Test: PRS David Grissom DGT, Gray Black

26. Mai 2020

PRS mit spezieller Ausstattung

Die PRS David Grissom DGT (Abkürzung für Dave Grissom Tremolo) ist das Resultat einer mittlerweile mehr als zwanzigjährigen Zusammenarbeit zwischen Paul Reed Smith und David Grissom. Die DGT basiert auf dem McCarty-Modell, hat jedoch ein eigenes Halsprofil, höhere Bünde, spezielle Pickups (David Grissom und Paul Reed Smith verbrachten angeblich ein Jahr mit  A/B- Vergleichen von mehr als vierzig Pickups, bevor man sich schließlich für die finale Variante entschied, die einen „Vintage-Ton“produziert) und modifizierte Regelmöglichkeiten wie zwei Volume-Regler und ein Push/Pull-Klangregler, mit der sich die Humbucker splitten lassen. Die PRS DGT existiert nicht in einer deutlich günstigeren SE-Variante, die in Fernost gefertigt wird. Wer also eine DGT haben will, muss recht tief in die Tasche greifen, kann sich jedoch über ein Instrument „aus dem obersten Regal“ freuen, wie wir gleich noch lesen und hören können.

PRS Davis Grissom DGT – Facts & Features

Unsere Testkandidatin, die PRS Davis Grissom DGT, wird inklusive eines qualitativ hochwertigen Rechteckkoffers ausgeliefert, der, wenn man ihn öffnet, sogleich den typisch parfümierten Duft verströmt, den man von einer neuen, in Amerika hergestellten PRS kennt. Diese Gitarre ist in diversen Farben zu erwerben, unsere Testkandidatin wurde mit der Farbgebung „Gray Black“ ausgestattet. Das Instrument kommt ab Werk mit einer eher ungewöhnlich stabilen Besaitung (011-er Saiten).

PRS David Grissom DGT Farben

In vielen Farbvarianten zu haben

Die Verarbeitung der PRS Davis Grissom DGT ist absolut perfekt, was man bei einem doch recht kostenintensiven Instrument sicherlich auch erwarten darf. Selbst bei kritischer Überprüfung lässt sich keine Schwachstelle ausmachen. Eigentlich kennt man es von PRS Instrumenten auch nicht anders, ich hatte beispielsweise noch nie eine schlecht verarbeitete PRS in den Fingern. Dies schließt auch die deutlich günstigeren SE-Modelle mit ein.

PRS Davis Grissom DGT – Korpus

Die PRS DGT besitzt erwartungsgemäß einen Mahagonikorpus, auf den eine sehr schön gemaserte Riegelahorndecke aufgeleimt wurde. Der Hals wurde eingeleimt und an den obligatorischen Positionen mit den PRS typischen Vögeln versehen. Seit längerer Zeit werden Gitarren aus dem Hause PRS auch mit den sogenannten „Moons“ angeboten, die eine „Luxusvariante“ schlichter Dots sind. Der Korpus wurde rückseitig deckend schwarz lackiert, was ein wenig bedauernswert ist, da man das Holz bzw. dessen Maserung nicht mehr sehen kann. Dieses Schicksal müssen generell auch viele Gitarren, beispielsweise schwarze Les Pauls oder Gitarren mit Goldtop-Lackierung erleiden. Obwohl es die DGT gleichfalls in Gold zu erwerben gibt, wurde hier aber lediglich die Decke Gold lackiert, der restliche Korpus und die Rückseite des Halses wurden dagegen zuerst weinrot gebeizt und anschließend klar überlackiert, sodass die Maserung des Holzes noch sichtbar ist. Die Maserung der Decke unserer Testkandidatin fällt wieder einmal beeindruckend aus, wie man dies von Instrumenten aus dem Hause PRS gewohnt ist.

Hals

Der eingeleimte Mahagonihals unserer Testkandidatin erhielt ein Griffbrett aus Palisander und die für PRS typischen Bird-Inlays. Das Halsprofil wurde speziell nach den Wünschen David Grissoms vorgenommen und ist somit individuell bzw. etwas abweichend von z. B. einer Custom 24, die es in den Profilen „wide thin“ und „wide fat“ zu erstehen gibt. Die typische PRS Mensur von 635 mm ist bekanntermaßen ein „Mittelding“ aus Gibson und Fender Gitarren.

Der Kopf wie die Korpusrückseite deckend schwarz lackiert, Phase III Locking-Mechaniken, Creme-Knöpfe

Die PRS Davis Grissom DGT ist im Gegensatz zur Custom 24 mit „nur“ 22 Bünden ausgestattet. Diese sind außergewöhnlich fett und hoch (DGT Jumbo Bünde). Der Vorteil von 22 Bünden ist, dass zwischen den Tonabnehmern etwas mehr Platz für die rechte Hand bzw. das Plektrum bleibt und das Pick beim Spielen keinen Kontakt zum Halstonabnehmer bekommt. Bei einer Custom 24 bzw. deren Kolleginnen oder auch generell, mit 24 Bünden bestückten Gitarren, wird es zwischen den Pickups technisch bedingt also immer etwas eng. Auch der Hals unserer Testkandidatin wurde deckend schwarz lackiert, was einerseits sicherlich gut zum farblichen Design des Instruments passt, aber auch etwas schade ist, da das sicherlich hochqualitative Mahagoni nicht mehr sichtbar ist.

PRS Davis Grissom DGT – Elektrik

Die Gitarre besitzt zwei Volume-Regler, wobei der Lautstärkeregler für den Steg-Pickup die „übliche Position“ des Mastervolumen-Reglers (wie z. B. bei einer Strat) einnimmt und der Lautstärkeregler für den Hals-Pickup etwas dahinter platziert wurde. David Grissom benutzt hauptsächlich den Steg-Pickup und hatte folglich den Wunsch, diesen schnellstmöglich kontrollieren zu können, deswegen erhielt der Volume-Regler des Stegtonabnehmers den Vorrang für die beliebte „Pole“-Position.

Der Master-Tone-Regler (Push/Pull) zapft in gezogenem Zustand jeweils nur eine Spule der Humbucker an, sodass der Gitarre auch Singlecoil-Klänge entlockt werden können. Angewählt werden die Tonabnehmer mithilfe eines klassischen 3-Wege Toggle-Schalters.

Das „Gray Black“-Finish sieht in natura deutlich beeindruckender aus, als es das Foto auszudrücken vermag.

Hardware

Die Hardware, wie beispielsweise das Vibratosystem aus eigenem Hause, wurde vernickelt, ebenso die PRS Phase III Locking Mechaniken. Diese erhielten cremefarbige Flügelchen (Faux Bone Knöpfen), was schön aussieht und sicherlich auch ein Alleinstellungsmerkmal dieser Gitarre darstellt. Auch der Sattel ist cremefarben und passt farblich zu den Knöpfen der Mechaniken.

Handling

Die Saitenlage der Gitarre wurde werksseitig nicht optimal eingestellt, sodass ich etwas nachhelfen musste und alle sechs Reiter des Stegs mithilfe einem der mitgelieferten Inbusschlüssel etwas tiefer legte. Der Hals der PRS DGT besitzt ein sehr angenehmes Profil, was sich „massemäßig“ im mittleren Bereich bewegt, also weder besonders dünn noch sehr fett ausfällt. Die Form des Profils lässt sich mit „C“ beschreiben. Die Gitarre ist nicht zu schwer und bringt ca. 3,6 kg auf die Waage. Die äußerst fetten und vor allem hohen Bünde erleichtern das Stringbending, denn das Instrument ist trotz der werkseitigen Bestückung mit 0.011- er Saiten, leicht zu handhaben. Man fühlt sich mit der DGT sofort wohl, da die Wertigkeit dieses Instruments hörbar und spürbar ist. Die anfängliche Befürchtung, dass die deckende schwarze Lackierung der Rückseite des Halses die Greifhand „zum Kleben bringen könnte“, konnte sich erfreulicherweise nicht bestätigen.

Das Vibratosystem arbeitet weitgehend verstimmungsfrei, es sei denn, man strapaziert den Vibratohebel bis zum Maximum. Der Hebel aus Edelstahl wird in das Vibratosystem gesteckt. Durch eine kleine Inbusschraube im Tremoloblock kann der Druck, der auf den Hebel wirkt, nach Geschmack  justiert werden. Er kann also festsitzen und damit extrem direkt ansprechen (Jeff Beck mäßig) oder auch nach Gebrauch wieder „herunterfallen“, wenn man die Schraube geringfügig herausdreht.

Dieses Video zeigt David Grissom im Gespräch mit Paul Reed Smith:

Die Aussage von Paul Reed Smith, dass die DGTs nur äußerst selten gebraucht zu finden sind, entspricht tatsächlich der Wahrheit. Dies kann man leicht überprüfen, indem man die üblichen Verkaufsportale beobachtet. Das spricht in der Tat für die Zufriedenheit der DGT-Kunden.

PRS Davis Grissom DGT – Sound

Der Klang ohne Verstärkung ist bereits trocken sehr gehaltvoll und ausgewogen. „Dead Spots“ oder schlecht resonierende Bereiche sind über den gesamten Hals nicht auszumachen, auch das Sustain ist ausgezeichnet. Der Klang ist warm, lässt aber auch eine sehr spontane Ansprache und recht perkussive Höhen nicht vermissen. Das lange Experimentieren mit der Auswahl der Tonabnehmer hat sich gelohnt, denn die Pickups entwickeln einen charaktervollen und offenen Ton, da sie nicht „zu heiß“ gewickelt wurden, sondern eher den Features von „Vintage-Pickups“ entsprechen. Auch die Singlecoil-Sounds klingen ausgezeichnet.

Hören wir die verzerrten Sounds. Der Output der Pickups ist recht kräftig aber nicht überzüchtet. Wir bekommen einen klassischen, sehr „P.A.F.-ähnlichen“ Klang geliefert:

Auch der Humbucker am Hals erzeugt einen ausdrucksstarken, cremigen aber definierten Klang ohne Matschen:

Hören wir nun den Humbucker am Hals clean:

Um einen Vergleich der Humbucker- und Singlecoil-Sounds zu haben, wird etwa in der Mitte des folgenden Klangbeispiel das Push-Pull-Poti aktiviert und auf einspuligen Betrieb umgeschaltet:

Hören wir den Steg-Pickup, zunächst als Humbucker, dann als Singlecoil.

Alle entlockten Sounds sind sicherlich ausdrucksstark, durchsetzungsfähig und „natürlich“. Auch die Singlecoil-Sounds sind gut gelungen. Die Parallelschaltung beider Tonabnehmer klingt recht „Telecaster-mäßig“, die Reproduktion eines typischen Stratocaster-Klangs in den „Zwischenstellungen“ darf man allerdings nicht erwarten, da die Gitarre nicht mit einem dritten, in der Mitte positionierten Pickup bestückt wurde. Dieses Instrument zu spielen, macht definitiv Freude, weil Sound, Haptik und Design optimal ausfallen bzw. letztendlich nicht zu toppen sind.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

PRS Davis Grissom DGT – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

Fazit

Die PRS Davis Grissom DGT wurde perfekt verarbeitet und ist hervorragend bespielbar. Klanglich bietet sie nicht zuletzt durch die optimale Qualität des Tonholzes und den Tonabnehmern einen edlen Ton und ist darüber hinaus durch ihre splitbaren Humbucker auch klanglich flexibel. Die aufregende Optik begeistert, wie von PRS Gitarren gewohnt. Natürlich ist der Preis für dieses Instrument recht hoch, aber aufgrund der, mit anderen amerikanischen PRS Modellen verglichen, außergewöhnlich guten Features (Elektrik, Bünde, Halsprofil) sicherlich noch vertretbar.

Plus

  • Sound
  • Pickups
  • Verarbeitung
  • Design
  • Bespielbarkeit
  • hohe und fette Bünde

Minus

  • Werkseinstellung suboptimal

Preis

  • ca. 3.650, - Euro
Klangbeispiele
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