Test: PRS SE AX20E, Akustikgitarre

1. Mai 2018

PRS-Akustik zum fairen Preis

Die elektrischen Gitarren der Firma Paul Reed Smith dürften sicher jedem unserer Leser bekannt sein. Das, was dort in Stevensville/Maryland die Hallen verlässt, ist in puncto Verarbeitungsqualität, Bespielbarkeit, Optik und vor allem Klang kaum zu toppen. Einen Haken hat die Sache nur – und das ist der Preis, den man für solch ein Instrument aus US-Fertigung zahlt. Nicht, dass die Klampfen es etwa nicht wert wären, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei nahezu allen PRS-Gitarren stets mehr als ausgeglichen. Trotzdem wurde der Ruf nach erschwinglicheren Modellen immer lauter, worauf hin PRS-Guitars einen Teil seiner Produktion nach Asien verlegte und von dort aus recht erfolgreich die SE-Serie startete. Unter den vielen elektrischen Kopien des US-Sortiments existiert auch die beliebte Akustikbaureihe SE Angelus, von der wir uns die PRS SE AX20E mal für einen Test haben zukommen lassen.

PRS SE AX20E front

PRS SE AX20E – Facts & Features

Trotz des relativ günstigen Preises für eine solch gut ausgestattete Akustikgitarre wird die AX20E sogar noch in einem Koffer ausgeliefert. Gut ausgestattet deshalb, da die Gitarre neben einem Cutaway zusätzlich auch ein Fishman GT1 Piezosystem besitzt, die beiden Potis für Lautstärke und Tonblende liegen gut versteckt und für den Betrachter unsichtbar am inneren Rande des Schalllochs. Eine meiner Meinung nach weitaus bessere Lösung, als das Einsetzen eines Preamps samt Bedienpanel in den oberen Zargen, der dadurch ja nur unnötig geschwächt würde. Einen kleinen Einschnitt muss die Zarge dann aber doch verkraften, denn irgendwo muss ja auch schließlich die Batterie hin. Der Zugang zum 9-Volt-Block sitzt zusammen mit der Klinkenbuchse dort, wo man ihn auch in aller Regel bei einer E-Gitarre vorfindet, nämlich ganz unten rechts.

Massive Hölzer rund herum

Massive Hölzer sorgen für die Entstehung des Tons der Gitarre, dazu wurde eine Decke aus Sitkafichte verwendet, der Boden und die beiden Zargen bestehen aus Mahagoni. Bewährte Komponenten des Instrumentenbaus also, auch wenn die Decke unseres Testinstruments an ein paar Stellen einen milchig-weißen Schleier trägt. Das trübt das Bild einer ansonsten optisch nach wie vor sehr schönen akustischen Gitarre aber nur marginal, zudem kann das bei dem nächsten Modell der Baureihe schon wieder ganz anders sein. Der obligatorische Blick durch das Schallloch hinein in das Innere des Korpus zeigt eine einwandfreie Verarbeitung der Verstrebungen, zumindest so weit das Auge reicht.

Das Mahagoni von Boden und Zargen ist makellos ausgefallen und schimmert mit seiner kräftig braunroten Farbe unter der Lackierung, die genau so tadellos aufgetragen wurde. Durch das weite Cutaway könnte man theoretisch auch ein Tänzchen jenseits des 15. Bundes wagen, allerdings macht das Werkssetting unseres Testinstruments hier einen Strich durch die Rechnung, denn bei einem Saitenabstand von rund 5 mm am 12. Bund hört der Spaß beim Solieren dann doch schnell auf bzw. will gar nicht erst so richtig an Fahrt gewinnen. Für einen Fachmann ist das schnelle Einstellen einer optimalen Saitenlage aber hier sicher kein Problem, denn der Hals und die 20 sauber eingesetzten und abgerichteten Bundstäbchen bieten durch ihre gute Verarbeitung dafür allerbeste Voraussetzungen.

Der Hals PRS SE AX20E

PRS SE AX20E neck

Was ist das typische Markenzeichen für eine Gitarre aus dem Hause Paul Reed Smith? Na klar, die Vögel natürlich! Auch die PRS SE AX20E muss auf diese luxuriösen Positionsmarker nicht verzichten und so wurden die Flattermänner an den allseits bekannten Positionen auf einem Griffbrett aus Ebenholz eingesetzt. Das Profil des Mahagonihalses ist für eine Westerngitarre relativ flach ausgefallen und kommt dem einer elektrischen Gitarre schon näher, den Anfänger und/oder den verwöhnten E-Gitarristen wird’s freuen! Angefangen vom Ebenholzsteg mit seiner Knocheneinlage bis zum ebenfalls aus Knochen bestehenden Sattel misst die AX20E eine Mensur von 648 mm und reiht sich damit in das Standardmaß der PRS-Gitarren mit ein.

Die „Hardware“ der PRS SE AX20E

Bleibt bei der Begutachtung der AX20E nur noch die Hardware übrig. Nun, allzu viel Metall gibt es ja an einer akustischen Gitarre traditionell schon nicht, aber die wenig vorhandene in Form der sechs Mechaniken verrichtet ihren Job recht gut. Die Stimmer laufen ohne Spiel und mit einem gesunden Drehwiderstand auf ihren Achsen, zudem hielten sie das Instrument während der Testdauer bestens in Stimmung. Gegenüber den Vorgängermodellen verzichtet die neue SE Angelus übrigens auf den „Angelus“ Schriftzug auf ihrer Kopfplatte, hier wird ab sofort lediglich die Unterschrift von Paul Reed Smith und die Bezeichnung SE auflackiert.

Das i-Tüpfelchen in puncto Hardware setzt der Gurtendknopf am Halsfuß – hier bleibt einem also ein weiterer Aufwand erspart, möchte man die AX20E auch mal im Stehen benutzen, ohne dabei die Mechanik der tiefen E-Saite zu ruinieren … Selbstverständlich findet sich am unteren Ende des Korpus ein zweiter Befestigungspunkt für den Gurt.

PRS SE AX20E headstock

PRS SE AX20E – ein Zwischenfazit

Das kann kurz und knapp ausfallen: alles im grünen Bereich! Na ja, fast zumindest, denn die extrem hohe Saitenlage unseres Testinstruments wirkt nicht gerade einladend. Alles andere aber darf den Namen Paul Reed Smith zu Recht tragen, die Auswahl der Hölzer und die Verarbeitung insgesamt stimmt für ein Instrument dieser Preisklasse allemal. Dazu kommt die Ausstattung mit dem Fishman GT1 Preamp, um die PRS SE AX20E auch mal elektrisch abnehmen zu können. Und das machen wir jetzt im Praxisteil ab der nächsten Seite.

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