Test: Project SAM, Orchestral Essentials, Orchester-Soundlibrary

15. Februar 2012

Orchestral Essential

Project SAM’s essenzielle Wunderwaffe

Es gibt einige erstklassige Orchester-Librarys. Diese klingen ohne Zweifel fantastisch, allerdings verliert man angesichts der Preise schnell mal die Lust, zumal es meistens nicht mit der Anschaffung einer Library getan ist. Denn diese sind mittlerweile so groß und komplex, dass sie als Orchestergruppen (Streicher, Holz, Blech, Percussion) aufgesplittet und angeboten werden. Wie beispielsweise die wachsende Hollywood-Serie von EastWest oder auch die etablierten VSL-Librarys. Natürlich eine feine Sache, wenn man das nötige Geld dazu hat. Denn hier kommt man sehr schnell in die Preisklasse eines kleinen Projektstudios.

Project SAM leistet und liefert mit seinen Produkten schon eine ganze Weile hervorragende Sounds für den kleinen und großen Geldbeutel. Für den eher mittleren oder relativ kleinen ist diese hier gedacht. Was keinesfalls abwertend gemeint ist!

Orchestral Essentials

Orchestral Essentials

Denn ich freue mich sehr, wenn Hersteller von Zeit zu Zeit ein Bundle wie dieses hier veröffentlichen, das einen Rundumschlag ihrer besten Produkte in eine bezahlbare Library bündelt. Das ist nicht nur für den Nachwuchs gut und bezahlbar, sondern auch für Musiker, die nicht den gesamten Leistungsumfang der „großen Brüder“ benötigen. Hier bedeutet das Spaß ohne finanziellen Frust inklusive hoher Qualität. Die Zielgruppe ist nahezu jeder Musiker, Komponist und Sound-Designer, egal ob Profi oder Hobbymusiker, der eine überschaubare Auswahl an Orchestersamples und Effekten benötigt.

Und so geht’s los: Die Installation ist denkbar einfach. NI Kontakt Player 5 (inklusive) installieren, 12 GB Library auf die Festplatte kopieren und über das Native Instruments Service-Center Tool registrieren. Natürlich läuft die Library auch auf einem bereits bestehenden Kontaktplayer oder dem Flaggschiff NI Kontakt 5. 

Inhalt ist laut Hersteller die Essenz ihrer erschienen Produkte. Symphobia 1+2, True Strike 1+2, Orchestral Brass Classic, Organ Mystique und Concert Harp. Alles Produkte, die man auch in vollem Umfang einzeln kaufen kann.

Die sieben Hauptordner beinhalten: Full Orchestra Samples mit typischen Artikulationen von Action, Suspense, Epic, Dark Orchestra Effects. Dazu gibt es eine Streicher-Sektion, eine Brass-Sektion, eine Woodwind-Sektion, Percussion, Keyboard & Harp und Sound-Design. Letztere beinhalten eine Konzertharfe, eine Kirchenorgel, Dystopia Sound-Design, ein Grand Piano und ein Harpsichord (Cembalo). Dazu gibt es wie oft üblich noch 21 Multis, die aus den einzelnen Sektionen gebildet wurden.

Klingt in der Tat gut! Sogar sehr gut. Das Klangbild der Library geht in Richtung typische Hollywood-Patina. Die Multis beispielsweise wurden als ganzes Ensemble aufgenommen, bedeutet: mit den richtigen Proportionen zwischen Brass, Strings, Woodwinds und Percussion, was hier für den sehr authentischen Klang sorgt. Man kann zwar nicht eingreifen, aber dafür sind diese Sektionen auch einzeln als Patches vorhanden. Vorteil: Man spielt drauf los, und schon klingt es groß und episch. Nachteil: Dass es sich eher schlecht in andere Musikstile (z.B. Pop) einbetten lässt, bedingt eben durch den natürlichen Raumklang eines großen Orchester-Aufnahmeraums mit ca. 10 Metern Raumhöhe. Die Samples klingen durchwegs sauber produziert und haben diesen klassisch weichen Filmmusik-Sound. Man hört einfach, dass Ziel und Referenz Filmmusik ist.

Klang im Detail

Der erste Ordner „Full Orchestra“ bedient Instant-Clichés aus der Actionwelt, Suspensethriller und epischen Momenten. Das sind zwar bombastische „Hits“ auf einen Tastendruck und klingen wirklich fett, aber sie sind eben nicht im klassischen Stil spielbar, sondern sind mehr zum Akzente setzen verwendbar. Witzig sind die Long und Short Chords aus dem 5. und 6. Patch. Diese bieten auf drei Oktaven fertige Orchesterakkorde, bestehend aus Streichern und Bläsern in Moll und Dur. Klingt episch. Wo man eigentlich 20 MIDI-Spuren benötigen würde, reicht hier ein Tastendruck.

Orchestral Essentials ist eine komprimierte Library, nicht nur im Bezug auf die Quantität der gesamten Library, sondern auch in Bezug auf die einzelnen Patches. Strings Arco ist der erste Patch. (Arco ist eine Spielweise, bei der die Saiten mit einem Bogen gestrichen werden). Man muss nicht Bässe, Celli, Violinen und Violas einzeln laden wie bei den großen Librarys, sondern findet diese verteilt auf einer 88er Tastatur, angefangen von den Bässen, über die Celli bis hoch zu den Violinen. Klassisch, wie ein Keyboardsound, nur eben in „echt“. Das Gleiche bieten die nächsten beiden Patches, diesmal in der Spielweise Tremolo und Pizzicato. Abgerundet wird die Stringsgruppe mit Cinematic Effects. Das sind diese coolen Psycho-Atmos, die man oft hört und selbst schlecht einspielen/programmieren kann. Und der letzte Patch ist eine Kombi aus Strings und Flutes. Da höre ich die Holzbläser kaum und eher ganz subtil in den Hintergrund gemischt.

Das exakt gleiche Konzept der Strings findet man auch in den nächsten Ordnern Brass und Woodwinds mit jeweils 6-7 Patches.

Klangbeispiele
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