Günstiger Analogsynthesizer im Eurorack
Rides in the Storm SED-CSM ist eine umfangreich ausgestattete analoge Synthesizer-Stimme mit vielen Extras für das Eurorack. Überzeugt das Eurorack-Modul im Test?
Was ist es? Rides in the Storm SED-CSM Synthesizer-Stimme fürs Eurorack, ein umfangreich ausgestattetes Analog-Modul mit vielen Extras für subtraktive Synthese plus Wavefolding.
- Ausstattung: 2 VCOs, 2 LFOs, 2 ADSRs, Wavefolder, Mixer und 24 dB/Oct.-Lowpass liefern eine komplette Synthesizer-Voice im Rack.
- Klang: Insgesamt sehr analog, tendenziell leicht dreckig/oldschoolig, mit Kompetenz für rauere Sounds und erweitertem Spektrum durch Wavefolding.
- Modulation: Viele CV-I/Os und interne Verschaltungen, Hüllkurven mit Loop sowie Manual-Trigger machen das Modul praxisnah und flexibel.
- Bedienung: Viele Funktionen auf engem Raum (teils unübersichtlich), dazu nur sehr knappes Handbuch, Wavefolder nur auf VCO2-Tri, kein unabhängiger VCA-Gain.
- Fazit/Bewertung: Sehr viel Synthesizer für vergleichsweise wenig Geld, mit starken Features und guter Klangästhetik.
Inhaltsverzeichnis
Rides in the Storm SED-CSM Eurorack Synthesizer
Einführung
Rides in the Storm (manchmal abgekürzt RitS) ist eine Marke von Uwe Georg Giegler, die für gut durchdachte Konzepte ohne Wichtigtuerei und günstige Preis-Leistungs-Verhältnisse steht. Hier reiht sich auch das SED-CSM ein, ein Synthesizer-Modul, das mich auf Anhieb an Intellijels Atlantix erinnert. Doch Atlantix oder vergleichbare Module anderer Firmen sind meist deutlich teurer (siehe Abschnitt Konkurrenz/Vergleiche).
Äußeres
Mit 36 HP beansprucht Rides in the Storm SED-CSM nicht gerade wenig Platz. Dafür bekommt man aber auch einiges geboten, sodass sich das relativiert. Vieles erklärt sich von selbst, doch das Handbuch besteht nur aus einer einzelnen Seite, auf der 90 Buttons, Anschlüsse, Fader oder Regler aufgelistet sind. Wenn also Fragen offenbleiben, werden sie hier nicht unbedingt beantwortet. SED-CSM eignet sich dennoch gut als Einsteigermodul für Eurorack-Einsteiger, kann aber auch als semimodularer Synthesizer bezeichnet werden. Es gibt hier besonders viele Knöpfe und Regler zum Anfassen. Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck, aber das Handbuch mahnt zur Vorsicht, empfindliche Bauteile auf der Rückseite möglichst wenig zu berühren.
Aufbau und Features
Die Struktur von Rides in the Storm SED-CSM ist nicht leicht in eine Schublade zu packen. Grundsätzlich haben wir zwei bis drei analoge Oszillatoren, zwei Hüllkurven, Filter und Mixer mit reichlich CV-Ins (links oben und rechts unten), CV-Outs (rechts unten), Audio-Outs (rechts oben), Ext-In (mittig oben) sowie Extras und Besonderheiten. Uwe beschreibt es so:
Der SED-CSM besitzt vier VCOs, zwei diskrete und zwei als poLFO/VCO ausgeführt, dazu kommen noch drei Sub-VCOs, sie sind an den VCO 1 gehängt. Dass es so viele Anschlüsse und Regler auf kleinem Raum gibt, ist einerseits erfreulich, geht andererseits aber auch manchmal auf Kosten der Übersichtlichkeit. Die schwarze Farbgebung macht es nicht unbedingt besser.
Hat man sich jedoch einmal an die Struktur gewöhnt, findet man sich gut zurecht und hat sehr viele Möglichkeiten. Man hat einen kompletten Synthesizer direkt bei der Hand und muss beispielsweise Hüllkurven und Mixer nicht erst verkabeln. Das Konzept lässt sich als klassisch subtraktiv klassifizieren, doch mit dem Wavefolder weht auch eine Prise West-Coast-Flair hinein.
Synthesizer-Konzept, Hüllkurven
Gegenüber typischen Eurorack-VCOs verhält sich der des Rides in the Storm SED-CSM Synthesizer-Moduls etwas anders – eben wie ein Synthesizer mit Komplettausstattung. Das hat Vor- und Nachteile, besonders einen Aspekt möchte ich dabei erwähnen: Man bekommt nicht ohne Weiteres einen Dauerton abgegriffen, stattdessen hört man Klang nur dann, wenn die Hüllkurve ausgelöst wird und den VCA aufdreht. Man kann freilich alternativ einen Dauerton am VCF Out abgreifen. Die VCA-Sektion hat keinen Gain-Regler, der unabhängig aufgedreht werden kann, sondern nur die Möglichkeit, Rate, Intensity und Key Follow für einen Tremolo-Effekt einzustellen.
Immerhin: Beide Hüllkurvengeneratoren (Envelope-Generators, kurz: EGs) können mit einem Man/Gate-Button auch manuell ausgelöst werden, was von einer Leuchtanzeige begleitet wird. So kann man auch ohne angeschlossene externe Steuerung Sound aus SED-CSM herausbekommen. Praxistipp: Steht eine geloopte Hüllkurve 2 auf kurzen Attack- und Release-Zeiten sowie auf höheren Decay-Einstellungen und Sustain bei ca. 2-3 Uhr, ist der VCA in der Praxis dauerhaft aufgedreht.
Andererseits kann man sofort ein CV/Gate (aber kein MIDI-) Keyboard oder einen Controller anschließen und wie mit einem Synthesizer losspielen. Filter, VCA/Amp, zwei Hüllkurven und LFOs sind integriert.
Noch mehr zu den Hüllkurven: Hier wurden, inklusive des manuellen Triggers, einige „Goodies“ integriert, die ich schon am schmalen 4 HP „FEG“ Envelope-Generator Modul schätze. Beide können auch in einem Loop-Modus arbeiten und haben einen Button zum Umschalten zwischen Slow- und Fast-Mode. Was davon gerade aktiv ist, kann man hören oder erfühlen, visuell allerdings nur schwer erkennen. Im Fast-Mode und geloopt können die Hüllkurven sehr schnell werden, wie im Beispiel zu hören ist, wo am Ende aber auch LFO 2 moduliert.
Klangerzeugung und Wavefolder, Klang, LFOs
Kommen wir zur Klangerzeugung: Der erste VCO verfügt über einen zusätzlichen Sub-Osc, für den fünf Oktavlagen schaltbar sind. Beide VCOs erlauben die Umschaltung zwischen PW, Saw und Tri.
PW entspricht dabei einer Rechteckschwingung mit variabler Pulsbreite, die in beiden Oszillatoren unter Coarse-Tune einstellbar ist.
Der Wavefolder verändert das Tri-Signal von VCO2 und „faltet“ das Signal bis zu 9x. Dabei hat man die Wahl, Wavefolding manuell einzustellen oder via Env 1 oder LFO 2 geschehen zu lassen. Gegenüber anderen Wavefoldern, z. B. im Larix Elektro Dual Undula, klingt die Modifikation via Wavefolder für mein Empfinden oft weniger extrem. Schade finde ich, dass der Wavefolder, der Klangnuancen einführt, die ich mag, nur auf VCO 2 Tri angewendet werden kann.
Auch ein etwas glasigerer Sound ist via Wavefolder möglich, nachfolgend zu hören bei einer Sequenz mit dem Rides in the Storm QSQ Sequencer. Ich bekomme im Verlauf Lust, das Filter zusammen mit der Filterhüllkurve zu nutzen, ohne dass ich dafür eine weitere Verkabelung anstrengen muss:
Ein Gravity-Button ermöglicht eine spezielle Schwingungsformkombination (SQUARE 3/4, SAW 1/2, SQUARE 1/4) für den Sub-Osc von VCO 1, was recht fett und dick klingt. Der Sub-Select-Switch schaltet alternativ die Sub-Schwingungsformen um. Coarse-Tune regelt bis zu +/-4 Oktaven. Auch für eine Glide-Option gibt es fünf Abstufungen. Sync (als On/Off-Schalter in VCO 2) und eine XOR-Ringmod-Option (via XOR-Ringmodulator und Y-Audio-In) gibt es ebenfalls. Das ist aber noch nicht alles, was die Klangerzeugung angeht:
Es gibt zwei LFOs, von denen einer (LFO 2) als dritter VCO genutzt werden kann, eine Key-Tracking-Option hat und mit Wave 3 auch über S&H verfügt. Dessen Schwingbereich liegt zwischen 120 s und 6,6 kHz. Hier ein Klangbeispiel mit S&H – zunächst zur Modulation von VCO 2, dann als eigenständige Klangerzeugung.
LFO 1 bewirkt vorkonfiguriert einen Tremolo-Effekt mit einstellbarer Intensität.
Mit welchem Ziel LFO 1 Pulsbreitenmodulation betreibt, ist via Switch „Shape Select“ wählbar. Auch LFO 2 ist ein mögliches Ziel.
Mixer und Filter, weitere Klangbeispiele
Das Rides in the Storm SED-CSM Eurorack-Modul ist mit einer großzügigen Mixer-Sektion ausgestattet. Hier kommen die Komponenten VCO 1, Sub, VCO 2, Ringmod, Noise, LFO 2/Ext und Main zusammen. Der Main-Fader dreht alles gemeinsam rauf und runter. Man kann den Sound hier also aus einigen Bestandteilen zusammenmischen. Dabei gibt es jedoch nur einen Gate-Eingang, aber eigenständige Pitch- bzw. V/Oct.-Eingänge für beide Oszillatoren und LFO 2.
Das 24 dB/Oct.-Lowpass-Filter verfügt über einen Drive-Button, der aber nicht besonders viel bewirkt. Mit aktiviertem Drive kommt etwas „Grit“ hinzu. Mit Drive und hohen Resonanzen pfeift es etwas weniger als ohne Drive. Auch bei hochgedrehter Resonanz verliert ein gefilterter Sound kaum Energie. Im Handbuch steht, dass Filter parallel oder seriell geschaltet werden können (per Jumper). Frontseitig gibt es hierfür keinen Hinweis.
Hier lässt sich beispielsweise auch ein externes Signal über den Ext-Input hinzumischen, das alternativ zum LFO 2 im Osc-Mode via LFO 2/Ext-Fader im Mix regelbar ist. Ist hier etwas in den Ext-In eingesteckt, liegt das Signal eines ansonsten hörbar schwingenden LFO 2 nicht mehr an diesem Eingang bzw. Fader an.
Im folgenden Beispiel ziehe ich verschiedene Fader am Rides in the Storm SED-CSM Synthesizer-Modul nacheinander hoch.
Das nächste Beispiel lässt den Ringmod-Fader bei zusätzlicher Modulation von VCO 1 mit LFO 2 hören.
Weitere Praxisaspekte
Im nächsten Beispiel mische ich alle sechs Fader zusammen und steuere mit dem Main-Fader die Gesamtlautstärke. Dabei bekomme ich allerdings etwas Schwierigkeiten, den aus dem LFO 2 kommenden Sound präzise zu stimmen, denn im Gegensatz zu den VCOs gibt es keinen Finetune-Regler. Ich stimme dann stattdessen die beiden VCOs und freue mich über die detaillierteren Möglichkeiten hierzu.
Rides in the Storm SED-CSM glänzt besonders durch analoges Feeling und in puncto Modulationsmöglichkeiten. Vieles ist bereits intern verknüpft, zudem findet man jede Menge passende CV- und Audio-I/Os, um via Self-Patching andere Konfigurationen zu ermöglichen. Es macht Spaß, mehrere analoge Klangquellen im Mixer zusammenzumischen.
Konkurrenz/Alternativen
Rides in the Storm SED-CSM erinnert mich äußerlich an Intellijel Atlantix, den ich hier getestet habe. Atlantix ist ebenfalls eine vollständige Synthesizer-Stimme mit etwas anderer Ausstattung. In Atlantix muss die Wahl zwischen LFO- und VCO-Funktion für den zweiten Oszillator getroffen werden, während SED-CSM zwei LFOs zusätzlich zu seinen zwei VCOs hat. Das fühlt sich für mich (beim SED-CSM) besser an.
Man hat in Atlantix keinen Wavefolder, dafür aber eine Art Phaser-Filter, S&H/T&H, FM und besser zugängliche Regelmöglichkeiten. Die konzeptionellen Schwerpunkte und das Bediengefühl unterscheiden sich recht deutlich. Womit man sich wohler fühlt, ist sicher auch Geschmackssache. Klanglich wirkt Atlantix präzise und vielschichtig, Rides in the Storm SED-CSM hingegen auf den ersten Eindruck analog und dezent oldschoolig, mit besonderer Kompetenz bei heftigen und rauen Klängen.
Videos
Hier noch einige Sounds-only-Videos zum Rides in the Strom SED-CSM Eurorack-Synthesizer:
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Herr Kruse, den Minuspunkt der „raumoptimierten“ Bedienelemente habe ich aus eigener Erfahrung als „sehr wichtig zu bewerten“ eingestuft.😬👍
Für Ihre sachbezogene Berichterstattung zum Modul danke ich! Wer „Klavierfinger hat, kan hier ein wirkliches Schnäppchen ergattern, meinem Empfinden nach.😀
Besonders traurig wird es, wenn die sowieso fitzelig auflösenden Potiwerte der „optimalen Position“ durch die eigenen „Wurstfinger“ erneut nachjustiert werden dürfen. – Das allein ist nicht durch das weggerutschen des Sweetspots ist es nervenaufreibend.😱
Gerade dann, wenn die Liveperformance das fokussierte Klangelement durch eine unbeabsichtigte „Berührung“ eines anderen Potis nicht mehr bieten kann, wird es richtig knackig.🫡
Also, liebe Hersteller bitte bei der Entwicklung der „teuren Briefmarken“ immer an die Wurstgriffel der anonymen Grobmotoriker denken! 🫠
@CDRowell auf der Messe habe ich übrigens eine Version des SED-CSM gesehen, die andere Knöpfe hat.
Der Hersteller probiert immer wieder was Neues aus.
Das „Platzproblem“ ist ja eigentlich immer extern vorgegeben und man muss Kompromisse finden.
Hier hat man halt ein Gerät mit sehr vielen Optionen, das vor allem ein vollständiger Synth sein will.
@Heiner Kruse (TGM) Dem Hersteller möchte ich keinenfalls unzureichende Fürsorge vorwerfen. Das Problem ist das System, welches dem Entwickler einiges abverlangt! Und die beschriebenen Kompromisse der Potis erkenne ich mehr als „mein Problem“, da es ja meine Finger sind!🖖
Das Gerät sieht sehr ansprechend aus und wirkt sicherlich nicht nur auf mich umfangreich ausgestattet und gut Verarbeitet! Da gibt es meinerseits NIX ZU MECKERN!💻
Wer sich mit Eurorack-Modulen beschäftigt kommt tendenziell mit VCV-Rack in Kontakt. Dieses Gerät würde ich sofort als VCV-Version kaufen! Gibt es irgendeine Alternative zum Rides In The Storm SED-CSM?💎
Als Konkurrenz würde ich noch sowas wie Behringer Neutron oder Proton sehen. Das ist auch eine Synthesizerstimme mit vielen Patchpunkten, der große Unterschied ist halt, dass die Geräte mehr als das doppelte an Platz einnehmen, dafür aber die Bedienelemente nicht so dicht gedrängt sind und das nur grob die Hälfte kostet. Wenn man vorallem auf das Budget achten muss, sind die auf jeden Fall eine Alternative über die man nachdenkt finde ich.
Danke für den interessanten und ausführlichen Bericht.
Ich kenne RitS nur von den Einzelmodulen. Besonders hervorheben möchte ich dabei den BOC. Ein Oszillator mit allem, was man sich vorstellen kann. Also nicht nur alle möglichen Wellenformen als Ausgang, nicht nur Wavefolding … sondern 4 Suboszillator-Ausgänge. PWM auch im Suboszillator. Wobei das eigentliche Highlight neben dem sehr schönen analogen Klang ist die Rückseite: alles diskret und was hier an Bauteilen auf engstem Raum zusammengelötet wurde muss man erst mal mit eigenen Augen gesehen haben. Es ist viel … sehr viel. Und der Preis: ungefähr 150 Euro.
Der SED LP Filter hat es auch in sich. Klanglich geht es Richtung Jupiter 4. Dazu hat man 3 Eingänge inkl. Mixer, Overdrive Schaltung und VCA.
RitS ist keine gehypte Marke, bietet aber für wenig Geld sehr viel in guter Qualität. Für mehr Aufmerksamkeit braucht es wohl Sponsoring, damit bekannte Youtuber darüber ein Review machen…
eine paar anmerkungen von mir zum SED-CSM: er besitzt vier VCOs, zwei diskrete und zwei als LFO/VCO ausgeführt.- dazu kommen noch 3 SUB VCOs an den VCO 1 drangehängt. ein stehenden ton bekommt man, indem man aus VCF out hinausgeht, also vor dem VCA. ein zusätzliches Filter lässt sich parallel oder seriell schalten (zum beispiel ein HFD). der interne Filter ist 24 dB Lowpass, mit diskreten OTA gebaut. der VCA ist diskret und für das tremolo gibt es einen zweiten VCA, der vom LFO 1 moduliert wird, die kurve ist vintage trapezoid, gut für gitarren und rhodes. insgesamt besitzt der synth ca. 3000 bauteile, und ja, der name ist leider falsch, uwe george giegler soll es heissen;)
es wird auch im sommer eine gute anleitung geben, welche alles erklärt.