Test: Presonus Eris E4.5 BT, E3.5 BT, Nahfeldmonitore

10. Januar 2020

Kleine Boxen mit großer Ausstattung

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Presonus Eris E4.5 BT, E3.5 BT, Nahfeldmonitore

Presonus gehört zu den Herstellern, die mich persönlich beeindrucken, denn vieles kommt hier aus einer Hand und das in vernünftiger Qualität. Ob DAW-Software, Controller, Mixer oder Studiomonitore – mit Presonus lässt sich fast das gesamte Studio ausstatten. Dabei avisiert man nicht nur den Profi, sondern auch den Heimanwender an. So sind die Eris E4.5 BT kompakte Lautsprecher mit einer reichhaltigen Ausstattung.

Um eines vorweg zu nehmen, ich bin persönlich für eine diskrete Signalführung ohne Firlefanz, denn jedes Bauteil greift mehr oder weniger in das Klanggeschehen ein. Weniger ist mehr hat mich beispielsweise bei den Tascam VL-S5 überzeugt, aber die Reduktion muss nicht jedem gefallen.

Daher sehe ich die Ausstattung der Eris E4.5 BT als absolut positiv an, denn neben einer zweibandigen Klangregelung gibt es Eingänge in Form von Cinch-, TRS- und Mini-Klinkenbuchsen. Das ist noch nicht alles, denn Bluetooth und ein kräftiger Kopfhöreranschluss an der Front lassen an fast nichts mangeln. Wer von mir schon mal einen Lautsprechertest gelesen hat, wird jetzt wissen, was mir fehlt und falls nicht, einfach weiter lesen. Auch schon deshalb, weil … aber alles zu seiner Zeit.

presonus eris e3-5 e4-5 bt aufmacher

Schaut man sich die Eris E-Familie an, gibt es für jeden Anspruch und Geldbeutel ein passendes Modell. Die gemeinsame Anleitung für die kleinen Lautsprecher, zu denen auch die Eris E4.5 BT zählen, lassen den Schluss zu, dass sich die vier Varianten nur durch Bluetooth und die Woofer-Größe von 3,5 und 4,5 Zoll (Tiefgang bis 70 bzw. 80 Hz) unterscheiden.

In der Produktbeschreibung auf der Website wird hingegen für die Eris E3.5 und E4.5 Kevlar als Material für den Woofer genannt, das in der gesamten Serie zum Einsatz kommen soll, bei der Eris E3.5 BT und E4.5 BT soll dies eine Kompositmembran für alle Modelle sein. Leider gibt die Anleitung auch nicht mehr her, lediglich der 25 Millimeter große und leicht aufgehängte Seidenhochtöner mit einer Übergangsfrequenz von 2,8 kHz ist allen gemein. Nach oben wird das Feld mit der Eris E66 mit D’Appolito-Anordnung abgerundet, die übrigens auf gebogenes Kevlar setzt. Beginnen wir zunächst mit dem Produktvideo zur Eris E4.5 BT.

Überblick zu den Eris Bluetooth Monitoren

Die unspektakulär bedruckte Verkaufsverpackung enthält die beiden teilaktiven Lautsprecher samt Anschlusskabel, als da wären die Netzzuleitung, Klinken- und Klinke-Cinch-Kabel von je 1,5 m Länge und die Verbindung in Form eines 2 m langen Lautsprecherkabels. Während viele Boxen dieser Art mit einem speziellen Cinch-Kabel verbunden werden, kann die Beipackstrippe notfalls verkürzt oder ausgetauscht werden.

Ein sehr ausführliches und auch für Laien verständliches Handbuch mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung sowie acht Klebepads zur rudimentären Entkopplung vom Untergrund runden die Beigaben ab. Presonus empfiehlt als optionales Zubehör die ISPD-4 als Unterlagen.

Presonus Eris E4.5 BT schräg

Das schlichte und sauber verarbeitete MDF-Gehäuse mit Vinylbezug ist mit der geraden Schallwand unauffällig und hat abgerundete Kanten. Jede Box ist 14,1 cm breit, 16,3 cm tief und 18 cm hoch, für beide Lautsprecher wird ein Gewicht von nur 2,9 kg angegeben, die passive Box ist die leichtere.

Frontseitig finden wir die beiden Treiber, wobei der Hochtöner hinter einem Gitter geschützt ist. Die aktive Box verfügt über eine Power-LED, Kopfhörer- und Line-In-Buchsen in Form zweier Mini-Klinken und ein Kippschalter, dessen Funktion eigentlich selbsterklärend ist, vor allem hat nicht jede Aktivbox den Power-Schalter an der Front sitzen. Die dezent blaue LED signalisiert den Betriebszustand, blinkt im Kopplungsmodus für Bluetooth und leuchtet weiß bei einer aktiven Verbindung.

presonus eris e4.5 e3.5 bt

Rückseitig ist oben wie so oft das Bassreflexrohr eingelassen und dies als Plastikröhre und nicht wie so oft als Papprolle, weiterhin finden sich an der Aktivbox die Pairing-Taste, Cinch- und TRS-Eingänge, die zweibandige Klangregelung mit einrastender Mittelstellung und die Buchse für das Netzkabel, die Lautsprecherklemmen sind an beiden Boxen vorhanden. Erstaunlich ist, dass die linke Box im Betrieb recht warm wird. Leider gibt es auch ein wenn auch leises hörbares Grundrauschen, das bei Maximalpegel zunimmt. Ich würde es subjektiv noch als tolerierbar bezeichnen, das mich lediglich bei geringem Abstand etwas stört.

Die Technik der Eris E4.5 und E3.5 BT

Das Wesentliche habe ich schon genannt: die vermutlich aus Kevlar bestehenden Woofer, zumindest fühlen sie sich so an, sowie die Seidenkalotten. Die Signalauftrennung erfolgt analog hinter den Class-AB-Endstufen, die jeweils 25 Watt Musikleistung bereitstellen. Der Frequenzgang beginnt ab 70 Hz und endet bei 20 kHz. Dabei machen die Eris E4.5 BT für ihre Größe mit dem angegebenen maximalen Schalldruck von 100 dB SPL schon gut Druck, übertreiben es im Bassbereich aber auch nicht und komprimieren bei hohen Lautstärken auch nicht allzu stark.

Die rückseitigen Klangregler sind Shelving-Filter, die den Frequenzbereich unter 100 Hz bzw. über 10 kHz um jeweils 10 dB absenken oder anheben können. Weitere Klangformungen gibt es nicht, dafür aber die üblichen Schutzschaltungen gegen Überhitzung und Fehlströme.

Presonus Eris E4.5 BT Treiber

Alle Eingänge werden parallel beschaltet, es lässt sich somit nur die Gesamtlautstärke verändern. Das gilt auch für Bluetooth und ist praktisch, wenn man die Lautsprecher für die PC-Arbeit und zur gleichzeitigen Hintergrundberieselung vom Smartphone nutzen will. Zur individuellen Lautstärkeanpassung muss man daher den Ausgangspegel der anliegenden Quellen regeln. Wer die aktive Box lieber rechts verwendet, muss laut Handbuch einfach die Eingangskanäle vertauschen, was jedoch bei der frontseitigen Mini-Klinkenbuchse und Bluetooth natürlich nicht funktioniert.

Die Bluetooth-Funktion ist eine sinnvolle Erweiterung, wenn auch mit kleinen Einschränkungen. Zwar ist Bluetooth 5.0 als Standard angegeben, jedoch werden weder AAC noch aptX als Codec unterstützt und so ist man auf den klanglich eingeschränkten SBC-Codec angewiesen. Zwei Geräte lassen sich wechselseitig koppeln, das klappt recht latenzarm und mit einer gemessen am Standard brauchbaren Qualität. So steht die Präzision der Eris E4.5 BT dem Bluetooth-Sound etwas im Weg, wenn auch im positiven Sinne, denn der begrenzte Frequenzbereich und Kompression der Bühne lassen sich im Vergleich zur Kabelverbindung gut heraushören. Bei leisem Betrieb kann man die Bässe und Höhen für den persönlichen Wohlfühl-Sound bei Bedarf anpassen.

Der Klang der Eris E4.5 BT

Klappern und Klingen gehört zum Handwerk, so bewirbt Presonus eine unglaubliche Präzision der „Media- und Referenzmonitore“, samtig weiche Höhen und ein erweiterter Sweetspot. Gerade letzteres bei Studiomonitoren als Vorteil zu bewerben ist in diesem Fall zielgruppenorientiert und von daher sogar positiv, wenn man sich innerhalb der Abhörposition bewegen will oder mit mehreren vor dem Computer sitzt. Wichtiger ist die Frage, ob die Klangversprechen auch eingehalten werden.

Grundsätzlich ja, so klingen die Presonus Eris E4.5 BT etwas größer als erwartet. Die untere Abgrenzung von 70 Hz erreichen sie locker, dabei sind die Bässe recht knackig und auch nicht künstlich aufgebläht. Trotzdem ist die Abstimmung vor allem im Bassbereich nicht ganz so neutral und tendiert leicht in Richtung HiFi, aber auch das ist gemessen an der Zielgruppe akzeptabel. Der Klang lässt sich wie erwähnt schließlich anpassen und die Tiefen zur besseren Beurteilung absenken. Im mittleren Frequenzbereich glänzen die kleinen Boxen dafür mit einer klaren und tonal ausgewogenen Abbildung sowie auch mit einer authentischen Verteilung von Instrumenten im Stereobild. Presonus verspricht zwar einen Einsatz beim Mixing, hier würde ich den Eris E4.5 unter 200 Hz allerdings nicht vertrauen. Im oberen Frequenzbereich gefallen sie mir dafür besser, der Hochtonbereich wird angenehm abgerundet und stellt Transienten recht präzise dar. Lediglich bei sehr geringer Abhörlautstärke wirkt das mäßige, aber nicht starke Grundrauschen etwas störend und die Dynamik bricht dann etwas ein, dafür fangen sie bei hohem Pegel auch nicht an zu kreischen.

Der Kopfhörerausgang verursacht bei mir gemischte Gefühle. Einerseits ist er relativ kräftig und rauscht nicht, aber es fehlt ihm doch etwas an Druck und Glanz. Vergleiche ich das Signal der MC-707 mit dem Ausgang der Presonus Eris E4.5 BT, fehlen etwas die Bässe und die Abbildung wirkt tonal leicht mittenlastig. Gravierend ist der Unterschied zwar nicht, aber hörbar und reicht aus, ihn nicht für die exakte Klangbeurteilung zu empfehlen. Bedenkt man an dieser Stelle den Einsatzzweck, geht das aber völlig in Ordnung, denn eine Notlösung ist er sicher nicht und der Eindruck mag anders sein, wenn man ihn nicht direkt vergleicht. Ich habe in kompakten Lautsprechern jedenfalls deutlich schlechtere und rauschende Kopfhörerausgänge vorgefunden.

Für wen sind die Eris E4.5 BT geeignet?

Besonders empfehlen würde ich die Eris E4.5 BT für elektronische Musikinstrumente, hier passt die Abstimmung und soll es etwas lauter sein, meistern das die kompakten Eris E4.5 BT ebenso. Als Referenzmonitore würde ich sie hingegen nicht ganz bezeichnen, dazu fehlt es mir etwas an Ausgewogenheit. Sie tendieren doch leicht in Richtung Spaßbox, würden aber im Fachmarkt wahrscheinlich die ganze Riege an PC-Lautsprechern an die Wand spielen. Für Multimedia-Anwendungen, Schnittplätze und an Orten mit wenig Platz sind sie eine gute Empfehlung, wenn nicht zwingend eine sehr neutrale Abhöre gewünscht wird. Natürlich sind Kompromisse in dieser Preisklasse kaum zu vermeiden und soll es richtig gut sein, schnellen auch die Preise in die Höhe. Presonus selbst bietet schließlich auch gute Alternativen an, die allerdings dann auch mehr Stellplatz und im Optimalfall eine vernünftige Raumanpassung benötigen.

Zwei Punkte gibt es am Schluss noch zu erwähnen. So fehlt mir zum einen die automatische Abschaltung, das kann ich bei Multimedia-Monitoren nicht so ganz tolerieren und halte ich für eine unverzichtbare Convenience-Funktion. Zum anderen gibt es da noch etwas, jedoch bin ich vermutlich nicht befugt, diese Information in den Artikel einzubauen, weil der Hersteller dies offenbar als streng geheim deklariert hat. Daher muss ein allgemeiner Hinweis auf das Handbuch genügen, denn wer wissen will, was ich meine und gerne Hühnchen ist, möge auf Seite 11 in die Bedienungsanleitung schauen und sich in die Küche verziehen. Ich wünsche jedenfalls einen guten Appetit und kann eine nahezu uneingeschränkte Kaufempfehlung für die Presonus Eris E4.5 BT aussprechen.

presonus eris e4.5 e3.5 bt

Fazit

Die Presonus Eris E4.5 BT sind kompakte Lautsprecher mit einer reichhaltigen Ausstattung. Den drei Eingängen mit TRS, Cinch und Mini-Klinke wurde auch Bluetooth zur Seite gestellt. Die beiden Klangregler an der Rückseite erlauben eine unkomplizierte Anpassung für die multimediale Zielgruppe. Würde man sie als PC-Lautsprecher testen, könnten sie das Angebot im Fachmarkt vermutlich für sich entscheiden. Als reine Studiomonitore hingegen ist die Abstimmung nicht ganz neutral, so dass die Werbung vielleicht etwas übertreibt. Gemessen am Preis bekommt man dennoch sehr gute Lautsprecher, nur leider ohne automatische Abschaltung.

Plus

  • gute Verarbeitung, tolles Handbuch
  • satter Sound für wenig Geld
  • reichhaltige Anschlussmöglichkeiten
  • Klangregelung

Minus

  • keine automatische Abschaltung
  • Bluetooth 5.0 mit SBC-Codec
  • nicht ganz neutrale Abbildung

Preis

  • Eris E4.5 BT: 229,- Euro (Paarpreis)
  • Eris E3.5 BT: 129,- Euro (Paarpreis)
Forum
  1. Profilbild
    Elegtrosmok

    Vielen Dank für den umfassenden Bericht. Ich habe beide Ausführungen (4.5 und auch 3.5) hier seit zwei Monaten als Nahfeldabhöre im Einsatz und bin sehr zufrieden. Das Eigengeräusch der Endstufen ist minimalst (ohne Signalquelle und Lautstärke auf). Leider sind die 4.5 er im Hochtonbereich aber etwas muffig. Dies kann aber im Zusammenspiel mit der eingebauten Klangregelung und der Tonquelle (Mixer, Equalizer, etc.) für eine korrekte Abbildung des Quellensignals nahezu perfekt ausgeglichen werden.

    Nach meiner Meinung spielen beide Paare einige der Konkurrenten vor allem im Klangvolumen (Tief-Mittelton Bereich) an die Wand. Die 3.5 er sind allgemein etwas klarer, luftiger und im Hochtonbereich präsenter. Im Bassbereich trotzdem agil und kraftvoll. Die zarten Defizite der 4.5 er lassen sich aber wie gesagt mit den vorhandenen Klangreglern fast perfekt ausgleichen. Ich würde die beiden PRESONUS Paare jederzeit wieder kaufen.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Danke Dir für die Ergänzung, leider lagen mir die E3.5 nicht vor und so ging ich erst einmal von derselben Elektronik bei gleichem Hochtöner aus. Wobei ich mich frage, ob das „muffiger“ eher eine Frage der Abstimmung ist, oder eher der Umstand, dass der größere Treiber einfach mehr Luft bewegt und den Hochtöner somit etwas überlagert. Man müsste das mal so vergleichen, dass man die Bässe komplett zurück nimmt und bei exakt gleichem Pegel vergleicht.

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