Test: PreSonus StudioLive AR 16 USB, Mischpult

24. Februar 2017

Redfisch Couvillion mit Mischpult

DAS habe ich noch nie erlebt, dass ein Hersteller ein KOCHREZEPT in der Bedienungsanleitung seines völlig küchenfreien Produktes mitgibt, so geschehen beim neuen Mischpult PreSonus StudioLive AR 16 USB! PreSonus hat seinen Sitz in Louisiana, einem der Südstaaten der USA, und in dieser Gegend wird gerne gut getafelt. Das von dort herstammende Rezept „Redfisch Couvillion“ ist in die gut geschriebene und in Papierform beigelegten Kurzanleitung eingefügt, erfreulicherweise auch auf Deutsch.

PreSonus StudioLive AR 16 USB

Wer bin ich, was kann ich?

Das PreSonus StudioLive AR 16 ist erst einmal ein klassisch aufgebautes Kompaktmischpult mit insgesamt 12 Eingangskanälen, die sich folgendermaßen aufgliedern: 8 Mikrofon/Line-Kanäle in Mono und 4 Mikrofon/Line-Kanäle in Stereo, wobei „Stereo“ nur für die Line-Eingänge gilt. Natürlich muss man sich entscheiden, was man anschließen will, entweder das Line-Signal oder das Mikrofon, beides in einem Kanal geht nicht.

Eine Besonderheit ist der Stereokanal 17/18, der einen analogen Line-Eingang, einen Bluetooth-Kanal sowie eine USB-Rückführung vom Rechner bietet und dieses alles gleichzeitig in diesen einen Stereokanal geführt werden kann. Anstelle der USB-Rückführung kann per Schalterdruck auch auf die SD-Karte umgeschaltet werden. Insgesamt ein äußerst vielseitiger Kanal, der von PreSonus auch „Super Channel“ betitelt wird. Und, ach ja: Anstelle des Cinch-Kabels lässt sich wahlweise eine Stereo-Miniklinke anschließen.

Die Hauptkanäle 1 und 2 bieten zusätzlich Insert-Buchsen zum Einschleifen von externem Outboard-Equipment sowie einen Umschalter auf „Hi-Z“, wodurch sich E-Gitarren und E-Bässe ohne zusätzliche DI-Box direkt anschließen lassen.

Alle Kanäle besitzen einen Low Cut, der bei 100 Hz greift und gerade auf der Bühne unangenehmen Mulm in der PA und den Floor-Monitors unterbinden hilft. Stereokanal 15/16 kann zudem bei Bedarf auf die Rückführung von USB-Ausgang 3/4 umgeschaltet werden. Alle Eingangskanäle bieten einen Mute-Schalter sowie eine PFL-Funktion mit Status-Lämpchen.

Ausgangsseitig gibt es 2 Monitor-Schienen für Bühnenmonitore oder Kopfhörerverstärker (bei Aufnahmen), eine Hauptsumme für die PA bzw. einen Mastering-Recorder sowie eine Effekt-Schiene für das eingebaute Hallgerät. Man kann diesen Effektweg allerdings auch für eine externe Ausspielung verwenden, da dieser FX-Weg ebenso eine Ausgangsbuchse besitzt wie die beiden Monitorwege. Die eingebauten Effekte können übrigens auch den beiden Monitorwegen beigemischt werden. Über einen Fußschalteranschluss kann das Effektsignal bei Ansagen auch stummgeschaltet werden.

Ein eingebauter Recorder auf Basis einer SD-Card lässt im Handumdrehen einen Stereomitschnitt als WAV-File entstehen, die Bedienelemente befinden sich gut zugänglich unter dem Kartenschacht.

Die eingebaute USB-Schnittstelle

erlaubt es, die Mischpultkanäle 1 bis 18 gleichzeitig auf eine DAW aufzunehmen und zwar auch in der vollen Auflösung von 24 Bit/96 kHz. Das ist schon eine ganz schöne Ansage, vor allem, wenn man den günstigen Gesamtpreis des PreSonus StudioLive AR 16 berücksichtigt. Zurückführen in das Mischpult kann man insgesamt 2 Stereokanäle, auch wieder bis zur höchsten Auflösung.

Man muss wissen, dass der EQ keinen Einfluss auf das aufgenommene Signal hat, da dieses direkt hinter dem Low Cut, aber VOR dem Equalizer abgegriffen wird. Das hat Vor- wie Nachteile. Der Vorteil ist, dass im Livebetrieb die Klangeinstellung für das Konzert völlig unabhängig vom aufgenommenen Signal ist und man dieses dann nachträglich in der DAW mit dem dortigen EQ wunschgemäß bearbeiten kann. Den Nachteil hat man aber dann, wenn der Sound über die Mischpult-EQs schon richtig amtlich klingt (im Heimstudio z.B.) und es eigentlich keiner Nachbearbeitung diesbezüglich mehr bedarf. Man muss also in jedem Fall bei den aufgenommenen Spuren nochmals mit den DAW-eigenen EQs ran.

Einzige Ausnahme ist die „1/2 Only“-Funktion, mit der auf Spur 1 und 2 das Mastersignal inkl. aller EQ-Einstellungen aufgezeichnet wird.

Der Kanal EQ

ist eine dreibandige Ausführung mit semiparametrischer Mittenregelung, die von 160 Hz bis zu 3,5 kHz mit +/-15 dB Anhebung/Absenkung arbeitet. Höhen- und Tiefenregler sind Shelving-Typen mit Einsatzfrequenz 12 kHz in den Höhen und 80 Hz in den Tiefen.
Und ich muss feststellen, dieser EQ klingt sehr gut! Seidig in den Höhen, konturenstark im Bass und griffig im Mittenbereich. Selten einen besseren „Klangverdreher“ in dieser Preiskategorie gehört.

Das eingebaute Effektgerät

klingt insgesamt sehr überzeugend und deckt eine gewisse „Grundversorgung“ der gängigsten Effekte ab. Leider gibt es keine Möglichkeit, wenigstens einen oder zwei der wichtigsten Parameter selbst einstellen zu können und das schränkt schon deutlich ein. Mir sind die Hallfahnen (Decay-Time) der meisten hier angebotenen Raumsimulationen etwas zu lang und die Delay-Time bei den Echos (es gibt insgesamt sechs Variationen davon) stimmt halt auch nur so irgendwie zum Song. Man findet schon meist einen Kompromiss, aber es ist eine Einschränkung. Platz für einen oder zwei Parameterregler hätte sich schon noch gefunden.

Der eingebaute Kopfhörerverstärker

klingt transparent und gut, die erreichbare Lautstärke ist bei fertig gemixtem Material über den Master-Bus ausreichend hoch. Durch die Möglichkeit, die PFL/AFL-Kanäle in ihrer Gesamtlautstärke separat zu regeln, sind hier auch bei leiseren Pegeln höhere Lautstärken möglich, das ist sehr gut.

Wie lief das Pult im Test?

Hier gibt es eine klare Licht- und Schattenseite. Der Gesamtklang ist die klare Lichtseite: Alles klingt „teurer“, als es der eher günstige Preis vermuten lässt. Das gilt sowohl für die Mischpultsektion mit den sehr guten EQs als auch für die Qualität der Mehrspuraufnahmen. Die Haptik ist hervorragend umgesetzt und es macht einfach Spaß, mir der soliden Kiste zu arbeiten. Es rauscht alles erfreulich wenig, vorausgesetzt natürlich, man hat nicht schon einen „Rauschgenerator“ am Eingang hängen. Die Mikrofonvorverstärker habe ich mit einem Electro Voice RE 20 getestet, da dieses Mikrofon eine hohe Vorverstärkung erfordert, da es selbst relativ wenig Pegel liefert. Hier musste ich den Gain-Regler zu 90% aufdrehen und war hart an der Grenze, es rauschte aber dennoch sehr wenig. Die Bluetooth-Funktion ist ohne Fehl und Tadel, die 60 mm Fader gehen zwar alle etwas leicht, arbeiten aber präzise und laufen „smooth“. Also als Live-Pult für diese Größenklasse alle Daumen senkrecht nach oben!

Was mir dagegen nicht sehr gefallen hat, war die „Zickerei“ mit der USB-Anbindung, die mal tadellos ging und dann wieder nicht. Ich hatte diese Probleme auf zwei unterschiedlichen Macs (iMac 2013 und MacBookPro 2015), die beide vom Betriebssystem auf dem gleichen, sprich neuestem Stand waren (Mac OS Sierra). Auch die Firmware des PreSonus StudioLive AR 16 war die aktuelle, die auf der Website des Herstellers über das Hilfsprogramm „Universal Control“ geladen werden kann. Es kam immer wieder vor, dass die Einstellungen für 88,2 und 96 kHz verweigert wurden und nur 44,1 oder 48 kHz zur Wahl standen. Ein Neustart half dann beim MacBook Pro manchmal, beim iMac fast nie. Ich habe stets dasselbe USB-Kabel verwendet, um hier einen Kabelfehler ausschließen zu können. Auch hing das PreSonus StudioLive AR 16 stets direkt am Rechner und nicht an einem Hub.

Eigenartigerweise war beim iMac immer dann, wenn 88,2 oder 96 kHz nicht mehr angezeigt wurde, zusätzlich auch nur noch die Aufnahme auf Spur 1 und 2 möglich, alle anderen Aufnahmekanäle waren wie von Zauberhand verschwunden. Das Hilfsprogramm „Universal Control“ zeigte aber stets als Audio-Unit das AR 16 an, es wurde also offensichtlich erkannt.

Die Performance des PreSonus StudioLive AR 16 mit meiner Studio-DAW „Motu Digital Performer“ war so lala. Zwar war die Aufnahme stets fehlerfrei, aber beim Abspielen krächzte es öfters unschön über die Lautsprecher. Abhilfe schaffte nur wieder ein Neustart. Das geht beim Mac zwar sehr fix, nervt aber doch halt. Wie oben schon erwähnt, ist die Qualität der aufgenommenen Spuren ungewöhnlich hoch für so ein relativ preisgünstiges Gerät, aber an der Performance der USB-Anbindung muss PreSonus unbedingt feilen, sonst macht die Aufnehmerei keinen Spaß. Über das Hilfsprogramm „Universal Control“ ist eine Firmware-Aktualisierung ja problemlos möglich, also sollte eine Abhilfe diesbezüglich eigentlich keine unmögliche Angelegenheit sein.

Ich habe alle Aufnahmetests übrigens mit der hohen Auflösung von 24 Bit/96 kHz durchgeführt, da ich der Ansicht bin, wenn vom Hersteller diese Möglichkeit ohne Einschränkungen versprochen wird, dann kann ich diese auch als Testgrundlage verwenden. Interessanterweise waren aber die Playback-Probleme bezüglich Knistern und Knacksen bei 24 Bit/48 kHz nicht mehr vorhanden. Es scheint also, dass die hohe Auflösung in direktem Zusammenhang mit den Störgeräuschen steht.

Für Livemitschnitte würde ich grundsätzlich eher zu den moderaten 24 Bit/48 kHz raten, da hier der Rechner wesentlich weniger „schnaufen“ muss (besonders ein Laptop) und diese Auflösung zu diesem Zweck auch völlig ausreicht. Dennoch erwarte ich von einem ausdrücklich mit 24 Bit/96 kHz beworbenen Mehrkanal-Interface, dass es dann auch in dieser hohen Auflösung ohne Macken läuft, zumindest am größeren und leistungsstärkeren Desktop-Rechner.

Mit einem rund laufenden USB-Recording hätte das PreSonus StudioLive AR 16 ein glattes „sehr gut“ verdient, da die Aufnahmefunktion aber ein wesentlicher Bestandteil des Gerätes ist und hier insgesamt Verbesserungsbedarf besteht, rutscht die Bewertung auf ein „gut“ ab.

Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Guten Morgen Sigi,

    eigentlich mal wieder ein sehr fundierter und Praxis bezogener Test von dir.
    Aber auf das Wesentliche bist du leider nicht eingegangen: Wie mundet das „Redfisch Couvillion“? Hast du es gekocht? Gelingt es einfach? Lohnt sich die Südstaatenküche? Sind die Zutaten einfach zu besorgen?
    Vielleicht kannst du diesen wichtigen Punkt noch ergänzen.
    Freundliche Grüße, ein Hobbykoch im Amazona-Team.

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Guten Morgen Armin,

      eigentlich las es sich relativ einfach, sofern man einen guten Fischhändler kennt. Aber Onkel Sigi und kochen? Da prallen zwei Universen mit zehnfacher Lichtgeschwindigkeit donnernd aufeinander und bringen jeden noch so furchtlosen Gaumen zur Kernschmelze……

      Live long and prosper!

      :-)

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Vielleicht funktioniert die USB-Anbindung bei Verwendung der hauseigenen DAW »StudioOne« besser? Wäre nicht die erste Hardware bei der »Fremdprodukte« außen vor sind. Für mich ein »ko« Feature. Ich würde mit dem Kauf warten, bis das Problem geklärt ist.
    Hoffentlich hat das Kochrezept keinen Bug!

  3. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Noch einmal etwas zu USB.
    Ich hatte auch mit einem Drucker Übertragungsprobleme.
    Diese liessen sich durch ein »Belkin Pro USB Kabel« beseitigen.
    Was sagt PreSonus dazu?

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Hallo Franz,

      in meinem Studio verwende ich kein Billigzeugs, auch meine USB-Kabel sind hochwertiger Natur. Zur Sicherheit hatte ich beim Test auch ein anderes Kabel verwendet, um einen Kabelfehler auszuschliessen. Es war kein Unterschied, es muckte immer wieder.

      Musikalische Grüße

      • Profilbild
        Franz Walsch  AHU

        Hallo Onkel Sigi,
        das habe ich auch nicht angenommen oder unterstellt.
        Es ist aber bemerkswert wie einfach (und zu kurz) die ab Werk beigelegten Kabel häufig sind.
        Das beigelegte PreSonus Kabel ist wenigstens ein USB 2.0 Kabel.
        Das wäre mal ein feiner Vergleichstest …

  4. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Hallo Sigi,

    mal was ganz Anderes: Wer hat Dir denn die Abdeckhaube für Dein Mischpult geschneidert? Die sieht super aus! Endlich mal kein schwarzes Kunstlederimitat. Genau so etwas suche ich schon lange für meine Synthis.

    Danke & Grüße
    PSV

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Hallo PSV,

      meine Abdeckhauben lasse ich mir von der Firma Schellhammer aus Bad Schwartau anfertigen. Einfach googeln. Die arbeiten sehr sauber und machen so gut wie jede Sonderanfertigung. Beachte aber unbedingt, dass Du meist rückseitig Platz für die Audiokabel brauchst, die Rückseite der Abdeckung sollte also nur aus einem schmalen Streifen bestehen.

      Musikalische Grüße

  5. Profilbild
    Llisa  

    Ich habe das Pult seit Oktober letzten Jahres und habe keine Probleme mit der USB Anbindung gehabt… allerdings benutze ich auch Studio One (und ein Top USB Kabel).
    Absolut hervorragend für Jams in denen man einfach ein Multitrack mitlaufen kann, was übrigens auch mit einem iPad (ich habe allerdings auch ein Pro) problemlos klappt.
    Was mich am meisten stört ist die fehlende PFL Anzeige auf den Metern.
    Aber in allem Perfekt als ‚Front End‘ beim Musikmachen.

  6. Profilbild
    dilux  AHU

    ich komm ja aus wertheim, daher stört es mich nicht, aber du stehst doch bei könig & meyer auf der gehaltsliste, so oft wie du deren produkte in deine testberichte mit einbaust, oder? ;)

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Griass Di Dilux,

      ich schwöre es, auf deren Gehaltsliste stehe ich definitiv nicht! Ausrufezeichen. Ich bin aber extrem begeistert über das gute Zubehör von König & Meyer, mein ganzes Studio ist voll davon.

      Und eben dieser Universalständer 18825 ist extrem flexibel, hatte da schon die unterschiedlichsten Sachen drauf. Auch mal ein Brett mit Weisswürschten und Bier.

      :-)

      Musikalische Grüße

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.