Test: PRS Custom 24 10Top, E-Gitarre

28. Juli 2020

Luxusklasse mit Extrazuschlag

PRS Custom 24 10Top, E-Gitarre

PRS Custom 24 10Top

Mit ihr begann alles. Es war auf der Winter NAMM-Show 1985 im sonnigen Los Angeles, als Paul Reed Smith dort ganz schüchtern mit zwei Gitarren auftauchte, die die Gitarrenwelt nachhaltig verändern sollten. Da war zum einen die CE24 und zum anderen die Custom24, die fortan das Aushängeschild der Edelschmiede aus Stevensville werden sollte. Eine Menge Zeit ist seitdem vergangen, die Qualität hat sich seit dem aber in keiner Weise verändert. Noch heute, 35 Jahre später, ist die PRS Custom24 so etwas wie der „Prototyp der Premiumgitarre“: mit den besten Zutaten ausgestattet, in Perfektion verarbeitet und mit einem derart flexiblen Klang ausgestattet, der jedes Zweitinstrument nahezu obsolet macht. Und so wirkt sie auch heute noch keineswegs angestaubt, sondern passt sich perfekt mit immer neuen, verbesserten Ausstattungen und ihren Farben stets dem Geschmack der Zeit an. Eine Custom24 zu spielen, ist immer „up to date“ – wenn man denn das nötige Kleingeld zur Verfügung hat. Denn günstig war sie damals nicht und sie ist es auch jetzt nicht, wohl aber jeden Cent wert.

Wir haben die Gelegenheit ergriffen und uns ein aktuelles Modell der Custom24 für ein Review zukommen lassen – und dazu ein ganz besonderes. Denn das zum Test vorliegende Modell besitzt eine 10Top-Decke, was die Sache noch etwas kostspieliger, aber auch noch ein Stück exklusiver macht.

PRS Custom 24 10Top – Facts & Features

Die Form der PRS-Gitarren ist mittlerweile so vertraut wie auch die der Strat oder der Paula. Der elegant geformte Korpus besitzt die gewohnten Fräsungen auf seiner Vorder- und Rückseite, inklusive dem ausgeprägten Shaping rund um das untere Cutaway. Als Tonhölzer werden nach wie vor Mahagoni für den Boden und Riegelahorn für die Decke eingesetzt, im Fall unseres Testinstruments ein besonders intensiv geflammtes Stück Ahorn für die Decke, was im Hause PRS als „10Top“ bezeichnet wird. Zugegeben, das macht schon ordentlich etwas her, obwohl man beim Anblick der Decke auch sagen muss, dass die beiden hier verleimten Teile leider nicht ganz sauber zueinander auf den Korpus aufgebracht wurden. Das ist aber nicht die Regel, normalerweise zeigt sich das verwendete Ahorn der Decke bei den 10Top-Modellen als außergewöhnlich stimmig bzw. gleichmäßig in ihrer verlaufenden Maserung.

Die Ränder der Decke wurden von dem „Faded Whale Blue“ Finish unserer Testgitarre ausgenommen, was ein natürliches Binding ergibt, die Rückseite des Instruments ist hingegen in schlichtem, hochglänzenden Schwarz lackiert. Auf Wunsch kann man die PRS Custom24 10Top aber auch mit einer unlackierten bzw. nur mit Klarlack versiegelten Rückseite bekommen, die das verwendete Mahagoni wunderbar in Szene setzt. Typisch Custom 24 ist der eingeleimte Hals, der ebenfalls aus Mahagoni gefertigt wurde und ein Griffbrett aus Palisander erhalten hat. Noch typischer sind natürlich die Bird-Inlays: Wahrlich kleine Kunstwerke aus edlem Perlmutt, die die Bünde an den bekannten Positionen besetzen und aus jeder Position einen echten Blickfang darstellen.

PRS Custom 24 10Top Bird Inlays

Unumgänglich: Bird-Inlays auf dem Griffbrett der PRS Custom 24 10Top

Über die Verarbeitung des Halses, des Sattels und der 24 Bünde muss man keine großen Worte verlieren. Die hier gebotene Qualität entspricht ohne Wenn und Aber der absoluten Premiumklasse und das Instrument spielt sich im Neuzustand schlichtweg so, als hätte man es schon viele Jahre um den Hals getragen und eingespielt. Unser Testinstrument besitzt das schlankere der zwei erhältlichen Halsprofile, was zusammen mit dem gelungenen Set-up eine hervorragende Bespielbarkeit ab Werk ergibt. Trotz lackierter Halsrückseite werden der Greifhand in keiner Weise und zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Widerstände entgegengesetzt, es flutsch sowohl trocken als auch mit feuchter Hand jederzeit erste Sahne!

PRS Custom24 10Top – Hardware

Die Hardware der PRS Custom24 10Top ist mittlerweile in der dritten Generation angekommen. Das betrifft sowohl das butterweich laufende Vibrato-System als auch die offenliegenden Phase III Klemmmechaniken an der Kopfplatte mit ihren Flügeln aus Nickel. Aus demselben goldfarbenen Werkstoff bestehen auch die sechs Saitenreiter, dadurch verspricht sich Paul Reed Smith einen weicheren und wärmeren Ton der Gitarre. Das System arbeitet nicht nur wunderbar weich und nuancenreich, sondern besticht zudem durch eine verblüffende Stimmstabilität. Zudem ist der Vibratoblock schwebend eingestellt, sodass auch Up-Bendings in gewissem Maße problemlos möglich sind. Für mich persönlich steht das PRS Vintage-Vibrato nach wie vor unangefochten an der Spitze der erhältlichen Vibratosysteme, derart musikalisch lässt sich meiner Meinung nach kaum ein anderes System am Markt benutzen. Und es ist eben beeindruckend stimmstabil dazu. Sollte man trotzdem mal in die Versuchung geraten, hier nachstimmen zu müssen, so verwöhnen die Phase III Mechaniken mit einer vorbildlichen Handhabung – präziser und damit stressfreier geht es kaum!

PRS Custom24 10Top Phase III Mechaniken

PRS Custom24 10Top – Phase III Klemmmechaniken

85/15 Pickups – die mit dem goldenen Ton!

Wer meine Artikel über PRS-Gitarren gelesen hat, dem dürfte sicher nicht entgangen sein, dass ich ein großer Fan des Klangs der 85/15 Pickups aus dem Hause Paul Reed Smith bin. Diese Humbucker bieten nicht nur einen warmen, druckvollen und Vintage-lastigen Ton, sie zeigen sich darüber hinaus sehr potent in Sachen Headroom und liefern auch bei hoher Verzerrung einen absolut sauberen und transparenten Ton mit kaum wahrnehmbaren Nebengeräuschen. Klar, dass PRS diese Edelstücke auch in sein Vorzeigemodell Custom24 einsetzt. Und ebenso klar sollte sein, dass die Pickups in den Zwischenpositionen des gewohnt herzhaft zupackenden Fünfwegeschalters charaktervolle Singlecoil-Sounds liefern, die auch hier wieder mit extrem wenig Nebengeräuschen auskommen, dafür aber mit ordentlich Druck aus dem Speaker gepfeffert werden. Je ein Poti für Lautstärke und eines für die Tonblende komplettieren diese einfache und zugleich effektive (weil unkompliziert zu bedienende) Schaltung. Die Regler laufen extrem weich auf ihren Achsen, für manch einen vielleicht schon etwas zu weich. Musiker aber, die gerne mit dem Volume-Regler der Gitarre ihren Amp steuern, kann es kaum etwas Besseres geben.

PRS Custom 24 10Top E-Gitarre Schaltung

Wirkungsvoll und effektiv: Die Schaltung der PRS Custom 24 10Top

PRS Custom24 10Top – Praxis-Check

Akustischer Grundsound / Handling

Bereits unverstärkt bietet die PRS Custom24 10Top einen schlichtweg superben Klang, anders kann man es nicht beschreiben. Ihr Sound ist kraftvoll, reich an Sustain und besitzt ein extrem knackiges Attack, das jede noch so zart angespielte Saite sofort in einen kräftigen Ton umsetzt. Die Bespielbarkeit ab Werk ist hervorragend, ich erwähnte es bereits: Durch die angenehme Saitenlage und den schlanken Hals bietet sich eine Performance, die kaum besser ausfallen könnte. Und dass eine Custom24 von je her perfekt ausbalanciert am Gurt hängt, ist nun wahrlich kein Geheimnis und das ist auch bei dem 2020er Modell kein Stück anders.

Elektrischer Sound

Am Verstärker offenbaren sich erneut die Stärken der 85/15 Pickups, die den fantastischen Grundsound mit ihrer eigenen Note zusätzlich schmücken. Ganz gleich, ob es nun um fette, clean gespielte Blueslines mit dem Neck-Pickup geht, um wunderbar glasige und perlende Sounds der Singlecoil-Positionen oder aber um druckvolle Riffs mit dem Humbucker am Steg: Mit dieser Ausstattung ist man garantiert jeder Situation im Studio oder Live-Einsatz bestens gerüstet. Hinzu kommt die gewohnte Art der Pickups bzw. der Schaltung, dem Signal in keiner Weise Kraft oder Dynamik zu rauben, wenn man den Volume-Regler etwas zurücknimmt. Auch das Frequenzspektrum scheint fast unberührt zu bleiben, das ermöglicht, mit einem ebenso hochwertigen Amp am anderen Ende der Strippe, noch eine ganze Latte zusätzlicher Optionen im Klang.

PRS Custom24 10Top Body II

PRS Custom24 10Top – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich unsere PRS Custom24 10Top zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ Combo verwendet. Abgenommen wurde das Signal mit einem AKG C3000 Mikrofon, aufgenommen wurden die Tracks in Logic Audio.

Fazit

Auch das 2020er Modell der PRS Custom24 ist und bleibt ein Maßstab für den Klang und die Verarbeitungsqualität einer elektrischen Gitarre. Dieses Instrument spielt nach wie vor in seiner eigenen Liga und verwöhnt neben ihrem Sound mit einer exzellenten Bespielbarkeit und einer Optik, die nur durch die nicht ganz sauber aufgeleimte 10Top-Decke einen kleinen Wermutstropfen hinterlässt. Und natürlich durch ihren Preis.

Plus

  • fantastischer Klang
  • Verarbeitung auf höchstem Niveau
  • Qualität Hardware
  • Bespielbarkeit
  • robustes Case im Lieferumfang

Minus

  • 10Top beim Testinstrument nicht ganz perfekt gelungen

Preis

  • 4710,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Zwo5eins  

    Hmm, der Paul kann soviel Riegelahorn draufkleben wie er will, mich lassen seine Gitarren kalt.

    Die sind bestimmt gut, obwohl … vor 20 Jahren hatte ich eine kleine Session mit einem Kollegen der eine der ersten super teuren F-Loch PRS spielte und ich kam mit meiner Schraubhals Yamaha, die ja keine große Gitarre ist, die klang jedoch in jeder Hinsicht besser.

    • Profilbild
      uelef  

      Ja, das ist komisch. Geht mir genauso. Es gibt so viele Fans der PRS-Gitarren, ich finde sie alle überhaupt nicht ansprechend. Lediglich den Vogelinlays am Hals kann ich was abgewinnen (das ist irgendwie ne coole Idee). Dem Rest nicht.
      Das hier abgebildete Modell übersteigt ja wohl preislich alles irgendwie Rechtfertigbare … Und dann noch eine schlecht aufgeleimte Decke? Sie gefällt mir überhaupt nicht mit der extrem unruhigen Maserung in Grautönen.

  2. Profilbild
    Willemstrohm  AHU

    Man kann PRS aber schon anrechnen, dass sie ’ne Alternative zu Fender und Gibson bieten wollen, die wirklich dazwischen liegt, etwas von beiden Welten in sich vereint. Den Ansatz finde ich gar nicht mal so übel.
    Aber die klassischen Fender und Gibson-Puristen kann es natürlich so nicht wirklich befriedigen, is klar.

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