Test: Reverend Trickshot, E-Gitarre

4. Oktober 2020

Hochwürden lässt bitten, "Telecaster" mit neuem Design?

Der Name Reverend Guitars (übersetzt „ehrwürdig“) mag einigen von euch womöglich nicht geläufig sein. Die im Jahre 1997 gegründete Firma hat ihren Sitz in Toledo/Oklahoma und fertigt dort elektrische Gitarren und Bässe, die unter sehr hohen Qualitätsansprüchen in Korea gebaut werden. Reverend  bietet viele interessante Gitarren-Modelle, die teilweise auch weltbekannte Gitarristen wie Greg Koch spielen. Dieser besitzt sein eigenes Signature-Modell, das mit sehr speziellen Features nach seinen Wünschen bestückt wurde. Reverend bietet einerseits klassisch anmutende Modelle, die jedoch durch die individuelle Korpusform und eine zeitgemäße und intelligente Ausstattung glänzen können. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Instrumente ist meist mehr als akzeptabel, da sich diese durchweg einer hervorragenden Verarbeitung und durchdachten Kleinigkeiten erfreuen.

Moderne Telecaster Twang von Reverend Guitars

Unsere heutige Testkandidatin, die Reverend Trickshot, ist eine „Spezialanfertigung“, ähnlich der Reverend Double Agent, jedoch mit anderer Tonabnehmerbestückung. Diese geht mit ihren beiden Einspulern eindeutig in die Telecaster-Abteilung. Alle Instrumente aus dem Hause Reverend besitzen eine spezielle Form, an der man diese sofort identifizieren kann. Später lesen wir dann noch etwas über die eher außergewöhnlichen Features der Instrumente von Reverend. Unsere Testkandidatin kommt in der Farbgebung „Metallic Alpine“ und einer Bestückung mit 0.010-er Saiten. Auch ein qualitativ gutes Gigbag (schwarz) ist im Lieferumfang enthalten.

Reverend Trickshot Bild 1

Reverend Trickshot – Korpus

Der Korpus der Reverend Trickshot wurde aus Korina (auch bekannt als White Limba) gefertigt. Dieses ist ein mittelschweres Holz, das für seine Konsistenz und Klangqualität geschätzt wird. Alle Reverend Gitarren verwenden Korina als Ausgangsmaterial für den Korpus und sollen aufgrund der guten akustischen Eigenschaften ein Schlüsselfaktor für die Fertigung eines lebendigen und „reaktionsschnellen“ Instruments, das reich an harmonischen Obertönen ist, verantwortlich sein.

Der Korpus der Trickshot ist geringfügig massiger als beispielsweise eine Telecaster. Am Korpus wurden einige, von einer Stratocaster bekannte Features, wie die „Bierbauchfräsung“ und die abgerundete Armauflage integriert, die sicherlich auch zu einer leichten Gewichtsreduzierung beitragen. Die Lackierung wurde perfekt ausgeführt. Das dreilagige Schlagbrett aus Perlmutt harmoniert gut mit der Farbe des Korpus.

Reverend Trickshot Neckplate

„Bierbauchfräsung“ und abgefahrene Vintage-Lackierung, 6-Punkt Befestigung und Bass-Contour-Regler.

Retro- und Vintage- Gitarre von Reverend – Hals

Der „geröstete“ bzw. wärmebehandelte Hals wurde mittels sechs Schrauben am Korpus verschraubt, was das Sustain des Instruments geringfügig positiv beeinflussen dürfte. Das aufgeleimte Griffbrett wurde ebenfalls aus geröstetem Ahorn hergestellt. Der Griffbrettradius von 305 mm entspricht ca. 12″, was sich mit einer Gitarre aus dem Hause Gibson vergleichen ließe. Das gilt auch für die Sattelbreite von 43 mm. Die Mensur von 648 mm ist wiederum vergleichbar mit einer Strato- bzw. Telecaster.

Die 22 fetten und hohen Medium-Jumbo-Bünde wurden perfekt eingesetzt und weiterverarbeitet. Keinerlei Unsauberkeit ist diesbezüglich zu bemängeln, die Halskante fühlt sich „smooth“und perfekt an. Hier wurde ausgesprochen sauber gearbeitet. Das Halsprofil wird vom Hersteller als „Medium Oval“ bezeichnet, ich würde dieses eher in der „C-Profil-Schublade“ ablegen. Der Hals fühlt sich spontan ausgezeichnet an und lädt augenblicklich zum Spiel ein.

Wie bei allen Reverend-Instrumenten kommt für den Sattel „Boneite“ zum Einsatz, ein synthetisches Material, das laut Hersteller konsistenter als natürlicher Knochen ist. Dieses Material soll die Reibung reduzieren und es den Saiten ermöglichen, quasi reibungslos durch die Sattelkerben zu gleiten, was einer guten Stimmstabilität zugutekommen soll.

Reverend Trickshot Kopf

Schöne „Röstung“, spezieller String-Tree, Sattel aus Boneite und Locking-Mechaniken

„Geröstete“ bzw. wärmebehandelte Ahornhälse liegen momentan nicht ohne Grund im Trend. So wurde der Ahornhals der Trickshot bei über 300 ° F (was etwa 150 Grad Celsius entspricht) wärmebehandelt, um sich von Feuchtigkeit und Verunreinigungen zu entledigen und um die schöne Karamellfarbe zu erzeugen. Das Ergebnis zeigt sich in einem schönen Vintage-Look und einem Hals, der sich hervorragend anfühlt.

Der „Double Action Trussrod“ lässt sich in beide Richtungen einstellen und ermöglicht einen Rück- oder Vorwärtsbogen. Dies stellt sicher, dass ein korrekter Einstellbereich unabhängig von Saitenspannung, extremen Klimabedingungen oder den Auswirkungen der Langzeitalterung möglich ist. Die Einstellung des Halsstabs wäre ggf. über die Kopfplatte leicht vorzunehmen. Eine Abdeckung für den Fräskanal des Halsstabes existiert nicht.

Reverend Trickshot – die Tonabnehmer der Telecaster

Reverend entwickelt seine eigenen Tonabnehmer, um die beste Symbiose mit ihren Instrumenten zu erzielen. Die Tonabnehmer wurden für jede Position speziell entwickelt, um Lautstärke und Klang beim Umschalten auszugleichen.

Die Schaltung ist hier wie bei einer gewöhnlichen Telecaster (3-Positionen-Toggleswitch, Volume- und Tone-Regler), wobei hier ein zusätzlicher Regler (Bass-Contour) am linken „Cutaway“ installiert wurde. Auf dessen Wirkungsweise und Klang wird später noch in den Klangbeispielen eingegangen.

Der Volume-Regler erhielt einen Kondensator zwischen Ein- und Ausgang, der dafür sorgt, dass beim Zurückdrehen keine Höhen aus dem Signal abhandenkommen (Treble-Bleed).

Die Hardware der Reverend Trickshot E-Gitarre

Die Hardware, also die Reverend Pin-Lock Mechaniken, der Steg mit sechs massiven Einzelreitern etc. wurden verchromt. Das Prinzip der Locking-Mechaniken sei hier nochmals kurz erklärt:

Eine flache, daumengroße Rändelschraube unter der Mechanik drückt einen Stahlstift durch die Mechanik auf die Saiten und verriegelt diese für eine bessere Stimmstabilität und schnellen Saitenwechsel.

Reverend Trickshot Bass Contour

Der Bass-Contour-Regler am linken „Cutaway“

Der zum Patent angemeldete Stringtree verfügt über eine verlängerte Leiste, die drei Saiten gleichzeitig mit nur einem Stift hält, wodurch das „Surren“ der G-Saiten im Sattel vermieden wird.

In folgender Grafik sind einige Features der Reverend Trickshot aufgeführt, wobei einige davon sicherlich als selbstverständlich vorausgesetzt sein dürften, es gibt aber auch „Zeitgemäßes“ zu sehen:

Liste der Features

Bass-Contour-Regler

Erfreulich ist die Existenz eines sogenannten Bass-Contour-Reglers, der einen schnellen Zugriff auf die tiefen Frequenzen des Ausgangssignals gestattet und die klangliche Bandbreite enorm erhöht. Dieser wurde am linken „Cutaway“ angebracht.

An dieser Stelle noch eine bescheidene Anmerkung des Autors: Ich würde mir wünschen, dass diese Funktion in ein Stereo-Poti, wie es in einigen Bässen (Precision- oder auch Telecaster-Bass von Fender) zur Verwendung kommt, integriert worden wäre. Diese Stereo-Potis mit zwei Achsen (innen und außen) sind jedoch relativ kostenintensiv. Hätte man ein solches Poti verwendet, erschien dies in meinen Augen noch etwas eleganter, man hätte die Höhen- und Bass-„Klangregelung“ an „einem Ort“ und sparte sich zudem auch die Bohrung eines längeren Kanals zwischen den Fräsungen des Hals-Pickups und des Bass-Contour-Reglers.

Reverend Trickshot Pot

Zweiachsiges Stereopoti mit Rändelschrauben

Retro- und Vintage-Gitarre – das Handling

Die Gitarre liegt ausgewogen auf den Knien, ohne eine Tendenz, sich in eine spezielle Richtung bewegen zu wollen. Auch das Gewicht, das mit 3,65 kg zubuche schlägt, qualifiziert die Gitarre für lange Auftritte. Das Werkssetting war erfreulicherweise sehr gut, was quasi eine Ausnahme darstellt. Oft werden Instrumente bei der Auslieferung gar nicht bzw. lieblos eingestellt und oft wurden auch die Sattelkerben nicht „mutig“ genug gefeilt, um eine angenehme Saitenlage zu erreichen.

Der „geröstete“ Hals fühlt sich wunderbar an und besitzt ein angenehmes C-Profil, auf dem man sich augenblicklich zu Hause fühlt. Kein Kleben beim Lagenwechsel und extrem komfortable Bespielbarkeit, das macht wirklich Freude. Die Locking-Mechaniken sitzen straff und arbeiten präzise. Die Stimmstabilität ist ausgezeichnet. Hören wir, was der Kollege zu unserer Trickshot zu sagen hat:

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Twang – Sound der Trickshot Telecaster

Die Reverend Trickshot resoniert gut und klingt trocken ähnlich einer Telecaster. Diese besitzt normalerweise einen sogenannten „Aschenbechersteg“ aus relativ dünnem Stahl. Die Reverend Trickshot setzt für den Steg eine Grundplatte aus deutlich stärkerem Stahl ein, auch die sechs Saitenreiter sind „moderner“ und massiger, was den trockenen Klang minimal wärmer erscheinen lässt. Den typischen „Twang“ bzw. das „Knallen“ ist jedoch noch deutlich wahrnehmbar.

Rein theoretisch dürfen wir vermuten, dass durch den Aufbau und die Tonabnehmerbestückung der Gitarre ein Telecaster-ähnlicher Klang erzeugt wird. Korina verhält sich naturgemäß klanglich minimal anders als beispielsweise Esche, Erle oder auch Mahagoni. Der „trockene“ Sound unseres Testobjekts wirkt vergleichsweise einen „Hauch“ bassärmer.

Durch die Existenz des Treble-Bleeds am Volume-Poti erleiden wir beim Zurückdrehen des Lautstärkereglers keinen Verlust der Höhen. Im Gegenteil, der Klang wird sogar etwas „drahtiger“, was durch einen Kondensator (jedoch nicht in Kombination mit einem Widerstand) erreicht wird.

Der Bass-Contour-Regler ist sehr effektiv und vor allem nützlich, um den Klang ggf. von matschigen bzw. unkonkreten Bassfrequenzen zu befreien. Solch ein Feature ist technisch sehr einfach umzusetzen und sollte eigentlich in jeder Stromgitarre installiert sein, da es die klanglichen Möglichkeiten eines Instruments enorm erweitert. Bei einer Gitarre mit Humbucker-Bestückung wäre dies sicherlich noch effektiver, da „Doppelspuler“ naturgemäß fetter und bassiger als Singlecoils klingen.

Hören wir zunächst die klaren Sounds. Wir beginnen mit dem Steg-Pickup. Nach einigen Sekunden wird der Bass-Contour-Regler „zugedreht“, was mit einer signifikanten Absenkung der tiefen Frequenzen einhergeht und den Klang auch in der Lautstärke spürbar zügelt. Natürlich sind mit dem Bass-Contour-Regler auch viele Zwischeneinstellungen möglich, in den Klangbeispielen demonstriere ich aber nur die Varianten „voll auf“ bzw. „ganz zugedreht“.

Hören wir, wie sich der Bass-Contour-Regler auf den Steg-Pickup auswirkt, der erwartungsgemäß sehr nach einer Telecaster klingt. Beginnen wir mit den klaren Sounds:

Hören wir nun den Hals-Pickup:

Nun beide Tonabnehmer parallel:

Kommen wir zu den verzerrten Sounds, hierfür wird der verzerrte Kanal meines Peavey Classic aktiviert, der Sound ist „crunchy“, also moderat verzerrt. Wir hören den Steg-Pickup, der Bass-Contour-Regler ist anfangs komplett „zugedreht“und wird nach 14 Sekunden dann auf Rechtsanschlag „aufgerissen“. Somit lässt sich hiermit die „Sattheit“ bzw. Fülle eines verzerrten Signals gut steuern:

Schließlich hören wir noch einige verzerrte rhythmische Riffs des Hals-Pickups. Auch hier wird der Bass-Contour-Regler erst nach ca. 8 Sek. voll aufgedreht:

Mit der klanglichen Flexibilität kann man sicherlich sehr zufrieden sein. Es werden gute „Telecaster- artige“ Klänge erzeugt, die sich im Handumdrehen bei Bedarf noch etwas „ausdünnen“ lassen.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Reverend Trickshot – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

Fazit

Die Reverend Trickshot überzeugt mit hervorragender Verarbeitung, exzellentem Sound und zeitgemäßer Ausstattung. Vor allem der Bass-Contour-Regler erweitert die Klangpalette deutlich. Auch das Design sowie das Preis-Leistungs-Verhältnis sind gute Gründe, die Trickshot einmal anzuspielen.

Plus

  • Sound
  • Design
  • Pickups
  • gerösteter Hals
  • Bespielbarkeit
  • Bass-Contour-Regler
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • keins

Preis

  • 899,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Sehr hübsch,
    und gar nicht so unähnlich dem Eigendesign, dass ich mir vor ca. 30 Jahren aus einem super abgelagerten Stämmchen Erle gebaut habe, als Tele/Rickenbacker Crossover. Sogar die Farbe stimmt…

  2. Profilbild
    Hein Schlau  AHU

    Schöner Test. Ich finde auch generell, dass die Reverend-Gitarren gut designed und auf jeden Fall ihr Geld wert sind.
    Das mit dem Stereo-Poti ist vielleicht ein Hinweis, den der Autor mal an die Firma mailen sollte. Mich persönlich würde wegen meiner (äh) schwungvollen Spielweise der Bass-Contour-Regler an dieser Position vermutlich schnell nerven.

  3. Profilbild
    woffi

    Spannender Gitarre … sehr verlockend. Nur das Bass-Poti da oben stört mich.

    Aber so ein zweiachsiges Stereopoti mit Rändelschrauben könnte ich auch für ein anderes Projekt gut gebrauchen … wo bekommt man sowas denn wohl?

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