Ein Mini-Amp für Rock-Bassisten
Der Quilter Interbass 45 ist ein kleiner Bass-Amp mit ordentlich Power, durchdachten Features und einer übersichtlichen Bedienung. Klanglich bewegt sich das Pedal, das Preamp und Verstärker zugleich ist, eher im härteren Segment und dürfte somit vor allem bei Rockbassisten Anklang finden.
- Durchdachtes Design: Übersichtliche Bedienung, logischer Aufbau und praxisnahe Features.
- Solider Grundsound: Klarer, leicht aggressiver Klang mit Fokus auf Rock und Direktheit.
- EQ mit Charakter: Aktive Klangregelung ermöglicht gezielte Eingriffe, verlangt aber Fingerspitzengefühl.
- Begrenzte Leistung: Für Proben mit 4-Ohm-Last geeignet, aber Einschränkungen bei Lautstärke und Line-Out-Nutzung.
Inhaltsverzeichnis
Quilter Interbass 45 – die Specs
Aufbau und Bedienung
Wer meine regelmäßigen Eskapaden im Bereich Gear etwas mitverfolgt, weiß, dass ich ein echter Fan von Preamps im Pedalboard-Format bin. Ich hatte schon sehr viele in den Händen, manche hatten es sogar in mein Setup geschafft, wie der großartige API Audio TranZformer LLX. Entsprechend begeistert war ich, als ich feststellte, welch gute Gedanken sich die Entwickler des Quilter Interbass 45 beim Design gemacht hatten. Selten hatte ich einen so funktionalen und sich quasi selbsterklärenden (Pre-) Amp in der Hand. Alle Regler und Beschriftungen sind übersichtlich und klar strukturiert, sodass auch im hektischen Bühnenalltag absolut nichts schiefgehen kann. Einfach klasse!
Fangen wir auf der rechten Seite des Quilter Interbass 45 an, wo wir die Stromversorgung sowie den Input für den Bass finden. Die 24-V-DC-Spannung ist zwar nicht so häufig anzutreffen wie klassische 9 V, dank des mitgelieferten Netzteils hat man diesbezüglich aber keinerlei Startschwierigkeiten. Auch die Anordnung neben dem 6,3-mm-Klinkeneingang ist in meinen Augen sehr vernünftig, denn dort muss ohnehin auf einem Board ausreichend Platz eingeplant werden, daher wird der Netzstecker nie stören.
Dank der gut lesbaren Pfeile kann man quasi optisch das Bass-Signal durch den Preamp verfolgen. Entsprechend ist das erste Poti direkt neben dem Input auch für den Gain zuständig. Schade, dass auf eine LED verzichtet wurde, um ein Clipping anzuzeigen. Auch wenn es aus klanglichen Gründen durchaus sinnvoll sein kann, den Preamp nicht voll auszulasten, halte ich es für praktischer, dies im Blick zu haben. Nicht immer kann man alles mit den Ohren steuern!
Die nächsten drei Potis sind für den EQ zuständig und hören auf die Namen Snap, Woof und Depth. Lautmalerisch ergeben diese Ausdrücke durchaus Sinn, noch besser sind jedoch die Angaben der Frequenzen direkt unter dem Regler: 100 Hz für die Bässe, 300 Hz für die tiefen Mitten und 1 kHz. Diese erscheinen auf dem Papier gut gewählt zu sein. Als nächstes findet sich ein Schalter, um die Eingangsempfindlichkeit des Preamps zu regeln, sodass man bei aktiven Bässen mit hohem Output nicht sofort in eine Verzerrung kommt. Von da aus geht es weiter zum Effektweg, einem klassischen Send/Return mit seinen Ein- und Ausgängen an der Oberseite.
Am Ende der Signalkette stehen das Master-Volume und ein Cab-Simulator, mit dem man den Klang einer modernen Fullrange- oder einer älteren Vintage-Box simulieren kann. Hier verzweigt sich das Signal dann auf zwei Ausgänge: einen symmetrischen Line-Ausgang für die PA oder Kopfhörer und einen Ausgang für eine Box. Leider wurde aus mir unerklärlichen Gründen auf einen XLR-Ausgang verzichtet – ein echtes Manko, denn diese sind heutzutage eigentlich Standard.
Die Sounds am Pult
Um den Grundsound des Quilter Interbass 45 kennenzulernen, habe ich erst einmal zwei Beispiele mit neutralem EQ eingespielt. Einen großen Einfluss auf den Sound am symmetrischen Ausgang hat die Cab-Sim, die einmal als Fullrange das gesamte Signal wiedergibt und einmal im Vintage-Modus eine alte Box simulieren soll. Entsprechend gibt es das Lick in zwei Varianten zu hören.
Grundsätzlich bringt der Quilter Interbass 45 einen soliden und leicht aggressiven Cleansound mit, den ich eher im rockigen Kontext einordnen würde. Das Zusammenspiel zwischen Gain und Master lässt hier einen gewissen Spielraum, den Sound zu formen. Nimmt man den Vorverstärker aber zu weit zurück, fängt es an zu rauschen, weil der Master zu weit hochgeregelt werden muss. Im Vintage-Modus sind die Höhen gedämpft, das Signal klingt muffiger und erinnert wirklich an eine ältere Box ohne Horn.
Für den Jazzbass mit Rounds, mit dem ich diese Beispiele eingespielt habe, passt das jetzt nicht so gut. Ein Preci mit Flats sollte in dieser Variante aber gut zur Geltung kommen. Insgesamt klingen die Signale sauber und ordentlich. Der Quilter Interbass liegt irgendwo zwischen einem neutralen und gleichzeitig eigenen Klang, was ich soweit erst einmal in Ordnung finde.
Hören wir nun mal in den EQ rein. Die meisten Klangregelungen an Gitarren- und Bass-Amps arbeiten passiv, sodass sich die Regler gegenseitig beeinflussen. Beim Quilter Interbass 45 wurde aber wohl eine aktive Variante gewählt, wie man sie z. B. auch von einem Mischpult kennt. Man kann daher recht stark in den Klang eingreifen. Ich habe das Riff über jeden Regler einmal in verschiedenen Einstellungen gespielt – von neutral bis zum vollen Boost.
Diese Art der Klangregelung ist am Anfang erst einmal ungewöhnlich, bringt aber viele Vorteile mit sich, da man sehr gezielt in den Sound eingreifen kann. Allerdings sollte man beim Drehen vorsichtig sein, denn schnell hat man hier zu viel gegeben. Das Depth-Poti mit seinen 100 Hz ist in meinen Augen ganz gut gewählt, auch wenn er etwas mehr „Boom“ im Ton mitbringt, als man von der Frequenz erwarten würde. Insgesamt bleibt das Signal aber sauber und klar – ein Pluspunkt.
Der Woof bei 300 Hz wiederum gefällt mir nicht so gut. Er färbt das Signal unangenehm dick und muss mit Bedacht bedient werden. Hier fehlt mir auch einfach ein Gegenstück bei ca. 800 Hz, um die tiefen Mitten auszugleichen. Der Snap wiederum tut, was er soll, und ist mit 1 kHz gut gewählt. Natürlich bekommt man hier keine seidigen und perlenden Höhen, wie man sie z. B. von Aguilar kennt. Bei zu viel Einsatz des Snap treten aber leider auch Nebengeräusche in den Vordergrund. Man sollte also vorsichtig sein.
Zum Abschluss zwei Beispiele aus der Praxis. Der erste Groove ist eine klassische Pop-Basslinie, wie man sie in unzähligen Songs hören kann. Als Modus nutze ich den Fullrange. Mein passiver Jazzbass braucht einen Gain bei ca. 12 Uhr, der EQ steht relativ ausgeglichen wie folgt: Depth bei 11 Uhr, Woof bei 9 Uhr und Snap bei 12 Uhr. Heraus kommt ein druckvoller und ausgewogener Sound, der aber seine rockige Tendenz nicht verbergen kann. Wärme und Smoothness sind nicht die Attribute des Quilter Interbass 45 – eine gewisse Angriffslust bleibt einfach immer vorhanden.
Entsprechend gibt es auch ein Beispiel aus dem Rockbereich. Ein weit aufgerissener Gain und der Vintage-Modus sorgen für eine leichte Sättigung und Zerre, dazu viele tiefe Mitten mit einem Woof bei 14 Uhr, Bässe und Höhen jeweils bei 8. Dieser Sound gefällt mir sehr gut. Hier zeigt der Preamp, was er kann!
Wie klingt der Quilter Interbass 45 an einer Box?
Laut Hersteller kann man den Quilter Interbass 45 nicht nur als Preamp vor dem Pult nutzen, sondern auch als vollwertigen Verstärker an einer Box. Dort soll er ausreichend Lautstärke entwickeln, um auf einer Probe oder einem kleinen Gig zu bestehen. Was für eine Art von Probe oder Gig, bleibt dabei natürlich offen. Eine Leistung von maximal 45 W an 4 Ohm klingt für einen Transistorverstärker erst mal nicht hoch. Es musste also der Praxistest her – mit einer Aguilar SL112 in 8 Ohm.
Um den Ausgang auf der linken Seite des Amps zu nutzen, brauchte ich eigentlich ein Klinke-Speakon-Boxenkabel – etwas, das man nicht unbedingt sofort zu Hause hat, weil die meisten Amps und Boxen heute nur mit Speakon arbeiten. Nachdem dies aber einmal besorgt war, konnte ich alles verkabeln und zu Hause testen.
Der Sound der Kombination ist ok. Allerdings entwickelt der Amp bei 8 Ohm lediglich 33 W – was man in allen Belangen hört. Der Ton wird kaum lauter als Zimmerlautstärke, auch hat man nur bedingt das Gefühl von Tiefe und Fundament im Signal. Das liegt natürlich auch ein wenig an der Box. Trotzdem machen die beiden Geräte auf mich zunächst nicht den Eindruck eines echten Mini-Stacks für Proben und kleine Gigs. Natürlich habe ich es mir aber nicht nehmen lassen, den Quilter Interbass 45 auch im Proberaum anzuschließen – zusammen mit einer weiteren Aguilar SL112, sodass man mit beiden Boxen die 4 Ohm Auslastung erreicht.
Dieses Ergebnis war dann wiederum überraschend gut. Das kleine Kistchen entwickelt genug Power, um mit einem normal spielenden Drummer mitzuhalten. Natürlich fehlt auch hier die dreidimensionale Tiefe im Ton. Der wuchtige Bassregler löst dieses Problem zwar nicht, sorgt aber immerhin für Wumms. Das Signal am Pult wäre in dem Fall aber unbrauchbar und leider ermöglicht der Quilter Interbass 45 nicht, den EQ vom Line-Ausgang zu entkoppeln. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten doch sehr ein und macht dieses Pedal etwas unattraktiv. Als kleine und schnelle Lösung für Proben oder Kneipengigs ohne zusätzliche PA kann man den Quilter Interbass 45 aber grundsätzlich gebrauchen.


































