Test: Radial Engineering Pro-D8, D.I. Box

22. Juli 2018

Built Like A Tank!

Wenn es um kleine Helferlein gerade im Bereich von D.I.-Boxen geht, fällt immer wieder der Name Radial Engineering, die zum Teil mit sehr ausgefuchsten Detaillösungen auch ungewöhnliche Pegel in ein einwandfreies symmetrisches Signal umwandeln. Mit dem Radial Engineering Pro-D8 hat das kanadische Unternehmen, das seine Produkte auch in Kanada fertigen lässt, eine passive, achtkanalige D.I.-Box am Start, die mit einer 1 HE primär für den Rack-Betrieb ausgelegt wurde.

Radial Engineering Pro-D8 Vorderseite

Radial Engineering Pro-D8 Vorderseite

Das Konzept der Radial Engineering Pro-D8

Wer braucht 8 D.I.-Boxen? Nun, der Kollege am Bass ist zumeist mit einer D.I.-Box gut bedient, wer also liefert live oder im Studio 8 unsymmetrische Signale, die symmetriert werden wollen? Neben verschiedenen Zuspielern wie z. B. Backing-Tracks von Harddisk-Playern sind es insbesondere Keyboarder, die vom Konzept der Radial Engineering Pro-D8 profitieren.

Auch wenn der überwiegende Teil der Tastenfraktion mittlerweile mit einem Masterkeyboard und der App Mainstage auf dem MacBook zu den Shows aufläuft, gibt es immer mal wieder die Old-School-Abteilung, die es sich nicht nehmen lässt, das eine oder andere Vintage-Hardware-Original gerne auch in Stereo an den Start zu bringen. An der Radial Engineering Pro-D8 lassen sich demnach bis zu 4 Stereo-Signalquellen anschließen und nach Wandlung ohne Klangverluste quer durch die Halle schicken.

Radial Engineering Pro-D8 Rückseite

Radial Engineering Pro-D8 Rückseite

Die Konstruktion der Radial Engineering Pro-D8

Eins muss man den Kanadiern lassen, in Sachen Farbgestaltung sind die Jungs und Mädels wirklich schmerzbefreit. Gerade der Pastellbereich scheint es ihnen angetan zu haben, so wundert es auch nicht, dass bei der Radial Engineering Pro-D8 eine Art NATO-Oligrün, natürlich auch wieder mit milchiger Einfärbung, zum Einsatz kommt. Geschmackssache, sagte der Affe und biss in die Seife, aber der optische Wiedererkennungswert der Produkte ist dadurch in der Tat sehr hoch.

Losgelöst von der Farbgebung setzen die Nordamerikaner erneut auf eins ihrer Einstellungsmerkmale, das mit der Bezeichnung „massive Bauweise“ noch stark untertrieben wäre.

Radial Engineering Pro-D8 Aufsicht

Radial Engineering Pro-D8 Aufsicht

Das 19“ Teil ist wohl der massivste 1 HE Einschub, der mir je untergekommen ist, mit einer Verwindungssteifheit, die sich sehen lassen kann. Hier geht eher das Rack zu Bruch, in das das Produkt geschraubt wurde, als das Produkt an sich. Ich für meinen Teil muss gestehen, dass ich schon immer einen Faible für massive Bauweisen hatte und auch immer noch habe. Gerade im Live-Betrieb ist es nur ein Frage der Zeit, bis irgendwo, irgendwie etwas umfällt, herunter fällt, auf etwas drauf fällt und eine stabile Bauweise schont immer die Nerven und den Geldbeutel. Auch wurde sehr gut mitgedacht, was die Platzierung der Rack-Winkel angeht. Beide lassen sich um 180 Grad drehen, sodass man selber entscheiden kann, ob man die Ein- oder Ausgänge vorne im Rack haben möchte. Ein kleines, extrem wichtiges Detail, so einfach zu installieren und dennoch so selten bei der Konkurrenz anzutreffen.

Auf der regulären Vorderseite befinden sich besagte 8 Ausgänge, allesamt in verriegelbaren XLR-Buchsen ausgeführt. Um Phasenproblemen entgegen zu wirken, hat jeder Ausgang einen bei Bedarf zu aktivierenden 180 Grad Phasenschalter. Ebenso verfügt jeder Kanal über einen Ground-Lift. Die eigentlichen Highlights findet man aber auf der Rückseite. Jede D.I.-Box verfügt über 2 Klinkeneingänge, sodass im Bedarfsfall auch ein Stereosignal in Mono abführen werden kann. Des Weiteren verfügt jeder Kanal über einen Insert-Punkt, bei dem man entsprechende Signalprozessoren, wie z. B. einen Kompressor, über ein Y-Kabel einschleifen kann.

Zudem bietet jeder Kanal einen Thru-Ausgang zwecks Durchschleifen des Signals, z. B. um ihn an das persönliche Monitor-System weiterzuleiten. Abschließend besitzt jeder Kanal noch einen -15 dB PAD-Schalter, um sehr leistungsstarke Eingangssignale abfedern zu können.

Radial Engineering Pro-D8 Ausgänge

Radial Engineering Pro-D8 Ausgänge

Die Radial Engineering Pro-D8 in der Praxis

Die Einsatzmöglichkeiten der Radial Engineering Pro-D8 sind wahrlich mannigfaltig. Neben einer ganz normalen D.I.-Box ergibt gerade die äußerst flexible Rückseite völlig neue Schaltungskonzepte, die insbesondere im Live-Einsatz gehörig punkten können. Zusätzlich zu den vorab genannten Möglichkeiten bieten z. B. die 2 Eingänge auch die Flexibilität der Doppelbelegung mit einem Backup-System, z. B. einem zweiten Master-MIDI-Controller. Gerade massive Keyboard-Hardware-Setups mit diversen Expandern o. ä. finden hier die Möglichkeit einer komplexen Signalverwaltung, insbesondere wenn man mit einem Personal-Monitor-Mixer arbeitet.

Zudem arbeitet die Radial Engineering Pro-D8 absolut geräuschlos und garantiert in allen Situationen eine exzellente, neutrale Klangqualität. Aber auch Zuspieler wie MP3-Player, Drum-Computer, Apple Audioausgänge oder sonstige unsymmetrischen Geräte können hier für die weite Reise zum FOH vorbereitet werden.

Radial Engineering Pro-D8 Eingänge

Radial Engineering Pro-D8 Eingänge

Fazit

Mit der Radial Engineering Pro-D8 hat das kanadische Unternehmen eine Mehrfach-D.I.-Box der Spitzenklasse am Start. Wer sich von der gewöhnungsbedürftigen Farbgebung und dem stattlichen Ladenpreis, der allerdings jeden Euro wert ist, nicht abschrecken lässt, erhält ein vorzügliches Produkt mit sehr guten Detaillösungen und bester Verarbeitung.

Auch wenn eine pastellfarbene D.I. Box in RackFormat wahrscheinlich den geringsten „Sexy“-Faktor aufweist, den man im Musikalienbereich generieren kann, gerade bei solchen Komponenten geht es zuweilen um eine existenzielle Signalführung, die über eine komplette Show entscheiden kann. Daher nicht am falschen Ende sparen!

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Schaltungskonzept
  • flexible Rackwinkel

Preis

  • Ladenpreis: 990,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Das muss schon eine Wunderwaffe sein um den potentiellen Nutzer zu zwingen so viel Geld auf den Tisch zu legen.
    Gibt’s doch die Behringer DI800 Ultra-DI Pro 8 Ch active Di-Box für den Heimwerker für 117 öckken.

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      MichBeck  

      Dank des Amazonamans weiß ich inzwischen, dass es von BEHRINGER so ziemlich jedes Gerät als Pendant oder Kopie zu einem nicht zu toppenden Preis gibt. Danke dafür.

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        Axel Ritt  RED

        Dank auch an @MichBeck, dass er uns noch mal vor Augen hält, worum es offensichtlich beim Musik machen geht …

        • Profilbild
          MichBeck  

          Ich hoffe, der ironische Unterton in meinem Kommentar konnte durchklingen. Es nervt langsam, in jeder 3ten Nachricht vom Amazonaman zu lesen, was es so Schönes von B. gibt und jeder ein Kasper ist, der viel Geld in teures Equipment steckt, welches hier angetestet wird. Mich hat diese DI-Box neugierig gemacht. Und wenn die Qualität stimmt und er neutral klingt, ohne die tiefen Frequenzen zu schlucken, wie mancher Konkurrent, bin ich gerne bereit auch mehr Geld auszugeben. Grad im Hardwarebereich ist es ja nicht selten eine Anschaffung für das Leben.

  2. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Ich finde die Radial DIs auch nicht gerade preisgünsitg. Andererseits muss man sich überlegen, dass gerade durch eine solche Multi-DI einiges an Signalen läuft. Die sind dann nachher für immer in eurem Werk zu hören sind. DIs sind durchaus klangrelevant, es gibt da enorme Unterschiede. Wenn die Qualität nicht stimmt versaut man sich den Sound der geliebten Gitarre/Synth/Bass/was auch immer nachhaltig. Da die Radial Teile ausserdem extrem robust sind handelt es sich hier um eine einmalige Anschaffung, über die man sich später über Jahre hinweg immer wieder freut. Hochwertige Alternativen gibt es einige, da lohnt die Recherche.
    Ich kann nur dringend von billig-DIs wie z.B. Behringer abraten. Die bringen leider grosse klangliche Einschränkungen mit sich, verursacht durch minderwertige Bauteile und preispotimierte Schaltungen. Geiz ist keineswegs geil.

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