Test: PreSonus ADL 700, Channel Strip

Was gibt es zu meckern?

Nach dem Auspacken fiel mir gleich eine Potikappe entgegen, da diese im Werk nicht angezogen wurde bzw. nicht angezogen werden konnte, weil in der Potikappe die Madenschraube zur Befestigung fehlte. So etwas sollte grundsätzlich nicht sein, bei Geräten dieser Preisklasse sollte das aber gar nicht vorkommen.

Großer Knopf mit wenig Schmackes

Großer Knopf mit wenig Schmackes

Der große Level-Regler hat mir zudem nicht gefallen, da er fast keinen Widerstand aufweist und sich dadurch viel zu leicht verstellen lässt

Die halbe Leuchtstärke wäre bei den blauen Status-LEDs völlig ausreichend, sie sind viel zu hell und störend, wenn man vor dem Gerät sitzt und etwas einstellt (und man arbeitet eben meist VOR dem Gerät, wenn man dies tut …).

Was besonders auffiel

… ist die reichlich bebilderte und gut geschriebene (bis auf erwähnte Fehlübersetzung) Bedienungsanleitung in gedruckter Form, welche neben Englisch, Französisch und Spanisch auch in Deutsch vorliegt. Mir gefällt das, ich kann mich mit Anleitungen nur auf PDF-Basis nicht recht anfreunden. Und wenn eine Anleitung in unserer Muttersprache vorliegt, finde ich das auch eine gute Sache. Bei den einzelnen Bedienelementen gibt es oft einen zusätzlichen „Heißen Tipp“, der nicht ganz so versierten Anwendern einen guten Anhaltspunkt gibt. Zudem ist alles verständlich geschrieben und geht auch auf prinzipielle Dinge der Signalverarbeitung ein. Dafür gibt es vom Onkel Sigi ein Extra-Lob an den/die Verfasser der Anleitung.

Die Rauscharmut des ADL 700 ist hervorstechend, selbst bei starker Vorverstärkung rauscht das Gerät extrem wenig.

Für wen ist der ADL700 richtig?

Hier gibt es eine klare Ansage: Anfänger, Finger weg! Obgleich der ADL700 klar strukturiert ist, setzen seine vielfältigen Eingriffsmöglichkeiten mehr als nur Basiswissen voraus. Auch setzt er voraus, dass bereits am Eingang ein optimal ausgewähltes Mikrofon bzw. Instrument für einen adäquaten Basisklang sorgt, denn ein „Reparaturgerät“ ist der ADL700 definitiv nicht. Es ist das Gerät für den Profi, den Studiobetreiber, den Berufsmusiker. Dieses Klientel wird sich schnell mit ihm anfreunden, da er sehr plastische und musikalische Eingriffe in das Klangmaterial erlaubt und vom Eingang bis zum Ausgang und alles dazwischen professionelle Klangqualität bietet.

Fazit

Der PreSonus ADL 700 ist ein Profigerät, welches weniger kostet als es klingt. Bei extrem geringem Eigenrauschen erhält man einen oberklassigen Mischpultkanal im beeindruckenden Ganzmetall-Panzergehäuse. Dennoch ist es keine eierlegende Wollmilchsau, da es in erster Linie als edler Klangverschönerer denn Universalwerkzeug zu sehen ist. Zur Ergänzung einer ernstzunehmenden Outboard-Sammlung ein geeigneter Kandidat. Verbesserungswürdig sind der widerstandslose Drehregler des Ausgangs sowie die viel zu hellen Status-LEDs, klanglich geht der Daumen aber steil nach oben.

Plus

  • sehr schöner und edler Klang
  • extrem rauscharm
  • großzügiges Bedienfeld
  • relativ günstig für das Gebotene
  • gute Bedienungsanleitung, auch auf deutsch

Minus

  • blaue Status-LEDs viel zu hell
  • Level-Regler viel zu leichtgängig

Preis

  • UVP: 2290,- Euro
  • Straßenpreis: 1899,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    syntach  

    Ich habe mal den Presonus ADL 600 (2 kanaliger Preamp) bei einem Bekannten gehört und hatte einen gebraucht bekommen. Sehr organischer, samtiger Sound (mal Synths durchschicken!) , auf Wunsch können Sounds damit sehr GROSS gemacht werden (auch für ganze Stereosummen fantastisch). Das (in der Anleitung auch empfohlene) Herumspielen mit dem Impedanzwahlschalter erweitert die Soundpalette auch noch mal. Ist das beim 700er auch so? Daß man die Reihenfolge von Compressor und EQ beim 700er tasuchen kann finde ich klasse und hätte gern noch ein Beispiel mit Vocals gehört und auch im Einzelnen die EQ Bänder… Warum findest du egtl, die ADL Serie sei nur für ganz erfahrene Leute? Sie sind doch auch nicht schwerer zu bedienen, als ein 400 EUR Kanalzug. Der Preis ist natürlich einiges höher, aber man bekommt dafür auch HIGH END Röhren Klang, wofür andere Hersteller gern auch mal 3000 oder 4000 EUR verlangen.

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Hallo Syntach,

      ja, auch beim ADL 700 kann man mit den Impedanzen spielen.

      Ein Anfänger steht beim ADL 700 wie auch anderen Vertretern dieser Preisklasse erstmal im Audio-Dschungel, solange er nicht die Zusammenhänge der einzelnen Parameter versteht. Erstmal mit einem leicht zu durchschauenden Gerät beginnen und sich die Grundlagen erarbeiten, für so ein Teil braucht es schon einen brauchbaren Sachverstand der Materie. Die Gefahr ist groß, dass sich ein Anfänger bei der Vielzahl von Parametern komplett verrennt und dann den Spaß am Aufnehmen schnell verliert.

      Mit musikalischen Grüßen

      „Onkel Sigi“ Schöbel

  2. Profilbild
    BA6  

    Ähm, die Klangbeispiele (vor allem 2 und 3) sind … überarbeitungswürdig, um es mal nett zu formulieren. Die ersten Akkorde sind reichlich dissonant. Hat der Gitarrist vielleicht die Befürchtung, dass sein Spiel sonst abgesampelt und weiterverwendet würde? Ok, das passiert nun mit Sicherheit nicht. Die Gitarre dürfte vor der Aufnahme auch ruhig mal gestimmt werden.
    Was die Klangqualität von dem getesteten Channelstrip betrifft: die Aufnahmen klingen doch sehr nach Plastik. Das liegt eventuell daran, dass der Tonabnehmer-Ausgang der Gitarre verwendet wurde. Eine Mikrofonabnahme der Gitarre wäre sicherlich hilfreicher gewesen, um den Klang des Channelstrips zu beurteilen. Ehrlich gesagt, sind die Klangbeispiele eher abschreckend.

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