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Test: Quilter Superblock UK, Gitarren-Effektpedal

31. August 2021

British Invasion in a Box

Quilter Superblock UK

Quilter Superblock UK

Wer oder was ist denn nun wieder Quilter? Vermutlich geht es den meisten unter uns so – nie gehört und auch ich musste mich erst mal schlaumachen, wer hinter diesem Namen steckt. Und siehe da, es ist kein ganz Unbekannter aus der Audioszene, der der US-Firma ihren Namen verleiht. Die Firma Quilter wurde 2011 von Patrick Howe Quilter in Orange Country/Kalifornien gegründet, nachdem er nach einer langen und erfolgreichen Karriere als Gründer und Ingenieur des Traditionsherstellers QSC die Firma verließ. Oha, QSC Audio also, bekannt seit vielen Jahren in der Pro-Audio-Szene als Hersteller von Endstufen, Mischpulten, PA-Anlagen und vielem weiteren Audio-Equipment. Zunächst begann man mit der Entwicklung bzw. Herstellung von Gitarren- und Bassverstärkern, mittlerweile wurde das Sortiment u. a. um Effektgeräte für Keyboards und Gitarre erweitert und wächst kontinuierlich weiter.

Unter den Produkten findet sich der Quilter Superblock UK, ein Gitarren-Amp in Transistorbauweise und kompakten Pedalformat, der neben seinen drei Grundsounds, einem Effektweg, Cab-Simulator und eingebautem Reverb sogar eine 25 W leistende Endstufe beinhaltet. Ein komplettes Rig also, das sich nicht nur für den Einsatz im Studio, sondern auch für Live-Gigs empfehlen möchte. Eine echte All-in-one-Lösung, die im Gigbag verschwinden kann und uns viel Schlepperei erspart? Machen wir den Test!

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Quilter Superblock UK – Facts & Features

Dass in diesem kleinen Metallgehäuse ein ausgewachsener Amp mit einer 25 Watt Endstufe lauern soll, lässt sich auf den ersten Blick rein gar nicht erahnen. Mit den Maßen von 165 x 108 x 38,1 mm und einem Gewicht von nur rund 600 g kommt so manches Boutique-Pedal kaum aus, zumal das Stahlblechgehäuse einen sehr robusten und wertigen Eindruck vermittelt. Im Lieferumfang befindet sich ein 24 V Netzteil, schließt man dieses an die entsprechende Buchse an der Stirnseite an, so leistet die Endstufe satte 25 W, die mit einer entsprechenden Box locker für manchen Gig ausreichen sollten. Für den Hausgebrauch oder den Einsatz beim Recording kann jedoch auch ein herkömmliches 9 V Netzteil genutzt werden, dann schrumpft die Leistung jedoch hinunter auf 1 W. Das dürfte aber immer noch ausreichen, um im heimischen Wohnzimmer die Tassen im Schrank zum Scheppern zu bringen.

Neben diesen zwei Anschlüssen finden wir an der Stirnseite weiterhin einen Kopfhöreranschluss, einen Effektweg sowie die Eingangsbuchse für die Gitarre. Der Anschluss für eine Lautsprecherbox sitzt hingegen an der linken Gehäuseseite, bezüglich der Impedanzen zeigt sich der Quilter Superblock UK nicht besonders wählerisch, es können Speaker mit einem Widerstand von 4 bis 16 Ohm dort angeschlossen werden.

Quilter Superblock UK Anschlüsse

Die Anschlüsse an der Stirnseite

Cab-Simulator in dreifacher Ausführung

Ein weiterer Anschluss befindet sich auf der Oberseite des Gehäuses: eine XLR-Buchse, an der ein symmetrisches Signal anliegt und die für das Direct-Recording vorgesehen ist. Mittels eines Cab-Sim-Schalters stehen drei Modi einer Lautsprechersimulation zur Verfügung, die dem Klang den entsprechenden Charakter verpassen bzw. ihn auf die jeweiligen Anforderungen vorbereiten. Der Modus „FRFR“ sorgt dabei für einen unbearbeiteten Frequenzverlauf und ist somit für externe Cab-Simulatoren geeignet, „Norm“ aktiviert den Klang eines 12″ Speakers und „BRT“ schließlich simuliert einen Sound mit reichlich Höhen, wie ihn 10″ Speaker oder noch kleinere Modelle repräsentieren.

Drei Sound-Presets von Klassikern

Der Cab-Sim-Schalter ist einer von drei Miniausführungen, die gut geschützt gegen fehlgeleitete Fußtritte zwischen den Reglern und dem erhöhten Teil des Gehäuses sitzen. Während sich links davon der Power-Schalter befindet, finden wir ganz rechts wohl den wichtigsten der drei Kandidaten, der für die Auswahl der drei Presets dient. Der Quilter Superblock UK bietet drei verschiedene Grundsounds, deren Vorbilder aus dem Hause Marshall und VOX stammen. Während das Preset „1979 JMP“ offensichtlich einen Marshall der späten 70er-Jahre nachbildet, gibt es mit „AC Norm“ und „AC Top“ gleich zwei Emulationen des VOX AC30: Einmal die des regulären Modells und eine weitere Nachbildung des später erschienenen Top-Boost-Modells. Alle drei Minischalter vermitteln ein gutes Feedback, sprich: Sie rasten sauber in ihren Positionen ein. Neben dem Power-Switch befindet sich zudem eine rote, nicht zu hell strahlende LED, die über den Betriebszustand informiert.

Quilter Superblock UK Presets

Die drei Sound-Presets des Quilter Superblock UK

Das Bedienpanel

Trotz der kompakten Maße wurden immerhin sieben Regler auf der Oberfläche des Gehäuses untergebracht und fest mit diesem verschraubt. Durch die spitz zulaufende Form der Potiknöpfe lassen sich die Regler gut umgreifen, zudem laufen sie butterweich auf ihren Achsen. Die Möglichkeiten entsprechen denen eines vollwertigen Gitarren-Amps: Es gibt eine 3-Band-Klangregelung mit Bässen, Mitten und Höhen, einen Gain-Regler sowie einen für Master-Volume. Darüber hinaus bietet sich mit dem Limiter die Möglichkeit, das Signal rigoros in die Sättigung zu fahren, selbst an einen Reverb-Effekt wurde gedacht. Das eigene Hallpedal kann also getrost zu Hause bleiben, denn die Qualität des gebotenen Halls ist ausgesprochen gut, wie wir später noch erfahren bzw. in den Klangbeispielen hören werden.

Quilter Superblock UK Potis

Quilter Superblock UK Potis

Quilter Superblock UK – In der Praxis

Um es noch mal zu verdeutlichen: Der Quilter Superblock UK basiert auf einer reinen Transistorschaltung, kein DSP oder etwa eine Röhre sind im Innern zu finden. Umso erstaunlicher ist es, wenn man den Power-Schalter umlegt und die ersten Töne aus der Box ertönen. Ob nun die drei Presets so exakt wie ihre Vorbilder klingen, sei einmal dahingestellt, dafür bräuchte man ja auch noch die passenden Speaker der emulierten Amps, um dies objektiv beurteilen zu können. Tatsache ist jedoch, dass alle drei Presets einen typisch britischen Klangcharakter besitzen und mit einem hervorragenden Sound und einer grandiosen Dynamik den Spieler verwöhnen. Dabei arbeitet der Equalizer genau so, wie man es beim Schrauben an einem „echten“ Röhrenverstärker kennt, die verschiedenen Frequenzbänder modulieren sich mehr oder weniger gegenseitig, was immer wieder zu neuen und unvorhergesehenen Facetten im Klang führt.

Die Gain-Reserven entsprechen weitestgehend denen der emulierten Modelle, wobei das „1979 JMP“ Preset hier erwartungsgemäß deutlich mehr bietet als die beiden AC30-Sounds. Dabei hält sich das Rauschen bei hohen Gain-Settings, ein durchaus wichtiges Kriterium vor allem beim Recording, in erfreulich niedrigen Grenzen. Alle drei Presets profitieren jedoch vom Einsatz des Limiters, der von sanften Komprimierungen im unteren Drittel des Regelwegs bis hin zum harschen Abschneiden des Signals bei Vollanschlag dem Klang aller drei Modelle noch einmal einen ganz anderen Stempel aufdrückt. Insbesondere bei den VOX-Sounds entsteht ein verblüffender Eindruck und man hat das Gefühl, ein bis zum Anschlag aufgedrehten und um Gnade winselnden AC30 vor sich zu haben, der jede Nuance der Gitarre bis in das kleinste Detail wiedergibt.

Ein weiterer Pluspunkt ist der integrierte Hall, ich erwähnte es bereits weiter oben. Die Entwickler haben dem Quilter Superblock UK nicht nur einen seidig weichen und enorm tief klingenden Studio-Reverb mit auf den Weg gegeben, auch das Verhältnis zwischen Halldauer und Tiefe des Effekts ist sehr gut gelungen. Selbst bei nur ganz dezent aufgeregeltem Reverb-Poti ist sofort ein Effekt spürbar, der sich bei weiterem Erhöhen des Pegels zu einer ausgesprochen warmen und tiefen Hallfahne entwickelt. Aber klar, ein Spring-Reverb klingt anders, meiner Meinung nach ist aber dieser hier gebotene Effekt deutlich inspirierender.

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Quilter Superblock UK – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich den Quilter Superblock UK direkt an eine Celestion Vintage 30 Box angeschlossen, vor der ein AKG C3000 Mikrofon platziert wurde. Der Cab-Schalter befand sich dabei im „FRFR“-Modus, also Full-Range. Als Gitarre wurde eine Music Man Silhouette Special benutzt.

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Fazit

Ehrlich beeindruckend, was Quilter mit dem Superblock UK uns bietet. Eingepackt in ein extrem kompaktes Gehäuse und ausgestattet mit allen wichtigen Anschlüssen empfiehlt sich dieses kleine Kraftpaket für den Einsatz im Studio genau so wie auch für Live-Gigs, bei denen man oft mit einem kleineren Besteck auskommen kann bzw. möchte. Drei klassische Brit-Sounds zusammen mit einem grandiosen Reverb – was braucht es mehr zum Glück?

Plus

  • Klang
  • Anschlussvielfalt
  • Flexibilität
  • Qualität Reverb
  • wirkungsvoller Limiter

Minus

  • -

Preis

  • 275,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Umusasa

    Sorry, Stephan: Mini-Schalter … “geschützt gegen fehlgeleitete Fußtritte“ – aber dieses Gerät wurde primär sicher NICHT als Fußbodengerät konzipiert. Es gibt dort nichts, was man per Fuß bedienen kann – keinen FUSS-Schalter (wie bei 08/15-Boden-Tretern) und auch sonst nichts, was der Grobmotorik eines Fußes standhält: NICHT die Knöpfe der Potis, selbst wenn sie mit dem Gehäuse verschraubt sind … NICHT die kleinen Schalterchen, die ja ‚geschützt sind (was Du ja festgestellt hast) … und auch der DI-Ausgang störte dort gewaltig jegliche Fußbedienung.
    Es ist also KEIN Fußbodengerät, sondern ein Desktop-Gerät, welches im Live-Betrieb auch auf einer Box platziert werden kann.
    Als Nicht-Gitarrist frage ich mich seit 50 Jahren ernsthaft, warum denn ein während des Spielens ggf. sogar vielfach zu verstellendes Gerät auf dem Boden steht und nicht in REICH-Weite – frage mich, warum Gitarristen sich in Pausen zwischen den Liedern hinunterbeugen – wie denn aus der Entfernung die Position von Schaltern und Knöpfen ablesbar sind, mitunter sogar die Miniaturscreens!
    Dies ist kein Bodengerät …
    Heutige Effektgeräte werden vielfach auch von Keyboardern benutzt – ich verstehe nicht, dass an TRETschalter-bedienbaren Fußboden-Geräten festgehalten wird – warum nicht auf einem Tischchen platzierbare Geräte mit handbedienbare Schalter und dann per steckbarem Kabel ein Fußschalter auf dem Boden?

  2. Profilbild
    Stephan Güte  RED

    Nun ja … aufgrund der Bauform kann man durchaus davon ausgehen, dass einige User den SB auf dem Pedalboard Festkletten werden. Und dann könnte der eine oder andere Tritt das Gerät ja schon mal treffen ;)

    • Profilbild
      Umusasa

      Als eben Nicht-Gitarrist bin ich nicht sehr bewandert über die diversen Ausführungen der heutigen ‚Pedalboards‘ – aber i. A. haben die Bodentreter ihre Ein-/Ausgänge seitlich – und hinten meiner Erfahrung nach nur die DC-Stromversorgungsverbindungen (welche richtigerweise vielfach mit Winkelsteckern kommen, damit dort nicht mehrere cm Tiefe ‚verbraucht‘ werden).
      Somit stehen bei diesem Gerät die rückseitig angebrachten Ein-/Ausgänge wohl ebenfalls einer Verwendung in vielen solchen Boards eher entgegen …
      Aber die Bauform legt ja den Nutzen auf dem Boden wirklich nicht direkt fest – und wie ich schon schrieb, denke ich, dass die direkte Nutzung der Regler und Schalter während des Spielens dieses Gerät eher in einer gut erreichbaren Höhe erfordert. Ich schrieb ja schon: verstehe wirklich nicht, wie bereitwillig sich Gitarristen vielfach pro Konzert auf 8 cm hinunterbücken um Schalter & Regler zu verstellen . . .
      Behringer deutete mal an, dass solche ‚Boden‘-Effektgeräte vielleicht auch im EuroRack-Format kommen können – und sich somit vom Boden ‚weg-entfernen‘ (… dann vielleicht mit optional anschließbaren Fußschaltern …) und damit auch für Keyboarder interessanter werden.
      Sah neulich Sigi Schwab auf YT – der hatte diverse Geräte in einem fast waagrechten Flightcase vor sich – wirklich griffbereit nahe der Gitarre . . . ok, er spielte sitzend, aber er hat eben direkten Zugriff.

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