Phono-Preamp mit Rodec-Clubgeschichte
Mit dem Rodec Bunk 01 landet ein Teil der Rodec-Clubgeschichte in einem kompakten Vorverstärker. Das Gerät verbindet zwei umschaltbare MM-Phonostufen mit Line-Eingang, Gain-Regelung und 3-Band-Equalizer. Eine Phonostufe orientiert sich am MX-180, während der EQ auf das Schaltungsprinzip des älteren MX-18 DJ-Mixers zurückgreift. Im Vordergrund steht der Genuss der eigenen Vinyl-Sammlung mit einem einzelnen Plattenspieler. Wie gut sich der Vorverstärker anhört und für wen er sich eignet, erfahrt ihr in unserem Testbericht.
Was ist es? Rodec Bunk 01, kompakter Line-Phono-Vorverstärker mit zwei MM-Phonostufen und 3-Band-Equalizer.
- Zwei Phonostufen: Zur Wahl stehen eine neutrale und eine am Rodec MX-180 orientierte MM-Phonostufe.
- Klang: Die MX-180-Schaltung wirkt tighter, während die zweite Phonostufe neutraler klingt.
- Equalizer: Der analoge 3-Band-EQ ermöglicht wirkungsvolle und musikalische Klangkorrekturen.
- Ausstattung: Line-Eingang, hohe Gain-Reserve und solide Verarbeitung treffen auf ein kompaktes Holz-Aluminium-Gehäuse.
- Zielgruppe: Für 629,- Euro richtet sich der Bunk 01 vor allem an anspruchsvolle Vinyl-Hörer und Rodec-Fans.
Inhaltsverzeichnis
- Wozu dient ein Vorverstärker wie der Rodec Bunk 01?
- Gehäuse, Verarbeitung und technische Daten
- Anschlüsse und Bedienung des Rodec Bunk 01
- Rodec Bunk 01 im eigenen Praxistest
- Unser Testsetup
- Zwei Phonostufen zwischen HiFi und Clubsound
- Der 3-Band-EQ in der Praxis
- Der Line-Anschluss am Rodec Bunk 01
- Eignet sich der Rodec Bunk 01 für DJs?
- Zielgruppe und Preis
Wozu dient ein Vorverstärker wie der Rodec Bunk 01?
Das Ausgangssignal eines Tonabnehmers am Plattenspieler ist wesentlich schwächer als das Signal eines CD-Players, Smartphones oder Audiointerfaces. Außerdem muss die beim Schneiden der Schallplatte angewandte RIAA-Vorentzerrung bei der Wiedergabe ausgeglichen werden. Eine Phonostufe verstärkt das Signal und entzerrt es nach der RIAA-Kennlinie, damit es anschließend über einen gewöhnlichen Line-Eingang wiedergegeben werden kann.
Genau diese Aufgabe übernimmt beim Rodec Bunk 01 das M-101-Modul. Es bietet einen Line-Eingang sowie zwei alternativ wählbare Phonostufen, die denselben Phono-Eingang bearbeiten. Wir können somit keine zwei Plattenspieler gleichzeitig anschließen, sondern zwischen zwei unterschiedlichen Vorverstärkerschaltungen wählen. Ergänzt wird das M-101 durch den analogen Stereo-Equalizer M-102, der sich bei Bedarf aktivieren oder deaktivieren lässt.
Hinter beiden Modulen steckt ein Teil der Rodec-Geschichte. Eine der beiden Phonostufen orientiert sich an der Schaltung des 1990 vorgestellten MX-180. Der Equalizer basiert laut Hersteller hingegen auf dem Schaltungsprinzip des älteren MX-18. Der Bunk 01 bildet damit keinen vollständigen DJ-Mixer nach, sondern überträgt ausgewählte Schaltungen aus der Rodec-Historie in einen kompakten Vorverstärker für die Vinyl-Wiedergabe.
Beide Phonostufen sind für MM-Tonabnehmer ausgelegt. Die Abkürzung steht für Moving Magnet und beschreibt die Bauweise des angeschlossenen Tonabnehmers. Vereinfacht erklärt bewegt der Nadelträger kleine Magnete gegenüber feststehenden Spulen. Das dabei erzeugte Signal wird anschließend durch eine der beiden Phonostufen des Rodec Bunk 01 verstärkt und entzerrt. Low-Output-MC-Systeme können am Bunk 01 hingegen nicht direkt betrieben werden und benötigen eine geeignete separate MC-Vorstufe.
Über den zusätzlichen Line-Eingang lassen sich auch bereits vorverstärkte Quellen durch die Gain-Stufe und den Equalizer führen. Phono- und Line-Signal können dabei nur alternativ ausgewählt und nicht miteinander gemischt werden.
Gehäuse, Verarbeitung und technische Daten
Mit 9,5 x 8,5 x 21,0 cm fällt der Rodec Bunk 01 recht schmal aus und benötigt neben einem Plattenspieler nur wenig Platz. Das Gewicht gibt Rodec mit 800 g an. Front und Rückseite bestehen aus 2 mm starkem, schwarz lackiertem Aluminium. Hinzu kommen massive Metallknöpfe und ein Holzgehäuse, das laut Hersteller von der Möbelbauerin Eletta Daemen gefertigt wird. Die Montage des Vorverstärkers erfolgt in Belgien.
Die Phonoeingänge sind mit 47 kOhm und 200 pF spezifiziert. Bei 1 kHz beträgt die Phonoverstärkung in der 12-Uhr-Position 45 dB und lässt sich bis auf 65 dB erhöhen. Im Line-Betrieb stehen bei 12 Uhr 0 dB und maximal 20 dB Verstärkung zur Verfügung. Der Hersteller nennt einen Übertragungsbereich von 9 Hz bis 75 kHz bei einer Abweichung von +0 und -1 dB. Die RIAA-Kurve soll bis auf ungefähr 0,3 dB eingehalten werden.
Anschlüsse und Bedienung des Rodec Bunk 01
Auf der Rückseite finden wir drei Stereo-Cinch-Paare als Anschlüsse. An einem davon können wir unser Phono-Signal einspeisen, ein zweites dient als Line-Eingang und über das dritte verlässt das Signal den Rodec Bunk 01. Unter dem Phonoeingang besitzt das Gerät noch eine Erdungsschraube. Hinzu kommen der Netzschalter und der Anschluss für das externe Netzteil. Symmetrische Ausgänge, USB-Audio und ein digitaler Ausgang sind nicht vorhanden. Wer Platten digitalisieren möchte, benötigt deshalb weiterhin ein Audiointerface oder einen Recorder mit Line-Eingang.
Auf der Front regelt ein Gain-Poti den Ausgangspegel. Daneben visualisiert eine zweigeteilte LED-Anzeige den Pegel des Stereo-Signals. Die Schalter auf der Vorderseite sind recht selbsterklärend: Der Phono-Button schaltet zwischen Phono- und Line-Eingang um. Ist Phono aktiv, wählt ein weiterer Taster zwischen der neuen und der am MX-180 orientierten Schaltung aus. Drei weitere Potis bearbeiten Bässe bei 100 Hz, Mitten bei 1 kHz und Höhen bei 10 kHz. Der gesamte EQ lässt sich per On-Taster zuschalten.
Laut Herstellerspezifikation arbeiten alle drei Bänder mit einem Bereich von +/-12 dB. Auf der Gerätefront und in der Händlerbeschreibung finden sich dagegen +/-10 dB.
Rodec Bunk 01 im eigenen Praxistest
Das Gerät kommt in einem schlichten Karton, in dem sich neben dem Vorverstärker lediglich das externe Netzteil befindet. Beim Auspacken fällt direkt die solide Verarbeitung auf. Wir haben die Variante in Elm Black für unseren Test erhalten und uns gefällt diese Farbkombination extrem gut. Wie immer haben wir ein Faible für die Holzoptik, die auch hier stimmig umgesetzt wurde. Die vergoldeten Anschlüsse auf der Rückseite sind klar beschriftet und ein Plattenspieler ist schnell angeschlossen.
Dabei fällt uns auf, dass der Gewindestift der Erdungsschraube relativ dick ist. Der Gabelkabelschuh ließ sich daher nicht um den Gewindestift führen, konnte aber dennoch sicher festgeschraubt werden. Ein Problem war dies im Test nicht und es kam zu keinen Brummgeräuschen.
Die drei Equalizer-Potis und der Gain-Regler bieten einen deutlichen Drehwiderstand, was uns gut gefällt. Hinzu kommt eine leichte Rasterung der Equalizer-Potis in der Mittelstellung bei 12 Uhr.
Unser Testsetup
Unser erster Aufbau besteht aus dem zuletzt getesteten Pro-Ject Debut RecordMaster II mit dem vormontierten Ortofon OM 5E. Den integrierten Phono-Vorverstärker des Plattenspielers haben wir deaktiviert und das unverstärkte MM-Signal in den Phono-Eingang des Rodec Bunk 01 geführt. Dessen Ausgang lief über einen Line-Eingang unseres analogen Allen & Heath Xone:42 DJ-Mixers zu unseren KRK Rokit 5 G3. Als zweites Setup haben wir unseren Technics SL-1210MK2 mit einem Ortofon Pro S angeschlossen und denselben Signalweg über den Rodec Bunk 01 und den Xone:42 verwendet.
Für unseren Hörtest verwendeten wir sowohl moderne Pressungen aus dem Bereich der elektronischen Musik als auch ältere Veröffentlichungen von Motown Records. Damit wollten wir nachvollziehen, wie sich die beiden Phonostufen bei unterschiedlich produzierten und gemasterten Schallplatten verhalten.
Für den direkten Vergleich hörten wir dieselben Passagen mehrfach hintereinander. Der Equalizer des Rodec Bunk 01 blieb dabei ausgeschaltet, während die Klangregelung des Xone:42 neutral eingestellt war. Beim Wechsel zwischen den Phonostufen kontrollierten wir identische Pegelspitzen derselben Passagen über die LED-Pegelanzeige des Xone:42 und glichen die Lautstärke, soweit erforderlich, über den Gain-Regler des Rodec Bunk 01 an.
Natürlich wirken sich die verwendeten Tonabnehmer, die Raumakustik sowie die benutzten Monitore deutlich auf den Klang aus. Wir dürfen aber direkt festhalten, dass der Rodec Bunk 01 das Signal in beiden Aufbauten problemlos auf einen brauchbaren Pegel brachte. Die Lautstärkeanhebung über den Gain-Regler ist nicht zu unterschätzen.
Zwei Phonostufen zwischen HiFi und Clubsound
Fangen wir mit der Verstärkerstufe an, die auf dem MX-180 aufbaut. Leider hatten wir während unseres DJ-Daseins nicht das Vergnügen, mit dem originalen Rodec DJ-Mixer zu spielen. Beim Umschalten auf diese Stufe merken wir aber direkt: Alles hört sich ein wenig tighter an. Gerade im Bassbereich wirkt die Wiedergabe enger umrissen und weniger breitflächig. Dieser Charakter hat einen besonderen Charme und gefällt uns klanglich sehr gut. Vor allem bei elektronischer Musik kommt der Effekt gut zur Geltung.
Schalten wir die MX-180-Stufe aus, hören wir die neuere, diskret aufgebaute Phonostufe des Rodec Bunk 01. Diese wirkt für uns klanglich neutraler, während der Bassbereich etwas weiter erscheint. Der Unterschied bleibt jedoch subtil und wird erst beim genauen Hinhören wahrnehmbar. Positiv fällt auf, dass wir weder beim Umschalten zwischen den Phonostufen noch beim Zuschalten des Equalizers im laufenden Betrieb Knackser oder Ploppgeräusche hören konnten. Auch einen deutlichen Lautstärkeunterschied zwischen den Phonostufen haben wir nicht wahrgenommen.
Erfreulich ist, dass in beiden Testaufbauten bei praxisgerechten Einstellungen keine Störgeräusche auffielen. Ein Grundrauschen wurde erst hörbar, als wir den Gain-Regler auf ungefähr 3 Uhr stellten. Im normalen Betrieb waren wir davon deutlich entfernt und bewegten uns meist zwischen 10 und 11 Uhr. Diese Beobachtung gilt für unser konkretes Setup und ersetzt keine Messung des Signal-Rausch-Abstands.
Der 3-Band-EQ in der Praxis
Der Equalizer ist nicht als moderner Full-Kill-EQ ausgelegt. Selbst bei maximaler Absenkung verschwindet ein Frequenzbereich daher nicht vollständig. Sein Zweck ist eine breit angelegte Klangkorrektur. Damit lassen sich beispielsweise dünnere Pressungen im Bass gezielt anheben, zu präsente Mitten zurücknehmen oder etwas zu scharf wirkende Höhen zähmen. Genau das hat während unseres Tests hervorragend funktioniert und wir gestehen, dass wir nach der Verwendung des Equalizers nur zu gerne einmal mit dem originalen DJ-Mixer auflegen würden.
Während sich einzelne Bereiche mit den Absenkungen schonend zurückfahren lassen, waren wir erstaunt, wie gut sich auch die Anhebungen anhören. Der Bass bekommt eine neue Energie und in den Höhen steigt die Präsenz, ohne dass die Wiedergabe zu spitz wirkt. Das galt in unserem Aufbau sogar bei Maximaleinstellungen, die wir in der Praxis wahrscheinlich nur selten verwenden würden.
Ältere Pressungen konnten wir damit auf ein sehr angenehmes Niveau bringen, aber auch bei aktuelleren Schallplatten überzeugte uns der Equalizer.
Hier ein paar Klangbeispiele:
Der Line-Anschluss am Rodec Bunk 01
Zum Abschluss haben wir ein Signal aus unserem Audiointerface in den Line-Eingang eingespeist. Danach folgten ein Smartphone über eine Klinke-Cinch-Verbindung mit entsprechendem Adapter sowie der RecordMaster II mit aktiviertem internen Phono-Vorverstärker. Alles funktionierte ohne Probleme oder auffällige Störgeräusche. Auch im Line-Betrieb steht eine große Gain-Reserve zur Verfügung. Im direkten Hörvergleich gefielen uns die Phonostufen des Rodec Bunk 01 besser als der integrierte Vorverstärker des RecordMaster II. Dieser Eindruck gilt für unsere konkrete Wiedergabekette und ist nicht mit einer messtechnischen Bewertung gleichzusetzen. Dass wir über den Bunk 01 auch klassische Line-Signale wiedergeben und mit dem Equalizer bearbeiten können, gefällt uns sehr gut.
Eignet sich der Rodec Bunk 01 für DJs?
Für DJs eignet sich der Rodec Bunk 01 vor allem für den Hörgenuss zu Hause oder als externe Phonostufe vor einem Line-Eingang. Wer seine Sammlung noch einmal in einem etwas anderen Licht genießen möchte, das notwendige Kleingeld hat und das Design genauso schön findet wie wir, bekommt hier einen Vorverstärker, der auch ein Stück DJ-Geschichte mitbringt.
Natürlich wäre ein 2-Deck-Aufbau mit einem zweiten Bunk 01 technisch möglich. Und ja, der Gedanke ging uns kurzzeitig durch den Kopf, da wir nur zu gerne mit besagtem Equalizer ein paar Übergänge gestalten würden. Ein solches Setup ist angesichts des Preises und der weiterhin benötigten Mixerfunktionen aber eine Nischenlösung. Hier geht es in erster Linie darum, eine Platte aufzulegen, sich zurückzulehnen und zu genießen.
Zielgruppe und Preis
Mit aktuell 629,- Euro gehört der Rodec Bunk 01 nicht zu den günstigen Problemlösern für einen fehlenden Phonoeingang. Die Hauptzielgruppe sind Vinyl-Hörer und Rodec-Fans, die zwei wählbare MM-Stufen, einen Line-Eingang und den verbauten Equalizer schätzen. DJs bilden eine interessante Nebenzielgruppe, sofern sie einen einzelnen Plattenspieler aufwerten, ihre Sammlung zu Hause hören oder gezielt den historischen Rodec-Bezug nutzen möchten. Wer lediglich ein MM-Signal auf Line-Pegel bringen möchte, findet deutlich einfachere Lösungen.




































Danke für die Vorstellung diese Gerätes. Sehr interessant wenn noch kein Equalizer in der Kette hat.
Ich bin der Meinung, wenn man am Mischpult den Equalizer auf Klassik also nicht Fullkill einstellt, kann man gleiche oder ähnliche Ergebnisse je nach Gerät erreichen.
Im Vergleich aber zu anderen Hifi Gedöns was es so für noch mehr Geld zu kaufen gibt macht das hier einen sehr soliden Eindruck.