Test: Reloop RMХ-90DVS, DJ-Mixer

20. April 2017

Schnellster Einstieg in ein digitales Vinyl-Setup?

Gefühlt ist es gar nicht so lange her, dass aus dem Hause Reloop der RMX-80 auf den Markt kam und zeitnah auch bei uns getestet wurde. Ein Blick auf das Datum zeigt dann aber ein wenig erschreckend, dass das Modell Anfang 2015 bei uns getestet wurde. Zugegeben, das hätte ich nicht gedacht, es fühlt sich an, als wäre es letztes Jahr gewesen.
Nun lag es mir auf der Zunge zu sagen, es gibt einen neuen Mixer in der Range neben dem RMX-80, aber mit dieser Information könnte man schon fast sagen, es ist vielleicht schon ein wenig der Nachfolger.
Wie auch immer, Nachfolger auf den RMX-80 oder aber die Überarbeitung, Erweiterung, das Update, die MK2-Version mit mehr Funktionen. Nennt es, wie ihr wollt. Hat halt zehn Zähler mehr im Namen und drei Buchstaben, die aber schon einiges aussagen.

Mit dem Reloop RMX-90DVS folgt nun ein weiterer Mixer in der Range, der die Tür für die Digital-DJs ein wenig weiter öffnen könnte.

Reloop RMX-90DVS

Dazu später mehr, fangen wir mal klein an.

Ein erster Blick auf den Reloop RMX-90DVS

So wie der Vorgänger, so nennen wir ihn einfach einmal, ist auch der RMX-90DVS ein klassischer digitaler 4-Kanal-DJ-Mixer mit dem bekannten „+“ hinter der 4, denn Mikrofonkanal mit zwei Eingängen wie auch ein Aux-In erweitern die vier Kanäle um weitere Möglichkeiten auf der Eingangsseite.
Eigentlich sind sich die beiden Modelle sehr ähnlich und statt Gemeinsamkeiten sucht man eher nach Unterschieden. Nach wie vor ist eine digitale Effekteinheit verbaut, nach wie vor gibt es diverse einstellbarer Parameter für Bedienelemente.

Schwarz dominiert auf der Mixeroberfläche, lediglich unterbrochen durch die weißen Linien, die die Sektionen treffen. Auffällig ist, der RMX-90DVS wirkt heller, dadurch aber auch voller. Linien sind dicker, Beschriftungen ebenso, dadurch auch besser erkennbar. Während der RMX-80 durch leicht graue Linien für Ordnung an der Oberseite sorgte, wird hier nun klar unterschieden. Was früher mit dünner, weißer Schrift dargestellt wurde, ist heute teils in schwarzer Schrift weiß hinterlegt. Die Cue Buttons sind nun blau, nicht mehr orange. Die Effektparameter sind grau hinterlegt, auch dies sorgt für eine weitere Trennung. Das Grundlayout ist also erhalten geblieben, lediglich hinsichtlich der Visualisierung wurden Änderungen vorgenommen.

Wie das Grundlayout sind auch die Funktionen erhalten geblieben. Vier Kanäle, jeweils mit einem 3-Band-EQ ausgestattet, Auswahlschalter für den Input, ein Gain-Regler natürlich. Nach dem Gain als Input-Regler sorgen vier 6 cm Line-Fader für die Lautstärkeneinstellung.

Massiv in der Mitte: die Filter der Kanalzüge

Unter dem EQ findet sich in jedem Kanalzug ein Filter. Dies ist bipolar, heißt High-Pass-Filter ab der Nullstellung (12 Uhr mit Mittenrasterung) im Uhrzeigersinn und entgegen diesem ab Nullstellpunkt ein Low-Pass-Filter. Derweil schon bei vielen Mixern zu finden ist dies in jedem Fall eine schöne Lösung für ein einfaches Filter und ein Plus, da in jedem Kanalzug vorhanden. Kurz zu meinem Gedanken „einfach“: Ein einzelnes Filter oder wie in diesem Fall ein bipolares Filter, nicht ein wirkliches Filterglied wie bei einem Allen&Heath Xone:92 mit LPF, Bandpass und HPF plus einstellbarer Resonanz, LFO + Peripherie).

Ein Mikrofonkanal ermöglicht die Nutzung zweier Mikrofone. Einen Anschluss als Kombi-Buchse 6,3 mm Klinke und XLR gibt es dafür an der Oberseite, den zweiten im Format 6,3 mm Klinke an der Vorderseite.

Mikrofoneingang oder Aux-In

Zwei unabhängige Level-Regler bestimmen die Lautstärke, die Klangregelung bietet einen Regler für hohe und einen für tiefe Frequenzen. Selbstverständlich gibt es einen On/Off-Schalter wie eine Talk-Over-Funktion.
Wer diesen „fünften“-Kanal nicht für Mikrofone nutzen möchte, kann hier über oberseitig verbaute Cinch-Buchsen auch einen weiteren Zuspieler anschließen, sei es ein Sampler, Smartphone oder dergleichen. Der jeweilige Input kann per Schalter gewählt werden. So kann neben den klassischen vier Kanälen hier noch ein fünfter Kanal genutzt werden, mit 2-Band-EQ und ohne Line-Fader zwar, aber dennoch separat nutzbar in jedem Fall.

Vorderseitig findet sich gegenüber dem Mikrofoneingang ein Kopfhörerausgang im 3,5 mm Klinkenformat. Der Zweite, im klassischen 6,3 mm Klinkenformat, findet sich an der Oberseite unter den Reglern für die Parameter wie Level oder Cue/Mix-Verhältnis. Es gibt sogar einen Cue-EQ, ein bipolarer Regler für die Regelung von hohen oder tiefen Frequenzen. Ein kleiner Schiebeschalter lässt das Splitten der Seiten für den Kopfhörer einschalten. Der wird bei mir direkt auf Off gestellt natürlich.

Die Rückseite wirkt sehr aufgeräumt. Hier finden sich die Eingänge für die vier Kanäle, der Master-Ausgang in Form von ХLR-Buchsen wie auch als Cinch-Ausgang. Der Monitorausgang findet sich in Form zweier 6,3 mm Klinkenbuchsen, ein Record-Out findet sich als Cinch.

Rein und raus samt USB-Schnittstelle und Hub

Neben dem USB-Port Typ B zum Anschluss des Mixers an den Computer gibt es auch noch drei Schnittestellen USB Typ A, denn der Reloop RMX90DVS kann gleichzeitig als Hub fungieren.

Interface und Serato-DJ?

DVS im Namen verrät es schon, der RMX-90 legt einen Augenmerk auf ein digitales Vinyl-System. So findet der Nutzer im Lieferumfang eine Serato DJ-Vollversion samt DVS-Expansion Pack. Plug ’n‘ Play also, sogar die Timecode-Vinyls sind dabei. Der Mixer selbst verfügt über ein verbautes Interface, 8 In, 8 Out, auf 24 Bit arbeitend.

Plug ’n‘ Play wird versprochen und auch gehalten. Wer Serato DJ noch nicht installiert hat, lädt es schnell über die Homepage von Serato runter und aktiviert quasi mit dem RMХ-90 sowohl die Software als auch die DVS-Expansion. Kurz einloggen mit dem Benutzerkonto in der Software und fertig. Das Ganze dauert keine fünf Minuten, dann läuft das DVS-System mit eingebundenen Plattenspielern.
Diese bleiben einfach im Phonoeingang stecken, einzig muss man den Kippschalter zur Auswahl des Eingangs von Phono wegbewegen Richtung Mitte, USB-benannt. In der Software können natürlich auch CD-Player als Zuspieler adressiert werden, den Voreinstellungen nach finden sich hier Plattenspieler.

Die digitale Effekt-Sektion

Ein Blick auf die Effekte lässt erkennen, die Effekt-Sektion ist zumindest von der Art der Effekte dieselbe wie im RMX-80. Verändert wurde lediglich die Bedienung auf der Mixer-Oberfläche. Mit an Bord hat der RMX-90DVS somit folgende Effekte: Flanger, Delay, Echo, Reverb, Transformer, Pitch-Shift, Loop Roll, Reverse-Loop, Noise, Bit-Crusher und ein Gate wie auch ein Tape-Delay. Angezeigt, welcher Effekt ausgewählt ist, wird im Display. Wichtig: Man kann zwischen den Effekten herumscrollen, aber erst das Drücken des Push-Encoders wählt den Effekt aus. Man ist es möglicherweise anders gewohnt, Hardware-seitig am Knopf drehen und der Effekt ist gewählt. Ich finde es gut, dass man davon Abschied nimmt, denn die steigende Anzahl der Effekte sorgt für zu kleine Beschriftungen auf den Geräten neben den Auswahlpotis, die man im Dunkeln eh nicht lesen kann. Also gleich lassen, Endlos-Encoder und Info im Display. Viel besser.

Die Effektsektion des RMX-90DVS

Wer Informationen zu den Effekten sucht, wird in der Bedienungsanleitung fündig. Hier stehen einige Zeilen zu jedem Effekt und möglichen Einstellungen. Das ist tendenziell gar nicht schlecht zu lesen, finden sich hier zum Beispiel die Info zu den Thresholds für das Gate.

Besonders relevant natürlich für die Effekt-Sektion ist der verbaute Beat-Counter. Im Falle des Reloop RMX90DVS sind es sogar zwei parallel arbeiten Counter. Der eine zählt und zeigt das Tempo des Kanals an, für den die Cue-Funktion genutzt wird, idealerweise als das Master-Tempo.

Das Display gibt Informationen über Tempo und Effekte

Der zweite Counter zeigt das Tempo des Tracks an, der auf dem Kanal läuft, auf den in dem Moment die Effektsektion zugewiesen ist. Alternativ kann das Tempo aber auch durch die Tap-Funktion manuell bestimmt werden. Einen eigenen Tap-Button gibt es leider nicht, hier muss der Push-Encoder für die Zeiteinstellung der Effektsektion helfen. Dieser ermöglicht durch Drehen das rasterlose Einstellen der Zeit für einige Effekte, Reverb zum Beispiel.
Leider muss ich sagen, ist das Drücken eines solchen Encoders kein adequater Ersatz für eine Tap-Taste, die sich angenehm und sauber im Takt drücken lässt. Der Encoder ist dafür doch irgendwie zu schwerfällig. Gehen tut es, wenn man sich daran gewöhnt hat, für das schnelle Tempo einstellen on-the-fly ist es aber nichts.
Gut ist, dass die beiden Beat-Counter schnell und sehr sauber arbeiten und man somit das Tempo eigentlich nicht selbst bestimmen muss.

Soundbeispiele sind sicherlich sinnvoller als viele Worte, also hier das, was die Effektsektion so anstellen kann:

Der Reloop RMX90DVS in der Praxis

In der Praxis macht der Reloop RMX90DVS ab dem ersten Moment einen guten Eindruck. Der Einstieg ist schnell gemacht, denn der Mixer besitzt ein bekanntes Layout und ist sehr übersichtlich gestaltet. Einstellungen gehen schnell von der Hand und so ergibt sich sofort ein angenehmer Workflow.
Schön finde ich persönlich die Möglichkeiten der Einstellung des Gerätes. Zugegeben, bei einem Mixer in der Preisklasse kann man das erwarten, aber es ist auch nicht selbstverständlich.
So kann der Crossfader jedem Kanal zugewiesen werden und vor allem, er kann damit auch abgeschaltet werden. Korrekter gesagt, der entsprechende Schiebeschalter kann in jedem Kanal auf Thru gestellt werden, was den Crossfader quasi deaktiviert.

Neben der Crossfader-Zuweisung kann auch die Fader-Kurve für die Linefader und den Crossfader eingestellt werden, rasterlos anhand zweier kleiner Encoder unter dem Display.

Anmerkung am Rande: Der Mixer ist innoFader kompatibel. Der Crossfader besitzt eine gesonderte Faceplate, der Wechsel kann also viel zu schrauben erfolgen.

Auch die EQs können eingestellt werden und es kann gewählt werden zwischen dem klassischen EQ und dem EQ als Isolator, also Full-Kill.
Das bipolare Filter wurde schon angesprochen, zumindest beschrieben, dass es da ist. Das ist es und es tut seinen Job sehr gut. Aber Achtung, das Filter greift stark und filtert bis nahezu Full-Kill, also sensible Finger haben bei der Nutzung. Sehr positiv finde ich, dass in jedem Kanalzug eine helle grüne LED anzeigt, ob das Filter aktuell aktiv ist oder nicht. Ein deutliches Plus für die Übersichtlichkeit.

Neben einem guten Workflow gibt es also einiges an Einstellungsmöglichkeiten, um den Mixer für einen selbst zu konfigurieren.

Auch das Menü bietet einige Einstellungen, die über die der Bedienoberfläche hinaus führen. Cue Solo zum Beispiel wäre so eine Option, über die sich vielleicht der ein oder andere DJ freuen würde. Weiterhin kann die Filterresonanz eingestellt werden, so dass das Filter bei Drehung des Potis nicht direkt so stark greift.
Weiterhin kann die Frequenz-Range der EQs eingestellt werden.

Selbstverständlich findet sich auch ein Eingriff in das Routing für das verbaut Interface.

Qualität und Haptik

Qualitativ macht der Reloop RMX-90DVS direkt einen guten Eindruck. Schwer, massives Gehäuse und somit ein Gewicht von rund 7 kg. Die Potikappen sind nahezu alle mit einer gummierten Oberfläche versehen und daher sehr griffig. Lediglich auf den Filterpotis finden sich klassische, silberne Kunststoffkappen. Unter den Potis finden sich Metallstifte – schön!

Auch die Cue-Tasten, die kleine gummierte und LED-beleuchtete Pads sind und sich wirklich schön Drücken lassen, gefallen mir gut. Ebensolche, lediglich rund, finden sich dann auch in der Effektsektion wieder, mit Ausnahme des On/Off-Schalters.
Die Widerstände der Potis sind unterschiedlich, was ich ganz sinnvoll finde. So sind alle lautstärkerelevanten Potis leichter zu drehen und somit gefühlt genauer einstellbar (z.B. Level, Booth, Gain) wie aber auch die Filterpotis. Etwas schwergängiger sind die EQs, Master-Balance oder die Kopfhörereinstellungen. Einfacher gesagt: Weißer Mittenstrich = kräftiger im Drehwiderstand, grauer Mittenstrich = schwacher im Widerstand.

Ein kleines allerdings nur anfänglich negatives Erlebnis gab es bei den Line-Fadern. Diese haben einen höheren Widerstand als erwartet, höher als man es zum Beispiel von einem DJM- gewohnt wäre. Das ist nichts Schlechtes, es sollte nur kurz erwähnt sein, da es thematisch passt. Mich stört es nicht, ich finde es sogar ganz angenehm, wenn ein Line-Fader nicht durch die Gegend eiert.
Was allerdings auffiel ist, die Linefader kratzen hörbar bei der Bewegung. Am Anfang ist es stark, verschwindet aber bei einiger Nutzung bzw. bei einigen vollzogenen Bewegungszyklen bis zu einem bekannten Gleitgeräusch. Kein Grund zur Sorge also, die Fader sind einfach wie man selbst am Morgen: Erstmal in Bewegung kommen, dann läuft es.

Fazit

Schöner Mixer mit nicht geringem Preis, dafür einem besonderen Extra. In der Tat platziert sich Reloop dieses Mal mit einem Preis knapp unter 1000,- Euro höher als sonst. Dafür gibt es aber ein kleines Upgrade des RMX-80 (Grundpreis 699,- Euro) in Form eines verbauten Interfaces und das komplette Serato Software-Paket bestehend aus der Vollversion der DJ-Software samt DVS-Expansion-Pack und damit es ein Sofort-Start-Paket ist, sind die Control Vinyls im Lieferumfang enthalten. Damit spart der Kunde sowohl die rund 100,- Euro für die Software, noch einmal rund 100,-Euro für das DVS-Plug-in wie auch 40,- bis 50,- Euro für die Vinyl-Scheiben. Fairer Deal! Dazu funktioniert auch alles Plug ’n‘ Play.

Qualitativ gibt es nichts zu beanstanden, haptisch auch nicht. Sauber verarbeitet, keine Software-Bugs dafür tiefergehende Einstellmöglichkeiten im Menü. Umfassende Effekt-Sektion, Filter in jedem Kanalzug, Mikrofon- und Aux-In und mehr als die Grundfunktionen für die beiden Kopfhörerwege. Nichts fehlt.
Wer als Serato DVS-Nutzer auf einen besonderen Crossfader nicht verzichten kann, freut sich er über die innoFader Kompatibilität.

Reloop RMX-90DVS: ein rundes Paket, viel Leistung, fairer Preis für jeden, der Serato nutzen möchte. Wer das nicht tun möchte, sollte den Aufpreis besser sparen und sich vielleicht einen klassischen 4-Kanal-Mixer ansehen (zum Beispiel einen Reloop RMX-80, Allen&Heath Хone:43 oder ähnlich).

Plus

  • Serato DJ als Vollversion samt DVS-Expansion-Pack im Lieferumfang enthalten
  • saubere Verarbeitung
  • umfassende Effekt-Sektion
  • faires Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • Ladenpreis: 999,- Euro
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