Quilter goes Digital
Mit dem Elevate wagt Quilter den Schritt in die digitale Welt und präsentiert einen kompakten Multi-Effekt-Floorprozessor, der analoge Direktheit mit moderner DSP-Technik verbindet.
- Konzept: Kompakte Sound-Zentrale mit fest definierter Signalführung statt frei konfigurierbarem Multi-FX.
- Technik: DSP-Algorithmen von Neunaber Audio für Modulation, Delay und Reverb.
- Bedienung: Touch-basierte Effektblöcke, Display und vier Fußschalter für Presets und Funktionen.
- Praxis: Organische, dynamische Sounds mit guter Eignung für Recording, Proberaum und Bühne.
Inhaltsverzeichnis
Quilter Elevate Multieffekt
Quilter ist vielen Gitarristen ein Begriff als Hersteller robuster Gitarrenverstärker, die vor allem in der analogen Welt hohe Anerkennung genießen. In der Pedalwelt hat der Hersteller in den letzten Jahren ebenfalls für Aufsehen gesorgt: Mehrere Quilter-Effekte sind uns schon im Test hier auf AMAZONA begegnet und haben dort mit gutem Klang, einfacher Bedienung und solider Verarbeitung überzeugt – stets ohne digitale Spielereien, dafür mit direktem, organischem Charakter.
Mit dem Elevate schlägt Quilter nun einen anderen Kurs ein: Statt rein analoger Effekte steckt hier ein umfassender digitaler Multi-Effekt-Floorprozessor für E-Gitarre in einem Pedal-Format. Dieser nutzt moderne digitale Technik, um eine große Bandbreite an Sounds, Modulationen und Verstärker-Charakteren bereitzustellen und richtet sich damit an Spieler, die mehr als nur ein Multi-Tool wollen – nämlich ein zentrales Klangwerkzeug für Üben, Recording, Proberaum und Bühne. Ob und wie diese Transformation von der analogen in die digitale Welt gelungen ist, werden wir im folgenden Artikel erfahren.
Facts & Features
Auf den ersten Blick fällt auf, dass der Quilter Elevate vollständig auf klassische Potis verzichtet und stattdessen mit einem touchbasierten Bedienfeld arbeitet. Die einzelnen Sektionen sind klar beschriftet und als berührungssensitive Felder ausgeführt: Comp, Pre EQ, Gain, Post EQ und Gate bilden den Kern der Dynamik- und Zerrstruktur, darüber hinaus stehen Modulation, Echo, Reverb, Cab sowie Level/EXP für Lautstärke- und Expression-Zuweisungen zur Verfügung. Durch Antippen einer Sektion wird der jeweilige Parameter aktiviert, die eigentliche Werteinstellung erfolgt anschließend über den rechts oben platzierten Drehregler, während das Display den aktuellen Parameter und dessen Wert numerisch anzeigt.
Das Konzept erinnert eher an ein kompaktes Multi-FX als an ein klassisches Einzelpedal, bleibt dabei aber übersichtlich genug, um ohne tiefes Abtauchen in Menüs arbeiten zu können. Im unteren Bereich stehen vier Fußschalter zur Verfügung, die je nach Betriebsart unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Typisch sind Preset-Aufruf, Bank-Wechsel, Bypass einzelner Sektionen oder das Aktivieren spezieller Funktionen. Welche Aufgabe welcher Schalter hat, wird im Display eindeutig angezeigt, was die Orientierung erleichtert.
Die Touch-Sektionen im oberen Bereich sind den Effektblöcken zugeordnet und erlauben das Anpassen mehrerer Parameter pro Preset ohne zusätzliche Regler oder Taster. Ein integrierter Tuner ist ebenfalls vorhanden und wird über eine Kombination der Fußschalter aufgerufen, wobei diese Funktion zugleich für Tap-Tempo genutzt wird, um Modulationsgeschwindigkeiten und Delay-Zeiten schnell einzugeben. Die Schalter selbst sind groß genug dimensioniert und sauber voneinander getrennt, sodass Fehltritte auch auf dunklen Bühnen kein Thema sind.
Anschlüsse an der Stirnseite
An der Stirnseite zeigt sich der Elevate deutlich praxisorientierter, als das futuristische Bedienfeld zunächst vermuten lässt. Hier finden sich Instrumenten-Ein- und -Ausgang, die Stereo-Ausgänge (XLR symmetrisch und Klinke unsymmetrisch), Aux-Out, Kopfhöreranschluss, ein Expression-Pedal-Anschluss, MIDI-In/Out sowie USB für Preset-Verwaltung und Firmware-Updates. Damit lässt sich der Elevate sowohl als Standalone-Pedal vor einem Amp als auch als zentrales Steuergerät in komplexeren Setups einsetzen. Die Integration in MIDI-basierte Rigs ist ebenso möglich wie der Betrieb mit Expression-Pedal für Volume- oder Effektsteuerung.
Das Gehäuse selbst besteht aus massivem Metall, wirkt verwindungssteif und roadtauglich, bei gleichzeitig moderaten Abmessungen für ein Gerät dieser Funktionsdichte. Mit seinem flachen Profil passt der Elevate problemlos auf gängige Pedalboards, auch wenn er aufgrund des Displays und der Touch-Oberfläche optisch eher nach kompaktem Floor-Processor als nach klassischem Stompbox-Pedal aussieht. Verarbeitung und Druckpunkte der Fußschalter machen einen hochwertigen Eindruck, die Touch-Flächen reagieren zuverlässig und ohne merkliche Verzögerung schon bei der kleinsten Berührung.
Presets, Speicher und Struktur
Der Quilter Elevate arbeitet mit einer festen Preset-Struktur und bietet mehrere interne Speicherplätze, die über die beiden Fußschalter direkt angewählt werden können. Je nach Betriebsart lassen sich Presets entweder sequenziell durchschalten oder gezielt über MIDI abrufen. Änderungen an einem Preset können direkt gespeichert werden, ein gesonderter Edit- oder Store-Modus ist nicht notwendig. Das Display zeigt dabei stets den aktuellen Preset-Namen sowie die aktiven Effektblöcke und deren Parameterwerte an, was die Orientierung auch auf dunkleren Bühnen erleichtert.
Signaltechnisch ist der Elevate modular aufgebaut: Dynamiksektion (Compressor und Gate), Pre-EQ und Gain-Stufe, gefolgt von Post-EQ, Modulation, Delay, Reverb und optionaler Cabinet-Simulation. Die Reihenfolge der Hauptblöcke ist fest vorgegeben, einzelne Sektionen lassen sich jedoch pro Preset aktivieren oder deaktivieren. Damit ist das Gerät weniger als frei konfigurierbares Multi-FX gedacht, sondern eher als kompakte Komplettlösung mit klar definierter Signalführung, was die Bedienung vereinfacht, aber experimentelle Routings ausschließt.
Neunaber-Technologie im Elevate
Ein zentraler Bestandteil des Elevate ist die DSP-Plattform von Neunaber Audio, die für die Effektalgorithmen verantwortlich ist. Neunaber ist vor allem für Reverb- und Delay-Pedale wie „Immerse“ oder „Expanse“ bekannt, deren Algorithmen hier in angepasster Form zum Einsatz kommen. Quilter selbst steuert die Vorstufen-, Gain- und EQ-Sektionen bei, während Modulation, Echo und Hall auf Neunaber-Algorithmen basieren. Das erklärt auch den eher studioorientierten Charakter der Zeit- und Raumeffekte, die weniger auf extreme Spezialeffekte, sondern auf klassische Klangformen ausgelegt sind.
Die Zusammenarbeit zeigt sich auch in der Preset-Architektur: Viele Presets kombinieren mehrere Effektblöcke mit abgestimmten Dynamik- und EQ-Einstellungen, sodass nicht nur einzelne Effekte, sondern komplette Signalbilder gespeichert werden. Firmware-Updates können über USB eingespielt werden, wodurch sowohl Bugfixes als auch Anpassungen an den Algorithmen möglich sind.
Editor, Preset-Packs & PC/Mac-Anbindung
Für die Preset-Verwaltung und tiefere Bearbeitung bietet Quilter für den Elevate einen browserbasierten Editor an. Über den USB-C-Anschluss lässt sich der Elevate direkt mit einem Mac oder PC verbinden. Das Gerät erscheint dann als USB-Audio- und Steuerungs-Interface, im Browser können Presets in Echtzeit bearbeitet, importiert oder exportiert, Listen angelegt und Backups verwaltet werden. Die Synchronisation zwischen Pedal und Web-App erfolgt live, sodass Änderungen am Rechner sofort am Elevate übernommen werden.
Quilter liefert den Elevate mit einer umfangreichen Bibliothek von 100 werksseitigen Presets und Platz für weitere 400 eigene Speicherplätze, die in bis zu 50 Listen organisiert werden können. Zusätzlich gibt es Preset-Packs, die thematisch oder klanglich voreingestellte Sounds bieten, etwa ein „Acoustic Preset Pack“ für akustische Klänge, ein „Bass Preset Pack“ oder Collections wie „Pat Quilter’s Ultimate Tone Library“ und „Drew’s Producer Preset Pack“, die verschiedene, teils genrebezogene Presets enthalten. Diese Packs lassen sich über die Web-App importieren und erweitern so die ab Werk vorhandene Auswahl.
Die Verbindung zum Rechner erfolgt über das im Lieferumfang enthaltene USB-A-zu-USB-C-Kabel, der Elevate kann so nicht nur für Preset-Editing, sondern auch als 24 Bit Audiointerface genutzt werden.
Der Quilter Elevate in der Praxis
Im Praxis-Check hinterlässt der Quilter Elevate einen durchweg positiven Eindruck. Die Sounds wirken organisch, reagieren dynamisch auf Anschlagsstärke und Volume-Regler der Gitarre und behalten dabei stets eine gewisse „ampartige“ Direktheit, die man bei rein digitalen Lösungen nicht immer voraussetzen kann. Gerade bei Crunch- und Classic-Rock-Presets lassen sich Nuancen gut über die Spielweise steuern, ohne dass der Klang sofort komprimiert oder künstlich wirkt. Auch höher verzerrte Sounds bleiben definiert und lassen sich im Bandkontext gut platzieren, ohne dass Mitten oder Höhen unangenehm hervorstechen.
Sehr gelungen ist zudem die Bedienbarkeit – trotz der vielen Funktionen bleibt das Gerät übersichtlich, grundlegende Anpassungen lassen sich schnell erledigen, ohne dass man sich durch Menüs klicken muss. Die Touch-Sektionen reagieren zuverlässig und machen es leicht, einzelne Klangparameter gezielt zu verändern, während die vier Fußschalter ein praxisnahes Umschalten zwischen Presets und Funktionen ermöglichen. Für Live-Situationen ebenso wie für das Arbeiten im Studio ergibt sich dadurch ein Workflow, der eher an ein kompaktes Multi-FX erinnert, aber deutlich direkter zugänglich ist.
Ein charmantes Detail sind die Preset-Namen, die sich wie eine kleine Hitliste der Rockgeschichte lesen: von „Whole Lotta Love“ über „Enter Sandman“ bis zu Anspielungen auf Songs von Guns N’ Roses, Queensrÿche, Black Sabbath, Van Halen oder Dire Straits. Diese Presets sind nicht als exakte Kopien zu verstehen, liefern aber sehr brauchbare Ausgangspunkte für typische Stilrichtungen und Klangästhetiken. Für die Klangbeispiele habe ich genau diese Presets als Grundlage genutzt, da sie schnell zeigen, in welche Richtung die jeweiligen Sounds zielen und wie flexibel sich der Elevate auf unterschiedliche Spielweisen einstellen lässt.
Insgesamt vermittelt der Quilter Elevate weniger das Gefühl eines klassischen Effektpedals, sondern eher das einer kompakten, gut sortierten Sound-Zentrale. Wer bereit ist, sich kurz mit dem Preset-Konzept auseinanderzusetzen, wird mit einem breiten, musikalisch nutzbaren Klangspektrum belohnt, das sowohl für direktes Recording als auch für den Einsatz vor Endstufen oder mit Full-Range-Boxen problemlos funktioniert.
Klangbeispiele
Für die Klangbeispiele habe ich den Quilter Elevate direkt an mein UAD-Interface angeschlossen. Zu hören ist ein Teil der vorhandenen Werks-Presets, zum Teil leicht modifiziert.
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Der Eingang ist aber leider nur in Mono ausgeführt oder? Also leider nichts für Stereosignale von zB Keyboards oder Synthesizern, schade. Grade bei Effekten sollten doch alle Instrumente im Sinn gehabt werden.
@ollo Das stimmt – leider … aber das Elevate ist ja auch primär für Gitarre gemacht/gedacht.