Test: Reon Driftbox RE-501R Limited, Synthesizer

Der Entwickler der Driftbox-R hat selber wohl auch an die Verwendung als FX-Sound-Generator gedacht. So lässt sich jedenfalls der Trigger-Button erklären, mit dem man auch ohne angeschlossenem Sequencer dem Gerät Klänge entlocken kann. Dabei verhält er sich genauso wie ein externer Trigger und reagiert auf die Einstellungen der Hüllkurve. Für langanhaltende FM-Zwitschereien, bei denen man mit beiden Händen schrauben kann, ist der Hold-Schalter unentbehrlich.

Über die Kippschalter wird der Signalfluss bestimmt.

Über die Kippschalter wird der Signalfluss bestimmt

Hat man die Balance zwischen den FM-Modulationen der Oszillatoren und dem Filter im Griff, lassen sich der Driftbox-R auch vokale Klänge entlocken. Das liegt daran, dass durch die verschiedenen Modulationen formantähnliche Filterspitzen entstehen, die für den vokalen Charakter verantwortlich sind. Das Filter packt ordentlich zu und macht den Eindruck, es würde gerne übersteuern. Tatsächlich kommen die meisten „Übersteuerungen“ aber durch die vielfache Cross-Modulation zustande. Vom Charakter würde ich es als sehr MOOGig beschreiben.

Der ENV-Depth-Filter sollte eigentlich dafür sorgen, die Intensität des Einflusses der Hüllkurve zu bestimmen. Bei meinem Modell fungierte der Regler jedoch nur als zusätzlicher Volumeregler.

Fazit

Mit der Reon Driftbox RE-501R bekommt man einen Spezialisten auf den Schreibtisch, der zwar auch druckvolle Bässe kann, deren Stimmung aber durch eine fehlende Mittenrasterung der Frequenzkontrolle nur schwer einzustellen ist. Natürlich gelingt das mit etwas Geduld auch, jedoch wurde die Driftbox-R für etwas völlig anderes konzipiert. Und das leitet sich einfach aus der internen Verschaltung ab. Durch die mehrfache Modulation der Oszillatoren untereinander, gekoppelt mit Sync und Modulation des Filters im Audiobereich, gelingen elektronische perkussive Klänge nahezu mühelos. Für den Live-Einsatz ist die Driftbox-R wohl eher nicht so geeignet. Denn ein einmal erschraubter Sound verändert sich aufgrund der Schaltung durch nur minimale Änderung eines Parameters teils erheblich. Und da es keinerlei Rasterung, noch nicht mal optischer Natur gibt, ist das Notieren eines Sounds auf einem Sheet auch eher ungünstig.

Der Einsatzgebiet liegt also eher im Studioeinsatz und als Sample-Lieferant. Der aufgerufene Preis von derzeit 395,- Euro muss es einem Wert sein, um an die interessanten perkussiven Klänge zu kommen. Immerhin gibt es für 480 Euro (ohne Rahmen) alle Doepfer Module, um sich eine Driftbox-R selber zusammenzustellen.

Plus

  • sehr schnelle Hüllkurven
  • komplexe Cross-Modulation ermöglicht komplexe Perkussions-Klänge
  • druckvoller Grundsound

Minus

  • keine Mittenrasterung der Frequenzeinstellung
  • Mehrfachbelegung des OSC1-Wave-Schalters
  • keine optische Rasterung der Parameter
  • kein MIDI
  • Env-Depth-Regler zeigt keine Wirkung
  • kleine Reglerbewegungen können den Sound drastisch verändern

Preis

  • Ladenpreis: 395,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    t.goldschmitz  RED

    Hi!

    Grundsätzlich:

    2 x Standard VCO
    1 x VCA
    1 x VCF

    und dann halt die Verschaltung.

    Möglich, dass da noch ein Mixer rein muss.
    Ich wollte damit nur zu bedenken geben, dass man mit etwas mehr Investition ein ungleich flexibleres Instrument bekommt. Allerdings ist der Preis der Driftbox-R noch mal runtergegangen, so dass der Vergleich nun etwas unfair erscheinen mag.

    • Profilbild
      banalytic

      hm… ich habe den reon-synth selber nicht und immer wieder damit geliebäugelt – trotz oder gerade weil ich ein modularsystem habe…
      denke auch, dass mit 2 x vco, vca, vcf nicht getan ist…
      abgesehen vom fehlenden case, fehlt da zumindest die hüllkurve (also ein adsr bzw. ad-modul), noise (also ein noise-modul) und gegebenfalls abschwächer bzw. mixer, weil man ja die vco’s – soweit ich das verstanden habe – auch in der lautstärke regulieren kann.
      Dann sind wir schon bei ziemlich über 395,-
      Trotzdem mal vielen Dank für den Artikel, vielleicht bestelle ich sie doch noch. :)

  2. Profilbild
    Green Dino  AHU

    Achso, dachte du hattest da jetzt irgendwas Spezielles im Sinn…
    Auf jeden Fall kommen da interessante Sachen aus der Driftbox raus, gefällt mir richtig gut – So als Sample-Liferant für perkussives Zeug, wie du geschrieben hast, würde mir das schon sehr gefallen! Andererseits wollte ich mir bald was Modulares für Percussion bauen…Hmmm.

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