Test: RodeLink Performer Kit Funkstrecke

8. August 2019

Funkstrecke aus Down Under

RodeLink Performer

RodeLink Performer Kit im AMAZONA.de-Test. Der australische Mikrofonhersteller Rode ist im Studiobereich schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr und steht hier vor allem für Qualität bei gleichzeitig sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Einige ihrer Kondensator-Mikrofone, wie das NT-1000 oder das Kleinmembranmikrofon NT-5, sind unter budgetbewussten Homerecordlern schon längst zu Klassikern geworden. Nachdem die Firma aus Down Under erst kürzlich begonnen hat, den aufstrebenden Video-Markt mit Produkten zu versorgen, ist nun der Live-Sektor an der Reihe. Das RodeLink Performer Kit ist ein Funkmikrofon-System, das im nicht-anmeldepflichtigen 2,4 GHz Bereich arbeitet. Es dürfte vor allem für diejenigen interessant sein, denen die vergleichbaren Produkte aus deutscher oder amerikanischer Herstellung schlicht zu teuer sind, die aber trotzdem bei der Ausstattung und der Qualität keine Abstriche machen wollen. Ob dem RodeLink Performer Kit der Spagat zwischen Preis und Leistung gelungen ist, wird der Testbericht zeigen.

Lieferumfang des RodeLink Performer Kit

RodeLink Performer

Frisch ausgepackt

Rode ist beim Lieferumfang vorbildlich. Neben dem Sendermikrofon TX-M2 und dem Empfänger RodeLink desk liegen der Verpackung ein Universal-Steckernetzteil mit fünf verschiedenen Steckeradaptern, zwei eher kurze Antennen, eine großzügige Tasche für den Sender, eine Mikrofonklemme, ein Micro-USB-Kabel und ein Lithium-Ionen-Akku bei. Die Besonderheit des Rode Link liegt nämlich darin, dass der mitgelieferte Akku direkt im Sender per USB-Kabel geladen werden kann.

RodeLink Performer

Im Mikrofon aufladbarer Lithium-Ionen Akku

Wer jetzt Angst hat, im Zweifel ohne passende Batterie dazustehen, der darf beruhigt aufatmen. Der Handsender von Rode kann nämlich auch mit normalen AA-Batterien oder Akkus betrieben werden. Die interne Ladefunktion ist aber nur mit dem mitgelieferten Akku gegeben.

Der Rode Handsender TX-M2

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Handsender TX-M2

Der Handsender besteht zum größten Teil aus Metall und ist dabei mit 222 Gramm vergleichsweise leicht. Die Verarbeitungsqualität ist in Ordnung, kann sich aber nicht ganz mit den professionellen und teureren Vertretern dieser Mikrofongattung messen. Eine Sache gibt es zu bemängeln. Der Metalltubus, der auf das Mikrofon geschraubt wird und das Batteriefach umschließt, sitzt sehr fest und lässt sich nur mit Kraft entfernen. Beim Abziehen hinterlässt das Ganze auch sichtbare Schleifspuren im Inneren. Im hektischen Live-Betrieb kann das eventuell zu vermehrtem Ausstoß von Stresshormonen und übermäßiger Schweißbildung führen, zumal auch zum Laden per USB-Kabel der Tubus abgedreht werden muss. Das wird sich mit der Zeit aber wohl „einschleifen“.

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Kanalanzeige, Kopplungstaste, USB-Anschluss und Batteriefach unter dem Mikrofontubus

Das Sende-Mikrofon besitzt eine Supernieren-Charakteristik, was bedeutet, dass seitlich einfallender Störschall in hohem Maße gedämpft wird, während ein Mikrofon mit Nierencharakteristik, wie z. B. das SM58, die größte Schalldämpfung auf der Rückseite hat. Die Superniere ist also rückkopplungsfester, wenn die PA-Lautsprecher und/oder Bühnenmonitore seitlich vom Mikrofon platziert sind. Bei der PA ist das eigentlich immer der Fall, in Sachen Monitoring machen in der Praxis aber viele den Fehler und stellen den Bühnenmonitor in gewohnter Manier hinter das Mikrofon. Was beim SM58 aber richtig ist, führt beim Rode TX-M2 zu erhöhter Rückkopplungsgefahr.

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Elastisch aufgehängte Mikrofonkapsel

Die Kondensatorkapsel des Rode TX-M2 gehört mit einem Durchmesser von ca. 1,5 cm zu den Kleinmembranern und ist zum Schutz vor Griffgeräuschen elastisch aufgehängt, ähnlich wie ein Studiomikrofon in einer Mikrofonspinne. Rode bewirbt die geringe Empfindlichkeit für Griffgeräusche auch explizit, wie gut das tatsächlich funktioniert, wird der Praxistest zeigen.

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Mute-Schalter mit Verriegelung

Das TX-M2 besitzt auf der Unterseite einen An/Aus-Schalter und in Daumengriffweite einen Mute-Schalter, mit dem das Mikrofon-Signal vom Sprecher selbst schnell und unkompliziert stumm- bzw. scharfgeschaltet werden kann. Wer eine versehentliche Stummschaltung durch arglose Sprecher verhindern möchte, kann den Schalter über eine kleine Plastikschraube in der An-Position verriegeln.

Der Empfänger RodeLink desk

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Empfänger – RodeLink desk

Der Empfänger RodeLink desk arbeitet als True-Diversity-Empfänger, was sich an den zwei Antennen leicht erkennen lässt. Beide Antennen empfangen dabei das gleiche Signal und der Empfänger entscheidet anhand der Signalstärke, welche Seite weitergeleitet wird. Das System wird also unempfindlicher gegenüber Signalabbrüchen.
Die Funkübertragung erfolgt im 2,4 GHz-Bereich, der ohne Anmeldung weltweit frei genutzt werden kann. Das bedeutet natürlich auch, dass sich allerhand andere Funkdaten in diesem Bereich tummeln. Vor allem W-LAN und Smartphones mit angeschalteter WLAN-Funktion können hier Probleme machen und das Nutzsignal überlagern. In der Praxis kommen Störungen eher selten vor und wenn, dann vor allem dann, wenn sich ein Handy in direkter Nähe zum Sender oder Empfänger befindet.

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Schraubverriegelung für den Netzteil-Anschluss

Das externe Netzteil wird zum Schutz vor versehentlichem Herausziehen verschraubt, ebenso wie die beiden mitgelieferten Funkantennen. Hier wird nicht der sonst übliche BNC-Anschluss verwendet, was die Nutzung eigener Antennen und Antennen-Splitter erschwert. Doch das dürfte nur den Profi interessieren.

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Rode-eigener Antennen-Schraubanschluss

Das System unterstützt acht festgelegte Frequenzen, sodass maximal acht RodeLink Performer Sets gleichzeitig verwendet werden können. Der Nutzer hat dabei keinen Zugriff auf die Frequenzen, sondern nur auf den Kanal, was für unerfahrene Nutzer ein Segen ist. Um Sender und Empfänger zu verbinden, wird am RodeLink desk zuerst die rote Kopplungstaste gedrückt und dann der Kanal ausgewählt. Danach wird der Handsender eingeschaltet, die Abdeckung abgeschraubt und ebenfalls der rote Kopplungsknopf gedrückt. Innerhalb weniger Sekunden verbinden sich die Geräte. Die Verbindungsprozedur muss in der Regel nur einmal durchlaufen werden, da alles intern gespeichert und beim nächsten Anschalten wieder geladen wird. Der Empfänger besitzt ein monochromes Display, das den Kanal, die Batterieladung, die Signalstärke, den ankommenden Pegel und die interne Verstärkung anzeigt. Bei einer Stummschaltung am Mikrofon wird das entsprechende Symbol mit durchgestrichenem Lautsprecher am Empfänger angezeigt. Hier wurde also nichts Praxisrelevantes vergessen. Der Empfänger kommt mit insgesamt sechs Schaltern aus. Neben dem roten Kopplungsschalter befinden sich auch ein Mute-Schalter, ein Kanalwahlschalter, jeweils eine Plus- und Minus-Taste sowie der große An/-Aus-Schalter auf der Frontseite.

 

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Rückseite des RodeLink desk

Die Rückseite beherbergt neben den Anschlüssen für das Netzteil und die Antennen einen symmetrischen XLR-Ausgang und einen unsymmetrischen Klinkenausgang. Neben dem XLR-Ausgang befindet sich ein Umschalter, der das Ausgangssignal desselben von Mikrofonpegel auf Line-Pegel umschaltet. Auch eine USB-Buchse für Firmware-Updates liegt auf der Rückseite vor.

Das RodeLink Performer Kit in der Praxis

Der Handsender TX-M2 ist relativ unempfindlich gegen Pop-Laute und Windgeräusche. In dieser Hinsicht ist es dem mir ebenfalls zum Test vorliegenden Bühnen-Kondensatormikrofon RE 520 von Electro-Voice sogar leicht überlegen. Griffgeräusche am Mikrofon-Tubus werden, wie bei anderen Handmikrofonen auch, hörbar übertragen, aber nicht in störendem Umfang.
Der Klang des Mikrofons darf als klar und ausgewogen bezeichnet werden. Es gibt keine überzeichneten oder unterrepräsentierten Frequenzbereiche und auch S-Laute halten sich angenehm in Grenzen. Dadurch lässt es sich auch sehr gut mit dem Equalizer formen und gibt die Stimme und bei Bedarf auch Instrumente sehr natürlich wieder.

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Das TX-M2 – mit 222 Gramm leicht in der Hand zu tragen

Da das Funksignal des TX-M2 digital übertragen wird, muss das analoge Signal zuerst in ein digitales Signal gewandelt werden, um dann wiederum im Empfänger in ein analoges Signal zurückgewandelt zu werden. Dabei entsteht eine Latenz, die der Hersteller mit 4 ms angibt, der maximale Dynamikumfang beträgt dabei 112 dB. Im Verbund mit einem Analog-Mixer fällt diese Verzögerung nicht weiter auf. Nutzt man die Funkstrecke jedoch am Digitalpult, was heutzutage mehrheitlich passiert, kommt die A/D- und D/A-Wandlung des Pultes hinzu, die sich in etwa in der gleichen Größenordnung abspielt. Nutzt man nun auch noch Lautsprecher mit eingebautem DSP, was auch gerade Mode ist, dann reiht sich eine latenzbehaftete Wandlung an die nächste und am Ende wird es hör- und fühlbar indirekt. Hier lohnt es sich, konsequent in der digitalen Domäne zu bleiben und unnötige Wandlungen zu sparen, was in der Regel nur mit Profi-Equipment möglich ist. Über das Thema Latenz machen sich meines Achtens viel zu wenig Live-Techniker Gedanken, dabei ist es vor allem im Musik-Kontext sehr wichtig.

Die Reichweite der Funkstrecke hängt von mehreren Faktoren ab und wird mit maximal 100 Metern angegeben. Für eine maximale Reichweite sollte ein direkter Sichtkontakt zwischen Empfänger und Sender gegeben sein. Bei meinem Reichweiten-Test war nach 68 Metern Schluss, aber nicht weil die Verbindung unterbrochen wurde, sondern weil mir ein Zaun im Weg war. Die Herstellerangabe klingt also plausibel. Bei eingeschränkter Sichtverbindung gab es nach 38 Metern erste Aussetzer. Innerhalb des Hauses ist nach etwa 2-3 Wänden und ca. 10 Metern Schluss mit der Funkverbindung. Für die meisten Anwendungen sollte das ausreichen. Viel mehr ist im 2,4 GHz-Bereich bei vorgeschriebener Sendeleistung nicht machbar.

Fazit

Das RodeLink Performer Kit glänzt mit ausgezeichnetem Klang, einfacher Bedienung und einem Preis, der bei gleicher Ausstattung unter dem der deutschen und amerikanischen Konkurrenz liegt. Die Sendestrecke empfiehlt sich gleichermaßen für Anfänger wie für Semi-Profis, Musiker und Alleinunterhalter sowie Redner aller Art. Im Verleih-Betrieb würde mich allerdings der schwergängige Mikrofontubus und der Verzicht auf BNC-Buchsen als Antennen-Anschluss stören. Ansonsten kann ich nur meine volle Empfehlung aussprechen.

Plus

  • Ausstattung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • sauberes Klangbild

Minus

  • Mikrofontubus lässt sich nur schwer entfernen

Preis

  • Ladenpreis: 409,- Euro
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