand auf Basswerk zu veröffentlichen (Link zu beidem) und steuerte Remixes bei.

Thilo hat in Bonn Kommunikationswissenschaften und Phonetik studiert und sich zunehmend mit technischen Themen beschäftigt. 2007 wurde er vom DIY-Virus befallen und baute zunächst Röhrenverstärker und Preamps. Danach kam Arduino und die Anbindung an die MIDI-Welt. Es folgten MIDI-Controller und ein nicht veröffentlichtes Effektgerät.

Ingmar Koch von Liquid Sky hat als Vertrieb für Erica Synths und andere gearbeitet. Dadurch kam die Zusammenarbeit zustande. Das V4CO-Modul basierte auf einem Design von Matthias Beese. Es gibt auch einen Artikel über ihn hier auf Amazona. Er hat den ARP 2600 als Bausatz angeboten.

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Dieses Design hat Thilo erweitert. Daraus ist letztendlich der PPG W2.2X4 entstanden. Man kann die Modifikationen gut am Modul sehen. Ein Interview mit ihm gibt es ebenfalls hier.

Auf einer Website des Liquid Sky Artist Collective sind weitere Informationen und das Manual zu finden. Unter www.ppgsynth.com wird übrigens auch ein neuer PPG 1002 Synth angekündigt.

Äußerliches des PPG W2.2X4

Der PPG W2.2X4 wirkt im Rack ein wenig wie aus einer anderen Systemwelt. Das Modul selbst und seine Beschriftungen sind deutlich größer als bei den meisten anderen Modulen. Das Display zeigt bis zu drei Buchstaben oder Zahlen mithilfe von jeweils 4 × 4 roten Punkten an.

PPG W2.2x4 Wellenformanzeige

PPG W2.2×4 Wellenformanzeige, M22 bedeutet hier, dass die Wellenform 22 des Main Osc angewählt ist.

Das hilft, um grundsätzliche Einstellungen sowie Save/Load-Operationen besser durchführen zu können. Bis zu zehn Presets lassen sich speichern oder aufrufen. Verfügbare Menüoptionen betreffen z. B. den Umgang mit den Wellenformen beim Auslesen oder die Tonhöhenansteuerung der Oszillatoren via CV. Darauf gehe ich weiter unten ein.

Grundsätzlich bietet der PPG W2.2X4 zwei Oszillatoren. Einer heißt Main Osc, der andere Sub Osc. Letzterer ist unabhängig und nicht notwendigerweise für einen tieferen Ton zuständig.

Dafür gibt es für beide jeweils noch einen Square-Out. Dieser gibt das Tuning jedes der beiden Oszillatoren eine Oktave tiefer als reine Rechteckwellenform aus.

In der Praxis kann eine Wellenform aufgrund ihrer Obertöne allerdings auch eine andere Tonhöhe zum Klingen bringen. Dadurch können zumindest gefühlt auch vier unterschiedliche Tonhöhen hörbar werden.

PPG W2.2x4 Sub Osc Mix Gain VCA und Waveshaping Sektion

PPG W2.2×4 Sub Osc Mix Gain VCA und Waveshaping Sektion

Waves und Tuning sind über beleuchtete Fader mit langem Fader-Weg einstellbar. Zusätzlich gibt es noch Finetuning-Regler.

Klug gemacht ist die VCA-Implementation: Jeder Osc hat seinen eigenen Lautstärkeregler, der direkt darunter auch via CV moduliert werden kann, also wie ein VCA, der 0–10 Volt CV-In verträgt. Das Manual schreibt: Jeder Osc ist mit einem Subbass-Generator, Overdrive und einem eigenen VCA ausgestattet.

Darüber hinaus können im Drive-Bereich die beiden Parameter Mix und Gain eingestellt werden. Mix blendet zwischen dem trockenen Signal beider Oszillatoren und dem Output des Waveshapers. Gain bestimmt die Lautstärke beziehungsweise Intensität des Waveshapers. Entsprechend heißen die Parameter im V4-CO Shape Mix und Shape Drive (siehe unten). Beide Parameter lassen sich auch via CV ansteuern.

Der Sub-VCA ist mit dem Main-VCA derart normalisiert, dass eine Steuerung des Main-VCA via CV ohne weiteres Patching auch den Sub-VCA betrifft.

Wir finden fünf Ausgänge: Main, Square, Sub, Square und Mix. Im Mix-Out ist die Summe aus Main, Sub und Waveshaper zu hören, abhängig von der Drive-Mix-Stellung. Die Square-Outs sind dort nicht enthalten. Diese muss man separat abgreifen und extern beimischen.

PPG W2.2x4 Outs

PPG W2.2×4 Outs

Während beide Oszillatoren am Modul separat in der Tonhöhe eingestellt werden können, geht das via CV/Gate nur eingeschränkt getrennt voneinander, denn es gibt nur einen V/Oct-In.

Ein TRP-CV-Input dient alternativ einer quantisierten Vier-Oktaven-Transposition oder einer unquantisierten linearen Frequenzmodulation. Alternativ kann er für einen Oszillator aktiviert und für den anderen deaktiviert werden, um beide extern zumindest teilweise unabhängig voneinander spielen zu können.

Die aktive TRP-Einstellung ist direkt am Modul durch eine helle, halb beleuchtete oder ausgeschaltete LED erkennbar. Das gilt auch für die optionale LFO-Einstellung: Slow Mode, Super Slow Mode oder aus, also die normale Oszillator-Frequenz-Range.

Ähnlich lassen sich zudem Einstellungen für den V/Oct-Input vornehmen. Laut Manual gibt es drei Optionen: V/Oct, ein Steppen durch Wavetables oder eine leichte, subtilere Modifikation des Wavetables, eventuell mit Glitch-Knacksern.

Weiterhin gibt es noch einen Sync-CV-In. Beide Oszillatoren verfügen außerdem über einen skalierbaren Waves-CV-In, um die Auswahl der Wellenform zu modulieren.

V4-CO vs PPG W2.2×4 und GLITHc ExpendR

Äußerlich gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen V4-CO und PPG W2.2X4. Letzterer wirkt auf den ersten Blick etwas aufgeräumter. Mein erster Eindruck war, dass der PPG W2.2X4 im Vergleich eher Schweizer Designprinzipien folgt.

Auch der Liquid Sky V4-CO verfügt über einen internen VCA, einen Sub-Oszillator, eigene Ausgänge für die Wellenformen, wählbare 8-Bit-Wellenformen, einen Waveshaper sowie Kontrolle über Pitch, Wavetable-Sync und Mixing.

Schaut man genauer hin, sind Regler, Outs, Menü und Fader eigentlich genau gleich platziert. Den Unterschied machen die Grafik und die Beschriftung auf dem Faceplate. Zudem hat der PPG W2.2X4 zusätzliche Switches links zum Wechseln von Wavetable-Bänken.

Kleine Irritationen im W2.2X4-Manual (wo soll denn der Shape-Mix-Regler sein?) lassen sich auf diese Weise ebenfalls auflösen. Im Zweifel schaut man beim Schwestermodul nach.

Der PPG W2.2X4 ist, wie das V4-CO-Modul, kompatibel mit dem GLITHc ExpendR für sogenanntes Wavetable-Hacking. Die Rede ist von non-destructive Circuit-Bending. Was das genau bedeutet, ist für Laien nicht ganz leicht zu verstehen. Über das Modul, das von Thilo Goldschmitz selbst designt wurde, könnte man sicher einen eigenen Artikel schreiben.

In der Praxis werden die Module rückseitig miteinander verbunden. Der GLITHc ExpendR hat einen MIDI-In und drei MIDI-Thru-Ausgänge. MIDI-Befehle können dann für Funktionen des Oszillators benutzt werden, z. B. CC1 Amplitude auf Pitch-LFO oder CC12 Change Wavetable.

Offensichtlich erweitert der große GLITHc ExpendR die Möglichkeiten des W2.2X4 erheblich. Denn nur mit diesem Expander kann z. B. das interne MIDI-Mapping genutzt werden. Dazu gehört auch das Spielen der Tonhöhe via MIDI.

Darüber hinaus wird es möglich, Wavetables im Stil eines patchbaren Circuit-Bendings zu modifizieren. Man bekommt Wavetable-Extensions sowie zwei 8-Bit-Inputs und Outputs 1–8.

Im Manual steht sinngemäß, dass man durch die Nutzung von Patch-Points Bits selektiert, etwa um Wavetables auszuwählen.

Der GLITHc ExpendR verfügt zudem über drei Trigger-Sequencer, Multis und einen Logic-Gates-Funktionsbereich mit AND/OR, NAND (beschriftet als DNA) und NOR (beschriftet als RO) Outputs.

Kurz vorgestellt werden V4-CO und GLITHc ExpendR hier.

Gegenüber dem V4-CO-Modul verfügt der PPG über die Wavetable-Library des PPG 2.2, Bank-Switches, Load/Save-Funktionen, eine verbesserte MIDI-Implementation sowie weitere Sounddesign- und Menüoptionen, darunter End of Wave, Fold Modulation und mehr.

Wie genau der Bankwechsel funktioniert oder wie man eine Firmware aufspielt, fand ich nicht verständlich erklärt. Im Dialog mit Thilo stellte sich heraus, dass im Manual falsche Angaben standen. Das Manual wurde daraufhin von Thilo und Peter Kirn verbessert und mir zugeschickt. Bei Redaktionsschluss war es jedoch noch nicht online.

Richtig ist: Durch die Switches links lassen sich vier Bänke wählen. Das alte Manual ppg-ww2x4-manual-100a__v_1_3_ vom Juni 25 sprach von acht.

Zusätzlich hat man mit gehaltener Shift-Taste die Möglichkeit, in jeder Bank acht Subbänke auszuwählen. Jede dieser Subbänke enthält einen Wavetable mit jeweils 64 Wellenformen. Zwischen diesen Wellenformen manövriert man durch Bewegung des Wave-Reglers.

Das ist auch im Bild unten („So4“ in invertierter Darstellung) sowie in meinem verlinkten Video zu sehen und in Beispielen zu hören. Dieser Hinweis fehlt im oben genannten Manual 1_3 komplett.

PPG W2.2x4 Subbank

PPG W2.2×4: invertierte Darstellung der Wavetable-Bank S04Im Klangbeispiel wechsle ich durch Bänke und Waves:

Langes Drücken des großen Encoders führt ins Menü. Wann man tatsächlich eine Einstellung vorgenommen hat, fand ich in der Praxis nicht immer sofort verständlich.

Um den Main Osc einzustellen, muss die Shift-Taste gedrückt sein und leuchten. Ist das nicht der Fall, nimmt man Einstellungen für den Sub Osc vor. Das würde man eher umgekehrt vermuten. Ich drehte daher zunächst am „falschen“ Osc.

Im PPG befanden sich am Ende eines Wavetables vier Wellenformen, die beim Sweepen recht plötzlich erklingen. Deshalb kann man diese im PPG W2.2X4, wie im Original, überspringen. Das geschieht via „Skip Basic Waveforms“ beziehungsweise über den Menüeintrag SBW, der dann SON und SOF für On und Off anzeigt.

PPG W2.2x4 - SBW Option

PPG W2.2×4 – Die SBW Option steht für „Skip Basic Waveforms“

Das klappte im Test nach ersten Orientierungsschwierigkeiten. Zudem gibt es im Menü weitere Optionen, z. B. ob Wavetables beim Umschalten sofort wechseln oder erst die aktuelle Wellenform zu Ende spielt.

Bei der im Manual vorgeschlagenen Methode zum Speichern oder Laden von zehn möglichen Presets ist visuelles Feedback nicht immer oder nur ansatzweise vorhanden. Zudem finde ich die folgende Beschreibung irreführend: „Each slot saves all available settings.“

Das mag für Menüeinstellungen gelten. Zumindest die Wahl der Wavetable-Bank oder die Tuning-Einstellung werden nicht gespeichert. Dadurch ist es etwas schwerer, den Überblick zu behalten.

Bei weiteren Tests konnte ich jedoch feststellen, dass auch die Stellung des Wave-Reglers mitgespeichert wird. Auch hier gilt wieder: Hinhören ist gefragt.

PPG W2.2x4 Preset

PPG W2.2×4, Preset-Anzeige

Sounddesign und Klang

In der Praxis lassen sich mit dem PPG W2.2X4 zum Beispiel sehr gut und intuitiv wabernde Bässe und Klangteppiche erstellen. Man kann gleichzeitig die Wavetables beider Oszillatoren verstellen und feinstimmen.

Für fette Bässe kann man beispielsweise Main und Sub mischen, leicht gegeneinander verstimmen und dabei die Verzerrung über die Drive-Sektion gezielt dosieren. Einmal durch Anhebung des Gain-Reglers, ein anderes Mal durch Dosierung des zugemischten Anteils der Verzerrung.

Durch Sweepen zwischen den Wellenformen oder Umschalten der Wavetable-Bänke kann man dabei oft gut klingende Nuancen ausreizen. Der leichte Bitcrushing-/LoFi-Charakter ist dabei angenehm hörbar.

Die Bedienung fällt bis auf das Menü recht analog aus. Das macht das „Live-Schrauben“ angenehm. Zudem sind die Bedienelemente extrem großzügig dimensioniert und es gibt lange Fader-Wege. Dadurch fällt es leicht, Details herauszukitzeln und zwischen verschiedenen gefundenen Favoriten hin und her zu wechseln.

Die originalen PPG-Wavetables faszinieren dabei klanglich. Manchmal klingt ein Wavetable-Sweeping so, als würde man Obertöne hinzumischen oder als würden Tonhöhen nach oben wandern.

Eine sinnvolle Anwendung ist das Abmischen von vier Outs oder des Mix-Outs und der beiden SQR-Outs in einem externen Mixer, wie z. B. teilweise im nächsten Beispiel:

Nutzt man einen Osc als LFO, können dank der verfügbaren Waves komplexe Modulationen entstehen. Und wieder gilt: Self-Patching is rewarding!

Hier einige weitere Audiobeispiele. Mehr gibt es auch in meinem begleitenden Video (Link siehe unten) zu hören.

In einer Bank eines Oszillators knackste ein Wavetable an einer Stelle leicht. Ursache war offenbar eine einzelne falsch ausgelesene Wave innerhalb einer Wavetable (64 Waves pro Wavetable, insgesamt 32 Wavetables). Das fiel kaum ins Gewicht und soll einen Einzelfall darstellen.
Da das Gerät insgesamt eher einen individuellen, rauen und bitcrushigen Charme versprüht, kam das für mich fast im Stil von: „It’s not a bug – it’s a feature!“ rüber. Der PPG W2.2X4 ist schließlich auch so etwas wie ein Produkt-Erstling einer kleinen Firma, auch wenn es zuvor bereits den V4-CO gab.

Varianten

Es gibt das Modul auch noch in einer Sonderedition in Schwarz.

Mögliche Weiterentwicklungen

Für die Zukunft könnte ich mir durchaus eine Variante mit direkt eingebautem MIDI-In oder Mehrstimmigkeit vorstellen. Gegenüber der deutlich teureren PPG-Synth-Emulation Groove Synthesis 3rd Wave 8M (Test: hier) fehlt die Polyphonie. Das gilt auch gegenüber Behringers Clone.

Doch bietet der PPG W2.2X4 einen besonders direkten Zugriff auf Bänke, Wavetables, Tuning, Drive, Mix und weitere Parameter.

Alternativen

Andere neue Wavetable-Oszillatoren wie Make Noise Multiwave (Mehrstimmigkeit), Ferry Island Modular Four Seas mit vielen Modulations- und einigen Polyphonieoptionen sowie höherer Auflösung oder Forge TME VHIKK (Algorithmen und Effekt) verfolgen andere musikalische Ziele oder besitzen andere klangliche Stärken. Beim PPG W2.2X4 geht es eher um eine oldschoolige Klangästhetik und im Speziellen um die des klassischen PPG-Sounds.

Der direkte separate Zugriff auf Wavetables und Tuning-Regler mit langen Fader-Wegen beider Oszillatoren gefällt mir besonders beim Erstellen von Drone-Sounds. Der Preis ist im Vergleich zu manchen Konkurrenten allerdings recht hoch angesetzt.

Video

Hier habe ich ein begleitendes Video angefertigt (Sounds only, mit erklärenden Einblendungen):

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Mehr Informationen

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Klangbeispiele
Fazit

Der PPG W2.2X4 ist ein Wavetable-Oszillator auf Basis der Original-PPG-2.2-Wellenformen. Das Modul verfügt über eingebaute VCAs und eine Waveshaping-Verzerrung, mit der sich die Klangästhetik des PPG hervorragend nachempfinden lässt.

Grundsätzlich arbeitet das Modul monofon und eignet sich daher besonders für Bässe und Drones. Durch die zusätzlichen Square-Sub-Outs können jedoch auch bis zu vier unterschiedlich gestimmte Töne gleichzeitig ausgegeben werden. Manche Wavetables lassen zudem unterschiedliche Tonhöhen wahrnehmen.

Dank der Gain-Regler und des nuanciert einstellbaren Verzerrungseffekts lassen sich die Lautstärkerelationen präzise einstellen. Ein bestimmter, leicht bitreduzierter Sound lässt sich so besonders gut kultivieren.

Die großzügige, aber auch viel Platz beanspruchende Gestaltung mit Menüunterstützung macht die Bedienung grundsätzlich einfach. Allerdings gehen die Menüeinstellungen etwas oldschoolig und gelegentlich sperrig von der Hand.

Das Modul ist eine Art Erstling einer kleinen Firma und versprüht einen entsprechenden „rohen“ Charme – inklusive kleiner Unzulänglichkeiten.

Eine große Stärke des Moduls liegt in der Hands-on-Bedienung und dem schnellen, gleichzeitigen Zugriff auf Wavetables, Bänke und Tunings beider Oszillatoren. Die langen Faderwege ermöglichen dabei eine präzise Justage in einem angenehm analogen Interface.

Plus

  • Original-PPG-Wave-2.2-Wavetables im Eurorack
  • großzügige Bedienelemente
  • Display
  • sehr guter Klang mit Retro-Charme
  • gleichzeitiger separater Zugriff auf Wavetables, Lautstärken und Tonhöhen beider Oszillatoren mit langen Fader-Wegen

Minus

  • etwas groß
  • kleine Stolperfallen in der Bedienung und/oder (ggf. aktualisierten) Dokumentation
  • hoher Preis

Preis

  • 789,- Euro (Blue Edition)
  • 777,- Euro (Limited Black Edition)
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PPG W 2.2x4 Blue Bisher keine Kundenbewertung verfügbar
PPG W 2.2x4 Limited Edition Black
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Über den Autor
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Heiner Kruse (TGM) RED

Nächste Basswerk Session mit GENERAL LEVY 30.4.26 Köln, Tickets:
https://www.eventim-light.com/de/a/640bbb1ea6146c26ef1ff798

Ich liebe Sound und Musik, veröffentliche vor allem D&B/Jungle als The Green Man (TGM), betreibe das Label/ Projekt Basswerk, mache aber auch filmische oder langsamere Sachen.
In vielen neuen Geräten und Modulen finde ich Innovationsgeist, ähnlich wie damals bei Jungle, und das interessiert mich. Ich habe 20 Jahre Erfahrung als Dozent und Coach. Mein Buch ...

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    DasIch&DerEr

    Aus meiner SIcht ist der Preis deutlichst zu hoch angesetzt. Auch finde ich die Größe für einen Wavetable OSC mit 2 Osc viel zu groß, insbesondere auch deshalb, weil kaum CV Eingriffe möglich sind. Das Display spielt dann auch eher in einer Liga mit Modulen vo x Jahren.
    Ob die historische Klangwelt des PPG es rechtfertig einen solchen Aufschlag zunehmen, ich meine nein.
    Aber das muß natürlich jeder selbst entscheiden.

      • Profilbild
        DasIch&DerEr

        @Kazimoto Genau daran habe ich gedacht…

        Irgendwie hab‘ ich derzeit das Gefühl, als ob der ein oder andere Hersteller ein freischwebendes Radikal ist. Wir haben die größte Wirtschaftskrise und die Hersteller bringen Module mit immer schwindelerregenderen Preisen raus… und wundern sich, dass die Absatzzahlen nachher nicht stimmen.

        • Profilbild
          mort76 AHU

          @DasIch&DerEr „Wir haben die größte Wirtschaftskrise…“

          Mit jeder Krise wird die Oberschicht NOCH reicher- also, die Käuferschicht für Luxusartikel wird eher größer statt kleiner.

          Die Frage für viele Leute IN der Oberschicht ist eher: Wohin mit dem Schwarzgeld?

          Man sieht das ja auch an den Preisen für Kunstwerke…Salvator Mundi für 450,3 Millionen US-Dollar?

    • Profilbild
      Numitron AHU

      @DasIch&DerEr ich dachte immer Teenage engineering gehen viel zu weit beim OP und irgendwelchen Tischen 😎
      jetzt gibt’s immer mehr nachfolger.
      der synth mit dem Lava Gestein zb… naja
      😉

      • Profilbild
        MPC-User

        @Numitron Hier zahlt man halt für den Namen halt noch oben drauf.
        Herr Palm möchte ja schließlich auch was vom Kuchen abbekommen.

        • Profilbild
          Numitron AHU

          @MPC-User ja, wobei die jüngeren wohl wenig davon wissen.
          Roland und co dürften deutlich bekannter sein.
          will seine Arbeit nicht Geringschätzen aber dass alle Hobbies teilweise extrem teuer geworden sind stößt mir sauer auf.

          • Profilbild
            mort76 AHU

            @Numitron Wenn ich mich daran zurückerinnere, was ich für schreckliche Sperrholz-Gitarren, simple 4-Spur-Rekorder, sowas wie Demotapes und Rechner damals gezahlt habe, kann ich nur sagen: HEUTE ist unser Hobby echt billig geworden!
            Ein einfacher Rechner reicht, und veröffentlichen kann man kostenlos und global mit einem Mausklick.

            Man darf halt den Namen nicht mitbezahlen wollen…

            • Profilbild
              Numitron AHU

              @mort76 stimmt auch wieder.
              ich habs zwar schon mehrmals erzählt aber mit 15 hab ich mit der Roland mc303 angefangen, der allerersten Groovebox. 😉 auf Instagram war wieder eine der meist enttäuschenden Geräte. die mc303.war auch dabei!
              einerseits war es für mich viel besser als vorher und mehr Möglichkeiten in einem Gerät. leider war aber das realtime sequencer Timing sehr ungerade. aber die vielen arpeggiatorpatterns waren toll. die liegt eh noch hier. aber lange nicht benutzt. 😉 die 505 war dann deutlich verbessert anscheinend.
              trotzdem haben sogar tangerine Dream presetpatterns der mc303 einfach geklaut. („Order of the ginger guild“)

              • Profilbild
                plumperquatsch AHU

                @Numitron der sequencer hat ganz seltsam geeiert wenn man irgendwas externes ansteuern wollte. 😁

                das war so seltsam das ich nach einem versuch aufgegeben habe.😆

                um von play zu record zu kommen musste man vorher auch auf stop drücken? das war sehr ungrovvy.

                • Profilbild
                  Numitron AHU

                  @plumperquatsch ja, das eiern war eben bei mir auch mit den Internen Sounds.
                  mit cubase am atari besser aber nicht der Sinn der Sache.
                  den im ’soundmodule Mode“ ging nur das Volumepoti…

              • Profilbild
                mort76 AHU

                @Numitron MEIN erster Sequencer war der BOSS DR-5…das war dieser seltsame Drumcomputer mit Gitarrengriffbrett-Pads und diversen Presetsounds.
                Das dürfte wohl 1991 gewesen sein, und im Prinzip WAR das schon eine Groovebox mit einem guten Sequencer! Damit konnte man wirklich arbeiten- die Pad-Matrix war ziemlich genial…

                Mit einem Alesis Microverb, dem üblichen Tascam-4-Spur-Recorder und einem Nobels-Headphoneamp habe ich jahrelang damit aufgenommen. Erst ellenlange Ambient-Tracks, und später auch noch einige Tracks für ein Punk-Projekt.

                Als Abhöre hatte ich alte Röhrenradios vom Sperrmüll…und dazu Hertiecasters für 20 DM vom Flohmarkt.

                Die Sachen liegen alle noch bei mir im Keller…

                • Profilbild
                  Numitron AHU

                  @mort76 haha, Kenne das Ding vom sehen.
                  war auch Mal bei Bad Gear.
                  hatte dafür den Dr 770,670 und hab noch den Dr 202. 😄

                  • Profilbild
                    mort76 AHU

                    @Numitron Vom groben drüberschauen kommt es mir so vor, als hätte Boss später genau DAS rausgestrichen, was mir besonders gefallen hat.

                    Ich habe unseren Ausflug in die Equipment-Historie jetzt mal zum Anlaß genommen, um meine alten Sachen von den CDs runterzukopieren…aber allein schon hier zuhause ein funktionierendes CD-Laufwerk aufzutreiben war echt Arbeit, und der Zustand der Datenträger ist schon besorgniserregend…

                    • Profilbild
                      Numitron AHU

                      @mort76 Hi, denke der dr202 ist eher wie der dr5.
                      auf jeden Fall mehr Möglichkeiten als die meisten anderen der Serie.

                  • Profilbild
                    Kazimoto AHU

                    @Numitron Scheint ja wirklich relevant zu sein, nein ehrlich, ich überlege mir echt so ein Vintage Ding zu holen, die Preise gehen bestimmt bald durch die Decke. Das hybride Design, Vereinigung von Gitarre und Synth, Steuerung und Masterclock für andere Synths, da ist ganz viel möglich.

                    https://www.youtube.com/watch?v=4SQAxuM-wHM

  2. Profilbild
    ollo AHU

    Schade, dass Waldorf wohl nicht mehr im Eurorack-Sektor aktiv ist, die hatten ja auch ein klasse Wavetable Modul.

    Ich hoffe ja noch, dass der Protein es ins Eurorack schaff für den Preis des standalone Synthies, das wäre was.

  3. Profilbild
    plumperquatsch AHU

    ich verstehe die Faszination an 8 bit wavetables nicht 🤷🏻‍♂️
    in der praxis versucht man dann doch den rotz wieder wegzufiltern 🤷🏻‍♂️

    • Profilbild
      Numitron AHU

      @plumperquatsch naja, jedes Gerät klingt zu perfekt heutzutage.
      dann klingt es wieder eigenständiger. 😜
      ich mag den Protein, sowas hat mir gefehlt.

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