Kleine Box, viele Möglichkeiten
Was tun, wenn kurz vor Veranstaltungsbeginn noch schnell ein Laptop, ein Smartphone oder ein anderer Zuspieler sauber ins Mischpult gehen soll? Genau für solche Momente gibt es kleine Helfer, die im besten Fall einfach funktionieren. Die Radial Engineering Pro AV1 ist genau so ein Werkzeug: eine passive DI-Box mit vielen Anschlussmöglichkeiten, stabiler Bauweise und einem Ausgang, der direkt in die übliche Bühnen- und Veranstaltungstechnik passt. Im folgenden Test musste sie zeigen, ob sie diesen Anspruch auch in der Praxis erfüllt.
Was ist es? Radial Engineering Pro AV1, passive DI-Box für Instrumente, Laptops, Smartphones, Tablets und andere Zuspieler.
- Anschlüsse: Die Box bietet 6,3-mm-Klinke, 3,5-mm-Stereoklinke, Cinch, Thru-Ausgänge und XLR.
- Praxis: Im Test funktionierte sie mit Laptop, Zuspieler und E-Bass ohne Probleme.
- Mono-Summierung: Stereosignale werden auf Mono summiert, was bei vielen Veranstaltungen praktisch ist.
- Verarbeitung: Stahlgehäuse, geschützte Anschlüsse und passive Arbeitsweise machen sie bühnentauglich.
- Fazit: Für 159,– Euro ist sie nicht günstig, wirkt durch Verarbeitung und Vielseitigkeit aber nachvollziehbar bepreist.
Inhaltsverzeichnis
Äußeres zur Radial Engineering Pro AV1
Erster Eindruck
Das Gerät sieht sofort nach einem typischen Produkt von Radial Engineering aus: solides Stahlgehäuse, kompakte Bauform und seitlich hochgezogene Metallkanten. Es wirkt dabei nicht auf Show gemacht, sondern auf den Alltag auf Bühnen, im Proberaum, im Verleih und generell in der Veranstaltungstechnik.
Das Gehäuse der Radial Engineering Pro AV1 besteht aus Stahl und macht auf mich einen sehr stabilen Eindruck. Besonders praktisch finde ich bei Produkten des Herstellers die kurzen, überstehenden Seitenteile. Sie schützen Buchsen und Schalter, wenn das Gerät im Kabelkoffer landet oder zwischen anderem Equipment transportiert wird. Gerade bei einer DI-Box, die wahrscheinlich nicht immer sanft behandelt wird, ist das ein Pluspunkt.
Abmessungen
Die Radial Engineering Pro AV1 misst 8,3 x 12,7 x 4,8 cm, bleibt damit angenehm kompakt und passt problemlos in eine Zubehörtasche, ein Rack-Fach oder in den Kabelkoffer. Mit 730 g bringt sie genügend Gewicht mit, um stabil auf dem Tisch oder Boden zu liegen, ohne beim Transport zu stören.
Auf der Unterseite befindet sich eine angeklebte Gummimatte, die nicht nur für besseren Halt auf glatten Flächen sorgt, sondern auch verhindert, dass empfindliche Oberflächen zerkratzt werden. Das ist besonders praktisch, wenn das Gerät nicht nur auf Bühnenböden, sondern auch auf Tischen, Cases, Rednerpulten oder Studiomöbeln zum Einsatz kommt.
Anschlüsse
Die Eingangsseite zeigt, warum das Gerät mehr ist als eine einfache passive DI-Box: Für Instrumente gibt es einen 6,3-mm-Klinkeneingang und einen 6,3-mm-Thru-Ausgang. So kann zum Beispiel ein Bass oder eine Gitarre angeschlossen werden, während das Signal gleichzeitig an einen Verstärker oder ein Pedalboard weiterläuft.
Hinzu kommen eine 3,5-mm-Stereoklinke und Cinch-Eingänge für links und rechts, wodurch sich an die Radial Engineering Pro AV1 auch Laptops, Smartphones mit Adapter, Tablets oder andere Zuspieler anschließen lassen, ohne dass man sofort unzählige Adapter einbinden muss. Außerdem gibt es Cinch-Thru-Buchsen, die das Eingangssignal parallel weitergeben können.
Auf der anderen Seite sitzt der symmetrische XLR-Ausgang, der ein Signal auf Mikrofonpegel liefert und damit für Mikrofoneingänge an Mischpulten, Stageboxen und Audiointerfaces gedacht ist. Ebenfalls auf dieser Seite sitzen der Ground-Lift-Schalter und ein XLR-Eingang für symmetrische Line-Signale.
Die Bedienung bleibt insgesamt sehr schlicht, denn an Schaltern oder Reglern gibt es nur einen Pad-Schalter mit 15 dB Absenkung, den Ground-Lift-Schalter und einen versenkten Schalter zur Auswahl des XLR-Eingangs. Wird dieser aktiviert, sind die anderen Eingänge deaktiviert.
Technische Angaben
Signalwandlung
Die passive DI-Box benötigt weder Netzteil noch Batterie und auch eine Phantomspeisung ist für den Betrieb nicht notwendig. Laut Hersteller wird die Radial Engineering Pro AV1 durch anliegende Phantomspeisung allerdings auch nicht beschädigt.
Die grundlegende Aufgabe des Geräts besteht darin, verschiedene Signalquellen auf ein symmetrisches Signal mit Mikrofonpegel zu bringen. Der Ausgang liefert also kein Line-Signal, sondern ein Signal, das für Mikrofoneingänge beispielsweise an Mischpulten, Stageboxen oder Audiointerfaces gedacht ist. Genau dadurch wird aus einem Laptop, einem Instrument oder einer professionellen Line-Quelle ein Signal, das sich problemlos in eine übliche Beschallungsumgebung einbinden lässt.
Stereo zu Mono
Ein wichtiger technischer Punkt ist außerdem die Summierung von Stereo auf Mono, denn das Gerät kann Stereosignale über 3,5-mm-Klinke, Cinch oder die beiden 6,3-mm-Klinkenbuchsen annehmen und daraus ein Monosignal am XLR-Ausgang erzeugen. Das ist besonders bei Zuspielern praktisch, denn viele Geräte wie Laptops, Tablets oder Smartphones liefern ein Stereosignal, während bei Veranstaltungen oft ein einzelner Mischpultkanal ausreicht. Die Radial Engineering Pro AV1 fasst beide Seiten zusammen und spart damit einen Kanal.
Ground-Lift
Im Inneren arbeitet ein Radial Übertrager, der die Symmetrierung des Signals und die Anpassung von Pegel und Impedanz übernimmt und gleichzeitig für eine galvanische Trennung zwischen Eingangs- und Ausgangsseite sorgt. Diese Trennung kann helfen, Störgeräusche zu reduzieren, die durch Masseschleifen entstehen. Gerade bei Laptops mit Netzteil oder Geräten, die an verschiedenen Stromkreisen hängen, ist das ein sehr praxisnahes Thema. Wie genau eine DI-Box Brummschleifen verhindern kann, lässt sich in unserem entsprechenden AMAZONA-Artikel nachlesen.
Gerät in der Praxis
Erster Eindruck im Alltag
Schon vor den eigentlichen Tests macht die Radial Engineering Pro AV1 einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck auf mich, denn die Schalter fühlen sich solide an und lassen sich angenehm bedienen. Auch die Buchsen sitzen fest im Gehäuse, angeschlossene Kabel halten sicher und im Test wackelt nichts. Besonders gut gefällt mir, wie bei vielen Produkten von Radial Engineering, das überstehende Metall an den Seiten zum Schutz der Anschlüsse.
Musikzuspieler
Für den ersten Praxistest habe ich die Radial Engineering Pro AV1 zu Hause ausprobiert. Als Quelle diente ein Laptop, von dem Musik über den 3,5-mm-Klinkenausgang abgespielt wurde. Von dort ging es in die DI-Box und anschließend per XLR weiter in mein Audiointerface, was auf Anhieb problemlos funktionierte. Das Signal kam sauber und ohne auffällige Störgeräusche oder Pegelprobleme an. Natürlich landet das Stereosignal am Ende als Monosignal am Ausgang der Radial Engineering Pro AV1. Das muss man wissen, ist bei dieser Box aber auch genau so vorgesehen.
Der zweite Test fand bei einer Veranstaltung statt, bei der ebenfalls Musik von einem Laptop aus eingespielt werden sollte. Die Verkabelung war im Grunde dieselbe wie zu Hause: Laptop per kleiner Klinke in die Radial Engineering Pro AV1, von dort über ein XLR-Kabel weiter Richtung Mischpult. Auch in dieser Umgebung gab es keine Auffälligkeiten, die Box erledigte ihren Job unaufgeregt und zuverlässig.
Besonders angenehm finde ich dabei, dass das Gerät direkt verschiedene Anschlussmöglichkeiten mitbringt. Wenn bei einer Veranstaltung plötzlich ein anderer Zuspieler auftaucht, ist man mit 3,5-mm-Klinke, Cinch- und Klinkeneingang deutlich entspannter unterwegs als mit einer einfachen DI-Box oder einem einzelnen 3,5-mm-Klinkenkabel, das direkt ins Mischpult geht.
Test bei der Probe mit E-Bass
Ein weiterer Praxistest fand bei einer Probe statt. Hier wurde ein E-Bass an die DI-Box angeschlossen. Das Signal ging dann über den Thru-Ausgang weiter als Klinkensignal in das Pedalboard. Gleichzeitig wurde das trockene Signal über den XLR-Ausgang direkt zur Behringer WING geschickt, wo es als Backup genutzt und mit einer Bass-Amp-Simulation weiterverarbeitet wurde.
Das ist ein sehr praktischer Anwendungsfall, weil man auf diese Weise ein unbearbeitetes Direktsignal zur Verfügung hat, während der Bassist weiterhin seinen gewohnten Signalweg über Pedalboard und Amp oder weitere Verarbeitung nutzen kann. Auch hier gab es im Test keine Probleme, das Signal lag sauber am Pult an und ließ sich dort problemlos weiterbearbeiten. Nach den verschiedenen Tests bleibt bei mir der Eindruck eines sehr zuverlässigen Werkzeugs. Für mich rechtfertigt die Verarbeitung zusammen mit der Vielseitigkeit auch den Preis von 159,- Euro.
Anwendungsszenarien für die DI-Box
Zuspieler bei Veranstaltungen
Ein sehr naheliegender Einsatzbereich der Radial Engineering Pro AV1 ist das im Praxistest beschriebene Einspielen von Musik oder anderen Audiosignalen von einem Laptop, Smartphone oder Tablet. Über 3,5-mm-Stereoklinke oder Cinch lassen sich solche Quellen direkt anschließen. Das ist besonders bei Veranstaltungen praktisch, wenn kurz vor Beginn noch jemand mit einem Zuspieler kommt und schnell ein Signal in die PA geben möchte. Das Gerät summiert Stereo auf Mono und benötigt dadurch nur einen Kanal am Mischpult, was in Konferenzräumen, Schulen, Gemeindehäusern oder Mehrzweckräumen ein sehr sinnvoller Ansatz ist.
Instrumente auf der Bühne
Auch als klassische DI-Box für Instrumente kann die Radial Engineering Pro AV1 eingesetzt werden, denn eine Gitarre, ein Bass mit entsprechender Signalquelle oder ein Keyboard lässt sich problemlos über den 6,3-mm-Klinkeneingang anschließen. Über den Thru-Ausgang kann das Signal parallel an einen Verstärker, ein Pedalboard oder eine weitere Bearbeitung weitergegeben werden.
Backup
Ein weiterer sinnvoller Einsatzbereich ist die Nutzung als Backup-Lösung. Über den Thru-Ausgang kann der normale Signalweg weiterlaufen, während das XLR-Signal parallel am Mischpult anliegt. Auch im Home- oder Projektstudio kann die Radial Engineering Pro AV1 in diesem Bereich nützlich sein.
Festinstallation
Für Festinstallationen und Verleiher ist das Gerät ebenfalls interessant, denn in fest verbauten Anlagen geht es oft darum, eine unkomplizierte Anschlussmöglichkeit für wechselnde Nutzer bereitzustellen. Das stabile Gehäuse, die geschützten Anschlüsse und die passive Arbeitsweise machen die Radial Engineering Pro AV1 für solche Einsätze sehr passend.
Alternativen
Radial Engineering Pro AV2
Die naheliegendste Alternative kommt ebenfalls von Radial Engineering: Die Pro AV2 verfolgt ein ähnliches Konzept, arbeitet aber als passive Stereo-DI-Box mit zwei symmetrischen XLR-Ausgängen. Sie ist die bessere Wahl, wenn Instrumente oder Zuspieler tatsächlich in Stereo ans Mischpult gehen sollen.
Palmer PAN 04
Die Palmer PAN 04 ist eine preislich günstigere Alternative, wenn vor allem eine passive zweikanalige DI-Box gesucht wird. Im Vergleich zur Radial Engineering Pro AV1 ist sie weniger auf wechselnde Quellen ausgelegt, da sie nicht dieselbe Anschlussvielfalt mit 3,5-mm-Klinke und Cinch-Eingängen bietet. Wer allerdings keine Multimedia-Anschlüsse benötigt und eher eine günstige zweikanalige DI-Lösung sucht, sollte sich das Palmer-Modell ansehen.

































Schweizer Taschenmesser. Wer einmal eine Radial-Box, egal welche, hatte, der gibt sie nicht mehr her.
Hi, ich finde sehr viel Geld für das kleine Gerät. Ich dachte schon das Palmer schon teuer ist. Ich lerne immer noch was dazu.