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Test: RCF ART 912-A Aktivbox

4. November 2021

Laut und gut: RCF ART 912-A Aktivbox

Test: RCF ART 912-A Aktivbox

Bei der RCF ART 912-A Aktivbox setzt der Hersteller auf dezent im Hintergrund regelnde Features

Mit der zum Test zur Verfügung gestellten RCF ART 912-A Aktivbox präsentiert RCF den derzeitigen Höhepunkt der seit über 20 Jahren verlaufenden Audio-Evolution einer „besonderen ART“. Ganz ohne Bluetooth, Remote-Steuerung, integrierten Mixer und programmierbarem DSP setzt der italienische Hersteller auf dezent im Hintergrund regelnde Features, die nicht nur den Audioalltag erleichtern, sondern auch die Langlebigkeit der Komponenten gewährleisten sollen. Vergleichbar mit ausgefuchsten Assistenzsystemen beim PKW, die erst dann effektiv eingreifen, wenn Gefahr im Verzug ist. Und dieses „Sicherheitskonzept“ ist kombiniert mit bemerkenswerten Leistungsreserven (2.100 Watt) und erschwinglichem Verkaufspreis knapp unter 600 Euro. Interessanter Ansatz.

Test: RCF ART 912-A Aktivbox

Klassische Multifunktionsbox: RCF ART 912-A

Zur aktuellen ART 9er Serie gehören sechs Modelle, konzipiert für Livesound-Anwendungen. Neben der hier vorgestellten RCF ART 912-A Aktivbox steht als Modell mit 10er Bass/Mid-Speaker die ART 910-A zur Auswahl, des Weiteren die ART 932-A als 12er mit 3“ Hochtontreiber, die ART 915-A (1,75“ Hochtontreiber, vergleichbar mit der getesteten 12er), die ART 935-A wiederum mit 3“ Hochtontreiber sowie die ART 945-A mit üppigem 4“ Hochtontreiber und 15“ Bass/Mid-Lautsprecher. Trotz der unterschiedlichen, von RCF entwickelten Bestückung, sind alle Modelle seitens der Ausstattung vergleichbar: Die gemeinsame Schnittmenge liegt in der mit 2.100 Watt (1.400 Watt/700 Watt) hohen Leistung bei dazu passenden Werten bezüglich des maximalen SPL bei oder oberhalb von 130 dB. Ebenso zu den Gemeinsamkeiten der 2-Wege-Boxen mit Polypropylen-Gehäuse zählen die Combo-Buchse samt Lautstärkeregler (plus XLR-Durchschleifweg), drei einfach wählbare DSP-Presets (Linear, Monitor, Boost), ein Endstufen-Design mit Konvektionskühlung sowie M10-Flugpunkte und ein 36-mm-Boxenflansch (mit fixem Winkel).

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Test: RCF ART 912-A Aktivbox

Evolution: 25 Jahre mit unterschiedlichen Modellen der RCF ART-Serie

Ausstattungsdetails RCF ART 912-A Aktivbox

Knapp 20 kg bringt die RCF ART 912-A auf die Waage – das ist schon sportlich, wenn eine Person mit der Stativmontage betraut wird, aber durchaus machbar, wie es sich im Praxisteil zeigen soll. Geboten werden im Gegenzug 2.100 Watt Peak und 130 dB max. SPL. Als Bestückung setzte RCF auf die Kombination aus 12“-Tieftöner zusammen mit einem 1,75“-Kompressionstreiber, letzterer arbeitet auf ein Constant Directivity Horn mit asymmetrischem Waveguide, für eine 100 x 60° Abdeckung des Hörbereichs. Aufgrund des Multifunktionsgehäuses ist die Box als Standalone-Fullrange, als Satellit zusammen mit einem Subwoofer oder als Bühnenmonitor nutzbar. Noch ein Satz zum Polypropylen-Gehäuse: Wohl wissend, ob der wahrscheinlich nie enden wollenden Diskussion ob der Vor- und Nachteile von Kunststoffboxen versus Multiplex, hat RCF der 9er ART-Modellreihe den „M-Rahmen“ mit auf den Weg ins Audioleben gegeben. Der M-Rahmen verbindet die vier inneren Seiten des Gehäuses und die interne Verstärkereinheit. Er soll die Gehäusewände stabilisieren und sie so wirksam vor mechanischen Einwirkungen schützen – zudem dazu beitragen, auch in Volllastsituation störende Resonanzen zu vermeiden. Wie das Gehäusedesign generell beurteilt wird, ist eine ästhetische Frage: Mir gefällt das äußere Erscheinungsbild ob der eleganten Anmutung. Auch das vollflächige Schutzgitter zum Schutz der Schallwandler wie auch der Reflexöffnungen trägt zum dezenten Erscheinungsbild bei.

Test: RCF ART 912-A Aktivbox

Dezentes Erscheinungsbild der RCF ART 912-A Aktivbox (wenn sich das überhaupt von einer Lautsprecherbox sagen lässt)

Audio-Assistenten: die Helfer im Hintergrund

Funktioniert das digitale Leben 2.0 überhaupt ohne (Audio-) Assistenten? Genau, auch die RCF ART 912-A Aktivbox muss bezüglich einiger im Hintergrund werkelnder Algorithmen nicht passen. Sie treten allerdings nicht durch opulente Bedien-Interfaces und Auswahlkriterien in Erscheinung, arbeiten eher smart & dezent, praktisch unsichtbar. Es handelt sich um die RCF-exklusiven FiRPHASE und Bass Motion Control Algorithmen, die in ihrer Wirkungsweise jeweils auf die Modelle innerhalb der 9er Serie abgestimmt sind. Die Bass Motion Control (BMC) umfasst, vereinfacht ausgedrückt, die Kontrolle und Steuerung der Tieftöner-Auslenkung. Der Algorithmus analysiert das dynamische Verhalten des Tieftöners, um anhand dieser Daten übermäßige Auslenkungen und damit einhergehende Schäden zu verhindern. Ziel ist eine erweiterte Basswiedergabe bei höheren Leistungsreserven. Eigentlich übernehmen Standard-Hochpassfilter die Aufgabe, Schäden am Tieftöner verhindern, sie verrichten ihre Aufgabe allerdings statisch: Das Hochpassfilter arbeitet konstant, unabhängig von der Dynamik. Also beschneidet es auch dann den Frequenzgang, wenn dem Lautsprecher durch das anliegende Signal keine Gefahr droht. So ein Hochpassfilter arbeitet nicht nur statisch, es kann sich auch negativ auf das Phasenverhalten auswirken. Hier kommt ein weiterer „DSP-Helfer“ zum Einsatz: FiRPHASE. Er korrigiert (wenn nötig) die Phasenlage und Amplitude und gleicht dabei die konstruktionsbedingten Schwachstellen der Schallwandler und die Resonanzen oder Auslöschungen des Lautsprechergehäuses aus. Wer sich darüber detaillierter informieren möchte, dem sei das „White Paper“ von RCF empfohlen – hier wird das FiRPHASE Funktionsprinzip ausführlich und verständlich erklärt.

Test: RCF ART 912-A Aktivbox

Waveguide und Reflexöffnungen im Polypropylen-Gehäuse der RCF ART 912-A Aktivbox

Neben den genannten DSP-Features seitens RCF verdienen auch HT-Waveguide und Endstufe einen gesonderten Blick. Der True Resistive Waveguide (TRW) soll die typischen hochfrequenten Verzerrungen durch das Horn reduzieren und dank des asymmetrischen Designs für eine konstante Abdeckung und ein verbessertes Stereobild im gesamten Hörbereich sorgen. Und die Verstärkerleistung des 2-Wege-Systems kommt trotz der seitens RCF angegebenen opulenten Leistung von 2.100 Watt (1.400 Watt Bass/Mid; 700 Watt HT) ganz ohne Lüfter aus, wodurch sich die Boxen ebenso für sensible Beschallungsaufgaben im Sprachbereich oder mit großem Dynamikspektrum (akustische Gitarre) auch in kleineren Räumlichkeiten empfehlen. Gerade dort, wo das Publikum in den ersten Reihen in direkter Nähe zur Beschallung sitzt, können Lüfter von Aktivboxen nerven. Genug der Theorie – wie klingt die RCF ART 912-A?

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Praxistest

Passend zum Finale der Bundestagswahl setzte ich die RCF ART 912-A Aktivbox bei einem Event mit Public-Viewing, Live-Musik und Hintergrundbeschallung ein. Das Publikum der privaten Outdoor-Veranstaltung umfasste etwa 80 Personen (2G-Regelung). Im Vorfeld hatte ich mir zur Vorsicht noch einen zusätzlichen 15“ Aktiv-Subwoofer von Mackie zur Seite gestellt, denn zwei 12er im Outdoor-Einsatz können schnell mal Unterstützung im Bassbereich gebrauchen. Das Signal für das Public-Viewing wurde analog aus einem DVB-T2-Receiver (digitales Antennenfernsehen) abgegriffen und wanderte in das angeschlossene 16-Kanal Hybrid-Pult von Mackie. Die Signale für die Hintergrundbeschallung kamen über einen vorher konfigurierten USB-Stick und für die Live-Musik wurden akustische Gitarre und Cajon samt zwei Gesangsstimmen mikrofoniert – zum Einsatz kamen zwei dynamische the t.bone MB 85 Beta für den Gesang und ein Electro-Voice RE 20 gesellte sich zur Cajon. Zudem widmete sich ein Samson CL 2 Kleinmembran-Mikrofon (Kondensator, Nierencharakteristik) der akustischen Gitarre. Alle Signale gingen in das erwähnte Mackie Mischpult und von da ohne weitere Peripherie in die RCF ART 912-A Aktivbox. Interessant an diesem Aufbau war, dass ich den Sound, der auf zwei Stativen positionierten RCF-Aktivboxen genial einfach mit den drei DSP-Presets steuern konnte.

Test: RCF ART 912-A Aktivbox

Übersichtliches Bedienfeld: links oben die Anwahl der DSP-Presets bei der RCF ART 912-A

Nur das RE 20 entwickelte an der Cajon in den tiefen Mitten und im Bass bei 100 Hz Feedback-Neigung, was sich über den Kanal-EQ und eine etwas andere Positionierung entschärfen ließ. Auch deswegen wechselte ich vom zunächst ausgewählten „Boost“-Preset im Verlauf der Live-Performance zur „Linear“-Einstellung. Für den Streaming-Ton (immer zur vollen Stunde wurden die Wahlergebnisse samt Kommentar-O-Ton eingeblendet) erwies sich das „Stage“-Preset als optimal und später, als die meisten im Publikum die überraschenden Resultate dieser Bundestagswahl „verdaut“ hatten, verlieh die „Boost“-Voreinstellung der tanzbaren Playlist den richtigen Schub über die 12er. Schon erstaunlich – auch bei gehobeneren Pegeln wirkten die Aktivboxen nicht „gestresst“, bei guten Leistungsreserven. Und für den als Bassunterstützung bereitstehenden Sub gab es ob ambitionierter „Tanzeinlagen“ seitens des Publikums bis in den späteren Abend keinen Grund zur „Audio-Intervention“ – Bass Motion Control scheint einen guten Job zu machen. Zu den DSP-Presets: Als ausgewogen möchte ich die klangliche Abstimmung der RCF ART 912-A in der „Linear“-Einstellung bezeichnen. Sie stellt eine gute Ausgangsbasis für klangliche Anpassungen entsprechend der Stilistik und tonalen Abstimmung des anliegenden Audiomaterials dar. Hier ist eine leichte Anhebung im Bereich zwischen 70 und 100 Hz zu verzeichnen, die im „Boost“-Preset im gleichen Frequenzbereich, aber in der Intensität deutlicher ausfällt. Allen drei Presets gemeinsam ist eine dezente Anhebung der Frequenzen zwischen 7 und 10 kHz für entsprechenden „Glanz“ in den Höhen. Und die „Stage“-Einstellung betont im Vergleich zu den anderen Presets den Bereich zwischen 500 und 2 kHz. RCF selbst veröffentlicht leider keinerlei Messungen zur Wirkungsweise der unterschiedlichen Presets – die Ergebnisse resultieren aus Freifeld-Messungen mit dem NTi Audio XL 2 Messgerät, zu diesem Zweck wurden die Boxen mit Testsignalen aus dem NTi Audio MR-PRO beschickt.

Test: RCF ART 912-A Aktivbox

Boxenflansch zur Stativmontage an der Unterseite, allerdings mit starrem Winkel

Zum Schluss noch mal zurück zur Veranstaltung: Schade, dass die Netzanschlusskabel wie üblich in dieser Klasse nicht verriegelbar sind. Und wenn ich schon bei diesem Punkt bin: Für die hier aufgerufene qualitative Gesamt-Performance hätte ich mir auch gut PowerCon-Anschlüsse vorstellen können – wie bei der ART 945-A. Zudem bin ich ein Freund unterschiedlicher Neigungswinkel von Lautsprecherboxen bei der Stativmontage, damit sich die Beschallung möglichst optimal auf das Publikum ausrichten lässt. Da die RCF ART 912-A lediglich die übliche Ausrichtung im 0° Winkel zulässt, kamen zwei 19674 Boxenschrägsteller mit Ring-Lock von König & Meyer zum Einsatz. Die befinden sich seit Jahren in meinem Stage-Gepäck und erlauben auch bei starr geführten Lautsprecherboxen eine variable Neigung zwischen 0 und 15°. Die K&M Adapter sind bis 25 kg belastbar und harmonieren also gut mit den 19 kg wiegenden RCF ART 912-A. Und sonst? Mit der Registrierung der 912er winkt ART-Liebhabern ein zusätzliches Jahr im sicheren Garantierahmen. Zudem bietet RCF für die ART 9er Modellreihe einiges an Zubehör an, von Schutzhüllen, horizontalen und vertikalen Flugbügeln, Distanzstangen zur Subwoofer-Montage oder Lautsprecherstativen.

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Fazit

Die RCF ART 912-A Aktivbox ist genau nach meinem Geschmack: üppige Leistung, exzellente Audiowiedergabe und einfachste Bedienung, ohne auf den Komfort von im Hintergrund arbeitender DSP-Unterstützung zu verzichten. Wichtig ist, wie sonst auch im Leben, zu wissen, was man will. Bluetooth, integriertes Mischpult und Remote-Steuerung? Nö! Schnörkellose Lautmacher mit erstaunlicher Audio-Performance zum erschwinglichen Preis? Genau – das ist die DNA der 912er.

Plus

  • Leistungsreserven (1.400/700 Watt)
  • konventionsgekühlte Endstufe(n)
  • klangliche Grundabstimmung
  • praxisgerechte DSP-Presets
  • Bass Motion Control und FiRPHASE
  • True Resistive Waveguide
  • Multifunktionsbox
  • M10-Flugpunkte
  • optionales Zubehör

Minus

  • kein verriegelbares Netzkabel oder PowerCon
  • starrer, nicht in der Neigung variabler Boxenflansch zur Stativmontage

Preis

  • 599,- Euro
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