Test: Radial Engineering Firefly, DI-Box

2. September 2018

Ein tolles Tool für Studio und Bühne

Glühwürmchen im Anflug

DI-Boxen gibt es wie Sand am Meer und oftmals fragt man sich, warum überhaupt so große Preisunterschiede zwischen den einzelnen Modellen existieren. Von einfachen Standardausführungen für wenige Euro bis hin zu sehr teuren Modellen ist alles drin. Ist es so wie beim Auto, bei  dem es wichtig ist, dass es fährt und alles darüber hinaus purer Luxus – oder führt an den teuren Modellen kein Weg vorbei? Radial Engineering hat ein großes Portfolio an verschiedenen DI-Boxen und schickt mit der Firefly nun ein besonders luxuriöses und teures Röhrenmodell ins Rennen. Firefly bedeutet übersetzt Glühwürmchen. Mal schauen, ob die Radial Engineering Firefly wegweisend ist oder eher Irrlicht.

radial engineering firefly

Radial Engineering Firefly: Design ist alles

Die Firefly DI-Box erinnert mich optisch etwas an den Universal Audio Solo 610 Preamp, nur bunter. Auch die Firefly DI-Box hat oben einen praktischen Griff. Sie sitzt in einem 1 HE hohen gelb-schwarzen Metallgehäuse. Während vorne die wichtigsten Regler platziert sind, gibt es hinten die Anschlussbuchsen sowie weitere kleine, versenkt angebrachte Schalter. An die linke Seite hat sich ebenfalls ein versenkter Schalter verirrt. Eine nach vorne verlängerte Ober- und Unterseite schützt die empfindlichen Regler vor Beschädigungen.

In die Röhre gucken: Facts zur Radial Engineering Firefly

Im Inneren der Radial Engineering Firefly sitzt eine 12AX7 Röhre, die dem zugeführten Signal etwas Wärme und Schmauch einhauchen soll. Sehen kann man sie von außen nicht. So bleibt sämtliche Illusion von „Röhrensound“, wie sie Mitbewerber durch das gut sichtbare Glimmen der Röhre erzeugen wollen, aus. Natürlich benötigt eine Röhre ausreichend Strom. Diesen bekommt sie nicht etwa per Phantomspeisung vom Pult, sondern wie bei einem Röhren-Preamp durch ein nicht gerade kleines externes Netzteil. Dieses versorgt die Firefly DI mit ±16 Volt bei 1600 mA, die intern auf 48 Volt hochtransformiert werden.

radial engineering firefly

Radial Engineering Firefly Front

Das Besondere an der Radial Engineering Firefly DI-Box ist aber nicht die Röhre, sondern die umfangreichen Verschaltungen, die sogar per Fußschalter beeinflussbar sind. Dafür sorgen zunächst einmal zwei getrennt in der Lautstärke regelbare unsymmetrische Eingänge A und B, zwischen denen umgeschaltet werden kann (Fußschalter/manuell). Die nächste Besonderheit ist die Drag-Funktion, bei der es sich um eine Anpassung des Eingangswiderstandes handelt. Was hat es damit auf sich?

Tonabnehmer haben die Eigenschaft, sich bei hoher Eingangsimpedanz anders zu verhalten als bei niedriger. So erfreut sich ein Singlecoil-Tonabnehmer an der hohen Impedanz der Eingangsstufe eines Röhren-Amps, während er am Line-Eingang eines Audiointerfaces sprichwörtlich in die Röhre guckt und alle Viere von sich streckt. Das Resultat: ein dumpfer und matter Sound. Möchte man nun eine E-Gitarre zwecks Re-Amping direkt ins Pult oder Interface spielen, ist eine Impedanzanpassung notwendig, um die Pickups glücklich zu machen. Viele Interfaces verfügen deshalb über HiZ-Eingänge. Doch leider unterscheiden sich Humbucker wieder von Singlecoils, aktive Pickups von passiven Pickups, diese von Piezos und Line-Signalen sowieso. Die Radial Engineering Firefly gestattet deshalb die flexible Anpassung der Eingangsimpedanz an das jeweilige Instrument per Drag-Poti. Leider lässt sich dieses nur per Schraubendreher einstellen, was den Schraubspaß etwas mildert. Immerhin lässt sich durch den Drag-Schalter schnell ein A-B-Vergleich anstellen.

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