Direkter Sound ohne viel Schnickschnack
Der Quilter Direct Amp verspricht den Sound dreier klassischer Amps in einem kompakten, robusten Preamp-Pedal für das Pedalboard. Mit analoger Transistortechnik, Boxensimulation, Effekten und Stereoausgang richtet sich das Gerät vor allem an Gitarristen, die direkt ins Pult oder Interface spielen möchten – ganz ohne Röhren, aber mit Charakter. Wir haben das Pedal im Studio und im Bandkontext getestet. Hier ist unser erster Eindruck!
- 3 Amp-Voicings: JMP, AC15 und FEND liefern klassische Clean- und Crunchsounds im analogen Stil.
- Stereo & Effekte: Inklusive Reverb, Boost, Limiter und wählbaren Cab-Sims – auch per Bluetooth nutzbar.
- Für Direct-Spieler: Ideal für Interface oder PA – ohne Amp, aber mit Charakter.
- Einschränkungen: Kein Preset-Speicher, Voicing-Wechsel nur per Hand, Highgain klingt etwas steril.
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Inhaltsverzeichnis
Quilter Direct Amp – Ein erster Eindruck
In meinem heutigen Test nehme ich den Quilter Direct Amp einmal genau unter die Lupe. Das Transistor‑Preamp‑Pedal verspricht den Sound von drei klassischen Röhrenverstärkern in einem kompakten Format zur Nutzung auf dem Pedalboard. Ich befreie das Pedal also von seiner Verpackung und los geht’s.
Das Pedal hat in etwa die Abmessungen der etwas größeren Delay‑Pedale, wie man sie von Herstellern wie Strymon & Co. kennt und ist damit recht handlich, wenn man den Funktionsumfang und die analoge Bauweise bedenkt. Das Gehäuse aus Aluminium verleiht dem Pedal außerdem eine wertige Haptik und lässt keinen Zweifel daran, dass der Direct Amp auch im rauen Touralltag bestehen kann.
Auch den Wackeltest besteht das Pedal mit Bravour. Alle Kippschalter und Buchsen sitzen bombenfest und auch die Potis laufen absolut rund. Die vier Fußschalter machen ebenfalls das, was sie sollen, da allerdings keine Silent-Switches verbaut sind, ist beim Drücken im ausgeschalteten Zustand das typische Knacksen zu hören.
Insgesamt gefällt mir die Verarbeitung des Pedals sehr gut und auch das Layout ist übersichtlich gestaltet, sodass ich mich direkt gut zurechtfinde. Im Lieferumfang sind neben dem Direct Amp noch eine Anleitung und das Netzteil inkl. verschiedener Aufsätze für Steckdosen anderer Länder enthalten.
Die wichtigsten Features
Das Herzstück des Preamps bilden drei klassische Verstärkertypen, die ein recht breites Soundspektrum abdecken sollen. An Bord sind:
- „JMP“ – ein Marshall‑Style‑Amp, der Crunch‑ und Rock‑Sounds liefern soll.
- „AC15“ – dem Namen nach ebenfalls ein britischer Amp mit dem kristallklaren Chime.
- „FEND“ – der amerikanische Combo, der Wärme und den typischen Edge‑of‑Breakup‑Sound erwarten lässt.
Außerdem bietet der Quilter Direct Amp drei verschiedene Speaker-Cabinets: Mit dem CL80 und V30 sind zwei Celestion‑ sowie ein Jensen‑Speaker vertreten. Für alle, die externe Impulse-Responses bevorzugen, lässt sich die Cabinet‑Sektion aber auch ausschalten.
Komplettiert wird das Paket durch eine kleine Effektsektion, die einen Booster, einen Limiter und Reverb zur Verfeinerung der Sounds bereitstellt. Für den Boost stehen die EQ‑Settings BRT (= Bright), FAT und FLAT zur Verfügung.
Die Specs im Überblick
- 1 Kanal Transistor Preamp für E-Gitarre
- Stereo-Verstärkersimulator mit 3 Voicings (JMP, AC15, FEND), Cab-Sim und Bluetooth-Funktionen
- Regler: Master, Reverb, Treble, Mid, Bass, Limiter, Gain, Boost, Output
- Schalter: On/Off, Mono/Stereo, Cab Type, SPKR Type, Amp Type, Q-Boost
- Effekte: Reverb
- serieller Effekt-Einschleifweg
- Eingang: 6,3 mm Klinke
- FX Send: 6,3 mm Klinke
- FX Return L R: 2x 6,3 mm Klinke
- Kopfhörer: 6,3 mm Stereoklinke
- L/R-Ausgang: 2x XLR
- Netzadapteranschluss: Hohlsteckerbuchse 5,5 x 2,1 mm, Minuspol innen
- Stromaufnahme: 250 mA
- Stromversorgung mit einem 9 V DC Netzadapter (im Lieferumfang enthalten)
- Abmessungen (B x T x H): 210 x 127 x 51 mm
- Gewicht: 0,9 kg
Praxistest
Für den Praxistest verbinde ich den Preamp in Stereo mit meinem Interface, um den Anwendungsfall mit Gitarre bzw. Pedalboard vom Pedal direkt in die PA zu simulieren.
Der Direct Amp setzt auf eine simple Bedienung, die ausschließlich am Pedal selbst erfolgt und verzichtet komplett auf App‑Steuerung und sonstigen Schnickschnack. Hier gilt also: What you see is what you get. Die Bedienung ist wirklich intuitiv und durch die Kippschalter zur Auswahl der Amp‑, Cabinet‑ und Boost‑Typen lassen sich die verfügbaren Sounds schnell und direkt miteinander vergleichen.
Die Effekte Reverb, Boost und Limiter sowie der FX-Loop lassen sich zudem per Fußschalter ein‑ und ausschalten. Einen Punktabzug gibt es allerdings für die fehlende Möglichkeit, Presets zu speichern oder die Verstärker‑ und Boxensimulation per Fuß umzuschalten. Wer diese Elemente wechseln möchte, muss die kleinen Kippschalter verwenden – mit dem Fuß nahezu unmöglich.
Als nächstes verbinde ich mein Smartphone mit dem Quilter Direct Amp, um zu einem Backingtrack zu spielen. Hier läuft alles völlig problemlos und die Verbindung funktioniert schnell und unkompliziert. Bei Clean‑ und Crunch‑Sounds macht das Pedal eine recht gute Figur, mit höherem Gain ist mir der Sound allerdings zu kratzig und wirkt ein wenig steril. Für alle High‑Gain‑Liebhaber empfiehlt es sich daher, die Verzerrung lieber durch zusätzliche Pedale als über den Transistor‑Preamp zu erreichen.
Quilter Direct Amp Soundbeispiele
Im letzten Teil des Testberichtes hören wir uns die Sounds des Quilter Direct Amps einmal im Detail an. Den Anfang macht hier das JMP Amp‑Setting, zunächst ohne und anschließend mit Boost.
Der leicht gesättigte Cleansound liefert eine recht gute Definition und in Verbindung mit dem Jensen Cabinet im closed Setting einen direkten Sound mit schneller Ansprache, auch in den tiefen Frequenzen. Der integrierte Reverb sorgt außerdem für einen räumlichen Touch.
Mit dem Boost im BRT‑Setting und dem CL80 Cabinet – dieses Mal in der Open‑Konfiguration – lässt sich der Sound schön über die Grenze zur Verzerrung hin anschieben. Die Definition bleibt dabei gut erhalten, sodass sich der neue Sound gut für rockige Rhythmus‑Parts eignet. Das Open-Cabinet liefert hier einen etwas luftigeren Sound mit mehr Raum als die Closed-Back-Variante.
Als nächstes steht der AC15 Amp mit einem Clean‑Sound auf meinem Programm. Der Clean‑Sound klingt recht gut, hier muss man meiner Meinung nach allerdings mit dem Treble‑Regler und dem Gain aufpassen, da die Höhen sonst schnell zu klingeln beginnen. Mit entsprechender EQ‑Einstellung kann sich der Clean‑Sound aber definitiv sehen lassen.
Mit dem Boost in der FAT‑Einstellung und leicht abgesenktem Amp‑EQ liefert die AC15‑Einstellung im Quilter Direct Amp einen schön knackigen Sound, der außerdem recht gut auf meine Anschlagsdynamik reagiert und sich vor allem im Bandsound durchzusetzen weiß.
Als letztes hören wir uns den FEND Amp einmal genau an – wieder zunächst clean und anschließend mit Boost sowie mit Jensen und CL80 Cabinet im Vergleich. Der Cleansound des Amps mit seinem warmen Charakter ist ziemlich gut getroffen und eignet sich gut zum Comping. Bei Gitarren mit hohem Output sollte man allerdings das Volume an der Gitarre etwas zurückdrehen, wenn man einen wirklich cleanen Sound ohne Grit bekommen möchte. Für mich als Fan einer leichten Textur macht das aber besonders Spaß.
Mit dem Boost in der FLAT‑Einstellung, also ohne zusätzliches EQ‑Shaping, lässt sich die typische, etwas dreckige Sättigung der amerikanischen Amps noch etwas hervorheben. Der Sound bleibt dabei fett und ausgewogen und zeichnet sich durch etwas mehr Wärme in den hohen Frequenzen und einen knurrigeren Bassbereich aus. Besonders für Blues‑Fans ist dieses Setting wirklich gut geeignet.
Alle Klangbeispiele wurden in folgender Signalkette angefertigt:
IBANEZ TQM1‑NT → Quilter Direct Amp (Stereo) → Universal Audio Apollo Twin X Interface → Logic X Pro
Es kamen keine EQs, Kompressoren und andere Plug-ins zum Einsatz.


































Komische Entscheidung, einen Limiter per Fußschalter schaltbar zu machen, aber keinen 2. Kanal. Vllt. geht’s nicht anders, aber ein 2. Kanal würde das Teil sicherlich enorm aufwerten.
@dr noetigenfallz Da stimme ich absolut zu. Wann braucht man den nen schaltbaren Limiter? 🤔 Kann mir gerade keine Live-Situation dafür vorstellen. Dann lieber weglassen, damit man ihn nicht versehentlich aktiviert/deaktiviert.
@dr noetigenfallz Was limitet der Limiter denn genau? Also an welcher Stelle im Signalweg?
@HG Ohne Limiter würde der bei hohem Gain sofort in eine rauhe oder harte Zerrung gehen. Der Limiter nutzt die Möglichkeit, einen knackigen Sustain ohne eine harte Verzerrung zu erzeugen. Limitiert nur bei hohen Pegeln, bei leisen macht er nichts. Also er macht sozusagen eine smoothere Verzerrung bei höheren Pegeln.
@Filterpad Merci!
Überzeugt mich gar nicht und ist obendrein unfassbar häßlich.
Ich habe mir beim BlackFriday für 70€ einen H&K Stompman gekauft.
Ok, einkanalig, aber mit Pedalen super. Ich bin richtig begeistert von dem Gerät.
Für direct Recording wäre der AmpMan mit 150€ eine vollanaloge Alternative zum Quilter, und da war jemand am Werk, der Produktdesign draufhat…