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Test: Revv D20 Amp Head, Verstärker

3. September 2019

Superleichter und flexibler Röhrenamp aus Canada

Revv D20 Frontal

Der Revv D20 Amp Head

Der Trend zu Röhrenverstärkern mit moderater Leistung scheint ungebrochen. Praktisch alle großen Röhrenverstärkerschmieden bieten inzwischen Produkte in einem Segment an, das man als „kleiner, leichter aber nicht unbedingt viel leiser“ zusammenfassen könnte. Nun legt auch der kanadische Hersteller Revv nach, dessen Verzerrerpedale G3 und G4 bereits einiges Aufsehen erregten. Dem Revv D20 Amp Head wurden zahlreiche interessante Ausstattungsmerkmale wie MIDI, USB, Two Notes Reactive Load und sechs anpassbare „virtuelle Cabinets“ (wählbar über einen Drehknopf an der Front des Chassis), ein Einschleifweg, Kopfhörerausgang etc. spendiert, die seine Funktionalität im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten deutlich erhöht. Der D20 ist kein High-Gain-Monster. Er bietet klare und angezerrte Sounds, die von Gitarristen der Nashville-Studio-Szene entwickelt wurden und er soll laut Hersteller hervorragend mit Pedalen zusammenarbeiten. Sechs Two Notes Virtual Cabinets können über einen Drehknopf an der Front des Chassis des Verstärkers ausgewählt werden. Der Benutzer kann bei Bedarf auch bis zu 128 Presets via MIDI nachladen.

Revv D20 Amp Head – Facts & Features

Der einkanalige D20 Amp Head bietet eine Leistung von 20 Watt. Diese werden mithilfe zweier 6v6-Endstufenröhren erzeugt. Die Vorstufe wurde mit zwei 12AX7 (deutsche Bezeichnung ECC83) bestückt. Die Leistung kann bei Bedarf auch auf schmale 4 Watt gedrosselt werden. Das relativ kleine Topteil mit den Amessungen von 310 x 160 x 190 mm (B x T x H) bringt gerade einmal schmale 4,1 kg auf die Waage und ist damit äußerst angenehm zu transportieren. Dieses Fliegengewicht ist natürlich ein Merkmal, das viele Gitarristen, die einen reinen Röhrensound bevorzugen und das Schleppen von großen und schweren Boliden satthaben, sicherlich aufhorchen lässt.

Die Verarbeitung macht einen sehr soliden Eindruck. Der stabile Metallgriff lässt sich um 90 Grad klappen, dann wirkt das ohnehin kleine Topteil noch zierlicher. Das Chassis und Metallgehäuses wurden sauber lackiert. An der Oberseite und an den Seiten wurden Lüftungsschlitze angebracht, um die bei Röhrenverstärkern aufkommende Wärme ableiten zu können.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des Revv D20 ist das eingebaute Two Notes Reactive Load und die sechs integrierten „Virtual Cabinets„, die bequem am Frontpanel zugänglich sind. Die dazugehörige Software des Herstellers Two Notes (die bekanntermaßen zu den führenden Herstellern im Bereich Lautsprechersimulation gehören) gestattet eine weitreichende und äußerst effektive Beeinflussung des Klangs. Dutzende Parameter (EQ, Wahl der Endstufenröhren, Lautsprecherboxen, Effekte, Hall, Kompression etc.) können hier nach Belieben justiert werden, um den gewünschten Klang zu realisieren.

Zum Aufnehmen, Proben, bei Auftritten etc. kann der D20 auch ohne angeschlossene Lautsprecherbox betrieben werden und direkt an einen Mixer oder Audiointerface angeschlossen werden. Der „Reactive Load“ wird automatisch aktiviert, wenn kein Lautsprecher erkannt wird, um den Verstärker vor Beschädigungen (Ausgangsübertrager etc.) zu schützen.

Wird der D20 eingeschaltet, wird die Plexiglasscheibe mit dem Firmenemblem von hinten blau beleuchtet, was ansprechend aussieht.

Revv D20 – Bedienelemente

Rechts am Frontpanel lässt sich der Verstärker mithilfe eines stabilen Kippschalters einschalten bzw. mittels eines weiteren Schalters in den Stand-by-Modus versetzen. Links daneben finden wir ein Drehschalter, der uns aus sechs verschiedenen Lautsprechersimulationen wählen lässt.

Wer die Nerven der Umwelt schonen möchte, kann sich das Signal auch via Kopfhörer zu Gehör bringen. Unter der entsprechenden 6,3 mm Klinkenbuchse finden wir ein kleines Poti zum Einstellen der Kopfhörerlautstärke, was absolut sinnvoll ist.

Ein kleiner Druckknopf (Pre- & Post-Schalter) wählt im Reactive Load Direct Mode, ob sich die Endstufe des Amps in der Signalkette befindet. Nimmt man die beiden 6v6 aus dem Signalweg, kann mit der Two Notes Software mit verschiedenen Endstufenröhrensimulationen experimentiert werden, was gleichfalls äußerst interessante klangliche Möglichkeiten bietet.

Die Leistung der Endstufe lässt sich bei Bedarf auf 4 Watt drosseln, wenn es einmal leiser zugehen sollte. Ein kleiner Druckschalter (4/20 Watt Umstellung) am Frontpanel übernimmt diesen Job.

Revv D20 Front 1

Revv D20, klein und fein

Der Revv D20 besitzt eine dreibandige Klangregelung (Treble, Middle, Bass), einen Gain-Regler, der bei Bedarf gezogen werden kann (Push-Pull-Poti), um deutlich mehr Verzerrung (Crunch) zu erhalten, sowie einen Volume-Regler, der erwartungsgemäß die Endlautstärke des Ausgangssignals bestimmt. Der Reglerbereich der Klangregelung wurde gut abgestimmt, sodass es auch bei extremen Einstellungen keine wirklich unangenehmen Frequenzen erzeugt werden.

Rückenpanel

Der Revv D20 Amp Head ist rückseitig wirklich gut ausgestattet. Jeder Millimeter wurde am Chassis genutzt, um die reichhaltige Ausstattung am Rückenpanel unterzubringen.

Revv D20 Rücken

Gut ausgerüstet

Der Revv D20 akzeptiert Lautsprecher (-Kombinationen) mit einer Impedanz von 4 bzw. 8 Ohm, die bekanntermaßen an die SPEAKER-Klinkenbuchse angeschlossen werden. Mit dem ummetrischen XLR-Ausgang wird das frequenzkorrigierte Signal, das die Two Notes Virtual Cabs durchlaufen hat, an ein Mischpult, Audiointerface etc. ausgegeben. Sollten sich bei der Abnahme über den XLR-Ausgang einmal Brummschleifen ergeben, könnten diese mithilfe des Groundlift- Drucktasters eliminiert werden.

Über die FX-Loop-Send- und Return-Klinkenbuchsen (2x 6,3 mm) kann beispielsweise ein Delay oder Hallgerät eingeschleift werden. Natürlich akzeptiert der Effektweg anstandslos auch Modulationspedale etc.

Revv D20 schräg

Blaue Beleuchtung, der Gain-Regler ermöglicht crunchige Sounds

Der MIDI-Eingang ermöglicht das Empfangen der üblichen MIDI-Befehle und das Laden von bis zu 128 Presets.

Erfreulicherweise lässt sich die BIAS-Einstellung bequem von außen vornehmen, ohne den Verstärker erst öffnen zu müssen. Müssten die Endröhren des Verstärkers einmal getauscht werden, sollten diese auch wieder korrekt eingemessen werden, damit der Sound stimmt und die Röhren nicht unnötig viel Strom transportieren, da diese dann schneller verschleißen. Hierfür befinden sich zwei sogenannte Bananenbuchsen an Bord (unterhalb des USB-Anschlusses), mit denen der Ruhestrom der Endstufenröhren gemessen und eingestellt werden kann.

Revv D20 Amp HeadSound

Der Revv D20 Amp Head besitzt einen relativ hohen „Clean Headroom“, er bleibt also bei Bedarf recht lange klar, auch bei weit aufgedrehtem Gain-Regler. Vorausgesetzt ist hierbei natürlich, dass dieser nicht gezogen wurde. Wie es sich für einen Röhrenverstärker gehört, liefert der D20 eine gute Dynamik. Auch die angezerrten Sounds bei gezogenem Gain-Regler klingen sehr lebendig.

In folgendem Video kann man auch hören, wie der REVV D20 mit Verzerrerpedalen zusammenarbeitet.

Da die virtuellen Lautsprecherboxen bei diesem Verstärker ein entscheidendes Feature darstellen und der D20 sicherlich auch zur direkten Abnahme genutzt würde, wurde das Signal für diesen Test aus dem XLR-Out abgegriffen und über ein Apogee Audiointerface direkt in Logic aufgenommen.

Hierbei kommen verschiedene Einstellungen und diverse „Virtual Cabinets“ zum Einsatz. Hören wir nun zunächst einen klaren Sound. Die Regler der Klangregelung stehen bei allen Beispielen auf 12 h. Der Gain-Regler steht zunächst auf 3 h, ist also bereits weit aufgedreht. Trotzdem bleibt der Amp immer noch klar und erzeugt eine leichte und wohlklingende Kompression. Für einen typischen Nashville-Country-Ton perfekt geeignet.

Nun hören wir die gleiche Einstellung, jedoch mit „Virtual Cabinet“ Nummer 6. Hier sind feine Änderungen im Sound wahrzunehmen:

Kommen wir zu einem angezerrten Sound, der Gain-Regler ist hierfür gezogen und steht auf 12 h, alle Regler der Klangregelung sind in der Mittelstellung. Das Ergebnis ist ein typisch „crunchiger“ Röhrensound:

Nun reißen wir den Gain-Regler voll auf und hören das „Virtual Cabinet“ Nummer 1:

Der Sound wird dann recht fett, die Verzerrung erreicht kein High-Gain, hierfür wurde der D20 ja auch nicht konzipiert. Der Sound klingt lebendig, dynamisch und besitzt Charakter.

Nun hören wir die gleiche Einstellung, jedoch diesmal mit „Virtual Cabinet“ Nummer 3. Der Sound bekommt einen anderen Charakter. Hier stellt man wieder einmal fest, dass eine Box (bzw. deren Simulation) einen immensen Anteil am Gesamtklang hat:

Die Pedalverträglichkeit des D20 ist tatsächlich gut. Verschiedene Verzerrerpedale aus meinem Arsenal (Friedman BE-OD, Analogman Prince of Tone, Himmelstrutz Fetto etc.) lieferten überzeugende Ergebnisse. Auch beim Betrieb mit einer MESA Boogie 1x 12″ Thiele-Box konnte der Revv D20 Head überzeugen. Der Einsatz der Two Notes Virtual Cabinets bzw. der Software ist nicht zwingend erforderlich, falls man den traditionellen Weg bzw. eine Abnahme einer Lautsprecherbox mit Mikrofon bevorzugt. Da die Möglichkeiten der direkten Abnahme hier jedoch reichhaltig und mit ausgezeichneter Qualität integriert wurden, wäre es schade, nicht auch davon Gebrauch zu machen.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

PRS SE Custom 24 – Revv D20 Amp Head – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

Fazit

Der Revv D20 Amp Head ist ausgesprochen gut mit Schnittstellen aller Art ausgestattet und überzeugt klanglich sowohl im klaren als auch im angezerrten Bereich. Sein geringes Gewicht ist für einen Röhrenverstärker mit einer Leistung von 20 Watt herausragend. Der Revv D20 könnte auch aufgrund seiner sehr guten Pedalfreundlichkeit die perfekte Lösung für Gitarristen sein, die viel reisen müssen und dabei nur wenig transportieren wollen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis geht aufgrund der reichhaltigen Ausstattung in Ordnung.

Plus

  • Sound
  • Ausstattung
  • Gewicht
  • Verarbeitung
  • Two Notes Virtual Cabinets

Preis

  • 1.148,- Euro
Klangbeispiele
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