Test: PRS McCarty 594 Faded Whale Blue, E-Gitarre

14. Mai 2020

Druck und Sustain wie in Stein gemeißelt!

PRS McCarty 549 Faded Whale Blue E-Gitarre

PRS McCarty 594 Faded Whale Blue

Auf dem Prüfstand bei uns heute: Das 2020er PRS McCarty Modell, natürlich made in Stevensville/USA. Ein Instrument, das das Team von Paul Reed Smith zu Ehren des gleichnamigen Mannes und zugleich engen Freundes von Paul erschaffen hat, der leider im Jahre 2001 verstorben ist und die Gitarrenwelt nachhaltig als Geschäftsführer bei Gibson sowie als Mitentwickler von dessen Zugpferd, der Les Paul, angesehen werden kann. Zu Beginn gleich die Erklärung über das, was die Zahl „549“ in der Bezeichnung dieser Edelklampfe zu bedeuten hat und die Antwort darauf ist ganz einfach: Die Mensur der Gitarre ist geringfügig länger im Vergleich zu den regulären PRS-Modellen. Normalerweise verfügen PRS-Instrumente nämlich über eine 24,5″ Mensur, diese ist nun eben mit 24,594″ etwas länger ausgefallen. Laut Paul Reed Smith selbst, soll dies die optimale Mensurlänge einer Gitarre sein. Nun ja, klingt also viel mysteriöser, als es in Wirklichkeit ist. Schauen wir also im folgenden Review mal, ob und wie der 2020er Jahrgang der PRS McCarty 594 gelungen ist.

594

PRS McCarty 549 – Facts & Features

Unser Testmodell besitzt das Finish „Faded Whale Blue“ und keine besonders ausgefallene 10Top-Decke, obwohl man bei diesem imposanten Anblick des geriegelten Ahorns schon auf die Idee kommen könnte. Erhältlich ist das Modell noch in einer Vielzahl anderer Farben, genau genommen stehen 18 verschiedene Designs zur Auswahl, darunter auch deckende Lackierungen, wie etwa Gold, Schwarz oder ein antikes Weiß. Am Design des Korpus hat sich nichts geändert, nach wie vor bestimmen ergonomische Fräsungen auf der Vorder- und Rückseite das Bild des charakteristisch geformten Bodys, der aus Mahagoni besteht und auf seiner Rückseite deckend schwarz lackiert wurde. Billiges Plastik als Binding an den Kanten der Decke finden wir hier nicht vor, um das geriegelte Ahorn zur Geltung zu bringen, wurde an den Seiten ganz einfach mit der Beize gespart. Für eine optimale Bespielbarkeit der oberen Lagen sorgt eine tiefe Fräsung im unteren Cutaway, alle 22 Bünde sind absolut problemlos zu erreichen. Typisch PRS eben.

PRS McCarty 594 Faded Whale Blue E-Gitarre Cutaway

Typisches Shaping eines PRS-Bodys im Bereich des unteren Cutaways

Mahagonihals mit Pattern Vintage Halsprofil

Eingeleimt wurde ein Hals aus Mahagoni mit aufgeleimtem Ebenholzgriffbrett und einem „Faux Pas“ Binding. Wie auch beim vorherigen Modell entschied sich PRS für diesen Werkstoff am Rand des Griffbretts, der im Gegensatz zum herkömmlichen PVC nicht ausgast und somit keinen chemischen Geruch erzeugt. Nicht fehlen dürfen die aus hochwertigem Perlmutt bestehenden Bird-Inlays als Orientierung und als wohl eines der Markenzeichen einer PRS-Gitarre. Die PRS McCarty 594 Faded Whale Blue besitzt ein Pattern Vintage Halsprofil, dass erneut wieder ein Stück asymmetrisch ausgefallen ist und daher über mehr Material im Bereich der Basssaiten verfügt.

Das Profil dürfte eher den Freunden der Les-Paul-Klasse zusagen, denn hier gibt es schon ordentlich etwas zu greifen. Obwohl die Halsrückseite lackiert wurde, zeigen sich keinerlei Probleme beim Bespielen auch mit einer etwas feuchteren Greifhand – hier ist PRS erneut ein sehr guter Kompromiss zwischen dem Schutz des Holzes und gleichzeitig einer praxistauglichen Bespielbarkeit gelungen.

Die Bundierung entspricht den Erwartungen an eine E-Gitarre in dieser Preisklasse vollkommen. Die 22 eingesetzten Bundstäbchen wurden perfekt an ihren Kanten abgerichtet und auf den Oberflächen poliert. Gleiches Positives gibt der Sattel ab, auch er sitzt sauber in seiner Position und führt die Saiten fast gerade zu den Mechaniken an der Kopfplatte. Und damit sind wir schon bei der verbauten Hardware angelangt.

PRS McCarty 594 Faded Whale Blue E-Gitarre Headstock

PRS McCarty 594 Faded Whale Blue – Hardware

Ebenfalls ein sehr erfreuliches Kapitel, denn auch in puncto Hardware wurde bei der PRS McCarty 594 wieder nur das Beste verbaut. Das Tailpiece wurde so konstruiert, dass die Saiten nicht erst mühsam durch ein Loch gefummelt werden müssen, sondern in Sekundenschnelle durch Schlitze gewechselt werden können. Ganz neu ist das zwar nicht, dafür aber um so praktischer und ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn gerade live mal einer der Drähte das Zeitliche segnen sollte und es auf einen schnellen Wechsel ankommt. Die Höhe des Tailpiece kann mit zwei Messingschrauben reguliert werden und aus Messing bestehen auch die Saitenreiter, die auf der ToM-Bridge sitzen und die Drähte Richtung Kopfplatte zu den Mechaniken führen.

Dort oben sitzen sechs verchromte Phase III Locking-Tuner, also die Typen mit den offen liegenden Wirbeln. Über diesen Typ Mechanik habe ich mich in meinen PRS-Artikeln schon öfters ausgelassen, sie arbeiten zwar im jetzigen Neuzustand perfekt: kein Spiel und sanftweich in der Bedienung, dazu zuverlässig im Halten der Stimmung. Wie das allerdings nach ein paar Jahren ausschaut bzw. wie die offen liegenden Wirbel auf Umwelteinflüsse, wie Staub, Feuchtigkeit und den einen oder anderen unerwarteten Stoß im rauen Alltag reagieren, wird die Zeit zeigen.

PRS McCarty 594 Faded Whale Blue E-Gitarre Phase III Tuner

PRS McCarty 594 – Phase III Locking-Tuner

Jetzt schon legendär: Die 58/15 Pickups

Für mich zählen die 58/15 Pickups von PRS ganz klar zu den besten Tonabnehmern, die je die Werkshallen in Stevensville verlassen haben. Sie bieten einen außergewöhnlich schmatzigen, crispen Vintage-Ton mit jeder Menge Headroom und konnten mich sowohl bei Cleansounds als auch im Overdrive-Modus auf vielen weiteren von mir getesteten PRS-Modellen bislang restlos überzeugen. Zwei davon gibt es auch auf der Decke der PRS McCarty 594 Faded Whale Blue, abgedeckt durch verchromte Kappen, umrandet von cremefarbenen Rahmen und splitbar dazu. Jeder Pickup besitzt einen eigenen Volume- und Tone-Regler, die Tone-Potis aktivieren durch Anheben den Singlecoil-Modus. Ausgewählt werden die beiden Humbucker über einen Dreiwegeschalter, der im oberen Cutaway seinen Platz gefunden hat.

Über die Qualität der verwendeten Potis und des Schalters muss man keine großen Worte verlieren, für den einen oder anderen könnten die Regler schon fast zu weich laufen. Wer jedoch gerne und oft mit dem Volume-Poti hantiert, der wird hier ganz sicher keine Fragen stellen und sich über die grandiose Performance freuen.

PRS McCarty 594 Faded Whale Blue E-Gitarre 58/15 Pickup

PRS McCarty 549 Faded Whale Blue – in der Praxis!

Akustischer Grundsound / Handling

Die Instrumente aus dem Hause PRS sind ja einst angetreten, um den idealen Mix aus einer Paula und einer Strat zu interpretieren. Die PRS McCarty 594 wendet sich ganz klar an die Fans und Freunde des gepflegten, fetten Tons einer Les Paul. Das bemerkt man schon im unverstärkten Zustand, bei dem das Instrument bereits seinen wuchtigen und druckvollen Sound abstrahlt, der im Frequenzspektrum sehr ausgeglichen ist und mit einem hammermäßigen Sustain die Vorfreude auf das steigert, was nach dem Anschließen des Amps wohl aus der Klinkenbuchse entweichen wird. Bemerken tut man es zudem am Halsprofil, bei dem ordentlich „Fleisch“ die Greifhand beschäftigt, aber trotzdem nie überfordert. Weniger jedoch am Gewicht, obwohl die McCarty nicht gerade eine leichte E-Gitarre ist, aber die gute alte Paula kann sie hier dennoch um einiges unterbieten.

Elektrischer Sound

Auf die 58/15 Humbucker ist stets Verlass – ob nun in einer Custom24, einer CE24 oder in welcher PRS-Gitarre auch immer. Auch hier erwartet uns wieder dieser seidenweiche, schmatzende und singende Vintage-Sound, wie ihn kaum ein anderer Pickup am Markt erzeugen kann. Durch die Singlecoil-Schaltung und die Tatsache, dass die Dynamik und das Klangbild beim Absenken der Lautstärke keinerlei klangliche Einbußen hinnehmen müssen, bieten sich somit eine Unmenge an facettenreichen Sounds, die den ohnehin schon beachtlichen Grundsound der Konstruktion noch einmal deutlich erweitern. Das reicht von druckvollen und singenden Leadsounds des 58/15 in der Halsposition, über differenzierte Crunchsounds beider Pickups bis hin zum durchsetzungskräftigen Riff-Gewitter des Steg-Humbuckers.

Echte, glasige Cleansounds sollte man trotz der Singlecoil-Schaltung allerdings nicht erwarten, aber für solche Geschmäcker hat PRS ja auch etwas im Angebot, wie etwa die John Mayer Silver Sky.

McCarty 594 – Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele habe ich meinen Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion Vintage 30 Box verwendet. Vor der Box wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, aufgenommen wurden die Tracks in Logic Audio.

Fazit

Auch der 2020er Jahrgang der PRS McCarty 594 kann im Test vollends überzeugen. Die Verarbeitung, der vielseitige Klang und die Bespielbarkeit dieses Instruments befinden sich auf allerhöchstem Niveau, daran gibt es keine Zweifel. Wer also eine dicke Brieftasche besitzt und sich auf die Suche nach der Gitarre fürs Leben begibt, sollte hier auf jeden Fall einen Abstecher wagen!

Plus

  • Verarbeitung
  • unglaublich fetter und flexibler Sound
  • Optik
  • 58/15 Pickups
  • robustes Case im Lieferumfang

Minus

  • recht hoher Preis

Preis

  • 3888,- Euro
Klangbeispiele
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