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Test: Rockett Boing, Effektgerät für Gitarre

15. September 2015

Silver Machine

Die Bodeneffektgeräte der amerikanischen Firma Rockett Pedals (mit vollständigem Namen J. Rockett Audio Designs oder kurz JRAD) haben sich mittlerweile einen guten Namen auf dem Markt gemacht. Das Programm von Rockett Pedals beinhaltet vorwiegend eine stattliche Anzahl an qualitativ hochwertigen Boostern, Fuzz, Preamps und Verzerrern. Aber auch Delay und seit kurzer Zeit Reverb wurden ins Programm aufgenommen. Dazu zählt auch das Rockett Boing aus der „Tour Serie“, das wir uns im heutigen Amazona-Test genauer ansehen werden.

Rockett Boing Front

— Das Rockett Boing —

Fakten und Ausstattung

Der erste Eindruck: Schlichte Eleganz, auf jeden Fall würde es den nächsten Atomkrieg überleben, so solide ist es gebaut. Dicker Stahl in zwei Millimeter Stärke garantiert absolute Roadtauglichkeit. Laut Küchenwaage wiegt das kleine Pedal satte 392 Gramm, etwa vergleichbar mit vier Tafeln Schokolade. Gummifüße gibt es keine, da das Pedal nach Erwerb vermutlich mit Velcro-Band beklebt wird, um anschließend ins Pedalboard integriert zu werden.

Die Feder im Boing Schriftzug auf dem Frontpanel lässt richtig vermuten, dass wir es hier mit der Emulation eines klassischen Federhalls zu tun haben. Falls sich jemand fragt, wo denn hier eine Hallfeder verbaut sei, dem sei gesagt: Die digitale Emulation eines Halls wird heutzutage meist durch den Einsatz eines sogenannten „Belton Bricks“ der Firma Accutronics Firma ermöglicht, das mehrere ICs (PT 2399) beinhaltet, die zu einem Block aus Kunststoff vergossen wurden. Dieser „Belton Brick“ ist auch im Inneren des Boing vorzufinden. Viele weitere elektronische Komponenten werden ansonsten nicht benötigt, um ein Hallgerät in guter Qualität herzustellen, was man auch im folgenden Bild gut sehen kann.

Rockett Boing Inside-white

— Überschaubares Innenleben mit Belton Brick —

Lediglich ein Regler zur Justierung der Intensität (Hallanteils) des Effekts steht zur Verfügung und macht das Kreieren des gewünschten Sounds unkompliziert. Man hat einfach nicht die Möglichkeit, sich in Parameterwirrwarr zu verirren. Eine Beeinflussung der Raumgröße (Decay) bzw. Hallzeit ist nicht im Angebot, da diese (zweite) Generation des Accutronics Belton Bricks dieses Feature noch nicht bereitstellt. Weniger ist ja oft mehr. Das Potentiometer ist mit einem extragroßen Knopf ausgestattet, das ein Regeln auch mit dem Fuß erlaubt.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Irgendwie konsequent das Teil. Beim Original gibt es ja auch nur einen Intensitätsregler.
    Schöne Soundbeispiele, Johannes, klingt wirklich überzeugend.
    Aber der Preis ist auch nicht von schlechten Eltern…

  2. Profilbild
    roseblood11  

    Sicher kein schlechtes Gerät, aber was rechtfertigt diesen Preis?
    Ein Belton-IC mit minimaler Beschaltung drumrum, die Platine ist extrem kostengünstig aufgebaut (SMD-Teile, billige Buchsen in Print-Ausführung…). Dazu ein 08/15-Gehäuse aus Druckguss. Und dafür 189€? Aua!
    Bei MEK gibt es für 98€ das D’verb 3. Das wird in Deutschland in Handarbeit zusammengelötet, ist hochwertiger gebaut und vielseitiger. Bessere Bauteile, solidere Buchsen, und viel bessere Regelungsmöglichkeiten, mit Potis für Mix, Depth und Tone, Gain intern als Trimmer.
    Bietet also deutlich mehr, für etwas mehr als die Hälfte…

    Noch deutlich günstiger wird es als Bausatz, entweder mit dem neueren BTDR-3 (3 Potis), oder mit dem BTDR-2 (1 Poti), bei letzterem kann man im Gegensatz zum Boing dann auch noch wählen, welche Version des Chips man haben will (kurze/mittlere/lange Hallzeit). Nimmt man das Kit mit BTDR-2, hat man inkl Gehäuse und Knopf für 38€ und 1 Std. Bastelzeit ein mindestens gleichwertiges Gerät wie das Boing.

    • Profilbild
      roseblood11  

      edit: Nein, kein 08/15-Gehäuse, sondern eins aus gebogenem Stahl, das offensichtlich nicht dicht ist und an den Kanten näbbig aussieht – dann doch lieber Druckguss, bitte… ;-)

    • Profilbild
      klaus gründler

      Preise für (einfache) Effektgeräte über 70€ sind sowieso recht fragwürdig… und oft nur mit „Liebhaberwert“ zu begründen.

      Die Herstellungskosten liegen meist unter 20€ zzgl. Gewinn, 100% Händleraufschlag, zzgl. 19% Märchensteuer landet man bei den fairen HB- Produkten vom großen „T“.
      Wer Made in Germany supporten möchte kann ja noch ein bis zwei Zehner drauflegen.
      Von riesigen Entwicklungskosten kann bei den Effekten auch nicht wirklich die Rede sein ;)

      …nun ist ein Preis jedoch so lange gerechtfertigt, wie jemand diesen auch akzeptiert…

      Die Wahl hat der „Verbraucher“ ;-)

  3. Profilbild
    Jan Koppe

    Sorry, aber der Preis ist ja wohl einfach nur unverschämt.

    Der IC ist stangenware, die Beschaltung drumherum Hühnerfutter und 0-8-15. Den Hall gibt es seit Jahren in etlichen Kits zum selbst bauen, teilweise für unter 50€.

    Schade, dass der Tester diesbezüglich nicht recherchiert hat. Das wäre nach der ersten Google-Seite klar gewesen.

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Hallo roseblood 11 und Jan,
      mir ist bewusst, dass die verbauten Teile nicht viel kosten. Aber selbst bauen kann halt nicht jeder und die Firma Rockett Pedals ist nun mal im hochpreisigen Segment ansässig und wird seine Produkte (auch Booster und Verzerrer, in denen auch nicht viel verbaut ist) sicherlich nicht für kleines Geld verkaufen.

      Gruß,
      Johannes

      • Profilbild
        Jan Koppe

        Hallo Johannes,

        das kann ich jetzt ehrlich gesagt nicht nachvollziehen – man soll mehr für ein Produkt bezahlen, welches weder in den Bauteilkosten, noch in den Produktionskosten, geschweige denn den Entwicklungskosten sonderlich teuer ist, nur weil der Hersteller andere Produkte anbietet, bei denen der Preis evtl. gerechtfertigt ist? Sowas nennt man: Bezahlen für den Namen. Und das halte ich für eine der schlimmsten Plagen im Gitarrensegment.

        Wenn der Hersteller das Gerät für 100€ auf den Markt geworfen hätte, okay. Das ist ein deutlicher Gewinn, immernoch zu teuer, aber irgendwo „verständlich“. Aber der Preis der da aufgerufen wird ist vollkommen unbegründet und nur dazu gedacht potentielle Käufer zu blenden. Da wird versucht durch einen hohen Preis das Gerät „toller“ klingen zu lassen, als es eigentlich ist.

        Es wäre nicht die erste exakte Kopie eines günstigen Pedals zu einem exorbitanten Preis. Ich bin es langsam satt, mir vor einem Konzert von Gitarristen anhören zu müssen, dass deren 5 mal so teures Effektgerät viel besser klingt als das kleine – obwohl exakt die gleiche Schaltung verbaut wurde. Versucht das mal einem Elektrotechniker klar zu machen.

        Wenn Rockett meint, dass man so eine Preispolitik fahren darf, gut. Ich meine dann einfach, dass das unverschämte Kundenverarsche ist.

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