Klein, schwarz, stark!
Der Mark Tremonti Amp ist ein kleines, aber lautes Biest. Mit 15 Watt und zwei unabhängigen Kanälen verspricht er Spielspaß pur!
Kurz & knapp
- Vielseitige Ausstattung: Zwei vollwertige Kanäle, separater EQ und Effektweg bieten Flexibilität für Bühne und Proberaum.
- Überraschende Leistung: Trotz kompakter Maße liefert der Amp mit 15 Watt Röhrenpower durchsetzungsfähigen Sound, auch für Gigs.
- Highgain-Spezialist: Die Zerrsounds überzeugen mit Dynamik, Punch und Vielseitigkeit von Hardrock bis Metal.
- Schwacher Clean-Kanal: Der Cleansound ist laut und durchsetzungsfähig, lässt aber Charakter und Tiefe vermissen.
- Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Kleine Schwächen werden durch Ausstattung, Verarbeitung und Soundqualität mehr als ausgeglichen.
Inhaltsverzeichnis
PRS MT 15 Mark Tremonti Amp
Eine Signature-Gitarre besitzt er schon, sogar in zwei Ausführungen und nun bekommt Mark Tremonti einen Verstärker aus dem Hause PRS spendiert. Der PRS MT 15 Amp wurde auf der NAMM 2018 vorgestellt und scheint nur auf den ersten Blick ein typischer Bedroom-Amp zu sein, seine kompakten Maße könnten den Betrachter zu dieser Annahme verleiten.
Ein weiterer Blick auf die technischen Daten relativiert das Ganze aber dann schnell, denn mit 15 Watt Röhrenpower kann der Mark Tremonti Amp ganz sicher auch bei Gigs bestehen, eine entsprechende Box vorausgesetzt, versteht sich. Wollen wir mal schauen und vor allem hören, was der pechschwarze Metallkasten so alles drauf und drin hat!
Facts & Features
Was er alles drin hat, das kann man fast schon mit dem bloßen Auge erkennen. Die schwarze Blechummantelung, die gut Dreiviertel des Gehäuses ausmacht, ist von allen Seiten mit Löchern zur Belüftung versehen und ermöglicht daher einen guten Blick auf die zwei Trafos und die verbauten Röhren im Innern. Satte sechs Vorstufenröhren stehen für die beiden Kanäle des Amps bereit, dazu zwei des Typs 6L6 für die Endstufe, die eben die nominelle Leistung von 15 Watt liefern. Und sie werden perfekt in Szene gesetzt, denn auf der Platine der Schaltung sitzt sowohl eine Reihe blauer, als auch eine Reihe roter LEDs, die je nach angewähltem Kanal (blau für clean und rot für verzerrt) das Innere des Amps wirkungsvoll beleuchten.
Einen praktischen Nutzen hat die Sache aber dennoch für den Benutzer, denn so ist auf große Entfernung jederzeit sichtbar, welcher Kanal gerade aktiviert ist. Trotz des Metallgehäuses und der Röhrenschaltung bringt der 356 × 204 × 204 185 mm große PRS MT 15 Amp nur ein Gewicht von etwas über 6 kg auf die Waage, womit der Metallbügel auf der Oberseite beim Transport des Topteils keine Probleme hat. Bevor wir uns mit den Bedienelementen auf der Vorderseite befassen, schauen wir aber noch schnell auf die Rückseite und die dort befindlichen Anschlüsse und Schalter.
PRS MT 15 Amp – Rückseite
Zunächst wäre da der Anschluss für den Fußschalter, der sich im Lieferumfang befindet und mit dem die beiden Kanäle gewechselt werden. Eine 16 sowie zwei 8 Ohm-Buchsen warten auf die Verbindung zu einer Lautsprecherbox, der Hersteller bietet, passend zum Mark Tremonti Amp, übrigens auch eine passende 1 × 12″-Box (bestückt mit einem Celestion V-30 Speaker) an.
Nach dem Austausch der Endstufenröhren ist in aller Regel ein Nachjustieren der Röhrenspannung erforderlich, hierzu stehen drei Regler (BIAS Jacks) bereit. Man muss den Verstärker also für diese Prozedur nicht aufschrauben, das nennt man wohl servicefreundlich!
Ein einsamer Kippschalter hat sich hier auf die Rückseite verirrt, er sorgt für die Halbierung der Endstufenleistung auf 7 Watt. Das erhöht die Chance für den Benutzer, auch mal in den Genuss der Endstufensättigung zu gelangen, obwohl selbst 7 Watt noch Hölle laut sein können!
Sehr erfreulich ist die Anwesenheit eines Effektwegs, da verzichtet man doch gerne auf eingebaute Effekte. Davon besitzt der Mark Tremonti Amp nämlich keine, hier kann also das eigene Pedalboard problemlos angeschlossen werden. Den Abschluss auf der Rückseite bildet die Anschlussbuchse für das Netzkabel, das eine mehr als praxisgerechte Länge besitzt.
Frontseite/Bedienpanel
Zwei völlig unabhängig voneinander agierende Kanäle besitzt der Mark Tremonti Amp. Jeder Kanal verfügt über eine eigene Dreiband-Klangregelung mit Bässen, Mitten und Höhen sowie einen eigenen Lautstärkeregler, obligatorisch ist natürlich das Gain-Poti im Zerrkanal zu betrachten. Eine Erweiterung ist noch im Clean Channel zu finden, dort ist das Treble-Poti als Push-Pull-Variante ausgeführt und sorgt beim Anheben für einen Schub in den Höhen.
Beide Kanäle gemeinsam erhalten einen abschließenden Feinschliff im Sound durch das Presence-Poti, das im Signalfluss kurz vor der Endstufe platziert wurde. Dann gibt es noch drei Schalter zu erwähnen, die beiden Großen ganz links außen dienen für Power- und die Standby-Funktion, der Kleine ganz rechts wiederum dient zum Umschalten der Kanäle, falls der Fußschalter mal aus irgendwelchen Gründen nicht greifbar ist.
Falls die 6,4 kg des Verstärkers mal der Schwerkraft nachgeben sollten, was bei der robusten und sicher auf vier Gummifüßen stehenden Konstruktion eigentlich kaum vorstellbar ist, dann sind zwei Metallbügel links und rechts am Bedienpanel zur Stelle, um die grobsten Stöße abzufangen, falls der Sturz nach vorne geschieht.
Die 10 Potis und drei Schalter hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Sicherlich ist es für eine derart große Anzahl an Reglern etwas eng an auf dem Bedienpanel, aber die Komplettausstattung mit den zwei Kanälen erfordert nun mal ihren Platz. Trotzdem lassen sich die Regler gut greifen und die Schalter, ob groß oder klein rasten knackig und zuverlässig ein. Schüttelreim!
PRS Mark Tremonti Amp – ein Zwischenfazit
Gut verarbeitet und ebenso gut ausgestattet zeigt sich der PRS MT 15 Amp nach dem ersten genauen Check. Um ehrlich zu sein, hätte ich für diesen günstigen Preis eine solch gute Qualität nicht unbedingt erwartet: Zwei unabhängige Kanäle mit Dreiband-Klangregelung, ein Effektweg und eine Powersoak-Schaltung sind Dinge, die man sowohl im Schlafzimmer, aber auch genauso gut im Proberaum oder auf der Bühne gebrauchen kann und die selbst bei deutlich teureren Amps nicht immer selbstverständlich dazugehören. Mehr Schein als Sein? Hören wir rein!
Sound & Praxis
Ups, mit einem deutlichen Knall erwacht der Mark Tremonti Amp nach Umlegen des Standby-Schalters zum Leben, was auch den Besucher in der allerletzten Reihe aus dem Schlaf reißen dürfte. Die Entschädigung für diese Unart erfolgt aber sogleich, denn die schwarze Blechkiste hält sich bezüglich der Nebengeräusche ansonsten sehr zurück. Selbst bei hohen Verzerrungen, und davon kann der MT 15 mehr als genug bieten, halten sich die Nebengeräusche in mehr als tolerierbaren Grenzen.
Die gebotenen Zerrsounds sind dank der Dreiband-Klangregelung und dem Presence-Poti der Endstufe sehr variabel einstellbar und reichen von klassischen Hardrocksounds bis zum High-Gain-Metal der allerfeinsten Sorte! Und das stets mit ordentlich Punch aus der Box gepfeffert und mit einer Dynamik ausgerüstet, die typischer für einen Röhrenamp nicht sein könnte.
Hinsichtlich der Lautstärke und der Durchsetzungskraft des kleinen Tops, und da lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, dürfte man meiner Meinung nach den Mark Tremonti Amp mit einer 2 × 12″ oder 4 × 12″ Box bedenkenlos mit auf die Bühne schleppen. Selbst die reduzierte Endstufenleistung von 7 Watt dürfte für kleinere Gigs noch vollkommen ausreichen.
Nicht ganz so berauschend wirkt hingegen der Sound des unverzerrten Kanals. Nicht, dass er etwa schlecht klingen würde, ihm fehlt es meiner Meinung nach aber an Charakter und Tiefe. Ganz und gar nicht aber an Durchsetzungskraft und einem recht großen Headroom, der den Clean Channel fast bis zur vollen Lautstärke als solchen auch erkennbar macht.
Kommen wir zu den Klangbeispielen, denn Töne sagen mehr als 1000 Worte. Für die nun folgenden Sounds habe ich den Mark Tremonti Amp an eine 1 × 12″ V-30 Box angeschlossen, vor der Box wurde ein AKG C3000 Mikro platziert. Als Gitarre diente eine Jackson USA Superstrat und aufgenommen wurde in Logic Audio.
Beginnen wir ganz soft mit einem Beispiel aus dem Fundus des unverzerrten Kanals. Der EQ befindet sich in 12-Uhr-Position, der Trebleboost wurde nicht aktiviert. Bis auf das letzte Klangbeispiel befindet sich der Presence-Regler der Endstufe ebenfalls in 12-Uhr-Position. Wie bereits erwähnt – ein sicherlich durchsetzungsfähiger Cleansound erwartet uns, allerdings mit Schwächen in Form und Tiefe.
Wir schalten die Kanäle um und schon leuchtet es blutrot aus dem Innern des Amps. Los geht es mit einem Crunchsound, bei dem das Gain-Poti auf 9 Uhr eingestellt wurde. Der EQ befindet sich auch hier zunächst in Mittelstellung. Ein dynamischer und differenzierter Klang, bei dem auch vierstimmige Akkorde und Voicings deutlich erkennbar bleiben.
Nun zur absoluten Domäne des Mark Tremonti Amps – den Highgain-Sounds! In Klangbeispiel 3 eine Handvoll zügig gespielter Licks mit gut Dreiviertel der möglichen Zerrung des Overdrive-Channels. Bässe und Höhen befinden sich in 12-Uhr-Position, die Mitten habe ich auf 9 Uhr abgesenkt.
Der Mittenregler wandert jetzt zurück in die Mittelstellung, dafür wird der Höhenregler auf 3 Uhr angehoben. Schon erhält der Sound ein ganz anderes Gesicht.
Abschließend ein weiteres Beispiel für die vielseitigen Zerrsounds des kleinen Amps. Diesmal mit allen Reglern des EQs in Mittelstellung und voll angehobenem Presence-Regler der Endstufe.

































