Test: Rainger FX Deep Space, Reverb X & Bleep, Gitarrenpedale

1. September 2020

Bleeps und Bloops vom Feinsten!

Rainger FX dürfte inzwischen einigen Gitarrenspielern und Pedalnutzern ein Begriff sein. Ich persönlich hatte immer wieder mal an der Peripherie wahrgenommen, wie diese Firma bisweilen obskure Produkte auf den Markt warf. Ehrlich gesagt wirkte einiges sehr gimmick-y – ehe ich das Dr. Freakenstein Fuzz vor geraumer Zeit mal anspielen dürfte und von der schieren Waghalsigkeit des Designs und des Sounds positiv überrascht war. Rainger FX scheren sich nicht darum, in eine Schublade gepackt zu werden – sie schienen in den letzten Jahren sehr darauf konzentriert, sich ihre eigene Nische zu basteln: nicht ganz Lo-Fi, nicht ganz Hochglanz, sondern hybridisch und ganz eigen.

Was Rainger FX besonders auszeichnet: Die kleinen, farbenfrohen Ministomper, von denen es einige gab. Rainger FX erweitern ihr Repertoire in dieser Hinsicht munter weiter und tun das so selbstsicher, dass die Neugier unserer Redaktion ausreichend geweckt war: Was taugen die Mini-Stomper wirklich: farbenfrohes und unnützes Gimmick oder doch eine kleine, aber feine Angelegenheit? Wir haben anhand drei Pedale aus der Ecke getestet und sind zu einem Ergebnis gekommen:

  • Rainger FX Deep Space: Ein Sidechain-Pedal, das euer Instrumentensignal verschluckt, wenn getriggert.
  • Rainger FX Reverb X: Ein digitaler Reverb mit einzigartiger CV-Kontrolle.
  • Rainger FX Bleep: Ein Lo-Fi-Fuzz Pedal mit externer LFO-Kontrolle

Alle drei Pedale sind preislich bei 179,- Euro angesiedelt und alle drei haben das Potenzial, eine Menge Spaß zu machen und sich als nützlich zu erweisen – oder im Konzept nicht aufzugehen und, nun ja – zu nerven. Gespannt gehen wir an das Ganze heran:

Rainger FX Deep Space – Facts, Features & Praxis

Das Deep Space dürfte von den Pedalen der Rainger FX-Reihe wahrscheinlich für die meiste Verwirrung gesorgt haben: Sidechainer in Pedalformat trifft man nicht alle Tage. Was genau leistet das Deep Space? Es ist zuständig dafür, im Mix oder in der Live-Situation für eine ausgewogene Dynamik zu sorgen. Traditionell kommt das Sidechain beim Live-Mix zum Einsatz, um bestimmten Frequenzen oder Lautstärken für kurze Augenblicke mehr Raum zu geben – so ist der Einsatz zum Beispiel dahingehend denkbar, dass das mitgelieferte Mikrofon des Deep Space neben der Fußmaschine des Schlagzeuges positioniert wird – bei jedem Schlag entsteht ein „Dip“ der Lautstärke eures Signals. Das ist im Prinzip für allerhand Momente. Eine Sidechain schluckt eurer Instrumentsignal – beim Deep Space durch die Dip-Funktion gekennzeichnet, sobald ein gewisser Schwellenwert überschritten wird.

Ein echtes Schlagzeug steht uns nicht zur Verfügung für die Demonstration des Space Pulsars, dafür jedoch die Möglichkeiten von Plugins in der DAW. Wir positionieren das Mikrofon entsprechend, schließen es an die Stirnseite des Pulsars an. Wir maximieren den „Dip“, also die Lautstärke, die herausgenommen wird, und versuchen uns an unterschiedliche Geschwindigkeiten für die Regeneration des Signals. Mithilfe des Ottobit von Meris und des 4046-m von Industrialectric öffnen wir mit der Gitarre Flächen, die sehr in die Industrial-Richtung gehen und überlassen es den gebastelten Beats, den Pulsar zu triggern. Dass das gut funktionieren kann, zeigt sich im zweiten Beispiel, im letzten wiederum zeigt sich, dass sich ein Sensitivitätsregler für den Trigger als äußerst nützlich erweisen würde.

Rainger FX Reverb X – Facts, Features & Praxis

Das Rainger FX Reverb ist ein digitales Hall-Pedal der ungewöhnlichen Sorte. Genau wie das Bleep wird es mit dem kleinen Igor-Pad für die Expression-Funktionalität geliefert und besitzt mehrere ungewöhnliche Eigenschaften, die man von einem Reverb-Pedal eigentlich nicht kennt. Das wichtigste: die integrierte Verzerrung des Reverb X. Sie ist, völlig untypisch, nach dem Hall integriert und sorgt dafür, dass euer Signal sich in eine rauschende Noise-Wolke verwandelt – wenn denn gewollt. Darüber hinaus besitzt das Rainger FX Reverb X ein integriertes Noise Gate mit einem internen Trimmer, der entweder vor oder nach der Reverb plus Distortion-Einheit geschaltet werden kann. Sehr schön – so werden, wenn an Signalende gesetzt, die manchmal gewünschten Klangartefakte nicht unterdrückt. Die kleinen Regler erfüllen folgende Funktionen:

  • Level: kümmert sich um das Einpendeln des unbearbeiteten und bearbeiteten Signals. Wichtig hierbei: Full Wet-Modus beherrscht der Reverb X nicht.
  • Size: Zuständig für das Decay und die Länge der Hallfahne.
  • Dist: Hier könnt Ihr die Menge an Verzerrung einpendeln, die nach dem Hall-Effekt zum Tragen kommt. Arbeitet Ihr bereits mit einem Verzerrungs-Pedal, potenziert dies den Effekt um ein vielfaches.
  • Input: Kümmert sich um die Lautstärke des Input-Signals
  • Output: Kümmert sich um die Lautstärke des gesamten Outputs des Reverb X.

Das Rainger FX Reverb X besitzt – da muss man sich nichts vormachen, keinen einzigartigen Charakter, der ihn unverwechselbar macht. Er versucht auch nicht, analoge Wärme zu produzieren, sondern arbeitet mit seinem kühlen Charakter, und das macht er sehr hervorragend. Das besondere am Reverb X jedoch ist der Gate – für kurze, gezupfte oder angeschlagene „Bursts“ eignet er sich vorzüglich und ist in der Anwendung dann doch einzigartig – wie Beispiel 2 und 4 zeigen. Da gibt es keinerlei klanglichen Reste, der Gate schluckt wirklich jedes Fünkchen des Signals gnadenlos und ich ertappe mich dabei, wie ich verschiedene Pedale durch das Gate jage, während ich die Distortion hochdrehe. Die dabei entstehenden „Pulses“ erinnern mich durchaus an anfängliche Nine Inch Nails Episoden à la Pinion. Die nach der Hallfahne geschaltete Verzerrung steht der kühlen Klangfarbe gut zu Gesicht – läuft, Rainger FX!

Rainger FX Bleep – Facts, Features & Praxis

Der Bleep verspricht, die vielleicht spaßigste Angelegenheit der Rainger FX-Reihe zu werden: Ein „Bleep-Fuzz“, der den zentralen Schaltkreis des Dr. Freakenstein-Fuzz Pedals verwendet und darüber hinaus ein paar praktische Features besitzt. Auch das Bleep besitzt das Igor Pad, das eine Tap-Funktion übernimmt. Gated und knisternde Fuzz-Sounds sind nämlich nicht alles, was der Bleep mit sich bringt. Er besitzt einen internen LFO, der per CV angesteuert werden kann – ihr könnt also eine Fuzz-Modulation tappen. Die Bleep-Funktion sorgt im Grunde für eine „Destabilisierung“ des Fuzz-Chips. Overtone und Bleep interagieren auf einzigartige Weise, abhängig davon, was ihr mit der Modulation anstellt, die ihr auf der Bodenseite des Treters mit zwei kleinen Rädchen einstellen könnt. Wie sich das insgesamt anhört, werden wir im Praxis-Teil nachvollziehen.

  • Bleep/Fuzz: Zerbröselt und degeneriert euer Fuzz-Signal.
  • Overtone: Moduliert euer Fuzz-Signal, wenn der LFO aktiv ist.
  • Mod: Aktiviert die Modulation und stellt ein, wie intensiv diese ausfällt.
  • Rate: Das Tempo und die Geschwindigkeit des LFOs.
  • Vol: Die Lautstärke des gesamten Outputs des Bleep.

Bleep – im wahrsten Sinne des Wortes. Beißendes Silizium-Clipping sucht man hier vergebens: Der Bleep ist ein vergleichsweise weicher Fuzz, mit Ecken und Kanten, an denen man sich jedoch nicht zwangsläufig schneidet. Bei aktiver Modulation kann es schon mal heftig zugehen – der Overtone-Regler fungiert dann hierbei als Phasenschieber und oszilliert, ohne jedoch einem zu sehr um die Ohren zu fliegen – wie man im letzten Beispiel hören kann. Auch bei ausgeschalteter Modulation jedoch fungiert der Bleep als sehr bodenständiger Germanium-Fuzz, weich, ausgestattet mit einem leichten, gated Touch – demonstriert im vierten Beispiel. Ein bisschen muffig isser, der Bleep – speziell wenn man die Modulation ausschaltet und seine „Grundfarbe“ zum Ausdruck kommt, klingt er in meinen Ohren bisweilen ein bisschen fade. Die „Bleeps“ und „Bloops“ des LFOs dürften sich recht schnell abnutzen, zumindest bei einer langsamen Rate. Auf Anschlag verwandelt der LFO den Sustain des Bleep in eine unberechenbare, stockende Fahne – ist nett, können aber andere Fuzz-Pedale besser. Trotzdem – für den Preis eine grundsolide Palette an Fuzz-Features.

 

Fazit

Das Space Pulsar ist eine innovative und bisweilen noch ungesehene Angelegenheit für die Pedalwelt – ein kompakter Sidechainer, der mit seiner Reverse-Funktion vor allem live sicher einiges an Spaß machen dürfte. Das Makel ist die fehlende Möglichkeit zur Einstellung der Sensitivität des Triggers. Auch wenn sich diese durch die Positionierung des Mikrofons theoretisch kalibrieren lässt, wäre diese Funktion im Panel des Pedals selbst wünschenswert gewesen.

Der Reverb X ist für seinen Preis ein kleines Juwel: zwar besitzt er keinen einzigartigen Klangcharakter, doch sein kühler, bisweilen entrückter und metallischer Sound wird durch die Gate-Funktion und die integrierte, nachgeschaltete Zerre im Pedal zu etwas Besonderem.

Das Bleep ist der Dr. Freakenstein in abgespeckter Version. Ein vergleichsweise sanfter Germanium-Fuzz, dessen eigenwillige Modulation schnell nerven kann, mithilfe des Overtone-Reglers jedoch schöne Phaser-Sounds produziert und ein gutes Tracking besitzt.

Preis

  • Bleep: 179,- Euro
  • Reverb X: 199,- Euro
  • Deep Space: 189,- Euro
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