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Test: RODE AI-Micro, Lavalier II, mobiles Audiointerface & Lavaliermikrofon

Klein und doch ganz groß

7. Februar 2022
test RODE AI-Micro mit Kabel

RODE AI-Micro, Lavalier II, Mobiles Audiointerface & Lavaliermikrofon

Der australische Hersteller RODE macht nicht nur im Tonstudio eine zumeist gute Figur, sondern ist auch bei Filmemachern sehr beliebt. Ganz neu sind das RODE AI-Micro als kleines Audiointerface für die Westentasche und das RODE Lavalier II, ein kabelgebundenes Lavaliermikrofon. Beides einzeln verpackt und zumindest derzeit nicht als Set erhältlich.

Das RODE AI-Micro lässt sich im Gegensatz zum SC6-L nicht nur an der Lightning-Buchse betreiben und die automatische TRS-/TRRS-Erkennung ermöglicht den Einsatz verschiedener Steckertypen.

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Das RODE Lavalier II ordnet sich preislich zwischen dem Lavalier Go und RODE Lavalier ein und verfügt über einen verschraubbaren TRS-Stecker und laut Hersteller über eine neutrale Abstimmung mit leichter Präsenzanhebung. Beide Produkte in Kombination oder gar mit zwei RODE Lavalier II ermöglichen die unkomplizierte Aufzeichnung von Podcasts und Interviews nicht nur on the go. Mal schauen, wie sich das Ganze auch im Vergleich zu den Vorgängern schlägt.

RODE Lavalier II an Reporterin

RODE AI-Micro: Erster Eindruck des mobilen Audiointerfaces

Im Prinzip könnte man das RODE AI-Micro als Nachfolger des SC6-L betrachten, das mit festem Lightning-Kabel bestückt und alleine dadurch schon etwas unflexibler ist. Das RODE SC6-L Mobile Interview Kit wurde auch im Set mit zwei SmartLav+ verkauft. Daneben gab es auch das passive SC6, quasi ein Audio-Splitter für die Headset-Buchse.

RODE AI-Micro, SC6-L, SC6

Wenn man etwas am RODE AI-Micro bzw. den Verpackungen kritisieren kann, ist es die fehlende Möglichkeit zum Wiederverschließen. Man reißt sie auf und das gelingt nicht immer gut, wie in meinem Fall. Doof für Händler, die das Produkt nur zur Ansicht mal auspacken wollen, gut für Kunden, die in jedem Fall wissen, ob der Karton schon offen war.

RODE AI-Micro Verpackung

Als Zubehör liegen drei Anschlusskabel mit je 30 cm Länge bei, die von Type-C-Buchse auf der einen Seite in jeweils Type-C, Lightning und USB Type-A münden. Das ist super, flexibel und zukunftssicher. Vielleicht hätte man die Type-C-Buchse am RODE AI-Micro zur Zugentlastung etwas versenken können, so aber sollte man zur Sicherung einer langen Lebensdauer etwas auf die Steckverbinder achten, die übrigens gut und sicher im RODE AI-Micro einrasten.

RODE AI-Micro, Lavalier II, Mobiles Audiointerface & Lavaliermikrofon test

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Von der Größe und Form ist es identisch zum SC6-L und hat quasi Streichholzschachtelniveau. Die Seitenkanten sind abgerundet, vorne werden links und rechts die beiden Mikrofone verbunden, in der Mitte findet ein Kopfhörer oder alternativ IEMs zur Tonüberwachung Anschluss. Das RODE AI-Micro gibt sich außerordentlich schnörkellos. Im Gegensatz zum SC6-L ist das Gehäuse rau und haptisch dadurch griffiger. Außer RODE-Logo und Beschriftungen für die Anschlüsse findet sich nur noch die Gerätebezeichnung auf der Unterseite. Mit den zugehörigen Apps RODE Central Mobile für iOS und Android sowie RODE Connect für Windows und macOS lässt sich das RODE AI-Micro steuern. Am iPad angeschlossen war direkt ein Firmware-Update verfügbar, dies wurde schnell und unkompliziert eingespielt.

Screenshot RODE Central Mobile

Der Gain von bis zu 24 dB und ein Lowcut mit wahlweise 75 oder 150 Hz kann ebenfalls mit den Apps zugeschaltet werden, die Einstellungen bleiben auch beim Wechsel im RODE AI-Micro gespeichert. Die Verstärkung reicht natürlich nicht für anpassungskritische Gesangsmikrofone aus, die man ohnehin nicht damit verwenden wird. Solch kleine Mikrofone verfügen über Electret-Kapseln, so dass an den Buchsen auch Plug-in-Power anliegt. Am Audioausgang werden 125 mW für Kopfhörer mit 32 Ohm ausgegeben, also nichts für Hörer mit hoher Impedanz. Die Auflösung beträgt 24 Bit bei wahlweise 44,1 oder 48 kHz Abtastung, der Geräuschspannungsabstand wird mit 100 dB angegeben. Über den Kopfhörerausgang zeigt sich ein vergleichsweise kräftiges und rauschfreies Signal. Ganz unabhängig von der Größe wäre ein kleines Lautstärkerädchen schön gewesen, aber wohin?

Das RODE AI-Micro in der Tonstudiopraxis

Schön einfach und unkompliziert lässt sich das RODE AI-Micro in Betrieb nehmen, als Legacy-Device sind keine Treiber nötig. Die zugehörigen Apps sollte man je Betriebssystem allerdings installieren. Mit RODE Reporter steht auch eine Recording-Anwendung für Smartphones zur Verfügung, die zuvor schon mit dem SC6-L genutzt werden konnte und RODE Rec ablöst. Neu und besonders ist die automatische TRS/TRRS-Erkennung, so dass sich vorhandene SmartLav+ mit TRRS-Stecker auch ohne den Adapter SC3 anschließen lassen. RODE nennt eine breite Kompatibilität auch mit Funkstrecken wie dem Wireless Go. Das ist aber noch nicht alles, denn selbst Stereomikrofone lassen sich am ersten Eingang betreiben und erweitern die Nutzbarkeit ungemein, auch diese nutzen vierpolige TRRS-Stecker. Da denke ich doch zurück an mein Sony ECM-959 Stereomikrofon, welches ich an meinem MiniDisc-Recorder betrieben habe, das hätte wieder einen Nutzen. Auch binaurale Aufzeichnungen mit dem OKM II wären mit dem RODE AI-Micro ebenso möglich, egal ob am Smartphone oder Computer.

Der Klangcharakter ist angenehm und dies bei einer guten Sprachverständlichkeit. Dabei erreicht das RODE AI-Micro eine Qualität, die schon auf dem Niveau besserer Audiorekorder liegt. Gleiches gilt für den rauscharmen und recht gut klingenden Kopfhörerausgang. Eigentlich fehlt nur noch ASIO zum Glücklichsein.

RODE Connect Software

Widmen wir uns kurz der für das obige Beispiel genutzten Software RODE Connect, denn diese ist ein recht mächtiges Werkzeug, um schnell eigene Podcasts oder Interviews aufzuzeichnen und das sogar mit Jingles und weiteren Audio-Apps.

Screenshot RODE Connect

Wie erwähnt ähnelt sie im Layout dem RODECaster Pro: rechts die Soundpads in acht Ebenen, macht also 64 Sounds einschließlich bekannter Vorbelegung, die aus dem RODE RODECaster Pro bekannt sind. Die Optik ist nahezu selbsterklärend, oben links die Aufnahmetaste mit großer Zeitanzeige. Einziger Wermutstropfen: RODE Connect ist nicht barrierefrei, auch die Zugänglichkeit der mobilen Apps könnte deutlich besser sein.

Der Einrichtungsassistent hilft bei der Kanalzuweisung, das Symbol des passenden In- oder Outputs wird einfach auf die Spur gezogen. Derer vier stehen zur Verfügung, darunter Solo- und Mute-Taster, ganz wie beim RODECaster Pro. Die Bedienung mit der Maus macht mit Bildschirmvergrößerung wenig Freude, Hardware liegt mir einfach mehr.

RODE AI-Micro am Notebook

Anders sieht das an meinem HP Pavillon X360 mit Touchscreen aus, hier wäre jetzt nur noch eine Vollbilddarstellung nützlich. RODE Connect lässt sich übrigens auch mit den USB-Mikrofonen des Herstellers einsetzen. Auf diese Weise kann man ohne Pult unkompliziert und spontan einen Podcast aufzeichnen.

RODE Lavalier II: Erster Eindruck des Mikrofons

Die Überraschung beginnt beim Auspacken, denn im Gegensatz zum kleinen Kunstlederbeutel des Interview Kits und Lavalier Go finde ich ein kleines Hardcase, für das es sich alleine schon lohnt, das RODE Lavalier II zu kaufen. Es besitzt eine Öse, einen umlaufenden Reißverschluss und ein Netzfach je im Boden und Deckel. Darin ist alles aufbewahrt und das RODE AI-Micro passt alternativ auch hinein. Während es das Lavalier Go auch in Weiß gibt, scheint es das RODE Lavalier II derzeit nur in Schwarz zu geben. Dafür ist der Lieferumfang mit vier Farbringen zur Markierung und zusätzlichem Fellwindschutz großzügiger, das relativiert zusammen mit dem Hardcase den Aufpreis zum Lavalier Go.

RODE Lavalier II und SmartLav+

Direkt fällt das veränderte Design des RODE Lavalier II auf, nicht wie alle anderen rund und stäbchenförmig, sondern ein eckiges Kunststoffgehäuse mit guter Zugentlastung für das Kabel und seitlicher Schalleintrittsöffnung. Haptisch fühlt sich das weniger edel als die metallenen Hülsen der Vorgänger an, dafür hat es ein sehr flaches Profil und mit dem Flachbandkabel lässt es sich auch besser unter der Kleidung verbergen. Revolutionär beschreibt es RODE selbst und in der Tat kann das Design gefallen.

RODE Lavalier II und SmartLav+ an der Kleidung

Entsprechend haben sich die Klemme und Windschütze verändert, die nun ebenfalls eckig sind und an das neue Profil angepasst wurden. Bei der ursprünglichen Klemmhalterung war eine Drahtfeder für den Halt des Mikrofonstäbchens verantwortlich, beim RODE Lavalier II wird es quasi durch die Zugentlastung gehalten, die durch Drehen im offenen Ring fixiert wird. Das hält auch sicher und man sollte lediglich darauf achten, dass der Schallaustritt vom Körper weg zeigt. Allerdings wird der Schall trotzdem von allen Seiten gut eingefangen, so dass die Ausrichtung kaum eine Rolle spielt, hören wir uns das in einem Vergleichsbeispiel an.

RODE Lavalier II Case

Technisch haben wir es mit einer vorpolarisierten Miniaturkapsel mit Kugelcharakteristik zu tun, die zu Gunsten des flachen Profils etwas anders eingebaut ist. Dadurch trägt es tendenziell weniger auf, zumindest wenn es sichtbar befestigt wird. Die Spezifikationen haben sich kaum verändert, das Kabel ist weiterhin 120 cm lang und beim RODE Lavalier II ist der Klinkenstecker etwas dicker und mit einer Überwurfmutter versehen. Mit dieser ist es möglich, das Mikrofon an verschraubbaren Anschlüssen zu befestigen, damit es nicht rausrutschen kann. Zum Betrieb am RODE AI-Micro lässt sich die Mutter komplett abschrauben, so dass der Stecker in alle Buchsen passt. Gleich geblieben sind der Geräuschspannungsabstand von 67 dB, ein Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz und ein Eigenrauschen von 27 dB. Bei maximalem Schalldruck gibt es Verbesserungen, 120 anstelle von bisher 110 dB, sowie eine Empfindlichkeit von -38 anstelle von -35 dB, bezogen auf das Lavalier Go. Das mag an der etwas anderen Charakteristik liegen und für mich spielt das eine untergeordnete Rolle, wenn der Sound stimmt und das tut er.

RODE Lavalier II an Creator

Wie klingt das RODE Lavalier II?

Die spannende Frage ist, ob und was sich klanglich getan hat. Das RODE SmartLav+ wird sehr gerne auch von Journalisten in professionellen Takes eingesetzt und liefert eine gute Sprachverständlichkeit, auch wenn es klanglich je nach Befestigung manchmal einen dosigen Eindruck hinterlässt. Was kann nun das RODE Lavalier II besser und wie lässt es sich einordnen? Hier eine Vergleichsaufnahme, die ich am Zoom H4n Pro erstellt habe.

Wie in der Aufnahme erwähnt, sind die Kapseln des RODE Lavalier Go und SmartLav+ identisch, ein Unterschied zum RODE Lavalier II hört man hingegen deutlich. Der Klangcharakter ist etwas offener und die veränderte Klangabstimmung kommt auch der Transparenz zugute. Während die Kapsel nun seitlich ausgerichtet ist und es zwar schon eine Einsprechrichtung gibt, scheint dies für die Praxis kaum eine Rolle zu spielen. Eigenständig betrachtet müssen sich Nutzer des SmartLav+ oder Lavalier Go keine Gedanken machen, auch diese Mikrofone klingen für die Sprachverständlichkeit gut genug, aber im Direktvergleich liegt das RODE Lavalier Go deutlich vorne. Etwas schade ist, dass es von RODE keine Ohrhalterungen gibt, denn aufgrund des Aufbaus würde sich das RODE Lavalier II sicher auch gut für binaurale Aufzeichnungen eignen können.

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Fazit

Das RODE AI-Micro ist ein winziges und flexibles Audiointerface nicht nur für mobile Anwendungen, das an jedem Gerät und quasi mit allen Mikrofonen mit Miniklinkenstecker genutzt werden kann. Gain und Lowcut werden in den Apps geregelt, die App RODE Connect stellt sogar ein einfaches Pendant des RODECaster Pro zur Verfügung. In Verbindung mit dem RODE Lavalier II ist das Aufzeichnen mobiler Interviews ein Kinderspiel, denn es liefert bei flacherer Bauart den besseren Sound im Vergleich zu den Vorgängern. Beides ist als Paket derzeit nicht erhältlich und mit zwei RODE Lavalier II wäre der Anschaffungswiderstand derzeit höher als beim RODE SC6l Mobile Interview Kit.

Plus

  • RODE AI-Micro: Flexibel einsetzbar mit gutem Sound, leicht und transportabel
  • RODE Lavalier II: Neuer Formfaktor mit viel Zubehör, flache Bauweise und leicht sprachbetonter Sound
  • Preis-Leistung exzellent

Preis

  • RODE AI-Micro: 79,- Euro
  • RODE Lavalier II: 109,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
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      Filterpad AHU

      So wie ich das verstanden habe und was einem Interface gerecht kommt ist, dass es ein seperates Gerät braucht zur Aufnahme. Also ein Smartphone oder Lappy/Rechner. Als rein mobiler Recorder würde es nicht funktionieren. Habe ich das so richtig verstanden? Und ja: Sehr bemüht mit den Klangbeispielen. Man achtet fast mehr auf den Inhalt als wie auf den Sound und dessen Qualität – positiv gemeint. :) Dämpft die Nähe zur Kleidung den Klang eigentlich? Kann natürlich auch positive Auswirkungen haben. Ich meine exakt das herausgehört zu haben, sprich: Die Kleidung. Aber Einbildung kann natürlich auch eine Bildung sein.

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        Stephan Merk RED

        Ja genauso ist das, das AI-Micro ist einfach ein schnuckeliges Interface mit zwei Eingängen, das Lavalier II das Mikrofon, das natürlich auch wie im Klangbbeispiel am Rekorder funktioniert. Mit der Dämpfung bringst Du mich jetzt auf etwas, worüber ich mir auch schon länger Gedanken mache. Du befestigst das Mikrofon ja quasi unter dem Kinn und sprichst wie bei einem Headset um die Ecke, also für die Einsprechrichtung weniger optimal. In Talkshows hört man das ja auch, wenn die Sprache verständlich, aber irgendwie indirekt und dumpfer klingt. Für mich habe ich da noch nicht so den Drive raus, wo es am Besten ist, zu hoch dämpft es beispielsweise mehr, als an der Knopfleiste, so meine Erfahrung. Man hört den Unterschied im Beispiel auhc gut, als ich das Lavalier II direkt besprochen habe. Daher nutze ich beispielsweise am Zoom Q2n-4K den Kopfbügel, dann ist es eher auf Mundhöhe und klingt dadurch direkter. Der Unterschied übrigens zu den teuren von DPA liegt vermutlich auch in der Umgebungslärmdämpfung, dass man die Stimme auch dann noch versteht, wenn nebenan eine Brücke gesprengt wird. Naja, zumindest so in die Richtung. :D

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