Test: RME Babyface Pro, USB-Audiointerface

Das Babyface Pro hat alles, was das Clarett hat und legt noch zwei Pfund drauf. Die Höhen sind offener und das Auflösungsvermögen wie auch die Sortierung des Klanggeschehens lassen das Clarett hinter sich. Die vielzitierte „Neutralität‟ die RME immer nachgesagt wird, kann ich hier nur in diesem Sinne bestätigen, als dass das Babyface Pro nichts dem Klang hinzufügt, was nicht schon da ist. Wenn es schlecht oder gut klingt, hört man das und zwar sofort. Das Ultralite AVB war diesbezüglich noch viel „neutraler‟, dort klangen schlechte Produktionen gleich so richtig schlecht. Auch die Tiefenstaffelung des Pro ist besser als beim Clarett, wobei der ungeschlagene Meister der plastischen, räumlichen Abbildung immer noch MOTU ist.

Bei all den Vergleichen möchte ich aber noch mal explizit darauf hinweisen, dass es sich hier zwar um wahrnehmbare, ästhetische Unterschiede handelt, die aber keine derartigen Qualitätseinbußen darstellen, dass man nicht professionell damit arbeiten könnte. Jedes Interface hat seine eigenen bestimmte Schwerpunkte und vermag diese auszufüllen.

Fazit

Was haben wir also in der Summe des Ganzen? Das Umschalten zwischen ClassCompliant- und Treiber-Modus funktioniert nur ohne angeschlossenen Rechner und mit einem externen Netzteil, was sehr schnell zu nerven anfängt, wenn man oft zwischen iPad und Desktop wechselt und Professionalität hin oder her, ausschließliche XLR-Ausgänge erscheinen mir als eine Extrawurst des Pro, wozu gibt es XLR/Klinken-Kombobuchsen!

Mit der Kanalkonfiguration von vier Eingängen und zwei Ausgängen plus Kopfhörer will das Pro gerne das Interface für Live-Musiker sein. Für Computermusiker, die externe Effekte verwenden, ist das Babyface Pro aber schon wieder draußen, ohne externe ADAT-Wandler. Damit ist das Pro ohne alles für Studiobetrieb kaum zu gebrauchen, was in recht kuriosem Widerspruch zum dem „Pro‟ im Namen und zu den XLR-Anschlüssen steht. Das Interface lässt sich zwar kaskadieren, aber für den Preis von zweien kann man gleich zu einem RME UCX greifen und bekommt wesentlich mehr geboten. Gut, den Kopfhörer kann man zur Not als zweites Ausgangspaar nehmen, aber das wird dann schon wieder umständlich.

Aufgrund der Klangqualität ist das Interface aber sicher für In-The-Box-Mixing und Mastering absolut interessant. Wer mit dem Babyface Pro nicht die Unzulänglichkeiten und Fehler in seinen Audioproduktionen auffinden kann, sollte sich ein anderes Tätigkeitsfeld suchen. Sicher geht es noch besser, wenn man zwei- bis dreimal soviel drauflegt. Fragt sich nur, ob dann eine Investition in die Raumakustik nicht die bessere Wahl wäre.

Unterm Strich und trotz all der merkwürdigen Design-Entscheidungen von RME, für die ich persönlich einen Stern abziehen würde, ist das Babyface Pro in Verarbeitung und Funktionsumfang absolut hochwertig sowie im Klang überragend. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist solide. Der Käufer wird nicht übervorteilt, bekommt aber auch nichts geschenkt, noch nicht mal ein Netzteil oder ein paar XLR-Adapter. Nur die Gewissheit, dass das Babyface Pro eine Langzeitinvestition ist, die viele Betriebssystemwechsel mitmachen wird, solange es RME und USB gibt – und das wird heutzutage viel zu wenig gewürdigt. Deshalb drei Sterne, wenn auch knapp.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • ADAT-Schnittstelle
  • iPad-kompatibel
  • zwei Kopfhörerausgänge

Minus

  • nur XLR Eingänge
  • keine beigelegten XLR-Klinken Adapter (Eingänge)
  • kein Netzteil

Preis

  • Ladenpreis: 739,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    boboter

    Man kann das Babyface Pro auch ohne Netzteil in den CC-Modus versetzen, wenn es von einem USB Hub mit Strom versorgt wird. Ist sicher ein interessanter Hinweis für alle, die neben dem Interface zB noch einen Midi-Controller mit dem iPad verbinden wollen.

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      ONEPOLYMER  

      Kann ich bestätigen, läuft 1a über einen powered-Hub mit einem iOS Device / Midi und der Digital I/O zu einem anderen Wandler. Es gibt ja kaum anderen Karten, welche neben Midi auch noch eine Digital I/O bieten (SPL Crimson mal ausgenommen).

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    AMAZONA Archiv

    Für mich käme aufgrund der benötigten IO ohnehin nur das Presonus in Frage, jedoch…. War der Roundtrip ohne aktives ADAT-IO? Es wäre nicht das erste Interface das pro dazugeschalteten ADAT-Wandler anfängt zu knacksen. Die Leistung von Midi-Interfaches an Wandlern finde ich ebenfalls unterirdisch. 8ms? Mein altes Multiface wollte mal per MidiOX partout nicht den JP-8000 aktualisieren. Ein ESI M4U wurde dann fällig. Diese beiden Sachen hätte ich im Vergleich noch gerne getestet. Im Teufel stekt das Detail. ;)

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    Danny Who  AHU

    Das Softwareinterface, was wie Windows anno 2000 wirkt, gehört dringend mal überholt. Da ist mit Macs und Retina Screens so viel passiert die Jahre und die Konkurrenz hat durch die Bank weg gute Lösungen.
    Da merkt man echt, dass das weder RMEs Stärke noch Fokus ist. Steht leider in fettem Widerspruch zur hochwertigen Hardware. Ingenieuren wird ja gern mal nachgesagt, sich nicht an schlechtem Design (hakelige Bedienung und altbackene Optik) zu stören. Scheint leider zuzutreffen.

    Was die „Studio-Untauglichkeit“ angeht: die steht und fällt wahrscheinlich mit nem ADAT-Wandler. Damit wird das Teil am Laptop unterwegs wunderbar mobil und im Studio kann man aber bei Bedarf gleich ein ganzes Drumkit abnehmen.

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    AQ  AHU

    Sieht ja echt schick aus. Nur, was nützt das hübsche, schlanke Gehäuse wenn dann auf dem Tisch nach allen Seiten Stecker und Kabel aus dem Ding ragen. Da macht sich das alte Babyface mit der Kabelpeitsche wesentlich besser, das neue ist dagegen eher ein „Stachelschweinchen“ ;-) und kriegt auch bei guten Daten mindestens einen Stern Abzug.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Da kann ich Dir nur absolut zustimmen! Wollte ursprünglich noch was in der Art schreiben, habs dann aber doch vergessen.

      „Stachelschweinchen“- sehr passend!
      :)

  5. Profilbild
    Down Jones

    Ich finde das gehammere über nur XLR und kein Netzteil ein wenig übertrieben.
    Nicht jeder braucht NOCH ein Netzteil, vor allem wenn man es nicht im cc Modus betreibt, was ganz sicher nicht jeder macht.
    Und es liegt vor der Hand, dass keine Kombo-Buchsen verwendet wurden, weil eine 1/4″ Klinke wesentlich tiefer im gehäuse eindringen würde und damit vermutlich zuviel Platz braucht.

    Die Schwächen liegen bei den seitlichen Anschlüsse und auch Totalmix könnte ein etwas benutzerfreundlicheres Interface bekommen. Treiber, Wandler, Support und Robustheit sind 1A. M.M. nach sind 3 Sterne wohl zu sehr auf ein persönliches Umfeld basiert. Aber jeder seine Meinung, trotzdem ein sehr gut geschriebes Artikel, was eher selten vorkommt.

  6. Profilbild
    timvommeer

    Hallo!

    Ein wirklich sehr guter Artikel! Ich bin auf der Suche nach einem neuen Audiointerface, vor allem für Gesang und Sprache. Das wichtigste ist der Klang, dennoch sollte es ein guter Allrounder für mein Heimstudio sein.

    Bisher war ich bei genau diesem Babyface pro oder dem Apollo twin (leider nicht für das iPad zu gebrauchen) und bin über diesen Artikel noch auf das Motu Ultralite gestoßen.

    Könnte mir hier jemand eine Empfehlung aussprechen? Die scheinen nämlich alle irgendwie verdammt gut zu sein ;)

    Wie gesagt: Sprache, Gesang, dann noch Midi Keyboard und Gitarre. Das Wichtigste ist die Klangqualität der Stimme. Ich benutze einen iMac mit Logic pro X und Pro Tools. iPad Funktionalität mit Auria wäre ebenfalls fein.

    Ich hoffe, ich stelle diese Frage hier an der richtigen Stelle.
    Vielen Dank und liebe Grüße!
    Tim

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hallo Tim,

      ja, das stimmt klanglich sind alle diese Interface
      sehr gut.

      Also wenn Du beim BPro mit der Anzahl der analogen Ein- und Ausgänge hinkommst und dich nicht daran störst, dass es bei allen eingestecken Kabeln aussieht wie ein Stachelschweinchen und damit sehr unpraktisch aufzustellen ist, weil es sehr viel Platz braucht, ist es klanglich ein erstklassiges Interface.

      Für das „Stachelschweinchen“-Design würde ich dem BPro heute glatt einen Stern abziehen, das ist definitiv eine Verschlechterung zum alten Baby.

      Deshalb, wenn RME, dann würde ich gleich zum UCX greifen!

      Beim MOTU würde ich auch mal einen Blick auf das Microbook IIc werfen (test hier bei Amazona) – klingt wie die Großen!

      MOTU und RME klingen völlig verschieden, das musst Du selber hören, was Dir besser gefällt.

      Wenn Dir iPad sehr wichtig ist, ist der McMillen K-Mix (Test auch von mir) derzeit das Non Plus Ultra! Ich möchte live und am Rechner nie mehr auf meinen verzichten. Klingt auch super.

      soweit mal,
      greetz,
      M. :)

      • Profilbild
        timvommeer

        Danke Markus, für die schnelle Antwort!
        Das UCX wird aber rein vom Klang nicht besser sein oder? Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich durch die Unison Technologie beim Apollo Twin rein klanglich am meisten erreichen kann, weil es Möglichkeiten eröffnet, die man sonst so nicht erreichen kann oder irre ich mich da?
        Ich muss dazu sagen, dass ich noch absolut kein Vollprofi bin ;)
        Und kann das K-Mix wirklich mithalten oder sind die PreAmps und Wandler eher ein Kompromiss und man hat vor allem einfach ein wirklich gelungenen digitalen Mixer?
        Das Teil finde ich nämlich auch RICHTIG interessant :)
        Zur Zeit benutze ich eine Avid Mbox 3, die mir von der Qualität nicht mehr reicht – dazu noch gefragt: Den erhofften Qualitätsgewinn werde ich schon merken oder gebe ich mich da grade einer Illusion hin?

        Noch einmal vielen Dank! Macht wirklich Spaß, hier auf der Seite zu stöbern!
        LG
        Tim

        • Profilbild
          Markus Schroeder  RED

          Hi Tim,

          Apollo ist natürlich auch gut und alle lieben den warmen Klang, wenn aber, dann Thunderbolt, sonst mach Unsion wenig Sinn, IMHO. Dann kannst Du iPad-Nutzung allerdings vergessen. Was mich bei Apollo und Apogee nervt ist die restriktive Mac / Win Treiber-Politik.

          Auch das man mit Apollo Unison extrem Software-abhängig bist, hat mich an immer gestör. Man kann nur beten, dass Apollo UAD2 noch lange unterstützen wird und es danach nicht zum Elektromüll wird wie UAD1.

          RME und MOTU haben den Vorteil, dass selbst die alten Geräte noch unterstützt werden.
          BTW: Einen relevanten klanglichen Unterschied zwischen BPro und UCX gibt es anscheinend nicht. Allerdings gefällt mir das UCX vom Aufbau wesentlich besser.

          Was den K-Mix betrifft, hat er mich als Audiointerface und als Perfomance-Mixer voll überzeugt (Best-Buy-Prädikat) erhalten. Ich hab ihn auch gleich da behalten und ich bin sehr wählerisch geworden.
          Was aber noch den letzen Ausschlag gegeben hat war, dass der K-Mix eines der Software- unabhängigsten Interfaces ist, das es derzeit gibt.

          Der K-Mix kann zu 98% am Gerät bedient werden. Das ist von Erlebnis schon mal auf einer ganz anderen Ebene.

          Aber eigentlich kannst Du (technisch) weder mit MOTU, RME, Apollo, McMillen etc. etwas falsch machen.
          Das perfekte Interface ist aber immer noch eine sehr persönliche Sache.

          greetz, :)
          M.

  7. Profilbild
    artfac

    ..etwas spät
    aber hoffentlich nicht zu spät.

    Das Thema Treiber geht leider immer völlig unter in diesen
    subjektiven Test!s

    Als Tonschaffende im Theatersegment (seit ca. 15 J.)
    muß ich hier mal eine Lanze für RME brechen.
    Wer auf beiden Plattformen (Mac und Windows) unterwegs ist
    und damit seinen bescheidenen Unterhalt verdient,
    kommt einfach nicht umher ein RME Interface zu benutzen.
    Wir haben alle möglichen Hersteller schon gehabt und getestet
    und einzig RME biete absolute Treiberstabilität und gute Latenz auf Mac
    und auf (Windows 7/8.1/10)

    Die unzähligen Interfaces auf dem Markt haben zwar klanglich etwas drauf
    aber sobald ein Windows Rechner als Zuspieler oder DAW fungiert,
    trennt sich die Spreu vom Weizen.

    Nur unsere bescheidene subjektive Meinung

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