P90-Sound mit Extras
Drei P90-Pickups, Wilkinson-Vibrato, Reverse-Headstock und jede Menge Gold – die Reverend Ryan Malicsi Signature fällt garantiert auf. Doch hinter der extravaganten Optik steckt weit mehr als nur ein Signature-Modell für Fans von Hot Mulligan. Ob die Offset-Gitarre auch klanglich und spielerisch überzeugt, klären wir im Testbericht.
Was ist es? Reverend Ryan Malicsi Signature, Signature-E-Gitarre mit drei P90-Pickups, Wilkinson-Vibrato und erweiterten Schaltungsoptionen.
- Vielseitige Elektronik: Drei P90-Pickups, Bass-Contour-Regler und Studio Switch sorgen für zahlreiche Klangvarianten.
- Spielkomfort: Offset-Korpus, Roasted-Maple-Hals und hochwertige Verarbeitung bieten ein angenehmes Spielgefühl.
- Klang: Charakterstarke P90-Sounds von Clean bis High Gain mit überraschend hoher Vielseitigkeit.
- Kritik: Vibratosystem arbeitet nicht völlig stimmstabil, zudem fällt das Sustain etwas knapp aus.
- Fazit: Eigenständige Signature-Gitarre mit unverwechselbarer Optik und überzeugendem Klangkonzept.
Inhaltsverzeichnis
Reverend Ryan Malicsi Signature – Facts & Features
Reverend Guitars existiert seit Ende der 90er-Jahre und hat sich seitdem eine beachtliche Liste an Endorsern aufgebaut. Billy Corgan, Reeves Gabrels, Vernon Reid oder Greg Koch sind nur einige der Musiker, die seit Jahren Reverend-Gitarren spielen. Auffällig dabei: Reverend entwickelt nicht einfach ein Signature-Modell nach dem anderen, sondern arbeitet oft über viele Jahre eng mit seinen Künstlern zusammen.
Mit Ryan Malicsi, Gitarrist der amerikanischen Emo-Band Hot Mulligan, ist inzwischen ein weiterer Künstler hinzugekommen, der ebenfalls seine eigenen Vorstellungen von einer modernen Arbeitsgitarre hat. Auf Basis der Jetstream 390 entstand so die Reverend Ryan Malicsi Signature, die wir uns im folgenden Review genauer ansehen.
Der schwungvolle Offset-Body wurde aus Korina gefertigt und in einem Gold-Sparkle-Finish lackiert. Das wirkt schon auf den ersten Blick pompös, doch es geht noch weiter: Vibratosystem, Vibratohebel, Mechaniken samt String-Tree, Pickguard inklusive Schrauben sowie die Polepieces der drei P90 – alles erstrahlt in edlem Gold.
Ich persönlich finde die Optik schon irgendwie recht cool. Sie hat etwas von „Jazzmaster meets Gretsch“. Oder so ähnlich. Wem das Ganze allerdings zu viel „Bling-Bling“ ist, der kann die Ryan Malicsi Signature alternativ mit einem roten Metallic-Lack („Mulberry Mist“) bekommen. Immer noch auffällig, aber vielleicht nicht ganz so dick aufgetragen.
Ein weißes Binding hebt das Gold-Finish vom rötlichen Farbton des Korina-Holzes ab. Die Rückseite des Korpus wurde nämlich lediglich mit Klarlack versiegelt. Dabei fallen auch zwei Fräsungen auf, wenn auch nur dezent. Die obligatorische Bierbauchfräsung ist natürlich wieder dabei. Zudem wurde im Bereich zwischen den beiden Cutaways eine Vertiefung ins Holz eingearbeitet.
Das Cutaway selbst ist sehr ausgeprägt und ermöglicht einen problemlosen Zugang bis hinauf zum letzten Bund. Typisch Reverend ist die sechsfache Verschraubung von Hals und Korpus, die über eine (natürlich goldene) Neck-Plate inklusive Reverend-Gravur erfolgt.
Roasted-Maple-Neck
Hälse aus geröstetem Ahorn gehören mittlerweile zum guten Ton. Das gilt inzwischen gleichermaßen für die Premium-Liga, den Low-Budget-Bereich und die goldene Mitte, in der die Reverend Ryan Malicsi Signature preislich angesiedelt ist.
Das verwendete Holz unseres Testinstruments zeigt hier und da ein paar unschöne Stellen. Das kann beim nächsten Exemplar allerdings schon wieder ganz anders aussehen. Viel wichtiger ist, dass die Halsrückseite lediglich mit einem hauchdünnen Satinlack versehen wurde. Damit entfällt zum Glück das unangenehme Ankleben der Greifhand.
Das „Medium Oval“-Profil der Halsrückseite und der 12″-Radius des Griffbretts bieten einen guten Spielkomfort mit genügend „Fleisch“ zum Greifen. 22 Medium-Jumbo-Bünde gilt es zu meistern. Diese wurden sorgfältig eingesetzt, sauber an den Kanten abgerichtet und auf den Oberflächen sorgfältig poliert.
Ein Sattel aus Boneite führt die Saiten zu sechs Klemmmechaniken aus eigener Reverend-Fertigung. Ein String-Tree unterstützt dabei die drei Basssaiten auf ihrem Weg zur Kopfplatte. Diese erscheint im Reverse-Design – ein Punkt, in dem sich die Ryan Malicsi Signature vom Serienmodell der Jetstream 390 unterscheidet.
Hardware
Wie eingangs schon erwähnt, ist die komplette Hardware der Reverend Ryan Malicsi Signature goldfarben ausgeführt. Ein ganz wichtiger Bestandteil stammt dabei von Wilkinson, nämlich das Vibratosystem. Es ist frei schwebend mit zwei Bolzen im Korpus gelagert und wird über einen steckbaren Hebel bedient. Dieser sitzt vollkommen spielfrei in seiner Aufnahme. Über eine kleine Inbusschraube lässt sich einstellen, wie leicht oder stramm er sich bewegen soll.
Trotz Klemmmechaniken und Zweipunkt-Vibrato arbeitet das System leider nicht ganz stimmstabil. Leichte Bewegungen mit dem Hebel, etwa einen Halbton nach oben oder unten, sind problemlos möglich. Bei allem, was darüber hinausgeht, sollte man anschließend den Tuner im Auge behalten. Mag sein, dass sich das Ganze nach einer gewissen Einspielzeit noch etwas „einfährt“. Bei unserem Testinstrument musste ich in diesem Punkt jedoch vorsichtig vorgehen, um Verstimmungen zu vermeiden.
3x P90 an Bord
Reverend entwickelt seine Pickups grundsätzlich selbst und greift nicht auf Standardmodelle zurück. Die drei 9A5-P90-Pickups der Ryan Malicsi Signature sind speziell auf ihre jeweilige Position abgestimmt. Der Steg-P90-Pickup wurde etwas heißer gewickelt als ein klassischer Vintage-P90 und soll entsprechend mehr Druck und Mitten liefern, ohne den typischen rauen Charakter eines P90 zu verlieren. Hals- und Mittel-Pickup fallen dagegen etwas offener und cleaner aus. Der mittlere Tonabnehmer ist zudem als RWRP (Reverse Wound / Reverse Polarity) ausgeführt, wodurch die Zwischenpositionen weniger Brummen erzeugen.
Die Schaltung orientiert sich grundsätzlich am Layout einer klassischen Stratocaster. Neben dem Master-Volume stehen ein Master-Tone sowie der für Reverend typische Bass-Contour-Regler zur Verfügung. Letzterer arbeitet nicht als herkömmliche Höhenblende, sondern reduziert gezielt den Bassanteil der Pickups und verändert damit den Grundcharakter der Gitarre spürbar.
Über den 5-Wege-Schalter werden die drei P90-Pickups in den bekannten Einzel- und Zwischenpositionen angewählt. Eine Besonderheit bietet der Tone-Regler: Per Push/Pull wird der sogenannte „Studio Switch“ aktiviert, der den Hals-Pickup zusätzlich in den Schalterstellungen Steg sowie Steg/Mitte zuschaltet. Dadurch stehen neben den fünf Standardpositionen auch die Kombinationen Steg + Hals sowie alle drei Pickups gleichzeitig zur Verfügung.
Die Ryan Malicsi Signature in der Praxis
Trocken angespielt zeigt die Reverend Ryan Malicsi Signature einen höhenbetonten Grundsound mit gutem Attack, allerdings nicht allzu viel Sustain. Dafür pendelt die Gitarre ausgewogen am Gurt und liegt bequem im Schoß – von Kopflastigkeit keine Spur.
Das ab Werk montierte Setup hätte meiner Meinung nach allerdings etwas sorgfältiger ausfallen dürfen. Unsere Testgitarre kam mit einer vergleichsweise hohen Saitenlage an. Eine Nachjustierung von Hals und Vibrato kann sich durchaus lohnen, zumindest dann, wenn man gerne und häufig jenseits der Oktavlage unterwegs ist.
Die drei Reverend-9A5-P90 liefern den typischen Sound dieses Tonabnehmertyps. Clean besitzen sie einen angenehmen Biss und viel Charakter. Mit zunehmendem Gain entwickeln sie den gewohnt kernigen und durchsetzungsfähigen Crunch-Sound. Dass einzelne P90-Pickups dabei hörbar brummen, gehört konstruktionsbedingt zum Konzept und dürfte niemanden überraschen.
Überraschend ist in diesem Zusammenhang allerdings, wie gut sich die Reverend selbst bei kräftigen High-Gain-Sounds schlägt. Palm-Mutes kommen definiert, schnelle Metal-Riffs behalten ausreichend Kontur und wirken nur selten matschig. Ehrlich gesagt hätte ich das in dieser Form so nicht erwartet.
Der Bass-Contour-Regler gehört zu den Funktionen, die man anfangs vielleicht als nette Dreingabe betrachtet, nach kurzer Zeit aber ganz selbstverständlich nutzt. Seine Wirkung fällt deutlich aus und reicht von einem vollen, kräftigen P90-Sound bis hin zu deutlich schlankeren und „drahtigeren“ Klängen. Zudem eignet sich der Regler hervorragend, um den Sweet-Spot am Amp zu finden.
Auch der „Studio Switch“ erweitert das Klangspektrum sinnvoll. Die zusätzlichen Pickup-Kombinationen wirken keineswegs wie ein Marketing-Gag, sondern eröffnen tatsächlich weitere Nuancen, die bei einer klassischen Dreifach-P90-Bestückung normalerweise nicht zur Verfügung stehen.
Ryan Malicsi Signature Klangbeispiele
Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Reverend Ryan Malicsi Signature zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22 Combo verwendet. Vor dem Amp kam ein AKG C3000 zum Einsatz. Die Tracks wurden ohne weitere Effekte aufgenommen.
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sehr schönes fotos hast du gemacht
dankesehr!🙂
Ich kann die maue Bewertung nicht nachvollziehen. Ich habe die annähernd baugleiche Jetstream 390. Verstimmungsproblem mit dem -bewährten- Wilkinson Trem kenne ich keine. Klar, es ist nicht für Divebombs ausgelegt. Vielleicht ist die Ursache beim Testmodell am Sattel zu suchen. Reverends haben in der Regel einen hohen Verarbeitungsstandard, hatte schon ein paar in der Hand, neben meiner. Auch Schwingungsverhalten und Sustain sind sehr gut. Die Audio-Files deuten auch nicht auf ein schwaches Sustain hin.
Drei P90s, Reverse-Headstock und ein eigenständiges Design, genau solche Gitarren machen den Markt spannend. Die Bass-Contour-Schaltung klingt ebenfalls richtig interessant. Schade nur, dass die Stimmstabilität des Vibratos nicht ganz mithalten kann. Trotzdem eine Gitarre, die definitiv Charakter hat.