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Test: Roland D2, Groovebox & Live-FX

24. Oktober 2001

DJ Effekt und Synthesizer

Hey Mr. DJ

Nachdem immer mehr Musiker mit Software arbeiten, müssen die große Hardware-Hersteller wie Yamaha, Korg und Roland neue Marksegmente erschließen und haben so die DJs für sich entdeckt. Da die hochgezüchteten Computer in der Hitze eines Clubs gerne mal den Geist aufgeben, macht eine Groovebox durchaus Sinn.

Das Besondere an der D2 ist der „D-Field Controller“. Er ist quasi das Zentrum der Groovebox und ermöglicht den Sounds und Patterns während des Abspielens, diese mit den unterschiedlichsten Funktionen zu verbiegen.

Roland D2 – live dabei

Die Bedienung des D2 ist für den Live-Betrieb ausgelegt. Schnell mal das Tempo beschleunigen oder drosseln, zwischen einzelnen Sequenzen hin und her schalten: Alles kein Problem. Auch Filter-Modulationen, Pseudo-Scratching, Wechseln des Sounds, Snare Fill-Ins, Panning, Vibrato und vieles mehr lässt sich mit dem D-Field während einer laufender Sequenz ändern – und die LED blinkt im Takt dazu. Schön ist auch, dass sich dem D-Field beliebige Controller für X- und Y-Achse zuordnen lassen. Auf diese Weise kann man auch mit anderen Geräten Dart spielen.

Was bei der Live-Performance nicht so auffällt, ist das kleine Display. Mit gerade mal 2 x 3 Zeichen werden viele der angezeigten Funktionen, zumindest am Anfang, zum Ratespiel. Auch die Eingabe von eigenen Pattern ist ohne externes Keyboard ein wenig mühsam. Hier empfehle ich zur Programmierung dringend ein externes Keyboard.

Das Gute daran ist das Gute darin

Auch wenn das für die Zielgruppe unter Umständen nicht ganz so interessant ist, so steckt -will man der MIDI-Implementation glauben – in dieser Dart-Scheibe die vollwertige Klangerzeugung eines JV-Synthesizers. Sie ist eine Erweiterung der Klangarchitektur, wie man sie auch schon in MT32, D10, D20, D50 … – Familie finden konnte, jedoch mit mehr Filtertypen, Sample-Speicher und 10 erweiterten Verschaltungsmöglichkeiten für Filter und Ringmodulation. Die von den LA-Synthesizern bekannten Synthesizer-Wellenformen mit variabler Pulsweite sind jedoch nicht vorhanden.
Ein Klang kann dabei aus bis zu 4 Parts (Oszillatoren) bestehen. Jeder dieser Parts besitzt seinen eigenen 12 dB-Filter, wobei sich die Filter zweier Parts jeweils in Reihe schalten lassen, um somit z.B. einen Filter mit 24 dB Flankensteilheit zu erzeugen. Aber auch andere interessante Filterkombinationen sind auf diese Weise möglich. Nebenbei lässt sich per FXM jedem Part noch ein wenig Dreck hinzufügen und mittels zweier LFOs (ebenfalls pro Part) ein wenig Bewegung in den Klang bringen. Bis zu zwei Ringmodulatoren und Booster pro Klang, die sich ebenfalls unterschiedlich verschalten lassen, sind Komponenten. Diese findet man eher selten bei ROMplern und lassen somit das Soundprogrammierer-Herz höher schlagen.
Die Groovebox besitzt 256 Speicherplätze zum Abspeichern von eigenen Klängen. Ähnlich wie DX200 und AN200 von Yamaha kann man die Sounds am Gerät selbst nur leicht modifizieren, jedoch keine neuen Klänge programmieren. Hierfür wird ein Editor-Programm benötigt, welches Roland im Gegensatz zu Yamaha dem Gerät leider nicht beigelegt hat. Da die JV-Klangerzeugung relativ weit verbreitet ist, sollte es aber kein Problem sein, bestehende Software entsprechend anzupassen. Besonders bei „Open Source Projekten“ findet sich vielleicht schnell jemand bereit, die Software zu modifizieren.

Rolands Music Maker

Der interne Sequenzer hat einen Speicher von etwa 40.000 Noten, die sich in einem Raster von 96stel platzieren und einem Tempo von 20 und 240 BPM abspielen lassen. Von den bis zu 8 möglichen Spuren ist eine für „Drums“ reserviert.
Die bis zu 100 User-Pattern können mit den 157 Presets zu einem Song zusammengesetzt werden. Die D2 kann bis zu 25 Songs im Speicher halten.
Pattern können sowohl direkt eingespielt (Realtime-Recording), als auch Note für Note (Step by Step) eingegeben werden. Auch Velocity, Panorama, Lautstärke, Filtereckfrequenz, Resonanz, etc. können eingespielt werden. Eine „Quantisierung“ (frei übersetzt: zurechtrücken) der Noten ist möglich, dabei werden diese auf das vorher festzulegende Raster verschoben. Dabei werden die mit der Hand eingespielten Beats – falls sie nicht all zu sehr daneben liegen – genau auf die richtige Taktposition gesetzt.

Mustermann

Bei Synthesizern immer wieder gerne gesehen und auch im D2 vorhanden: Der Arpeggiator. Üblicherweise drückt man eine Taste auf dem Keyboard (den Grundton), und der Synthesizer spielt die einzelnen Noten eines Akkords dazu. Da bei Rolands-Groovebox das Keyboard fehlt, muss zur Eingabe des Grundtons, wie beim D2 in so vielen Fällen, das D-Field herhalten.
Auch hier bietet die D2 unzählige User-Presets mit verschiedenen Notenlängen, Pattern und Rhythmen, die man unterschiedlich kombinieren kann, wobei die Auswahl wegen der kleinen Anzeige und der Doppelbelegung der Tasten ein wenig mühsam ist. Schön ist es, dass die Arpeggios mit dem internen Sequenzer aufgezeichnet werden können.

Connectivity

Typisch für die neueren Geräte von Roland ist, dass aus dem MIDI-Trio ein MIDI-Duo geworden ist . Ich persönlich finde das sehr schade, da besonders Neulinge ihre Geräte oft nur an die Soundkarte ihres Computers anschließen und daher ihre ersten Geräte über die MIDI-Thru-Funktion miteinander verbinden. Zum Glück gibt es hier ein „Soft-Thru“, das aus dem „Out“ auf die Schnelle ein „Thru“ macht. Ein Anfänger ist damit vielleicht ein wenig überfordert, da die Anleitung auf die Verbindung mehrere Geräte erst gar nicht eingeht. Gerade wenn man einen Synthesizer wie den JP8000 der gleichen Firma als Keyboard verwenden will, kann einem die Verkabelung dann schon ordentlich Probleme machen („Hallo Henning!“ ;-))).


Ebenfalls vorhanden sind zwei analoge Ausgänge, Stereo-links und -rechts, im Cinch-Format, so dass ein DJ das Gerät problemlos an seinen DJ-Mixer anschließen kann. Für Studioanwendung sind jedoch zwei Klinkenadapter notwendig. Für denjenigen, der seine Eltern, Freundin oder die Nachbarn nicht ärgern möchte, gibt’s noch einen Stereo-Kopfhöreranschluss im Mini-Klinke-Format.
Das Gerät wird mit dem nötigen Strom über eine 9V/1A Steckernetzteil versorgt. An Batteriebetrieb und „grooven im Grass“ ist bei dem Stromverbrauch dann eher nicht zu denken. Na ja, es steht ja auch der Winter vor der Tür ;).

Was auf die Ohren geben…

Die Groovebox klingt ordentlich und hat ’ne Menge Sounds aus dem Bereich Trance, Dance und House „on board“ und deckt dort sozusagen den „Brot und Butter“-Bereich ab. Hier und da hört man schon mal einen Loop raus oder merkt, dass ein Sound nur in einem bestimmten Bereich eingesetzt werden kann und nicht komplett über das ganze Keyboard spielbar ist. Klar fehlt der eine oder andere aktuelle Sound, aber es ist doch beachtlich, wie nah die mitgelieferten Demo-Sequenzen dem aktuellen Chart-Sound kommen.

Fazit

And now the conclusion!

Die Roland D2-Groovebox ist ein innovatives Gerät und konnte voll überzeugen. Mit seinen 64 Stimmen, 600 Presets und 30 Drumkits und den von den JV-Synthesizern bekannten Effekten lassen sich, wie schon die mitgelieferten Demos zeigen, komplette Songs erstellen. Die zur Live-Performance nötigen Parameter lassen sich meist schnell und einfach erreichen. Steigt man jedoch tiefer in das Gerät ein, will eigene Patterns eingeben, eigene Songs und eigene Sounds programmieren, merkt man, dass man bei dem Gerät besonders auf Grund des kleinen Displays schnell an die Grenzen der Bedienbarkeit kommt.
Wenn man jedoch den Preis bedenkt und dass man das D-Field auch zum Steuern anderer Geräte einsetzen kann, wird die Groovebox mit Sicherheit Spaß machen. Nur schade, dass ich während des Test keine Pfeile gefunden habe, die auf dem D-Field hängen bleiben wollten ;-).

Plus

  • Das D-Field lässt sich auch zum Steuern anderer Geräte einsetzen
  • Viel Groovebox für wenig Geld
  • Eine große Auswahl an Chart-tauglichen Dance-Sounds
  • JV-Klangerzeugung
  • Gute Live-Tauglichkeit
  • Für ein Gerät dieser Preisklasse ausgefeilte Sequenzer-Funktionen

Minus

  • Das Display ist für aufwendige Programmierungen sehr gewöhnungsbedürftig

Preis

  • 950,-€
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