Drei Pianos in einem Instrument
Die Firma Rhodes Music hat in den letzten Jahren für viel Aufmerksamkeit gesorgt, hat man doch neben der MK8-Version des E-Pianos auch zahlreiche Software-Instrumente entwickelt. Zu den letzten Neuerscheinungen gehören das „Wurlitzer by Rhodes„, die erste Wurlitzer-Nachbildung, die offiziell von der Wurlitzer Familie unterstützt wird, sowie Rhodes Pianology, eine Sammlung unterschiedlicher Software-Pianos. Diese haben wir uns für euch einmal näher angeschaut.
Was ist es? Rhodes Music, Rhodes Pianology, Software-Piano, Sammlung aus drei gesampelten Piano-Instrumenten mit integrierten Effekten
- Inhalt: Drei Pianos (Upright, Grand und Electric Grand) mit Fokus auf akustische Klänge und Erweiterung des Rhodes-Portfolios.
- Klang: Solide Grundsounds, die durch interne Effekte deutlich aufgewertet und kreativ verfremdet werden können.
- Bedienung: Übersichtlich gestaltetes GUI mit integrierter Effektsektion, aber nur rudimentäre Klangparameter.
- Einsatz: Besonders geeignet für kreative Sounddesigns, weniger für klassische, unverfälschte Piano-Sounds.
- Preis/Leistung: Zum Vollpreis gut, im Angebot jedoch deutlich attraktiver.
Inhaltsverzeichnis
Rhodes Pianology: Übersicht
Denkt man an die Firma Rhodes, kommt jedem natürlich das legendäre E-Piano in den Sinn, das seit mehreren Jahrzehnten nicht aus der Musikbranche wegzudenken ist. Auch heute noch hört man ein Rhodes Piano immer wieder in aktuellen Songs, von der Musik der 70er- und 80er-Jahre ganz zu schweigen.
Im Gegensatz zu den letzten Produkten der Firma Rhodes Music dreht sich bei Rhodes Pianology alles um die akustischen Pianos. Offensichtlich erweitert man also jetzt sein Repertoire an Piano-Nachbildungen. Darauf deutet ja auch das eingangs erwähnte Wurlitzer by Rhodes hin.
Insgesamt bündelt Rhodes Music in Pianology drei Software-Pianos. Diese hören auf die Namen Japanese Upright, American Model D Grand und Japanese Electric Grand. Dass Rhodes Music nicht die offiziellen Namen der als Vorlage dienenden Flügel/Klaviere nennt, hängt vermutlich an Lizenzgründen, aber dass die gesampelten Instrumente von den Herstellern Yamaha und Steinway stammen, lässt sich nur schwer von der Hand weisen.
Rhodes Music verspricht für seine Software-Pianos eine „authentische Spielbarkeit mit umfangreichen Artikulations-, Resonanz- und Tonnuancen“. Die Werbetrommel muss man in diesem Segment vermutlich auch vergleichsweise laut schlagen, denn Rhodes Pianology ist natürlich bei Weitem nicht das erste Software-Piano-Bundle. In jeder größeren DAW sind ab Werk bereits Pianos vorhanden, außerdem bieten Hersteller wie Native Instruments, Synthogy, Modarrt, Waves uvm. seit Jahren die unterschiedlichsten Pianos an. Dazu gibt es zahlreiche Freeware-Pianos:
Installation und Systemanforderungen
Die Installation des Rhodes Pianology ist simpel und geht schnell von der Hand. Nach dem Kauf der Software erhält man eine Seriennummer, die nach dem Herunterladen und der Installation der Installationsdatei von der Rhodes Music Website eingetragen werden muss. Für die Aktivierung ist eine aktive Internetverbindung notwendig. Danach ist die Software freigeschaltet.
Als Systemvoraussetzungen gibt Rhodes Music Windows 10 (oder neuer) bzw. macOS 10.11 (oder neuer) an. Mindestens 14 GB Festplattenspeicher wird benötigt. Einsetzen lässt sich das Plug-in in den Formaten VST2/VST3, AU und AAX native. Eine Standalone-Version gibt es nicht.
Wer Pianology vor dem Kauf ausprobieren möchte, findet auf der Website des Herstellers eine kostenlose 14-tägige Demoversion.
Die Rhodes Pianology Bedienoberfläche
Wer bereits ein Software-Instrument von Rhodes Music besitzt, wird sich bei Rhodes Pianology sofort zurecht finden, denn das GUI ist identisch zu den bisherigen Plug-ins des Herstellers.
Das linke Drittel des GUI wird von drei kleinen Grafiken eingenommen. Zum einen wird hier das aktuell gewählte Piano, ein zuschaltbarer Amp sowie das Mikrofon abgebildet, mit dem der Flügel/das Klavier abgenommen wurden.
Wandert man auf dem GUI weiter nach rechts, folgen die einzelnen Einstellungsmöglichkeiten für den Preamp, die Dynamik- sowie die Effekt-Sektion des Software Pianos. Neben der Preamp-Sektion mit den Parametern Gain und Drive gehören hierzu ein Kompressor, ein 3-Band-Equalizer, Tremolo, die Einstellung der Velocity, Chorus, Phaser, Delay und Reverb. Auch wenn die Mehrzahl dieser Effekte nicht zwingend zu einem akustischen Software-Piano gehört, wohl aber zum enthaltenen Electric Grand Piano, zeigt es doch gleich, dass man mit Rhodes Pianology auch weniger typische/klassische Piano-Sounds erzeugen kann.
Gleichzeitig ist es allerdings schade, dass Rhodes Pianology nicht in einer Standalone-Version vorliegt, denn dann würden die internen Dynamik- und Effekt-Bereiche vermutlich noch mehr genutzt werden. Aktuell lässt sich das Plug-in nur in einer DAW hosten.
Einstellung des Piano-Sounds
Während man bei vielen Software-Pianos, vor allem natürlich bei denen, die auf Physical-Modeling, beruhen, eine Vielzahl von klanglichen Parametern einstellen kann, sei es die Saitenzresonanz, Hammergeräusche, Key-off-Geräusche uvm., ist Rhodes Pianology in diesem Bereich etwas rudimentärer ausgestattet.
Allerdings bietet die Software zwei kleine versteckte Menüs. Beide sind durch einen Klick auf den kleinen Cursor-Button links oben erreichbar und offenbaren zum einen die zwei Parameter „Timbre Shift“ und „Mechanical“. Über „Timbre Shift“ lässt sich einstellen, wie hell bzw. dunkel das Piano klingen soll und mit Hilfe von „Mechanical“ lässt sich einstellen, wie leise bzw. laut die mechanischen Geräusche des Pedals wiedergegeben werden.
Während es für alle drei zur Auswahl stehenden Pianos die Möglichkeit gibt, den „Global Tune“ zu verändern, bietet Rhodes für den Flügel-Sound des Plug-ins zusätzlich die Möglichkeit, die Stellung des virtuellen Flügeldeckels in drei Positionen einzustellen, was den Klang natürlich beeinflusst.
Zusätzlich gibt es zahlreiche Effektmöglichkeiten. Auch dank der vier zur Auswahl stehenden Amps und der zwei unterschiedlichen Mikrofone lässt sich klanglich einiges aus dem Rhodes Pianology Plug-in herausholen. Die einzelnen Elemente der Effektabteilung lassen sich im Übrigen ein- und ausschalten. Zudem können die Module Tremolo, Chorus, Phaser und Delay mit dem Host-Tempo der DAW synchronisiert werden.
Wie klingt Rhodes Pianology?
Starten wir unseren Blick auf Rhodes Pianology mit dem American Grand Flügel. Dieser ist als klassischer Flügel konzipiert und hat einen schönen runden und angenehmen Klang. Er bietet sich sowohl für klassische Pianoliteratur als auch für Jazz-Songs an. Für modernere Songs ist er meiner Meinung nach weniger geeignet, da bieten sich heller klingende und durchsetzungsfähigere Piano-Plug-ins eher an. Hier einige Beispiele dazu:
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Klickt man sich durch die ersten Presets des American Grand, wird man vermutlich (so wie ich) zunächst nicht vom Hocker gerissen, denn das Software-Piano bietet hier solide, aber keine herausragende Sounds, die man nicht von anderen Software-Pianos bereits kennt.
Aber, und jetzt kommen wir zum eigentlichen Highlight von Rhodes Pianology, bieten die Effekte des Software-Pianos tolle Möglichkeiten, den Sound zu verfremden und aus den vermeintlichen 08/15-Pianos etwas Besonderes zu machen. Mit den passenden Effekten versehen, die man natürlich auch in jeder DAW nachbilden kann, aber hier einfach in kompakterer Form und passenden Settings vorliegen hat, wird aus dem American Grand eine Sound, der irgendwie nach FM- oder E-Piano-Sound klingt, der leicht wabert und sich im Stereofeld bewegt. Für solche Effekt-Sounds ist die Library also sehr gut geeignet:
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Auch mit dem Upright-Piano bekommt man bei Rhodes Pianology solche interessanten Sounds hin. Wer auf der Suche nach Upright-Sounds ist, hat es ja ohnehin etwas schwerer, richtig gute Sounds zu finden und in Kombination mit den internen Effekten von Pianology macht das hier schon viel Spaß. Auch hier einige Beispiele dazu:
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Für Freunde des Electric Grand Sounds bietet Rhodes Pianology ebenfalls sehr schöne Sounds und Gestaltungsmöglichkeiten. Kürzlich gab es von Native Instruments ja die Alicia Keys Electric Keys, aber mir persönlich sagt Rhodes Pianology in diesem Bereich deutlich mehr zu. Hier lassen sich sehr schöne kantige Sounds aus dem Software-Piano herausholen, die perfekt für 70er/80er-Jahre-Tracks sind:
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Ich habe mir vor kurzem Retro Keys von AudioKit Pro auf dem Ipad vorbestellt und auch erhalten und bin begeistert. Für 5.99€ ist man nicht in der Lage was falsch zu machen. Rhodes Stage 73, Wurl78, CP electric Grand und ein Retro Piano. In feinster Qualität. Überhaupt gibt es schon allgemein eine solche Übersättigung an simulierten retro Instrumenten. Warum gibt es da immer noch mehr ? Die sollen wohl immer moderner möglichst original klingen ? Ich verstehe den Musikmarkt nicht , vor allem Synths und Plugins und Effekte viele gibt es schon irgendwie, trotzdem kommen noch mehr davon. Die Musik wird scheinbar nicht besser davon hm…..ok…bin selbst viel zu oft am schwach werden. Wahrscheinlich deswegen mein gemotze…😂
Generell interessant das Rhodos überhaupt am Start ist und dies neuerdings bei Softwareprodukten. Ich denke für viele eine Überraschung die davon erfahren. Was mir hier sehr gut gefällt ist das GUI. Es sieht einfach definierter und feinfühliger aus als bei so manchen Mitbewerber. Rhodes kommt ein klein wenig spät an mit Softwarepianos, denn: Wenn man von etwas zuviel hat, dann Softwarepianos! Aber ich freue mich darauf was von denen noch so kommt und generell bin ich nicht abgeneigt, eines Tages etwas von Rhodes zu ordern.
@Filterpad Ein Rhodes paßt halt irgendwie in jeden Mix…im Gegensatz zum echten Piano!
Ich erwische mich auch oft dabei, immer DAMIT anzufangen…