Vielfältige E-Piano-Sounds für die DAW
Nachdem Roland vor rund 1 1/2 Jahren sein Software-Instrument Earth Piano auf den Markt brachte, folgte einige Monate später das Roland Earth Electric Piano – eine konsequente Erweiterung. Was das neue Software-Instrument aus der Roland Cloud zu bieten hat, erfahrt ihr im folgenden Testbericht.
Was ist es? Roland Earth Electric Piano, Software-Instrument für klassische und digitale E-Piano-Sounds aus der Roland Cloud.
- Sounds: 19 Instrumente von Rhodes-Varianten über Clavinets bis zu SA-, JD- und FM-Modellen mit über 100 Presets.
- Effekte: Umfangreiche Effekt-Sektion mit 37 MFX, Studio-Kompressor, 3-Band-EQ und neun Reverb-Typen inklusive Roland-Vintage-Klassikern.
- Klang: Sehr gute, vielseitige E-Piano-Sounds mit hoher Authentizität und starker Vintage-Ausrichtung.
- Preis: Mit 255,- bis 289,- Euro Oberklasse-Niveau und sehr teuer.
Inhaltsverzeichnis
Roland Earth Electric Piano
Übersicht
Mit dem Earth Electric Piano präsentiert Roland eine große Auswahl von Sounds klassischer E-Pianos. Erhältlich ist das Software-Instrument sowohl im Einzelkauf (Lifetime-Key) als auch im Rahmen eines Roland Cloud Abonnements. Nutzer einer Ultimate-Mitgliedschaft finden das Earth Electric Piano seit einiger Zeit in ihrer Bibliothek.
Insgesamt umfasst das Roland Earth Electric Piano 19 unterschiedliche Instrumente. U. a. sind unterschiedliche Rhodes-Varianten und Clavinets wie auch digitale E-Pianos (SA-, JD- und FM-Modelle) und ein Electric-Grand-Piano enthalten. Roland greift hier also nicht nur die klassischen Rhodes-Pianos auf, sondern hat erfreulicherweise auch seine eigenen digitalen Modelle in das Software-Instrument integriert.
Einsetzen lässt sich das Earth Electric Piano unter macOS und Windows. Als Systemvoraussetzungen gibt Roland macOS 13 (oder neuer) bzw. Windows 11 an. Rund 2,5 GB Festplattenspeicher benötigt das Piano und einsetzen lässt es sich in den Formaten VST 3, AU und AAX.
Aufbau
Das GUI des Roland Earth Electric Piano ist übersichtlich aufgebaut und lässt sich im Bereich 50 % bis 260 % skalieren. Die linke Seite des Hauptfensters ist der Anzeige des gewählten Presets sowie einem passenden Hintergrundbild vorbehalten. Die jeweiligen Parameter und Einstellungsmöglichkeiten werden entweder auf der linken Seite in einem neuen Fenster oder aber direkt in der Sektion rechts eingestellt. Diese sind in die fünf Sektionen Mechanism, MFX, Preamp, Tremolo und Cabinet aufgeteilt.
Im Bereich Mechanism lässt sich das Instrument (Tine EP, Reed EP, Digital Vintage etc.) wählen und durch einen Klick auf den Mechanism-Button öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem sehr detailliert die Eigenschaften des Instruments eingestellt werden können. Master-Tune, Bell, Key Off Resonance, Damper Noise etc., all das lässt sich hier individuell justieren.
Die Einstellmöglichkeiten sind zwar nicht so detailliert möglich wie beim Physcial-Modeling-Piano Pianoteq, geht aber dennoch recht weit.
Im nächsten Schritt dreht sich alles um die passenden Effekte. Vor allem im Hinblick auf eine möglichst authentische Nachbildung bestimmter Sounds sind diese nicht zu unterschätzen.
Aufgeteilt in die Kategorien Chorus, Flanger/Phaser, Rotary/Wah, Delay, Combination, LoFi/Filter und Dynamics dürfen Nutzer aus 37 unterschiedlichen Effekten wählen.
Lobenswert ist die Tatsache, dass Roland einige Vintage-Spezialisten integriert hat, so u. a. den Juno-106 Chorus, Space-D, Dimension D SDD-320 oder das Boss Chorus Pedal CE-1. Die Qualität der Effekte ist durch die Bank weg sehr gut. Auch wenn Vintage-Liebhaber definitiv einen Unterschied zum Original ausmachen werden, reicht die gebotene Qualität meiner Meinung nach für den Studio- und Live-Einsatz aus. Der passende Vibe wird stets getroffen und das ist an dieser Stelle für mich das Wichtigste. Alternativ lässt sich das Software-Instrument in der DAW natürlich mit allen anderen Plug-ins bearbeiten.

Neben den Effekten erlaubt das Roland Earth Electric Piano auch die Auswahl verschiedener Drive-Typen für den Preamps, Cabinets und einem zusätzlichen Tremolo-Effekt.
Zwei Drive-Typen (EP Drive und Saturator) lassen sich auf das Signal des Pianos anwenden, dazu gibt es hier bereits einen ersten (Preamp) Equalizer. Aus sechs Tremolo-Typen lässt sich wählen, die dazu mit Shape, Rate und Depth spezifiziert werden können. Und neben dem reinen Line-Signal lässt sich der E-Piano-Sound auf Wunsch durch eines von 12 Cabinets schicken.
Abgerundet wird das Paket des Earth Electric Piano noch mit einer weiteren Effektabteilung, die verschiedene Kompressoren, einen Equalizer und einen Master-Reverb bereit hält. Über eine Klick auf das Mixer-Symbol oben rechts lassen sich diese einblenden. Die grafische Darstellung der Studio-Effekte passt zum Gesamtbild des Roland Earth Electric Piano und alles ist übersichtlich aufgebaut.
Die Kompressor-Sektion bietet mit Standard, FETCOMP-76, CHCOMP-4000G, OPTCOMP-2A vier unterschiedliche Modi. Je nach Kompressor stehen unterschiedliche Parameter zur Auswahl. Von sanft komprimieren bis kräftig zugreifen und wörtlich ans Limit(er) bringen, ist hier alles möglich, sehr schön.
Der integrierte 3-Band-EQ mit stimmbaren Mitten ist ebenfalls übersichtlich aufgebaut und ermöglicht Veränderungen und Einstellungen sowohl durch Ziehen der Punkte auf der EQ-Kurve als auch durch Drehen der virtuellen Regler.
Abgerundet wird das Ganze durch ein wiederum sehr gut ausgestattetes Reverb-Modul. Auch hier stehen unterschiedliche Reverb-Typen (insgesamt 9 Modi) zur Auswahl bereit. Neben klassischem Hall und einem Simulator für große Säle und Arenen bietet der Reverb-Effekt auch Gated-Effekte oder beispielsweise einen Integra-7-Reverb.
Nimmt man das alles zusammen, kann man klanglich schon einiges rausholen und Roland stellt bei diesem Software-Instrument vielfältige Parameter bereit, toll.
Wie klingt das Roland Earth Electric Piano?
Klickt man sich durch die über 100 Presets des Roland Earth Electric Pianos wird schnell klar, dass das Software-Instrument eine sehr große klanglich Bandbreite abdeckt. Wie eingangs bereits erwähnt, holt man sich mit der E-Piano-Version des Earth-Pianos etliche schöne Vintage-Sounds auf den Rechner, so dass neben unterschiedlichen Rhodes-Varianten auch einige Keyboard-Sounds der ersten digitalen (Roland-) Keyboards zur Auswahl stehen.
Hier zunächst das offizielle Video von Roland, in dem einige der enthaltenen Sounds vorgestellt werden:
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Mir persönlich gefallen vor allem die Dyno-Rhodes-Sounds, denn diese finden sich ohnehin nur in wenigen Librarys, dazu auch nicht in der tollen Qualität wie Roland sie hier bietet:
Auch die SA E-Piano des Roland Earth Electric Piano versprühen einen schönen Charme und lassen sich gut in Band-Arrangements einsetzen:
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Weitere Klangbeispiele zum E-Piano findet ihr auf der Website von Roland.
Blick auf die Konkurrenz
Während ich das auf akustische Flügel- und Klavier-Sounds spezialisierte Earth Piano von Roland gut, aber nicht sehr gut fand, gefällt mir das Earth Electric Piano klanglich nochmal ein gutes Stück besser. Das Sound-Angebot ist breit gestreut und die passenden Effekte, die Roland seinem Software-Instrument mit auf den Weg gegeben hat, komplettieren das Plug-in und machen es für mich grundsätzlich zu einem sehr guten Piano – wäre da nur nicht der Preis!
Die Preise für das Roland Earth Electric Piano schwanken aktuell zwischen 255,- und 289,- Euro. Damit gehört das Software-Instrument im Jahr 2026 preislich zur absoluten Oberklasse und tritt u.a. in direkte Konkurrenz zu Spectrasonics KeyScape. Das von Eric Persing und seinem Team entwickelte Software-Instrument bietet eine noch größere Auswahl, kostet aber auch nochmal rund 70,- Euro mehr (je nach Tagespreis). Trotzdem ist KeyScape das für mich interessantere Instrument.
Ebenfalls interessant erscheint Pianoteq 9 von Modartt, wobei Pianoteq noch deutlich detailliertere Zugriffs- und Einstellungsmöglichkeiten bietet als Roland.





































Nur kurz zur Anmerkung des Autors über den Preis: Vor Weihnachten wurde das Plugin für 49,- Euro angeboten – das mag es auch Wert sein. Wer die Mondpreise von Roland zwischen den Sales bezahlt, trägt vielleicht dazu bei, dass Sie im Geschäft bleiben können, ist es aber letztlich selber Schuld, wenn er zuviel bezahlt.
Das akustische Earth Piano habe ich einmal anlässlich eines ähnlichen Deals für 49,- Euro erworben. Für diesen Preis erscheint es mir als ein fairer Deal mit gutem Preis/Leistungs-Verhältnis.
Die elektrische Version hat bei mir wenig Begehren ausgelöst, da ich mit Lounge Lizzard und diversen Wurlitzer-Emulationen in diesem Bereich schon ganz gut ausgestattet bin.
@gs06 Danke für diesen aufschlussreichen Hinweis. Der Unterschied 49€ vs. 250-290€ kann man tatsächlich als Mondpreis bezeichnen. Verrückt! Da erscheint einem Plugin Alliance auf einmal harmlos (sie waren für mich immer bislang Nummer 1 bezüglich Rabattaktion vs. Mondpreis).
@gs06 ist aber nervig, wenn man immer auf Sales warten muss…
Ich bin immer wieder überrascht, mit welcher Preispolitik Big Players in den Markt gehen. Nicht nur, dass der Preis m.E. auch im Vergleich mit anderen Produkten zu hoch ist, es ist für ein Software Instrument mit der Marketing Maschinerie von Roland auch nicht gerade pfiffig. Da wunderts nicht, dass Roland kommerziell nicht vom Fleck kommt.
@DasIch&DerEr ist es so?
hat Roland Probleme?
glaub die verkaufen genug Hardware mit den Sounds der 80er und 90er Jahre in digitaler Technik.
vielleicht verdient Korg zb mehr mit Software als Roland, die haben aber auch schon vor 25 Jahren circa angefangen.😎👍
@Numitron Roland ist von den beiden (also Korg) die deutlich größere und umsatzstärkere Firma. Roland ist Globalplayer und sogar börsenorientiert.
@Filterpad eben, Denk ich mir.
aber natürlich ist ein Zusatzgeschäft gut.
wird halt nicht der Hauptfokus sein.
vor allem mit diesem dummen abomodell.😎
Toll, wir brauchen unbedingt noch mehr E-Piano-Plug-Ins. Dazu wieder echte E-Pianos, Presetschleudern mit den Original-E-Piaono-Sound von damals™ und Synths, die auf E-Piano-Simulation spezialisiert sind. Nicht FM, PD oder additiv, damit kann das ja Jeder, und sogar deutlich vielseitiger.
@Mac Abre hehe.
frei nach einer österreichischen rapband der 90er „total Chaos“. „oft Wunder ich mich“ 😉
@Mac Abre 👍👍👍 Und das auch noch möglichst teuer. Denn „NUR Teuer“ ist Gut!🤟 Billig ist Schlecht. Kostenlos taug schon mal garnix!!😁
@Chufu Genau, 250 € ist noch viel zu billig, das kann ja nichts sein.
Ich bin zwar Hardware-Freak, hätte ich aber die Wahl zwischen der Roland-Software und einer brauchbaren bis guten Freeware, fiele mir die Entscheidung doch sehr leicht.