Ein Kompaktmixer/Audiointerface für alle Fälle?
Das Roland GO:MIXER STUDIO ist Rolands jüngster Spross in der Kategorie der mobilen Mixer und richtet sich primär an Content-Creator und Musiker, die flexibel und unterwegs produzieren möchten. Im Vergleich zu seinem Vorgänger, der ohne den Zusatz „STUDIO“ auskam, wurde das Gerät laut Roland signifikant weiterentwickelt und dabei vornehmlich Anregungen aus der Anwenderschaft berücksichtigt. Ob diese Überarbeitung zu einem überzeugenden neuen Produkt geführt hat und wie sich Rolands neuer Mixer im (Projekt-) Studio schlägt, beleuchten wir in diesem Testbericht.
Was ist es? Roland GO:MIXER STUDIO, mobiler Digitalmixer und Audiointerface für Content-Kreatoren und Musiker
- Ausstattung: Vielseitige Ein- und Ausgänge inklusive XLR, Line, Hi-Z und MIDI sowie USB-C-Anbindung.
- Flexibilität: Geeignet für Recording, Streaming, Video-Content und Standalone-Einsatz.
- Software & Effekte: Umfangreiche Mixing-Software mit EQ, Kompressor und Reverb, klanglich solide und praxistauglich.
- Praxis: Einfache Handhabung, gute Klangqualität und nützliche Features wie Loopback und Scene-Speicher.
- Fazit: Preisgünstiges, vielseitiges Interface mit kleinen Workflow-Schwächen, ideal für Einsteiger und mobile Setups.
Inhaltsverzeichnis
Übersicht und Ausstattung
Das Roland GO:MIXER STUDIO präsentiert sich als handliches Desktop-Gerät in unaufdringlicher, schwarzer Optik. Die leicht angeschrägte Oberfläche ist ideal für den Einsatz auf dem Schreibtisch. Alternativ lässt sich das Gerät dank einer Buchse am Boden auch auf ein Stativ schrauben.
Zentrales Bedienelement des Roland GO:MIXER STUDIO ist das farbige LC-Display auf der Oberseite, flankiert von fünf Endlosdrehreglern und zwei Tastern. Über diese Elemente lässt sich ein Großteil der Mixerfunktionen steuern. Deutlich komfortabler gelingt die Bedienung jedoch über die dedizierte Software für Mac und PC, die die Oberfläche des integrierten Mischpults vollwertig auf dem Bildschirm darstellt und editiert und die wir uns später im Test noch anschauen werden.
Ein- und Ausgänge des GO:MIXER STUDIO
Roland hat dem GO:MIXER STUDIO eine ganze Anzahl an Ein- und Ausgängen spendiert, die ich euch hier im Folgenden einmal einzeln auflisten möchte. Man sieht direkt wie vielfältig sich das Gerät dadurch einsetzen lässt.
- Eingänge:
- zwei XLR-Buchsen für Mikrofonsignale
- zwei Line-Eingänge mit 6,3-mm-Klinken
- ein weiterer Stereo-Eingang als 3,5-mm-Aux-Input
- ein hochohmiger Eingang, speziell für Gitarren und Bässe
- Ausgänge:
- zwei Kopfhörerausgänge (einmal 6,3 mm Klinke, einmal 3,5 mm Klinke). Der 3,5-mm-Anschluss erlaubt auch den Betrieb eines Headsets mit integriertem Mikrofon, wodurch ein zusätzlicher Eingang entsteht.
- zwei symmetrische Line-Ausgänge (Klinke) für den Anschluss von Studiomonitoren
- MIDI:
- zwei 3,5-mm-Klinkenbuchsen für MIDI-In und MIDI-Out, wobei hier Adapter erforderlich sind.
Stromversorgung und Anbindung
Die Verbindung zu iOS-Geräten, Mac oder PC erfolgt über ein USB-C-Kabel. Auf diese Weise kann das Roland GO:MIXER STUDIO ganz ohne externe Stromversorgung betrieben werden. Eine separate Stromversorgung ist jedoch über einen zweiten USB-C-Port möglich. Diese ist notwendig, um beispielsweise die Phantomspeisung für Kondensatormikrofone zu nutzen, da diese nicht über den USB-Bus bereitgestellt werden kann.
Die zweite USB-C-Buchse ist klugerweise auch in der Lage, das angeschlossene iOS-Gerät zu laden – eine sehr nützliche Funktion, da der Akku von iPhones oder iPads im Aufnahmebetrieb sonst schnell entladen wäre. Zur Stromversorgung können wahlweise eine Powerbank oder ein Netzteil für den stationären Einsatz verwendet werden.
Treiber, Software und Effekte
Unter macOS arbeitet das Roland GO:MIXER STUDIO class compliant, was eine sofortige Nutzung ohne Treiberinstallation ermöglicht. Für Windows-Nutzer steht ein entsprechender ASIO-Treiber auf der Roland-Website zum Download bereit. Ebenfalls dort zu finden ist die Mixing-Software Go:Mixer Editor.
Diese Software bietet eine grafische Oberfläche für den integrierten Mixer. Das virtuelle Mischpult ist erfreulich umfangreich und dient zur Verwaltung aller Ein- und Ausgänge, was es zum perfekten Werkzeug für das Erstellen eines latenzfreien Kopfhörer-Mixes für aufnehmende Musiker macht. Darüber hinaus bietet jeder Eingangskanal einen Equalizer und einen Kompressor, ergänzt durch einen global Reverb, den man pro Kanal per Send zumischen kann. Roland betont, dass diese Effekte an legendärer Studio-Hardware orientiert sind:
- Kompressoren: Die Emulationen sind klar erkennbar – ein SSL-Bus-Kompressor, ein LA-2A und ein 1176 von Urei
- Equalizer: Ein einfaches, vollparametrisches 3-Band-Modell
- Reverb (Hall): Verschiedene Modelle stehen zur Auswahl, die sich primär in ihrer Nachhallcharakteristik unterscheiden. Länge, Pre-Delay-Zeit und Höhendämpfung sind zusätzlich beeinflussbar
Ein sehr flexibles Detail ist die individuelle Definition pro Kanal und Effekt, ob dieser nur im Monitoring-Weg hörbar sein oder tatsächlich mit aufgezeichnet werden soll. Die Wandlung an Ein-und Ausgängen erfolgt mit 24 Bit und bis zu 192 kHz. Weitere technische Daten gibt Roland GO:MIXER STUDIO nicht an.
Natürlich haben wir für euch auch die Latenzwerte des GO:MIXER STUDIO gemessen (mit 48 kHz / 32 Bit).
Zum Einsatz kam ein MacMini 2 mit Logic Pro:
- 32 Samples: 7,6 ms Roundtrip (3,7 ms Ausgang)
- 64 Samples: 8,9 ms Roundtrip (4,4 ms Ausgang)
- 128 Samples: 11,6 ms Roundtrip (5,7 ms Ausgang)
- 256 Samples: 16,9 ms Roundtrip (8,4 ms Ausgang)
Das sind alles Werte, die für ein Interface dieser Klasse völlig in Ordnung gehen, aber natürlich weit davon entfernt sind, was aktuelle Interfaces der Spitzenklasse leisten können.
Die Klangqualität der Effekte ist durchweg solide. Man sollte zwar kein High-End-Niveau erwarten, aber sie sind absolut praxistauglich. Speziell der Kompressor hat mir gut gefallen. Wer seine Signale ohnehin direkt im gewünschten Sound aufzeichnen möchte, kann dies bedenkenlos tun.
Die Bedienung des Mixers über die Software empfinde ich als etwas umständlich, da die Oberfläche bewusst schlicht gehalten ist und das Editieren der einzelnen Effekte jeweils den Aufruf eines eigenen Menüs erfordert. In diesem extra Fenster muss ich dann wiederum für jeden Parameter, zum Beispiel die Güte eines EQ-Bandes, noch ein weiteres Fenster öffnen, um dann diesen Parameter bearbeiten zu können. Dies hält zwar den Mixer übersichtlich, bremst aber den Workflow etwas aus. Im normalen Aufnahmebetrieb muss man aber auch nicht ständig an den Effekten schrauben. Von daher ist dieser Kompromiss wohl verschmerzbar.
Zusätzlich bietet das Gerät die Option, einzelne Kanäle auf Loopback zu schalten, was es ermöglicht, beispielsweise Background-Musik direkt mit aufzuzeichnen. Dies ist ein Feature, das sich primär an Content-Creator wie Podcaster richtet, aber auch für Musiker, die zu Backing-Tracks aus der DAW jammen oder live performen wollen, ist es eine willkommene Ergänzung.
Go:Mixer Cam App
Für alle, die mit dem Roland GO:MIXER STUDIO Video-Content erstellen wollen, hat Roland die spezielle Go:Mixer Cam App für iOS bereitgestellt. Der besondere Clou dieser App: Sie kann die einzelnen Kanäle des Roland GO:MIXER STUDIO separat aufzeichnen. Das verschafft z. B. Content-Creator die Möglichkeit, ihren Ton in der Postproduktion nachträglich zum Video zu optimieren. Eine extrem hilfreiche Funktion für Videoproduktionen jeder Art. Aber auch zum Erstellen von einfachen, unplugged Videos kann diese Funktion sehr hilfreich sein. Man kann sich selbst oder andere einfach mit der iPhone Kamera aufzeichnen und hat hinterher die Möglichkeit, noch den Klang der einzelnen Instrumente zu optimieren.
Roland GO:MIXER STUDIO im Standalone-Betrieb
Das Roland GO:MIXER STUDIO kann darüber hinaus auch als Standalone-Gerät genutzt werden. Ein ideales Einsatzgebiet ist beispielsweise ein kleines Konzert oder eine Straßenmusik-Session mit minimalem Equipment. In Verbindung mit einer aktiven Mini-PA lassen sich so etwa ein Singer-Songwriter-Auftritt oder ein aufwendigeres Akustik-Setup professionell verwalten und mischen.
Einsatz in der Praxis
Zunächst habe ich das Roland GO:MIXER STUDIO bei mir im Tonstudio als Audiointerface installiert. Hier erwies er sich als praktische Schaltzentrale bei Aufnahme und Mischung. Gerade für Musiker, die sich oft selbst aufnehmen, ist das kompakte Gerät ideal. Es steht direkt auf dem Tisch und bietet schnellen Zugriff auf alle Funktionen. Ob Akustikgitarre, Gesangsspur oder Bass – die Aufnahmen gelingen problemlos und klingen gut. Wie zu erwarten, waren alle Aufnahmen rauschfrei und klanglich neutral.
Besonders hervorzuheben ist die Nutzbarkeit der internen Kompressoren. Sie haben mir beispielsweise bei Aufnahmen mit E-Bass gut gefallen, vor allem die LA-2A-Variante lieferte gefällige Ergebnisse, die das Basssignal schön verdichteten und rund erklingen ließen. Auch den Equalizer habe ich meist direkt eingestellt, um etwa beim Gesang die Höhen sanft anzuheben oder eine störende Resonanz vor der Aufnahme abzusenken. Leider gibt es beim Equalizer aber keinen Low-Cut, um störende Frequenzbereiche im Sub-Bass direkt bei der Aufnahme zu eliminieren. Hier ist man gegebenenfalls auf den Low-Cut am Mikrofon angewiesen oder muss das Ganze hinterher in der DAW erledigen.
Die Möglichkeit, das Roland GO:MIXER STUDIO auf einem Stativ zu montieren, fand ich beim Aufnehmen von Akustikgitarren sehr hilfreich. Ich konnte das Gerät direkt neben mir positionieren und musste die Gitarre nicht ständig ablegen, um Einstellungen am Rechner vorzunehmen – alles war direkt im Zugriff.
Das Roland GO:MIXER STUDIO kann bis zu 16 sogenannte Scenes speichern – also Voreinstellungen aller Parameter und des Mischpults. Angesichts der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, die das Gerät bietet, ist dies ein sehr hilfreiches Feature. So kann man für jeden Workflow (z. B. Recording, Live, Podcast) ein eigenes Setup anlegen und dieses sofort abrufen.
Auch die Nutzung der Go Mixer Cam App verlief reibungslos. Es war problemlos möglich, mehrere Spuren parallel zum Video auf dem iPhone aufzunehmen und diese anschließend in der DAW (in meinem Fall Logic Pro) nachzubearbeiten.






































Wenn ich die Abmessungen richtig einschätze, dann ist das Gerät tatsächlich sehr klein! Meine tendenziellen Wustfinger könnten sich ggf. Im eng angeordneten Layout verwursteln… 😬
Der Preis/Leistung bei diesem Konzept wirken auf mich wirklich attraktiv. Das Gerät würde ich gern mal antesten. 👋😃👍
Danke für die Anregung. 🫠
„Unter macOS arbeitet das Roland Go Mixer Studio class compliant, was eine sofortige Nutzung ohne Treiberinstallation ermöglicht. Für Windows-Nutzer steht ein entsprechender ASIO-Treiber auf der Roland-Website zum Download bereit.“
Das ist eindeutig zu oft so. So weit ich weiss, bietet doch auch Windows eigene Programmroutinen, die eine klassenkompatible Nutzung erlauben. Warum geht das nicht ohne zusätzliche Treiberinstallation? Das erhöht doch eindeutig die mögliche Nutzungsdauer eines Gerätes. Von mir aus alternativ klassenkompatibel, falls der Windowstreiber nicht optimal sein sollte.
@Tai , WASAPI und Audiograph als neue Low Latency Schnittstellen in W10/W11 noch recht neu für Classcompliant USB Audio Interfaces. Vermutlich kann das die Firmware oder der USB Chipsatz nicht. Und so schnell wie Windows die Hemden wechselt, kommen die OEMs nicht hinterher. Die gehen dann lieber auf Nummer sicher oder machen sich von Windows unabhängig, so weit das geht.
@TobyB Ja, wäre schlüssig. Nur heisst die Kosequenz: Das Gerät geht so lange, wie Roland Treiber liefert. Keine gute Option. Denn die Hersteller haben irgendwann keinen Bock, für längst verkaufte Ware Treiber zu aktualisieren. Die vorbildlichen Hersteller mal aussen vor.
@Tai , auch der GO Mixer hat wieder für Windows den Vendor Schalter, also Classcompliant oder nicht. Das Problem ist die Windows HW und OS. Solange dort nicht alle USB OEM die Microsoft Spezifikation einhalten braucht es halt Treiber. Ich versteh auch nicht warum es in 2026 so schwer ist, einen W11 konformen Multichannel USB Audio Class 2.0 Apdater zu integrieren. Für Roland ist das ja auch unnützes erzeugen von Codezeilen. Und für den Anwender unter W10/W10 wird zu Plug and Pray.
Gefällt mir sehr gut, auch vom Formfaktor her. Kann mir einige Szenarien vorstellen wo ich das Teil nützlich einsetzen kann.